Migration, Integration, Inklusion in der neuen Heimat. Chance oder Selbstverleugnung?

Die Problematik, zwischen zwei Kulturen zu leben. Beispielhaft an einer Familie dargestellt


Fachbuch, 2015
295 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführende Gedanken

Kapitel 1
Was versteht man unter den Begriffen Migration und Integration
Der Terminus Migration?
Seit wann spricht man von Migration?
Grundgesetz §16 im Wortlaut
Was versteht man unter dem Begriff Integration?
Unterschiedliche Definitionen
Anforderungen an die Menschen mit Migrationshintergrund
Definition des Terminus Integration nach Georg Feuser
Das Integrationsamt im Bezug auf Menschen mit Behinderung
Aufgaben des Integrationsamtes
Leistungen des Integrationsamtes
Die Organisation des Integrationsamtes in den Bundesländern

Kapitel 2.
Migration am Beispiel Deutschland
Migration in die Europäische Union – Zahlen, Daten, Fakten
Grafik zur Zuwanderung in die Europäische Union
Grafik zum Verhältnis der Zuwanderer und der Gesamtbevölkerung
Grafik zum Wandersaldo in der Europäischen Union
Ein Blick auf den geschichtlichen Verlauf von Migration
Migrationsentwicklung von 1955 –
Aussiedler –, Flucht –, Asyl – und „illegale“ Migration
Migration und die politische Partizipation
Bildungsprobleme im Blick auf die Migration
Die Arbeitsproblematik angerissen
Migration und die damit verbundenen Probleme
Statistische Erhebungen
Migration und volle Freizügigkeit für Rumänien und Bulgarien
Zahl der Asylbewerber seit 1997 auf dem höchsten Stand
Viele Einwanderer kommen aus den Balkanländern
Politiker wollen den Aufenthalt der Asylbewerber schneller beenden
Erst kamen Gastarbeiter, dann Asylanten, nun EU – Bürger
Ohne Integration keine Migration und damit keine inklusive Gesellschaft
Bevölkerungswachstum und Migration: Probleme mit Zukunft?
Verändert der Fortschritt den Lebensstandart?

Kapitel 3.
Migration und Migarionverdständnis in anderen Ländern
Die Nachbarländer Österreich und die Schweiz
Großbritannien
Frankreich
Migration in den Vereinigten Staaten von Amerika
Bemühungen um eine europäische Migrationspolitik
Polen: Aktuelle Entwicklung erfordert neue Ansätze (Migrationspolitik)
Migration am Beispiel Russland
Angetrieben von Hoffnung und einer unendlichen Verzweiflung
Betroffene beschreiben ihre damalige Situation
Ein Hauptproblem
Probleme in der interkulturellen Zusammenarbeit

Kapitel 4.
Die Frage nach den Ursachen einer Auswanderung
Warum wandern Menschen aus?
Bessere Job – Chancen, ein Hauptgrund
Die wichtigsten Gründe an einer Grafik dargestellt
Auswanderer haben ein höheres Bildungsniveau
Grafik zum Bildungsniveau
Rückkehr aus familiären Gründen
Auswanderung ein Trend?
Abenteuerlust
Aufstiegschancen
Altersarmut
Irrsinn in der Bürokratie
Das bessere Wetter
Gesundheit
Steuergründe
Positive Urlaubserlebnisse
Zukunftsszenarien für Deutschland
Auswanderung aus Liebe
Mehr Natur
Jobperspektiven
Freizeit und Lebensqualität
Die häufigsten Gründe für eine Auswanderung
Fünf Gründe für eine Auswanderung

Kapitel 5
Ist das Problem der Migration das Problem einer offenen Gesellschaft?
Zukünftige Herausforderungen
Fachemigration mit Mitgliedsstaaten – Beispiel SADC
Migrationspolitische Ausrichtung und Xenophobie
Integration, Asylsystem und Datenlage
Statistik zur Zahl der Migranten und ihrem Herkunftsland
Freunde und Freundsein
Vielfältige Erlebnisformen
Segregation – ein vielschichtiges Phänomen
Anforderungen an die Aufnahmegesellschaft
Sich daraus ergebende Fragen
Die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland
Die häufigsten Probleme bei Migranten
Ängste vor Fremden – und Ausländerfeindlichkeit, Rassismus
Pauschale Vorurteile – die Diskriminierung
Die Probleme im Umgang miteinander Migranten
Grafik zu Beschimpfungen, Zielgruppen, Ursachen und der Kampf dagegen
Ziele und leitende Grundsätze der Vereinten Nationen für
Bildung, Wissenschaft und Kultur, vom 03. – 21.10
Ist das Leben zwischen zwei Kulturen doch eine Bereicherung?
Ein Zwischenfazit
Einwanderung erzeugt negative Gefühle im Einwanderungsland

Kapitel 6
Migration und Integration in Deutschland
Zur geschichtlichen Entwicklung
Statistische Erhebungen
Herkunftsländer
Einwanderungspolitik
Der rechtliche Status in Deutschland
Unterteilung der Einwanderer in Gruppen
Gerechte Verteilung – Flüchtlingsquoten
Die Begegnung mit einer türkischen Familie
Die Familien tasten die verschiedenen Kulturen behutsam ab
Über die Nachhilfe zu einem engeren Kontakt zur Familie

Kapitel 7.
Wir lernen die Religion des anderen kennen
Die Shahada – das Glaubenszeugnis
Die Salat – das Gebet
Zakat und Sadaqa
Die Berechnung des Almosens
Das Saum – das Fasten
Die Pilgerfahrt nach Mekka
Erläuterung/Übersetzung einiger religiöser Begriffe
Ein gemeinsamer Besuch der Moschee in Side, Türkei
Begegnung mit einem Imâm vor einer Moschee in Side, Türkei

Kapitel 8.
Probleme exemplarisch an der türkischen Familie dargestellt
Fragen zur Erziehung der Kinder
Erziehungsstile
Die praktizierte Religion
Die religiöse Erziehung
Die geschlechtsspezifische Erziehung
Möglichkeiten der Hilfe für den Vater
Das Problem Schule
Die Angst der Mutter
Ist die Krankheit des Vaters Handlungsbestimmend?
Die Suche nach Geborgenheit
Die totale Verzweiflung bei Mustafa
Weihnachten feiern – erneute Gewaltprobleme werden deutlich
Ich werde Zeuge eines Gewaltausbruchs „wenn Nerven kommen“
Freiheit der „Gefühle“ bei Mustafa
„Mein Auto ist weg“ war die Botschaft eines Anrufes
Immer wieder Probleme und Hilfe
Probleme über Probleme
Eine spürbare Veränderung
Mustafa entwickelt neue Wesenszüge
Meine Familie – deine Familie
Meine Familie
Lob und Tadel
Ich soll eine Scheinanmeldung tätigen
Wir werden aus der Familie ausgegrenzt
Ein Termin auf dem Jugendamt
Das individuelle Wahrheitsverständnis
Die Familie denkt um und geht neue Wege bei Erziehungsfragen
Neue Wege im Umgang mit der Schule werden notwendig und beschritten
Der Kurs der Schule ändert sich
Der Kampf um den Erhalt des Arbeitsplatzes

Kapitel 9
Wie ist Freundschaft aus Sicht des Korans, beziehungsweise aus
christlicher Sicht zu verstehen?
Das Freundschaftsverständnis auf moslemischer Seite
Sinn und Bedeutung von Freundschaft bei Christen
Wünsche für Freunde und deren Eigenschaften benennen
Wie man Freunde gewinnt und behält
Freund eines anderen Menschen zu sein heißt nicht sich selbst aufzugeben
Welche Bedeutung hat Freundschaft in einer moslemischen Familie?
Mustafa und seine Problematik mit Deutschen
Freundschaft und das Familienverständnis davon
Fehler im Freundschaftsdenken
Viele Frage und Bedenken überschatten und belasten die Freundschaft
Beispiele für religionsübergreifende Freundschaften:
Derryl – ein Deutsch/Amerikaner mit dunkler Hautfarbe
Aytin und Ayhan mit den Kindern Leila und Deniz
Ali, der marokkanische Rollstuhlfahrer
„Ich bin Mama Harkan“
Eine andere Familie: Mert
Nuh und sein Lernprozess in Deutschland
Papo
Mein Freund Akif; der Journalist, mit seiner Familie

Kapitel 10
Verstehen und verstanden werden
Das Hierarchieverständnis im Islam
Ehrlichkeit gegen jedermann
Wann muss ein Moslem helfen?
Was sind Pflichten im Islam
Kann ein Moslem die Pflichten selbst gewichten?
Welchen Stellenwert hat der Koran
Ist eine andere Religion ein Hindernis für eine Freundschaft?
Religiöse Feste und die Teilnahme von nicht Moslemen daran?
Ehrlichkeit im Islam
Neid unter Moslemen
Gebetsriten
Unterschiede in den Büchern
Wann ist ein Mensch arm und muss nicht opfern?
Kinder und das Fasten im Islam?
Das Opferfest
Wann ist ein Kind erwachsen?
Das Erziehungsverständnis im Islam
Welche Strafe kennt man im Islam?
Sprachbarrieren ziehen nicht immer Verstehensprobleme nach sich
Beispiel: Ein moslemischer Rollstuhlfahrer und seiner Familie
Beispiel: Eine deutsch/türkische Familie hat ihr Glück gefunden,
Tamer und seine Familie
Die binationale Ehe als eine Herausforderung
Wie gut halten binationale Ehen?

Kapitel 11
Miteinander feiern
Der 6. Dezember – Nikolaustag
Kommt der Nikolaus auch mir?
Das Handy meines Sohnes geht verloren
Wir warten gemeinsam auf den Nikolaus – niemand spricht darüber
Ein Nikolaus und seine Erklärungen
Ein glücklicher Mustafa steigert die Stimmung unermesslich
Die Nikolausüberraschung in meinem Haus
Wir feiern Weihnachten mit Mustafa und seiner Familie bei uns
Eine gute Stimmung droht zu kippen
Die neue Erkenntnis: Verstehen ist das eine, umsetzen das andere
Eine deutsch – türkische Geburtstagsfeier
Logistische Fragen und Probleme im Vorfeld der Feier
Eine Geburtstagsfeier ohne Eltern im Ausland?
Die neue Planung bereitet viele neue und unbekannte Schwierigkeiten
Das Problem Schule
Zur Vorgeschichte
Drohende Folgen für Mustafa im Bezug auf Geburtstag und Urlaub
Große Unsicherheiten und Angst bei den Eltern

Kapitel 12
Urlaubsplanungen
Wir planen für meinen Sohn und mich den Urlaub
Alles kommt anders
Mustafas Vater stimmt zu, wir sind mit dem Ziel überrumpelt
Das Reisebüro plant neu für uns
Der Urlaub hat negative Folgen für die Familien
Der Urlaub und seine Probleme mit der Erkrankung Mustafas
Mustafa bettelt – will wieder mit uns in den Urlaub
Ein neues Urlaubsziel kann für Mustafa und mich gebucht werden

Kapitel 13
Die Familien lernen sich in Deutschland und in der Türkei kennen
Ein Besuch in meiner Heimatstadt und meinen Eltern
Wir planen eine Studienfahrt nach Hatay in der Türkei
Die Reise beginnt –
wir werden von der in der Türkei lebenden Familie abgeholt
Mustafas heimliche Aktionen
Schöne Erlebnisse in Hatay
Wir lernen die Heimat von Mustafas Vater und dessen Familie kennen
Erneut verändert sich der Junge auf uns unbekannten Grundlagen
Wir gestalten den Alltag und die Freizeit
Fleiß wird auf unterschiedliche Weise (Tokken) belohnt
Phantasialand in Brühl bei Köln
Klostern Engelsberg bei Miltenberg
Freizeitpark Fort Fun in Bestwig im Sauerland
Aktiv im Fußballverein
Besuch im Heinrich – Kraft – Park in Frankfurt, Schwimmbadbesuche
Fahrradtoren mit meinem Sohn
Token zeigen Wirkung in der schulischen Leistung

Kapitel 14
Probleme im Umgang miteinander
Die Schule belastet mit der Einstellung der Klassenlehrerin
Probleme in Verbindung mit dem Türkeiurlaub
Mustafas Vater fliegt in die Heimat, die Probleme verschärfen sich vor Ort
So trägt Mustafa zur Verschärfung der Probleme bei
Probleme mit dem Tunesienurlaub
Das große Missverständnis
Grenzen im Umgang miteinander erkennen und akzeptieren

Abschließende Gedanken.
Intrigen von außerhalb und innerhalb der Familie bestimmen das Projekt
Mustafa – Hintergründe zu seinem Verhalten
Haustaufe in Frankfurt
Besuch in Hatay
Die Familie vor Ort
Planungen werden ausgehebelt
Aufklärung im Bereich der Intrigen
Ein Projekt hat leider nicht den erhofften Erfolg
Die Chance einer Inklusion
Abschließendes Fazit

Glossar

Literaturnachweis

Bildnachweis

Korantexte chronologisch geordnet

Sunnatexte

Band I und II chronologisch geordnet

Bibelstellen

chronologisch geordnet

Biografie/Bibliografie

Einführende Gedanken

„Das Fremde und das uns Vertraute“

Das Fremde und das uns Vertraute

macht uns entweder Angst oder gibt uns ein gutes Gefühl.

Damit ist aber nicht notwendigerweise gesagt,

dass der Ausländer in jedem Fall der Fremde

und der Deutsche der Vertraute ist.

Ein Hooligan ist fast allen Deutschen etwas vollkommen Fremdes,

das ihnen zuwider ist,

aber ein ausländischer Kollege am Arbeitsplatz

oder auch der italienische und jugoslawische Gastwirt

sind uns doch vollkommen vertraut.

(Zitat von Richard von Weizsäcker, deutscher Bundespräsident 1984 – 1994)

„Gummernjud“, „H…ensohn“, „Nazi“, „Spaghettifresser“, „Kanak“ oder auch „Sch... Ausländer“, „was die Juden hinter sich haben, das haben die Türken vor sich“ sind in den letzten Jahren zu Formulierungen und Begriffen geworden, die besonders häufig aus dem Mund von Deutscher Bürgern in allen Schichten und ebenso von Migranten (Kartoffel für Deutsche) kommen, sind gesellschaftsfähig saloonfähig geworden. „Schau mich nicht so blöd an“ wird ebenso als be – leidigend empfunden wie „F…. deine Mutter“, willst du Ärger“, „du Nutte“ oder wie die vielen andere äußerst unpassenden „Anreden“.

Überraschenderweise werden Formulierungen dieser Art Menschen aller Nationen verwendet, also Einheimische ebenso wie Migranten, in beide Rich – tungen und in gleicher Weise, völlig unabhängig von der Staatsbürger schaft des Anderen. Sie dienen der reinen Provokation und werden leider oft nur dazu eingesetzt, um mit anderen oder an anderen Menschen den persönlichen Frust abzureagieren.

Viele Menschen stoßen bei diesen Erfahrungen dann an die Grenzen ihres Glaubens; es kommt nicht selten vor, dass die Betroffenen auf beiden Seiten verzweifelt sind, mit ihrer Religion und Gott hadern und sagen: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann kannst du das alles doch nicht zulassen: Das Elend auf dieser Welt, die Naturkatastrophen, den Hunger, die religiösen Auseinander – setzungen, die Glaubenskriege, den politischen Krieg, der so viel sinnlose Gewalt, den absolut unnötigen Tod und das große Elend mit Leid und Schmerz für unschuldige Menschen mit sich bringt; wenn es dich gibt, warum bestrafst du mich, was habe ich denn nur verbrochen?“

Ich sage nichts Neues, wenn ich an dieser Stelle konstatiere, dass es auf keine Frage dieser Art eine wirkliche und echte Antworte gibt, für keinen Menschen, denn Gott antwortet auf seine und für Menschen nicht immer sofort wahr – nehmbare Weise. Die Antworten, die er mir in meinem Leben für einen nicht unwesentlichen und in der Folge mich stark prägenden Lebensabschnitt gab, habe ich in diesem Buch dargestellt.

So unterscheide auch ich mich im Kern eigentlich nicht von anderen Menschen, es sei denn, man legt meine sichtbare Behinderung oder den Versuch als aktiver und praktizierender Christ zu leben zu Grunde. Ich bin infolge einer Erkrankung zum Rollstuhlfahrer geworden, von Hause aus Religionslehrer. Bei einem Besuch in Frankfurt wurde mir an einer für mich zu engen Stelle klar und un – missverständlich erklärt: „Dieser Durchgang ist nur für Menschen!“ Da stellt sich dann schon die Frage: Was bin ich? Bin ich kein Mensch?

Im Alltag musste ich leider immer wieder die Erfahrung machen, dass religiöse und kulturelle Grenzen das Zusammenleben mit Menschen anderer Nationen und Religionen häufig sehr schwer und sogar fast unmöglich machen.

In allen möglichen und den unterschiedlichsten Situationen stoße ich auf Sprachbarrieren, auf ein schon fast allgemeines Gegeneinander, anstatt auf ein sich um den anderen Menschen bemühendes Miteinander. Theodor Jacob[1] würde in diesem Zusammenhang sagen: Vom ICH zum DU zum WIR!

Die politische Lage ist seit Jahren auch nicht unproblematisch; ich denke dabei an die vielen Diskussionen darüber, ob auf den Schulhöfen nur Deutsch ge – sprochen werden darf, Migrantenkinder wirklich besonders gefördert werden müssen, an die teilweise harten Auseinandersetzungen um die Zwangver –heiratung in moslemischen Familien, an die überaus schwierige Einschätzung zum Geschehen um den Ehremord (Familienverständnis) bis hin zur Kopftuch – diskussion und den daraus resultierenden Problemen in den Schulen (Sport – unterricht) und Arbeitsplatz (Mobbing), bis hin zu den doch sehr fragwürdigen Wahlveranstaltungen, die sich gezielt gegen Ausländer richteten.

Sehr betroffen musste ich die Frage an politischen Informationsständen ver –schiedener Parteien (im Landeswahlkampf in Hessen unter dem früheren Ministerpräsidenten Roland Koch) von älteren und auch jüngern Bürgern hören: „Wo kann ich gegen Ausländer unterschreiben“? An einer Mauer am Stadtrand, sie ist natürlich wieder neu gestrichen, fand ich den schlimmsten Text, den ich je in diesem Zusammenhang gelesen oder auch gehört hatte: „Was die Juden hinter sich haben, das haben die Türken noch vor sich“! Das alles hat mich sehr nachdenklich gemacht und zur Entstehung dieses Buches ganz entscheidend beigetragen.

Was nun in den vorliegenden Seiten zu lesen ist, werden in diesem Buch exemplarisch die Probleme, die Hilflosigkeit, sowie die Unwissenheit um die Religion des Anderen und die daraus resultierenden doch sehr problematischen Verhaltensweisen beschrieben.

Eine dringend notwendige Wissensvermittlung und schlichte Informationen sollen eine Gesprächsgrundlage dafür bilden, dass sich nicht im persönliches Denken und Handeln, das sich viel zu oft in den bereits beschrieben Formu – lierungen, den Vorurteilen und pauschalen Verurteilungen des Zeitgeistes weiterhin erschöpft und ausdrückt; wer auf den Zeitgeist aufspringt, der wird sehr schnell eine wie auch immer geartete Scheidung erleben.

Aus dieser Überzeugung heraus ergibt sich dann die Konsequenz einer Not – wendigkeit gegen den Strom zu schwimmen; gegen den Zeitgeist zu schwim – men heißt für mich aber auch, dass die Aufforderung Jesu im Blick auf die Nächstenliebe[2] („Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken“ und „deinen Nächsten wie dich selbst“) ernst zu nehmen, sie trotz eines unvermeidbaren gewissen „Alltagstrotts“ nach bestem Wissen und Gewissen umzusetzen.

„Das ist es, was Allah seinen Dienern verheißt, die glauben und das Rechte tun. Sprich: Ich verlange keinen dafür keinen Lohn von euch. Aber liebt dafür (euere) Nächsten. Wer eine gute Tat begeht, dem werden Wir gewiss noch mehr an Gutem erweisen. Allah ist fürwahr verzeihend und erkenntlich“[3], sagt, wie ich aus meinem Studium und nach Nachlesen wusste, der Koran zu diesem Thema.

Warum sollte ich also nicht versuchen, meinen Glauben zu leben und nach bestem Wissen und Gewissen umzusetzen? Ich will und kann nicht verstehen, dass es nicht möglich sein soll, miteinander statt gegeneinander zu leben; schließlich sind doch alle Menschen auch Menschen mit Herz und Gefühl, unabhängig von ihrer Nation und ihrer ganz persönlichen Glaubens – überzeugung.

Ebenso wie Frau Spuler – Stegemann denke ich, dass es sowohl für Muslime wie auch für Christen möglich sein muss gemeinsam zu handeln[4].

Im beruflichen, schulischen und im privaten Bereich kann sich so vielleicht etwas verändern; Moslemen leben klar nach dem, was der Koran[5] (das Wort Koran kommt von dem Arabischen Kuran und heißt übersetzt: das „oft zu lesende“ Buch; genau genommen hat das Wort als Wurzel das hebräische Wort „kara“ – übersetzt heißt das „lesen“) ihnen einerseits und der Imâm andererseits sagen, mehr oder weniger streng, je nach persönlicher Prägung und Über – zeugung.

Persönliche Erfahrungen und persönliches Erleben sind dabei mit den Grund –zügen und dem Selbstverständnis des Islams verknüpft; es wurden von mir mit vielen Moslemen persönliche Gespräche geführt; ständig war ich in Infor –mationsgespräche mit meinen moslemischen Freunde „verwickelt“ und habe last but not least Moscheen in verschiedenen Städten und Ländern besucht, Gebete in Moscheen und auch in meinem eigenen Wohnzimmer miterlebt, mit verschiedenen Imâmen gesprochen und die Inhalte so genau wie möglich auf – geschrieben.

Ich erhebe bei diesem Buch nicht den Anspruch wirklich jeden Blickwinkel und jedes Detail der Religionen und aller Probleme beleuchtet zu haben; Ziel dieses Buches ist aber, Probleme, wie sie jedem Menschen im Alltag begegnen auch zu benennen, sie zu besprechen, zu verstehen und sie so zu behandeln, dass neue Wege gefunden werden können, ohne dabei verletzend zu sein.

Diese Buch, das persönliches Denken und Handeln darstellt, kann darum immer nur ein Blickwinkel aus der persönlichen Erfahrung, den Gesprächsergebnissen und erarbeiteter Literatur sein; es werden Probleme an Hand kleiner perspek – tivischer Ausschnitte dargestellt und verdeutlicht, Probleme und Schwierig –keiten einer moslemischen Familie ansatzweise dargestellt.

Eine Zielbeschreibung für dieses Buch lässt sich so formulieren: Es ist der Versuch, die ganz besondere Problematik der Menschen, die häufig nicht unsere Sprache sprechen, aufzuzeigen, sich ergebende Zusammenhänge die das Zu – sammenleben deutlich erschweren zu verstehen, um auf diesem Weg weiter – gehende Informationen über die Religion um so das teilweise befremdende Verhalten dieser Menschen zu verstehen. Aus diesem Grund finden sich in diesen Buch viele Informationen über die Religion, Texte aus der Sunna und Texte aus dem Koran um so den religiösen und kulturellen Hintergrund zu untermauern, zu erklären und zu verstehen.

Mustafa, der älteste Sohn der im Buch beispielhaft beschriebenen Familie stand zwischen zwei Familien, zwischen zwei Kulturen und Religionen. Das hieß für ihn konkret, dass er einerseits helfen, aber dabei der eigenen Familie und den Eltern nicht wehtun wollte. Da er aber verstanden hatte, worum es für ihn in seiner Problematik ging, unter anderem die Methode des Lernens begriffen hatte, musste er nach einer gewissen Zeit, wie man in Deutschland sagt, „schwimmen gelernt hatte, auch alleine weiter schwimmen“.

Die elterlichen/mütterlichen Ängste[6] ihn zu verlieren, weil er sich möglicher – weise gefühlsmäßig zu eng an andere, fremde Menschen binden könnte, konnten deshalb durch seine Einstellung, seiner Loyalität und dem Gehorsam der Familie gegenüber letztlich zerstreut werden.

Ich habe auch heute, Jahre später, keinerlei Zweifel daran, dass seine Bindung zu seiner Familie stärker war und ist als alles andere auf der Welt; deshalb brauchten die Eltern natürlich auch keine Angst zu haben (obwohl sie latent immer vorhanden war) ihn zu verlieren; seine Liebe, sein Herz und alle seine Gefühle gehörten immer und gehören auch heute ganz alleine seiner Familie, so wie es in den Glaubensgeboten des Islam gelehrt wird: Eltern müssen mit Ach – tung, Respekt und Ehrerbietung behandelt werden. Strafen dienen der Vervoll – kommnung des jungen Menschen und sind daher richtig und notwendig, sodass dafür Dankbarkeit angebracht ist[7].

Ziel aller Bemühungen um Integration und Inklusion auf beiden Seiten muss deshalb sein, die Lebensqualität der Menschen, sowohl der Migranten wie auch der Einheimischen zu verbessern:

- Integration hin zur Inklusion statt einer Isolation.
- Vertrauen und Zuneigung statt der seelischen Flucht.
- Stärke statt einer Depression.
- Statt Angst Freude am Alltag und der Freizeit
- Eingebundensein statt ausgeschlossen zu sein.
- Zufriedenheit statt Heimweh.
- In einem fremden Land ohne Reue zu leben.

Ich wünschen Ihnen, liebe Leserin lieber Leser auf ihrem Weg der begleitenden Hilfe oder als Betroffner auf dem Weg nach einer neuen Heimat viel Erfolg und Gottes Segen.

Ihr Autor

Günter – Manfred Pracher

Hanau, im Sommer 2015

Kapitel 1

Was versteht man unter den Begriffen Migration und Integration?

Der Terminus Migration

Migration, von dem lateinisch Terminus migrare = abgeleitet, ausziehen, auswandern, bezeichnet jede räumliche Bewegung, durch die sich der Wohnort eines Menschen oder auch Menschengruppe dauerhaft ändert. Streng ge –nommen ist der Begriff „Flucht“ als ein Sonderfall der Migration anzusehen. Grundsätzlich aber gilt, dass aber die meisten Menschen ihre Heimat nicht ohne triftigen Grund (häufig Lebensbedrohung, Krieg oder ähnlich bedrohenden Situationen) verlassen, werden Migration und Flucht deshalb häufig gleich –gesetzt.

Rechtlich gesehen besteht aber sehr wohl einen Unterschied in der Tatsache, weshalb jemand flieht beziehungsweise in ein fremdes/anderes Land einreisen möchte. So haben nur die Menschen einen Anspruch auf Asyl in dem ge –wünschten Land, denen auf Grund ihrer politischen Haltung, ihrer Ab –stammung oder auch ihrer persönlichen religiösen Überzeugung in ihrem Hei –matland (Lebens) – Gefahr droht. Als das bedeutsamste juristische inter –nationale Vertragswerk zum Status von Flüchtlingen wird das die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951.

Seit wann spricht man Migration?

Migration ist kein Phänomen der Neuzeit. Im 4. Jahrhundert löste zum  Beispiel der Einfall der Hunnen in Osteuropa die sog. Große Völkerwanderung aus, eine der bedeutendsten Wanderungsbewegungen Europas, in deren Verlauf unter anderem das Weströmische Reich zerfiel.

In Deutschland ist das Recht auf Asyl darüber hinaus in Artikel 16a des Grundgesetzes verankert. Im Jahr 1993 wurde das bis dahin schrankenlos ge – währte Asylgrundrecht aus Artikel 16 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes her – ausgenommen und nach Artikel 16a Absatz 1 des Grundgesetzes übertragen. In die vier folgenden Absätze sind die im Asylkompromiss beschlossenen Ein – schränkungen eingearbeitet worden.

§ 16 des Grundgesetzes im Wortlaut:

„1 Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.
2 Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flücht –linge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund –freiheiten sichergestellt ist. Die Staaten außerhalb der Europäischen Ge – meinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den Fällen des Satzes 1 können Aufenthaltsbeendende Maßnahmen unabhängig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.
3 Durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, können Staaten bestimmt werden, bei denen auf Grund der Rechtslage, der Rechtsan –wendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse gewährleistet er –scheint, dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet. Es wird vermutet, daß ein Ausländer aus einem solchen Staat nicht verfolgt wird, solange er nicht Tatsachen vorträgt, die die Annahme begründen, dass er entgegen dieser Vermutung politisch verfolgt wird.
4 Die Vollziehung Aufenthaltsbeendender Maßnahmen wird in den Fällen des Absatzes 3 und in anderen Fällen, die offensichtlich unbegründet sind oder als offensichtlich unbegründet gelten, durch das Gericht nur ausgesetzt, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestehen; der Prüfungsumfang kann eingeschränkt werden und verspätetes Vorbringen unberücksichtigt bleiben. Das Nähere ist durch Gesetz zu bestimmen.
5 Die Absätze 1 bis 4 stehen völkerrechtlichen Verträgen von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften untereinander und mit dritten Staaten nicht entgegen, die unter Beachtung der Verpflichtungen aus dem Ab –kommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, deren Anwendung in den Vertragsstaaten sichergestellt sein muß, Zuständigkeitsregelungen für die Prüfung von Asylbegehren einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Asylentscheidungen treffen.“

- Ausländer, welche über einen Staat der Europäischen Union oder einen sonstigen sicheren Drittstaat einreisen, können sich nicht auf das Asylrecht berufen (Artikel 16a Absatz 2 des Grundgesetzes).
- Bei bestimmen Herkunftsstaaten (so genannte sichere Herkunfts –staaten) kann vermutet werden, dass dort keine politische Verfolgung stattfindet, solange der Asylbewerber diese Vermutung nicht entkräftet (Artikel 16a Absatz 3 des Grundgesetzes).
- Der Rechtsschutz wurde eingeschränkt (siehe Artikel 16a, Absatz 4 des Grundgesetzes).
- Letztlich kann das deutsche Asylgrundrecht dadurch eingeschränkt oder ausgeschlossen werden, dass ein anderer Staat im Rahmen europäischer Zuständigkeitsvereinbarungen für die Schutzgewähr des Asylbewerbers zuständig ist und der Asylbewerber, ohne dass sein Asylantrag in der Sache geprüft wird, dorthin verwiesen wird.

Was versteht man Integration?

In·te·g·ra·ti·o̱n, die

Substantiv

1. der Vorgang, dass jemand bewusst durch bestimmte Maßnahmen dafür sorgt, dass jemand ein Teil einer Gruppe wird.

„Eine wichtige Aufgabe des Trainers ist die Integration der neuen Spieler (in die Mannschaft).“

Synonym: Eingliederung

2. Herstellung oder Vervollständigung einer Einheit.

„die politische Integration Europas“

Unterschiedliche Definitionen

Der Begriff Integration ist vom lateinischen integratio (Erneuerung) abgeleitet und bedeutet in der Soziologie die Ausbildung

- einer Wertgemeinsamkeit mit einem Einbezug von Gruppierungen, die zunächst oder neuerdings andere Werthaltungen vertreten, oder
- einer Lebens – und Arbeitsgemeinschaft mit einem Einbezug von Men –schen, die aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen (exkludiert) und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Integration hebt den Zustand der Exklusion und der Separation auf. Integration beschreibt einen dynamischen, lange andauernden und sehr differenzierten Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens. Gegenbegriff hierzu ist Desintegration.

Anforderungen an die Menschen mit Migrationshintergrund

Die Möglichkeit der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben der Auf –nahmegesellschaft setzt den Erwerb von bestimmten Kenntnissen, Fähigkei –ten, Einstellungen und den Willen, eine weitgehende Neu – Sozialisation und Neuorganisation der Persönlichkeit einzugehen, voraus. Zentral ist hier das Erlernen der neuen Sprache und eine gewisse Kommunikationsfähigkeit und –bereitschaft gegenüber der Aufnahmegesellschaft.

In multiethnischen und multikulturellen Gesellschaften kann eine Form der Integration auftreten, die es Einwanderern gestattet, die Kulturidentitäten ihrer Herkunftsgesellschaften aufrechtzuerhalten. In dem Fall kann das Phänomen der zunehmenden „Integration nach Innen“ auftreten, in deren Rahmen ethnische Minderheiten Enklaven und kulturelle Verkehrskreise mit einer eigenen Sprache und einem eigenen Markt von Dienstleistungen und Kulturangeboten aufbauen können. Ist dies der Fall, formulieren auch solche Parallelgesellschaften das sozialkulturelle Anforderungsprofil für neu hinzukommende Migranten mit.

Integration von Menschen mit Behinderung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Internationales Jahr der Behinderten Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1981

Georg Feuser[8] definiert Integration als „die gemeinsame Tätigkeit (Spielen/Lernen/Arbeit) am gemeinsamen Gegenstand/Produkt in Kooperation von behinderten und nicht behinderten Menschen“. Integriert sind demzufolge Menschen mit Behinderung dann, wenn sie in Kommunikations – und Arbeits –gemeinschaften einbezogen sind.

Im Falle einer zieldifferenten Integration gelten für Menschen mit Behinderung reduzierte Anforderungen oder Sonderbedingungen. Im Fall einer zielgleichen Integration erhalten Menschen mit Behinderung Nachteilsausgleiche (bei –spielsweise in Form verlängerter Bearbeitungszeiten bei Prüfungen für Men –schen mit Sehbehinderung), damit sie das gemeinsame Ziel erfolgreich er –reichen können. Im Fall einer zielgleichen Integration sind die Grenzen zu einer Förderung Schwächerer, mithin zur Inklusion, fließend.

Vorschriften über Menschen mit einer schweren Behinderung, vor allem im Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX), regeln die Integration von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben. Die Schwerbehinderten –vertretung in Betrieben hat zum Beispiel das Recht, den Abschluss einer Integrationsvereinbarung zu verlangen, den die Betriebsleitung mit der Schwer– behindertenvertretung und dem Betriebsrat beispielsweise dem Personalrat abschließen soll. Diese Regelungen beziehen sich unter anderem auf die Perso –nalplanung, die Arbeitsplatzgestaltung, die Arbeitsorganisation und die Gestal –tung des Arbeitsumfeldes. Weitere Regelungen zur angestrebten Beschäfti –gungsquote und Ausbildung behinderter Jugendlicher können getroffen werden.

Das Integrationsamt im Bezug auf Menschen mit Behinderung

Aufgaben (Schwerpunkte):

- Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe
- Den besonderen Kündigungsschutz für Schwerbehinderte sowie Schwerbehinderten gleichgestellten Menschen durchzusetzen und zu beobachten :

Nach § 85 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) sind Kündigungen von Schwerbehinderten oder gleichgestellten behinderten Arbeit –nehmern unwirksam (nichtig), wenn sie ohne vorherige Zustimmung des Integrationsamtes erfolgen. Die Schwerbehinderung oder Gleichstellung muss bei Zugang der Kündigung jedoch bereits anerkannt sein, oder der Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis oder auf Gleichstellung muss mindestens drei Wochen vor Zugang der Kündigung gestellt worden sein.

- Organisation und Durchführung der „begleitenden Hilfen im Arbeits –leben“ für Menschen mit so genannten „schweren Behinderungen“
- Schulungs – und Bildungsmaßnahmen für betriebliche Integrationsteams in Betriebsräten und Personalräten sowie für Schwerbehinderten –vertretungen und Beauftragte von Arbeitgebern
- Die Durchführung verschiedener Fachdienste, zum Beispiel Technischer Beratungsdienst oder Integrationsfachdienst.

Leistungen des Integrationsamtes

Die Leistungen des Integrationsamtes stellen eine individuelle, auf die besonderen Anforderungen des Arbeitsplatzes abgestellte Ergänzung zu den Leistungen der Rehabilitationsträger dar. Sie werden aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert.

Das Integrationsamt selbst ist dabei kein eigener Rehabilitationsträger nach § 6 SGB IX, arbeitet jedoch mit diesen sowie mit Arbeitgebern, Arbeitgeber – verbänden, Gewerkschaften und Behindertenverbänden eng zusammen.

Die Organisation des Integrationsamtes in den Bundesländern

Die Integrationsämter sind in den einzelnen Bundesländern auf kommunaler oder staatlicher Ebene organisiert. Die Länder sind dabei ermächtigt, einzelne Aufgaben der Integrationsämter nach dem Schwerbehindertenrecht auf örtliche so genannte Fachstellen oder auch Versorgungsämter zu übertragen:

- In Baden – Württemberg ist das Integrationsamt dem dortigen Kommu –nalverband für Jugend und Soziales angegliedert;
- in Bayern in das Zentrum Bayern Familie und Soziales eingegliedert;
- in Hessen beim Landeswohlfahrtsverband Hessen angesiedelt;
- in Nordrhein – Westfalen sind die Landschaftsverbände „Rheinland“ und „Westfalen – Lippe“ zuständig,
- in Sachsen – Anhalt sind die entsprechenden Aufgaben dem dortigen Landesverwaltungsamt übertragen.

Auf Bundesebene haben sich die Integrationsämter mit den Hauptfür –sorgestellen zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Haupt – fürsorgestellen (BIH) zusammengeschlossen, die heute aus 17 Integra –tionsämtern und Hauptfürsorgestellen besteht. Vorsitz und Geschäftsführung der BIH liegen jeweils für mehrere Jahre bei einem ihrer Mitglieder, augenblicklich seit 1. April 2013, beim Integrationsamt des Landschaftsver –bands Westfalen – Lippe in Münster.

Kapitel 2

Migration und Integration am Beispiel Deutschland

Migration und Integration in Deutschland

Migration: In dem kleinen Wort stecken so kontroverse Debatten wie Asyl, Aussiedlerpolitik und die Integration von Ausländern. Wie wurde Deutschland zum Einwanderungsland – vom Kaiserreich bis zur Neuregelung der Zu –wanderung 2005?

Migration im europäischen Vergleich – Zahlen, Daten, Fakten?

Zahlen, Daten, Fakten? Diskussionen in den Medien oder im Freundeskreis um Migration, Ausländer, Einwanderung oder Flucht werden häufig gespickt mit angeblich hieb – und stichfesten Zahlen. Dieser Text zeigt knapp, was Zahlen aussagen können und vor allem: was nicht.

Möchte man Migration in Europa oder den einzelnen Mitgliedstaaten untersuchen oder miteinander vergleichen, so ergibt sich eine ganze Reihe von Problemen, die dies Unterfangen mitunter erheblich erschweren. So ist es schon gar nicht so einfach, die genaue Anzahl Zahl von Migrantinnen und Migranten in einem Land zu bestimmen. Noch schwieriger gestaltet es sich, beispielsweise die Migration nach Deutschland mit derjenigen nach Frankreich zu vergleichen, etwa um Aussagen zu machen, welches Land mehr Menschen als ein anderes aufgenommen hat.

Diese Schwierigkeit, insbesondere vergleichende Aussagen zu Migration beispielsweise in Europa zu treffen, ist mehreren Gründen nicht möglich. Überwiegend es daran, dass es keine in der gesamten EU verbindliche Defini –tion darüber gibt, wer eigentlich genau als „Migrant“ einzustufen ist.

- In einigen Mitgliedstaaten gelten Zugewanderte erst nach einem einjährigen Aufenthalt als (sich dauerhaft aufhaltende) Migranten und werden statistisch erst dann als solche erfasst.
- Andere Länder richten sich nach der tatsächlichen Aufenthaltsdauer,
- wieder andere danach, wie lange und zu welchem Zweck ein Mensch beabsichtigt, sich im Land aufzuhalten.

Die in Deutschland immer noch verbreitete (dadurch aber nicht richtige) Gleichsetzung des „Ausländer“ – Begriffs, der ja im rechtlichen Sinn nur nicht – deutsche Staatsangehörige einschließt, mit „Migrant“ ist sogar irreführend, weil nicht alle in Deutschland lebenden Nichtdeutschen auch „Migranten“ sind. So verfügen manche Ausländer gar nicht über eine eigene Migrationserfahrung, zum Beispiel wenn sie bereits in der dritten Generation hier aufwachsen und das Herkunftsland ihrer eingewanderten Großeltern gar nicht selbst kennen. Zugleich sind nicht alle Migranten „Ausländer“ im rechtlichen Sinn, bei – spielsweise, wenn sie als Spätaussiedler oder deren Familienangehörige eingewandert sind und über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen.

In den EU – Mitgliedstaaten mit kolonialer Vergangenheit konnten sich Einwanderer aus ehemaligen Kolonien außerdem sehr leicht einbürgern lassen und wurden daher von keiner offiziellen „Ausländer“ – Statistik erfasst.

- Manche Mitgliedstaaten (wie Frankreich) erheben gar keine Daten über die Zuwanderung.
- Andere Länder, wie zum Beispiel Griechenland oder Portugal, brauchen sehr lange, bis sie eigene Statistiken vorlegen. Zu allen diesen technischen und definitorischen Problemen kommen dann noch die unterschiedlichen Verfahren bei der Erstellung der Statistiken dazu.

Allzu oft werden Zahlen als „unwiderlegbare Beweise“ für oder gegen bestimmte Positionen angeführt. Wichtig ist allerdings, Statistiken generell zu hinterfragen und genau nachzuvollziehen, wie eine bestimmte Grafik oder eine Tabelle zu Stande gekommen ist und welche Aussagen sie enthält. An einigen Beispielen zu Migrationsdaten in Europa soll gezeigt werden, wie wichtig es ist, nüchternen Zahlen nicht blind zu vertrauen und vor allem: Nichts unhinterfragt hinein zu interpretieren.

die Tabelle zeigt die Zuwanderung in die EU – Mitgliedstaaten

in den Jahren 2004 und 2005

(in 1.000 Personen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu erkennen ist auf den ersten Blick, dass Deutschland im Jahr 2004 mit über 780.000 Personen die meisten Zuwanderer aufgenommen hat. Im Jahr 2005 nahm Spanien mit knapp 720.000 Einwanderern den ersten Platz ein, während Deutschland mit knapp 707.000 Zuwanderern auf dem zweiten Platz folgt. Weit abgeschlagen folgt Italien mit 326.000 Zugängen auf dem dritten Platz.

Den Mitgliedstaaten, die der Union erst 2004 beitraten, ist gemein, dass sie eine sehr geringe Zuwanderung aufweisen. Wer diese Statistik nicht weiter hinter – fragt, könnte so vorschnell zu dem Schluss kommen, Deutschland bzw. Spanien hätten die meisten Ausländer. Diese Aussage ist aber nicht richtig: Bei der abgebildeten Statistik werden nämlich nicht nur zugewanderte Auslän – derinnen und Ausländer, sondern wie im deutschen Fall auch die zugewan –derten deutsche Staatsbürger gezählt, womit der Begriff der „Zuwanderung“ in diesem Zusammenhang mitnichten mit der Zahl der in Deutschland lebenden „Ausländerinnen und Ausländern“ gleichzusetzen ist. Außerdem sagt die Zu – wanderung zu einem bestimmten Zeitpunkt unabhängig von der Höhe nichts über den tatsächlichen vorhandenen Bestand bereits im Land lebender Zuwan – derer aus. Erst recht setzt sie nicht die Anzahl von Zuwanderern zu derjenigen von Einwohnern eines Landes in Beziehung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erläuterungen:

1 – Eurostaat kurz gefasst. Bevölkerung und soziale Bedingungen, Nr.8/2006,

„Ausländische Bevölkerungsanteile in den Mitgliedstaaten der EU“

2 – In diesen beiden Mitgliedstaaten sind die meisten Ausländer Staatsbürger der ehemaligen Sowjetunion, die zwar ihren ständigen Wohnsitz in diesen Ländern haben, nach dem Zusammenbruch der aber nicht die Staatsange – hörigkeit des Aufnahmelandes oder eines anderen Landes angenommen haben.

* Zypern – 1992; Ungarn und Slowenien – 1995; Lettland – 1996

** Frankreich – 1999; Estland – 2000; Irland, Zypern und Polen – 2002; Por – tugal und Vereinigtes Königreich – 2003

e – geschätzte Angaben

P – vorläufige Angaben

Die Grafik veranschaulicht die Anzahl zeigt die zugewanderten Menschen in Beziehung zur Gesamtbevölkerung: Dabei steht Luxemburg dann plötzlich mit über 38 Zuwanderern pro 100 Einwohnerinnen und Einwohnern an erster Stelle. Es folgen Lettland sowie Estland liegt mit ungefähr 20 Ausländern pro 100 Einwohnern. Deutschland liegt mit einem Ausländeranteil von 8,9% leicht über dem Durchschnitt der EU (von 27Staaten ausgehend), der im Jahr 2004 statistisch 5,5% betrug.

Wenngleich die Statistik suggeriert, die in – und ausländische Bevölkerung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union für das Jahr 2004 wiederzugeben, so wird bei einer genauerer Betrachtung der herangezogenen Daten schon deutlich, dass dabei, je nach Mitgliedstaat, Zahlen aus unterschiedlichen Jahren einbezogen wurden. Die Vergleichbarkeit der Daten ist damit deutlich ein –geschränkt, sodass aus diesen Zahlen ebenso keine weiteren Schlussfol – gerungen gezogen werden dürfen. Da es aber keine anderen statistischen Daten vorhanden sind, ist eine (kritische) Berücksichtigung der Daten jedoch unum –gänglich.

Diese Statistik sagt noch nichts darüber aus, wie stark die Bevölkerung der entsprechenden Länder gewachsen ist. Dafür muss zuvor die Auswanderung im gleichen Zeitraum abgezogen werden. Zieht man die Auswanderung aus einem Land von der entsprechenden Zuwanderung ab, so nennt man das Ergebnis „Wanderungssaldo“. Dieser kann positiv oder negativ sein, je nach dem, ob unterm Strich mehr Menschen zu – oder abgewandert sind.

Wanderungssaldo 2004 der EU – Staaten und anderer europäischer Staaten pro 1.000 Einwohner im Jahr 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ersichtlich wird aus der Abbildung, dass in der EU (von 27 Staaten ausgehend) sowohl positive wie auch negative Wanderungssaldi vorliegen und damit das Phänomen der Migration in Europa differenziert betrachtet werden muss.

Spanien und Italien verzeichnen offenbar einen besonders hohen „Wan –derungssaldo“, was heißt, dass dort mehr Ausländer ein – als auswandern. Das liegt im Wesentlichen daran, dass beide Länder zum Einen EU Außengrenzen haben und zum Anderen immer wieder Regularisierungen im Blick auf die zuvor sich nicht rechtlich aufhaltenden Einwanderern vornehmen, was dann in der Folge bedeutet, dass diese bisher undokumentierten Migranten nach ihrer Legalisierung in der Statistik auftauchen.

Eine gänzlich andere Situation liegt in einigen osteuropäischen Mitgliedstaaten vor: Litauen, Rumänen und Polen haben einen negativen Wanderungssaldo: Dort wandern also mehr Menschen aus als ein. Bedingt wird dies durch eine hohe Mobilität der Arbeitnehmer und ihre Auswanderung in Länder wie Großbritannien und Irland, aber auch die Bundesrepublik. Auch die Niederlande sind von einem negativen Wanderungssaldo betroffen. Das liegt zum einen an Korrekturen der niederländischen Statistik, aber auch an politischen Maß – nahmen, die ergriffen wurden, um beispielsweise den Familiennachzug zu erschweren.

Ebenso können inzwischen verpflichtende Integrationstests sowie Regulari –sierungsprogramme für Asylsuchende eine Erklärung für das dargestellte nega –tive Wanderungssaldo sein.

Aus folgender graphischer Darstellung von statistischen Daten sind die Ausländeranteile, aufgeschlüsselt nach Inländern und Unionsbürgern für 2004 zu entnehmen: Auch diese Daten haben jedoch noch ihre Tücken. „Ausländer“ ist ein sehr unscharfer Begriff und sagt nicht mehr aus, als dass eine bestimmte Person eine andere Staatsbürgerschaft besitzt, als die einheimische Bevöl –kerung.

Die Zusammensetzung dieser Gruppe ist in höchstem Maße heterogen und unterscheidet sich stark von Land zu Land. Luxemburg zum Beispiel hat zwar mit 38% einen im europäischen Vergleich extrem hohen Ausländeranteil, über drei Viertel dieser Gruppe kommt jedoch aus dem Ausland der EU. Von den in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländern stammte 2004 rund jeder Dritte aus einem Mitgliedstaat der EU. In Frankreich leben hingegen deutlich mehr zugewanderte Menschen als es die Ausländerquote vermuten ließe: Durch die koloniale Vergangenheit ist es Migranten aus den ehemaligen französischen Kolonien und Überseegebieten sehr leicht möglich, die franz –ösische Staatsbürgerschaft anzunehmen, womit sie statistisch zwar als Franz – osen mit Migrationshintergrund, aber nicht als Ausländer gezählt werden.

Dr. Carolin Butterwegge[9] äußerst sich am 27.7.2005 unter der Überschrift „Von der Ausländerbeschäftigung im Kaiserreich über die Zwangsmigrationen unter den Nationalsozialisten; von der Gastarbeiteranwerbung, die vor exakt 50 Jahren begann, bis zur Neuregelung von Zuwanderung und Integration seit Januar 2005“ zu der aktuellen Diskussion. In diesem Text finden sich Daten, Fakten und Hintergründe über Migration und Ausländerpolitik, über Asyl –bewerber und Flüchtlinge, über Arbeitsmigranten und Spätaussiedler sowie über die aktuelle Debatte um Integration und Partizipation von Migranten in Deutschland.

Sie beschreibt die Grundzüge der neuen Migrationspolitik, die sich seit Anfang 2005 in Deutschland etabliert hat. Dazu zählen Vorhaben und migrations –politische Schwerpunkte der Großen Koalition, wie die dem Motto „fördern und fordern“ folgende Integrationspolitik, die Novelle des Zuwanderungsgesetzes anlässlich der Umsetzung von elf EU – Richtlinien 2007 und schließlich Kern –punkte des Zuwanderungsgesetzes selbst, mit dem schon die rot – grüne Bund – desregierung zu Jahresbeginn 2005 eine umfassende Neuordnung des Aus –länderrechts vorgenommen hatte.

Ein Blick auf den geschichtlichen Verlauf von Migration

Die Migrationsgeschichtliche Entwicklung bis zum Jahr1950

Sie eröffnet dabei eine historische Perspektive von Migration, die nachzeichnet, wie sich Deutschland seit 1871 von einem Auswanderungsland zu einem Ein – wanderungsland wandelte: Von der Ausländerbeschäftigung im Kaiserreich über die Zwangsmigration unter den Nationalsozialisten bis zu millionenfachen Fluchtbewegungen von „Displaced Persons“ sowie deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Migrationentwicklung von 1955 – 2004

Das migrations – und integrationspolitische Geschehen in dem bis 1989 geteilten und danach wiedervereinigten Deutschland bis zum Jahr 2004 wird nicht außer Acht gelassen; was in der DDR durch eine Beschäftigung von Ausländern aus den „sozialistischen Bruderstaaten“ geregelt war, organisierte man vor 50 Jahren in Westdeutschland in vergleichbarer Form mit der „Gast –arbeiteranwerbung“. Sie stellt sechs Phasen der bundesdeutschen Migrations – und Integrationspolitik von 1955 bis zur Verabschiedung der umfassenden Zu – wanderungsgesetzreform im Jahr 2004 vor, ohne jetzt näher darauf einzu –gehen.

Aussiedler –, Flucht – [10] , Asyl – und „illegale“ Migration

In ihren Darstellungen beschreibt Dr. Carolin Butterwegge (geborene Reißlandt) aber auch die seit den 1990er – Jahren in Deutschland bedeutsamen Migra – tionsformen, die jeweils eine längere Tradition und Verwurzelung haben: Die Zuwanderung von (Spät –)Aussiedlern sowie von Flüchtlingen und Asyl –suchenden, die sich, begünstigt durch asylpolitische Reformen, in vielfältige Gruppen mit jeweils unterschiedlichem Rechtsstatus ausdifferenziert haben. Als Kehrseite der Abschottung Europas und Deutschlands gegen unerwünschte Migration haben sich im Grenzfeld zwischen Legalität, Illegalität und Krimi –nalität neue Zuwanderungsformen und Aufenthaltsformen etabliert, die, nicht ganz treffend, als „illegale Migration“ bezeichnet werden.

Migration und die politische Partizipation

Ein weiter Gedanken ihrer Darstellung zeigt die Möglichkeiten und auch die Grenzen der politischen Partizipation von Migrantinnen und Migranten an der deutschen Gesellschaft: so etwa beim Kommunalwahlrecht für EU – An –gehörige, bei (kommunalen) Ausländerbeiräten und Integrationsräten oder bei der Einbürgerung als wichtigstem Weg zur vollen politischen und sozialen Teilhabe.

In weiteren Beiträgen werden Migrantenorganisationen und ihre unter –schiedlichen Typen, Funktionen und Tätigkeitsfelder, interkulturelle Öffnungs –prozesse von Verwaltungen sowie die mit Einwanderung und religiöser Vielfalt verbundenen Herausforderungen an die politische Bildungsarbeit thematisiert.

Bildungsprobleme im Blick auf Migration

Die schulische Bildung und die beruflichen Qualifikationen von Migrantinnen und Migranten stehen ebenso im Fokus der Ausführungen. Dabei wird unter anderem die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Mi – grationshintergrund behandelt, die zur Untermauerung auch von der Schulstatistik, der IGLU – Grundschulstudie[11] und den PISA – Studien[12] belegt werden.

Ein weiter Gedanke fragt dann nach den Ursachen dafür und zeigt Ansätze der interkulturellen Pädagogik auf und wie mit der gewachsenen ethnischen Vielfalt in Schulen umzugehen ist. Mit einem Auszug aus dem Datenreports 2006 mit statistischen Daten zur beruflichen Qualifikation, zu Schulabschlüssen und zu Deutschkenntnissen verschiedener Herkunftsgruppen von Einwanderern wird dieser Punkt beendet.

Die Arbeitsproblematik angerissen

Zum Abschluss ihrer Darstellungen werden dann über einen Auszug aus dem Datenreport 2006 zunächst Daten zur Integration von Zuwanderern in den deutschen Arbeitsmarkt beschrieben, wobei sich die großen Unterschiede im Erwerbsstatus, der beruflichen Stellung und der Arbeitslosigkeit zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen offenbaren. In den weiteren Texten stehen gesetzliche Bestimmungen im Bereich „Zuwanderung und Arbeitsmarkt“ im Mittelpunkt, die angesichts des demografischen Wandels und Debatten um eine neue „Unterschicht“ heute kontroverser denn je politisch diskutiert werden. Dazu zählen Arbeitsmarkt, beziehungsweise migrationspolitische Initiativen der Großen Koalition, grundlegende Neuregelungen durch das Zuwanderungs –gesetz, sowie ältere Bestimmungen, die wie der prinzipielle Anwerbestopp – zum Teil bis heute gültig sind.

Migration und die damit verbundenen Probleme

Weltweit waren im Jahr 2010 mehr als 210 Millionen Menschen Migranten – sie lebten also in einem anderen Land als sie geboren wurden. Jeweils fast ein Viertel aller Migranten weltweit lebte in Nordamerika und Europa.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Migrationserfahrung der Bevölkerung 2005,

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2006): Leben in Deutschland. Mikrozensus 2005 (© Statistisches Bundesamt)

Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. Jährlich kommen neue Einwanderer ins Land und versuchen, sich hier eine Existenz aufzubauen. Ende 2010 lebten 6,75 Millionen Ausländer in Deutschland, so das Statistische Bundesamt. Das ergibt ein Plus von 60.000 Migranten zum Vorjahr. Noch einige Zahlen zur Veranschaulichung:

Die meisten Zuwanderer kommen aus

- Rumänien (21.600 Personen),
- Polen (20.900 Personen) und
- Bulgarien (12.000 Personen).

Trotz einer Abnahme von türkischstämmigen Migranten, stellen sie unver –ändert den Höchstwert mit 24% dar.

Statistische Erhebungen im Bezug auf die Zuwanderung vom 17.12.13 machen deutlich, dass es in Deutschland so viele Migranten wie noch nie gibt:

- 16,3 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Zuwanderungs – geschichte.
- 5,4 Millionen wurden als deren Kinder in Deutschland geboren.
- Seit 2005 ist die Zahl der Migranten um 1,3 Millionen (8,5%) angestiegen. Die deutsche Wirtschaft profitierte davon.

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In einem Bericht von Freia Peters, Politikredakteurin bei der „Die Welt“[13] ist zu lesen:

Ihre Botschaft zum Tag der Migranten?[14] „Ich begreife Zuwanderung immer als Chance“, sagt die künftige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz[15] (SPD) – das beweist ihre Ernennung eigentlich am besten. Özoguz, 46 Jahre, ist die erste Frau mit türkischen Wurzeln, die Mitglied der Bundes –regierung sein wird. Als Staatsministerin will sie aus dem Kanzleramt „in jedes Ressort hineinwirken“.

200 Millionen Menschen (190 Nationalitäten in Deutschland) können diese Erfahrung weltweit nachfühlen – so viele Menschen wie noch nie leben derzeit nach Schätzung der Vereinten Nationen (UN) außerhalb ihres Herkunftslandes. Seit 1980 hat sich ihre Zahl verdoppelt.

Wirtschaftlich ist Migration ein oft unterschätzter Faktor. Etwa 182 Milliarden US – Dollar schickten Migranten allein im Jahr 2012 in ihre Heimatländer. Die Summe übersteigt die Gesamtsumme der weltweit geleisteten Entwicklungs –hilfe.

In Deutschland steigt die Zahl der Zuwanderer seit 2011 wieder deutlich:

- Im Jahr 2012 wanderten erstmals mehr Menschen nach Deutschland ein, als Migranten der zweiten Generation geboren wurden.
- Im vergangenen Jahr lebten laut Statistischem Bundesamt 16,3 Milli –onen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
- 10,9 Millionen von ihnen wanderten nach 1949 ein.

Das sind so viele Migranten wie noch nie seit der ersten Erhebung im Jahr 2005.

Die Zuwanderung ist vor allem durch Europa geprägt:

- 70,6% der Migranten haben ihre Wurzeln in einem europäischen Land.
- Außereuropäische Zuwanderer kommen vor allem aus dem asiatischen Raum (15,7%),
- gefolgt von Afrika (3,5%) und
- Amerika (2,5%).
- Insgesamt 7,4% der Menschen mit Migrationshintergrund lassen sich nicht eindeutig nach Herkunftsländern zuordnen, zum Beispiel weil sie als Deutsche mit beidseitigem Migrationshintergrund Eltern aus unterschiedlichen Herkunftsländern haben.

Migration und volle Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren seit 2014

In diesen Tagen ist erneut von einer „Migrationswelle“ der „Armutszuwan –derer“ die Rede: Menschen, die von der Freizügigkeit in der Europäischen Union Gebrauch machen, aber nicht, um in Deutschland zu arbeiten, sondern um Sozialleistungen zu beziehen. Seit dem 1. Januar 2014 ist die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU – Bürger aus Rumänien und Bulgarien gefallen. Diese Länder haben die vollen Freizügigkeitsrechte erhalten.

Ein Urteil vom Landessozialgericht Nordrhein – Westfalen sorgte Ende November 2014 für Diskussionen. Demnach haben EU – Bürger ein Anrecht auf Hartz IV, wenn sie arbeitslos sind und nach einem Job suchen. Das Gericht begründet seine Entscheidung mit dem Recht auf Gleichbehandlung in der EU.

Wissenschaftler vom Institut für Arbeitsmarkt – und Berufsforschung halten die Angst vor massenhafter Armutszuwanderung für unbegründet. Aus ihrem Bericht geht hervor, dass Deutschland von der bereits stattfindenden Migration aus Rumänien und Bulgarien durch ihre Beiträge in die Rentenkasse und durch die Deckung des Fachkräftebedarfs profitiert. Europäische Binnenwanderer tragen demnach zur Wirtschaftskraft Deutschlands bei.

Erst kamen Gastarbeiter, dann Asylanten, nun EU – Bürger

Die Zuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland hat eine lange Tradition. Ende der 50 iger Jahre kamen die ersten Gastarbeiter aus Italien nach Deutsch – land. Zuvor gab es bereits einen Zuzug von Aussiedlern beziehungsweise Spätaussiedlern. Seither wechseln sich Jahre mit höheren und niedrigen Zu – wanderungszahlen ab.

Auch die Zuwanderungsmotive veränderten sich im Laufe der Zeit: Anfangs war es die Arbeitsmigration der Gastarbeiter, gefolgt von der Familienzu –sammenführung. In den 80iger Jahren prägten Asylbewerber das Bild, seit 1990 vor allem die Spätaussiedler aus Osteuropa. In den letzten Jahren gibt es ver –stärkten Zuzug aus den osteuropäischen und den von der Euro – Krise be –sonders betroffenen südeuropäischen Mitgliedsländern der EU.

Inwieweit wird die neue Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz für eine neue Sicht von Zuwanderung in Deutschland eintreten? „Sie muss bei allen Themen die Sichtweise von Migranten einbringen“, sagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat[16]. „Sie muss nerven.“

Die Bundeskanzlerin bleibt Kanzlerin. Wenn es nach CSU – Chef Horst Seehofer geht, dann noch mindestens bis 2021. Angela Merkel habe nun etwa die Hälfte ihrer Amtszeit hinter sich, sagte Seehofer zuletzt. Kaum eine Spekulation erscheint Merkel überflüssiger als die darüber, wie lange sie eigentlich regieren will. Genervt war sie über die Voraussage eines Buch – autors, der ihr vor der Wahl den Willen nachsagte, vor dem Ende der Legis –laturperiode 2017 auszuscheiden. Sie sagt aber, dass sie die vollen vier Jahre im Amt bleiben will und betont das seither.

Zahl der Asylbewerber auf höchstem Stand seit 1997

Bereits in den ersten elf Monaten des Jahres ist die Zahl der Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, auf rund 100.000 angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 68,2%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in diesem Jahr auf rund 100.000 angestiegen. Das geht aus den Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervor; dabei beruft sich die Zeitschrift auf Zahlen, die der „Welt“ auch vorliegen. Insgesamt haben in den Monaten Januar bis November 99.989 Personen hierzulande erstmalig Asyl beantragt.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 68,2 Prozent. Seit dem Jahr 1997 war die Zahl von 100.000 nicht mehr überschritten worden.

Der nun erreichte hohe Wert liegt jedoch noch weit entfernt von den Höchst –ständen, die Anfang der 1990iger – Jahre zur Zeit des Krieges in Jugoslawien erreicht wurden. Im Jahr 1992 hatte es zum Beispiel insgesamt 438.191 Asylerstanträge gegeben.

Viele Einwanderer aus den Balkanländern

Die niedrigste Bewerberzahl wurde 2007 mit etwa 19.000 verzeichnet. Seitdem steigt die Zahl allerdings wieder, und an manchen Orten fehlen entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten, da die Kapazitäten im Laufe der Jahre abgebaut wurden.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl in diesem November um 37,1% gestiegen. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 12.130 Erstanträge gestellt. Gegenüber dem Vormonat Oktober sank die Zahl allerdings um 6,3%. Aufgrund des starken Anstiegs unterstützen derzeit rund 130 Bundespolizisten das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bei den Anträgen.

Die Auswertung bestätigt einen Trend der vergangenen Jahre: Demnach kommen vor Einbruch des Winters überdurchschnittlich viele Einwanderer aus Balkanländern. Bei den Herkunftsländern, bezogen auf den November 2007, liegt Serbien an erster Stelle, Mazedonien an dritter, Bosnien und Herzegowina auf Platz sieben und das Kosovo auf Rang neun.

Schwarz – Rot will Aufenthalte schneller beenden können

Auch vor dem Hintergrund, dass das Bundesinnenministerium beispielsweise im Jahr 2012 bei keinem der Asylbewerber aus Serbien, Mazedonien oder Bosnien und Herzegowina eine so genannte asylrelevante Verfolgung festge –stellt hat, sieht der schwarz – rote Koalitionsvertrag an dieser Stelle Änder – ungsbedarf.

Im Text heißt es, dass die Westbalkanstaaten künftig als „sichere Herkunfts –staaten“ eingestuft werden sollen. Ziel sei es, „aussichtslose Asylanträge von Angehörigen dieser Staaten schneller bearbeiten und ihren Aufenthalt in Deutschland schneller beenden zu können“. Zugleich will man sich gegenüber den jeweiligen Regierungen und der EU – Kommission dafür einsetzen, „rasche und nachhaltige Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation vor Ort zu er –greifen“.

Bundesinnenminister Hans – Peter Friedrich (CSU) sagte der „Welt“ vor ein paar Tagen zu dem Vorhaben: „Es ist eine kleine Erleichterung und eine kleine Beschleunigung.“ Friedrich mahnte aber Sorgfalt an: „Das entbindet uns nicht von der Verpflichtung, im Einzelfall eine Prüfung vorzunehmen.“ Manche Bundesländer haben für die kommenden Wintermonate allerdings zunächst einen Abschiebestopp für Flüchtlinge vom Balkan angekündigt.

23.000 syrische Asylbewerber seit Kriegsbeginn

Die meisten erstmaligen Asylbewerber kamen von Januar bis November aus der Russischen Föderation – insgesamt 14.482 Personen. An zweiter Stelle der Herkunftsländer liegt Syrien mit 10.858 Personen.

Die Zahl der Erstanträge und Folgeanträge von Menschen aus dem Bürger –kriegsland liegt bei 11.768. Seit Ausbruch des Kriegs im Jahr 2011 haben damit laut BAMF über 23.000 Syrer in Deutschland Asyl beantragt.

Die Bundesrepublik hat sich darüber hinaus dazu bereit erklärt, ein Kontingent von 10.000 Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland aufzunehmen und mit gesichertem Aufenthaltsstatus auszustatten.

Die Zahlen sprechen damit für sich: Deutschland ist ein beliebtes Ziel der Fremdstämmigen. Doch aus welchem Grund ist dies der Fall? Deutschland bietet als funktionierender Rechts – und Sozialstaat viele Vorteile: Bessere Arbeitsbedingungen, Sozialhilfe bei Nicht – Beschäftigten sowie ein Gesund –heitssystem. Dinge, die es in anderen Ländern kaum oder nicht in diesem Umfang gibt. Deutschland hat beispielsweise mit der Türkei am 30. Oktober 1961 ein Anwerbeabkommen zur „wirtschaftlichen Entwicklung der Bundes – republik“ durch türkische Mitarbeiter getroffen. Türkische Einwanderer be –kamen eine Arbeitsstelle, um Deutschland wirtschaftlich voranzubringen.

Gründe für die Abneigung gegen Immigranten gibt es jedoch auch. Oftmals ist die Rede von einem Abwehrverhalten der Bevölkerung gegen fremde Kulturen. Die Europäer sind durch ihre am christlichen Wertekodex orientierte Denkweise der Aufklärung verpflichtet. Das Gegenteil ist bei den Muslimen zu beobachten, deren mittelalterliche Rechtsordnung (Scharia) und deren Frauenverständnis (Unterdrückung, Schleier sowie Ehrenmorde) Verständnisprobleme bereiten und Konflikte auslösen.

Ohne Integration keine Migration!

Das „Miteinander“ ist ein wichtiger Stichpunkt bei der Migration. Denn ohne Integration wird es niemals eine erfolgreiche Einwanderungsgesellschaft geben. Doch was ist Integration? Zur Integration gehören Verständnis, Toleranz und Anpassungswillen auf beiden Seiten an die teilweise doch recht unterschied –lichen Kulturen der Einwanderer auf der einen Seite und der aufnehmenden Gesellschaft auf der anderen Seite. Eine gelungene Integration ist aber deutlich mehr, als nur ein paar türkischstämmige Fußballer in der deutschen National –mannschaft.

Bevölkerungswachstum und Migration: Probleme mit Zukunft

Seit wann wächst die Weltbevölkerung so schnell?

Etwa ab dem 18. Jahrhundert führten Fortschritte in der Medizin und bessere Lebensbedingungen dazu, dass die Bevölkerungszahlen überall auf der Welt stiegen.

Zuvor hatten Mangelernährung, Kriege und schlechte hygienische Bedingungen dafür gesorgt, dass die Zahl der Menschen über Jahrhunderte hinweg relativ gleich blieb.
- Zum Zeitpunkt der Geburt Christi lebten etwa 300 Millionen auf der Erde, und daran hatte sich auch 1600 Jahre später nur wenig geändert.
- Aber schon um 1800 erreichte die Zahl der Menschen die Milliarden –grenze.
- Um 1900 lebten bereits 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt, waren es 1950 schon 2,5-Milliarden. Aktuell bevölkern über 6 Milliarden Men –schen unseren Planeten.

Bis 2050 werden nach Schätzungen der UNO mehr als 2 Milliarden Menschen hinzukommen. 2100 wird es vermutlich über 9 Milliarden Menschen auf der Erde geben. Daraus ergeben sich folgende Gedanken:

- Welche Folgen hat das Bevölkerungswachstum für die Umwelt?
- Es stellt eine große Belastung dar. Insbesondere die Notwendigkeit, den wachsenden Bedarf an Lebensmitteln und Energie zu decken, wird zu einer zunehmenden Bedrohung für den Lebensraum Erde.

Das Problem wird aber dadurch deutlich verschärft, dass seit den 1950iger Jahren ein Großteil des weltweiten Bevölkerungswachstums auf die Ent – wicklungsländer entfällt. In fast allen diesen Ländern sind Wasser und Boden, zwei entscheidende Grundvorausaussetzungen für die Erzeugung von Nah – rungsmitteln knapp. Da es um das blanke Überleben geht, kann jetzt schon auf ökologische Bedenken kaum mehr Rücksicht genommen werden. So wurden nach UNO – Angaben in der ersten Hälfte der 90iger Jahre ohne Ersatzauf – forstung ungefähr 11 Millionen Hektar Wald, der für die Klimaregulierung wichtig ist, gerodet, um Brennholz zu gewinnen oder um auf den gerodeten Gebieten Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.

Verändert der Fortschritt den Lebensstandard?

Für einen kleinen Teil der Menschen, besonders in den Industrieländern, sicherlich. Die Mehrheit auf dieser Welt kämpft jedoch nach wie vor haupt –sächlich gegen Hunger und Armut. Man schätzt, dass heute weltweit fast 1 Milliarden Menschen unter den Folgen unzureichender Ernährung leiden.

Dabei würde die Menge der weltweit hergestellten Nahrungsmittel schon heute ausreichen, um alle Menschen zu ernähren. Jedoch haben von den Ertrags –steigerungen in der Landwirtschaft seit den 1960iger Jahren (der so genannten Grünen Revolution) vor allem die westlichen Wohlstandsgesellschaften profi –tiert, wo heute ein Überangebot an billigen Nahrungsmitteln herrscht und sogar Überschüsse (zum Beispiel bei Getreide) entsorgt werden müssen.

Kapitel 3

Migration und Migrationsverständnis in anderen Ländern

Die Nachbarländer Österreich und Schweiz

Österreich und Schweiz hatten ein vergleichbares Anwerbesystem wie Deut –schland: Eine dauerhafte Zuwanderung war in der Migrationspolitik nicht vorgesehen. Anders verhielt es sich bei Ländern mit kolonialen Beziehungen. Bürger der Kolonien hatten die Staatsangehörigkeit der Kolonialmacht oder konnte sie einfach erlangen .

Eine ähnliche Ausrichtung der Migrationspolitik wie in Deutschland war in Österreich und der Schweiz zu beobachten. Diese Länder hatten vergleichbare Anwerbesysteme für Arbeitskräfte entwickelt wie Deutschland, die eine dauer –hafte Zuwanderung verhindern sollten. In Ländern mit kolonialen Beziehungen zeigte sich ein anderes Bild. Die Bürger der Kolonien hatten teilweise die Staatsangehörigkeit der Kolonialmacht beispielsweise konnten diese leicht er –langen und hatten somit die Möglichkeit, in das Land der jeweiligen Kolonial –macht einzureisen. Dies galt beispielsweise für Algerier in Frankreich, Surinamer[17] in den Niederlanden, Inder, Pakistaner und Bangladescher in Großbritannien.

Großbritannien

Großbritannien bemühte sich – von wenig bedeutenden Ausnahmen abge – sehen nicht aktiv um die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte. Für die An –gehörigen der Commonwealth-Staaten und für Irland gab es bis 1962 keinerlei Beschränkung der Einwanderung. Es wurden auch keine Statistiken über die Einwanderung geführt. Nach der Staatsangehörigkeit konnten die die Zahl der Zuwanderer ebenfalls nicht ermittelt werden, da sie als Commonwealth – Angehörige britische Staatsbürger waren. Erst seit 1981 wird in offiziellen Statistiken nach der ethnischen Zugehörigkeit gefragt. Aufgrund der geringeren Kriegszerstörung in Großbritannien war der Arbeitskräftebedarf niedriger als in Frankreich oder Deutschland; aus diesem Grund begann auch Großbritannien früher mit einer Einschränkung des Zuzugs. Seit 1962 durften nur noch Perso –nen einreisen, die einen in Großbritannien ausgestellten Pass oder eine Arbeits – erlaubnis hatten.

Frankreich

Einen interessanten Kontrast zu Deutschland bildet Frankreich. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg strebte Frankreich im Gegensatz zu Deutschland oder Großbritannien eine Kompensation der niedrigeren Geburtenraten durch Zu –wanderung an. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spielten eindeutig demografische Erwägungen eine wichtige Rolle. Bereits im ersten wirt – schaftlichen Wiederaufbauplan (1946 bis 1951) wurde ein Bedarf von 1,5 Millionen Einwanderern festgeschrieben. Diese Eingewanderten sollten dauer –haft in die französische Gesellschaft integriert werden und damit die Franzos zu einer inklusiven Gesellschaft umgestalten; darum bemühte sich Frankreich um Einwanderung aus den kulturell nahe stehenden romanischen Ländern Italien, Spanien und Portugal. In den 1960 iger – Jahren konnte der Arbeitskräftebedarf nicht mehr aus diesen Ländern gedeckt werden. Die Lücke füllten überwiegend Arbeitskräfte aus Algerien, die bis 1962 die französische Staatsbürgerschaft besaßen. Danach wurden Obergrenzen mit der algerischen Regierung ver – einbart, allerdings kaum kontrolliert. Nach 1969 war eine Aufenthaltser –laubnis für Personen mit algerischer Staatsbürgerschaft erforderlich.

Integrationspolitisch orientierte sich Frankreich stark an Assimilations –konzepten. Die Staatsbürgerschaft wurde nach dem Bodenprinzip (ius solis) verliehen, demnach wird die französische Staatsbürgerschaft an Personen verliehen, die auf französischem Boden geboren wurden. Sowohl für Frankreich als auch Großbritannien gilt, dass sie ab Mitte der 1970 iger Jahre eine ähnliche, auf Zuzugsbegrenzung ausgerichtete Migrationspolitik betrieben, wie dies in Deutschland der Fall war.

Migration in den Vereinigten Staaten von Amerika

Die USA als traditionelles Einwanderungsland sind erst durch Einwanderung zu dem geworden, was sie heute sind. Einwanderung in die USA war stets mög –lich. Allerdings waren die USA bestrebt, die Einwanderergruppen auszuwählen, von denen angenommen wurde, dass sie sich am besten integrieren ließen.

Zuzugsbeschränkungen wurden bereits 1870 mit dem „Chinese – Exclusion – Act“ geschaffen. Später wurden Schreib – und Lesetests eingeführt und Perso –nen mit geistiger Behinderung ausgeschlossen. Bereits 1902 erließen die USA im Schiffsverkehr carrier sanctions, wie sie später die europäischen Staaten im Schengen Abkommen 1990 für den Luftverkehr einführten. Personen, denen die Einreise verweigert wurde, mussten von den Schifffahrtsgesellschaften auf deren Kosten wieder zurücktransportiert werden. In den 1950 iger – Jahren führten die USA ein Quotensystem für die Zuwanderung ein, warben aber auch gezielt Arbeitskräfte an, beispielsweise wurden im Rahmen des Bracero – Programmes (Anwerbeprogramm) zwischen 1942 und 1964 insgesamt 4,7 Millionen Mexikaner angeworben. Trotz einer liberalen Einwanderungspolitik war bereits nach dem Zweiten Weltkrieg eine steigende Zahl an Arbeitskräften zu verzeichnen, die sich nicht rechtmäßig in den USA aufhielten. Im Rahmen der „Operation Wetback“ wurden dann 1954 mehr als eine Million Illegale abgeschoben. Zwar haben die USA erhebliche Anstrengungen unternommen, ihre Außengrenze zu Mexiko zu sichern, dennoch halten sich noch immer viele Arbeitskräfte illegal in den USA auf. Allerdings wurde darauf nicht immer restriktiv reagiert. Mit der Immigration Reform and Control Act (IRCA) wurde 1986 Illegalen, die sich seit 1982 dauerhaft in den USA aufhielten, die Möglichkeit eingeräumt, ihren Aufenthaltsstatus zu legalisieren. Insgesamt 2,7 Millionen Personen erlangten dadurch einen legalen Aufenthaltsstatus in den USA.

Bemühungen um eine europäische Migrationspolitik

Auf den Arbeitskräftemangel in der wirtschaftlichen Aufschwungphase nach dem Zweiten Weltkrieg reagierten die Industrieländer sehr unterschiedlich. Der deutsche Weg der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte auf Zeit sollte eine dauerhafte Zuwanderung verhindern. Dies wurde in anderen Ländern wie Frankreich nicht angestrebt. Gemeinsam ist den Staaten der Europäischen Ge –meinschaft jedoch, dass sie in den 1980iger – und 1990iger – Jahren auf eine Harmonisierung der Zuwanderungspolitik hinarbeiteten. Restriktive Kontrolle und Begrenzung der Zuwanderung prägten nun die Migrationspolitik der Länder der Europäischen Union.

Polen: Aktuelle Entwicklungen fordern neue migrationspolitische Ansätze

Immer mehr Menschen aus der Ukraine suchen angesichts der bewaffneten Auseinandersetzungen im Osten des Landes Zuflucht in Polen. Aufgrund der zugleich anhaltend hohen Auswanderungszahlen strebt die polnische Regierung inzwischen eine aktivere Migrationspolitik an – auch mit Blick auf Zuwanderer aus dem Osten.

Während in westlichen EU – Staaten die Zahl der Asylsuchenden stark steigt und mitunter die politischen Debatten bestimmt, spielt dieses Thema in Polen eine weniger prominente Rolle. Dort ist die Zahl der Asylanträge im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar von 10.400 auf 2.700 gefallen. Neben Asylbewerbern aus der Russischen Föderation, vor allem aus Tschetschenien, gibt es jüngst eine neue Gruppe von Menschen, die in Polen Asyl suchen: Zwischen 2013 und Ende 2014 ist die Zahl ukrainischer Asyl –bewerber von unter 50 auf über 2.300 Personen gestiegen. Bislang wurden allerdings alle Asylgesuche von Ukrainern abgelehnt. Das polnische Auslände –ramt (UDSC) argumentiert, dass sie als Binnenflüchtlinge in ihrem Land Sich –erheit finden könnten.

Ohnehin nutzen die meisten Ukrainer den Weg der Arbeitsmigration, um nach Polen einzureisen. So haben polnische Unternehmen in den ersten elf Monaten im Jahr 2014 rund 360.000 Arbeitserlaubnisse für ukrainische Beschäftigte beantragt. Das ist ein Anstieg um etwa 134.000 gegenüber dem Gesamtjahr 2013. Die Mehrzahl der Anträge wird von den zuständigen Behörden positiv beschieden, da die Ukraine einer von sechs Nicht – EU – Staaten ist, deren Bürger einen erleichterten Arbeitsmarktzugang erhalten. Die meisten ukra –inischen Migranten arbeiten in der Landwirtschaft sowie im Bau – und Pro – duktionsgewerbe. Hinzu kommen viele illegal Beschäftigte, meist Frauen, die als Haushaltshilfen tätig sind.

Die Charakteristika der ukrainischen Arbeitsmigration nach Polen ähneln also jenen polnischer Erwerbswanderung in westliche EU – Staaten, wobei Letztere zahlenmäßig deutlich höher ist. So lag im Jahr 2013 die Zahl der Polen, die länger als drei Monate im Ausland lebten, mit 2,2 Millionen nur um gut 100.000 unter der im bisherigen Rekordjahr 2007. Angaben des Statistischen Amts (GUS) in Warschau zufolge lebten, arbeiteten und studierten rund 1,9 Millionen polnische Staatsbürger in EU – Staaten, insbesondere in den beiden Ländern Großbritannien (650.000) und Deutschland (560.000).

Die GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten) Schätzungen umfassen dabei nur die Personen, die trotz ihres Auslandsaufenthaltes weiterhin in Polen gemeldet sind, ein bekanntes und gängiges Phänomen im Land. Das erklärt auch den geringen negativen Wanderungssaldo im Jahr 2014 (15.000 Personen), weil dabei nur Personen erfasst werden, die sich auch abmelden und damit als definitive Auswanderer gelten.

Eine der wichtigsten Ursachen für die Abwanderung sind die niedrigeren Löhne in Polen. Hinzu kommt die schwierige Situation auf dem polnischen Arbeits –markt, mit einer „Jugendarbeitslosigkeit“ von derzeit 23,2%, sowie der zuneh –menden Ausbreitung prekärer Dienst – und Werkverträgen, die reguläre Arbeitsverträge verdrängen und unter dem Begriff „Müllverträge“ („umowy śmieciowe“) bekannt sind. Laut einer „Umfrage vom November 2014“ erwägt jeder fünfte Befragte eine Arbeitsmigration ins Ausland.

Angesichts dieser Entwicklungen wächst unter polnischen Politikern das Bewusstsein, dass das Land eine aktivere Migrationspolitik braucht, die sich nicht nur auf die Rückkehr polnischer Staatsangehöriger beschränkt, sondern auch einwandernde Ausländer fokussiert. Bereits am 1. Mai 2014 trat ein neues „Gesetz“ in Kraft, das Ausländern aus Drittstaaten den Zugang zum Arbeits –markt erleichtern soll. Im Dezember 2014 hat die polnische Regierung zudem ein „Strategiedokument“ beschlossen, das unter dem Titel „Polnische Migra – tionspolitik“ eine gezieltere Anwerbung ausländischer Studierender, so wie Arbeitsmigranten mit gefragten Berufen anvisiert. Damit orientiert sich Polen in Fragen der Zuwanderung und Einwanderung verstärkt an westlichen Einwan –derungsgesellschaften.

Migration am Beispiel Russland

Angetrieben von Hoffnung und einer unendlichen Verzweiflung

In der letzten Zeit sehen sich viele Länder in den Globalisierungsprozess der Migrationsströme in der Welt einbezogen. Hierzu tragen Kriege, politische Konflikte, das unterschiedliche Niveau des Lebens sowie der Entlohnung für ein und dieselbe Arbeit in verschiedenen Ländern bei. Die Geschichte der Mensch –heit ist in vielem die Geschichte der Migration.

Angetrieben von Hoffnung oder auch einer unendlichen Verzweiflung, sind die Menschen mit dem einzigen Ziel losgezogen, bessere Lebensbedingungen und demnach auch Arbeit für sich zu finden. Da drängt sich für das aufnehmende Land die Frage, wie kann man solchen Menschen helfen, sich in das für sie neue sprachliche, soziale und kulturelle Milieu einzufügen; wie können die zwischen nationalen Beziehungen harmonisieren werden; wie überwindet man die Wider sprüche in der Mentalität zwischen den Zugewanderten und der einheimischen Bevölkerung.

Viele Menschen, damals noch Kinder, waren schon vor 20 Jahren zusammen mit den Eltern im Rahmen eines Aussiedlerprogramms nach Deutschland ge –kommen. Mit viel Fleiß hatten sie berufliche Erfolge wurden unter anderem in den unterschiedlichsten Branchen erfolgreiche deutsche Unternehmer.

Am neuen Wohnort, im Bundesland Hessen Fuß zu fassen, wohin sie von der Aussiedlerbehörde im Rahmen der Umsiedelung geschickt wurden, war nicht einfach für die Menschen. Zunächst ging es darum, die neue und fremde Spra –che zu studieren möglichst schnell zu sprechen, sie zu verstehen und schriftlich weitestgehend damit umgehen zu können, um dann einen Beruf erlernen zu können und sich im Anschluss daran Arbeit zu suchen.

Betroffene Menschen beschreiben ihre damalige Situation so: „Es gab eine Organisation, wo wir registriert waren, aber eine reale Hilfe haben wir nicht erhalten. Wir waren von allen abgeschnitten, und das war schwierig“. So wendeten sich im letzten Jahr beispielsweise 6.000 Personen an das Büro für Integration und Migration, den Beauftragten des Berliner Senats; der Gründung dieses Büros und damit der Beauftragung den Menschen mit Migrations –problemen/Migrationshintergrund zu helfen, gingen dort etwa 1 Million An –träge ein. Jüngsten Angaben zu dieser Fragestellung besagen, dass in der Bundeshauptstadt gegenwärtig die Vertreter von fast 200 Nationalitäten leben. Jeder achte Bürger der Metropole ist kein Staatsbürger Deutschlands.

[...]


[1] Firma Helly e.K., Handelshaus aus Hanau, in der Kategorie Einzelhandel, Theodor Jacob und inzwischen verstorbener Chef der Firma

[2] Die Bibel, Zürcher Übersetzung, Württembergische Bibelanstalt Stuttgart, 1967, Lukas –evangelium, Kapitel 10, Vers 27

[3] Der Koran, arabisch – deutsch, aus dem arabischen übersetzt von M. Henning, Istanbul 2003, Seite 486, Sure 42, Vers 23

[4] Muslime in Deutschland, U. Spuler – Stegemann, Herder Verlag Freiburg, 1998, Seite 307

[5] Der Koran, das heilige Buch des Islam, Goldmann Verlag München, 1959, Einführung, Seite 5

[6] … und die ständigen, väterlichen Bemühungen, den Kontakt zu mir/uns zu unterbinden

[7] Der Koran, das heilige Buch des Islam, Goldmann Verlag München, 1959, Einführung, Seite 13

[8] Georg Feuser, * 1941 in Stupferich bei Karlsruhe, ist ein deutscher Erziehungswissenschaft – ler. Feuser besuchte von 1947 bis März 1961 in Karlsruhe die Volksschule, Besuch der höheren Handelsschule und Wirtschaftsoberschule. Anschließend studierte er bis März 1963 das Fach Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, wo er die Erste und Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Volks – und Realschulen ablegte. Feuser war ab 1961 Lehrer an der ersten Schule für Geistigbehinderte in Deutschland in Frankfurt am Main. Ab 1971 war er Rektor der Martin – Buber – Schule in Gießen. Von 1967 bis 1975 absolvierte er ein Studium der Sonderpädagogik an der Philipps –Universität Marburg. Georg Feuser wurde 1978 bei Wolfgang Klafki an der Universität Marburg promoviert. Das Thema seiner Dissertation lautet: Grundlagen eines gesell –schaftswissenschaftlich – erziehungswissenschaftlichen Verständnisses des frühkindlichen Autismus als Basis einer Pädagogik autistischer Kinder. Georg Feuser war langjähriger Fachreferent für Geistigbehindertenpädagogik im Verband Deutscher Sonderschulen. Von 1978 bis 2005 lehrte Feuser als Professor für Behinderten –pädagogik an der Universität Bremen. 1999 erhielt er dort den Berninghausenpreis für ausgezeichnete Lehre und ihre Innovation. Bis Januar 2010 war er Gastprofessor am Erziehungswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich. Im Verlag Peter Lang ist Feuser als Herausgeber der Schriftenreihe Behindertenpädagogik und Integration tätig.

[9] Carolin Butterwegge, geborene Caroline Reißlandt, * 28. Juni 1974 in Wermelskirchen, ist eine deutsche Politikerin (Die Linke). Leben: Butterwegge ist seit 2005 bei der WASG/DIE LINKE und derzeit sozial- und kinderpolitische Sprecherin im Landesvorstand NRW. 2009 promovierte sie an der Universität Duisburg/Essen über Armut von Kindern mit Migrationshintergrund. Von 2010 bis 2012 gehörte sie für DIE LINKE dem nordrhein – westfälischen Landtag an. Im Wahlkampf setzte sie sich für mehr direkte Demokratie ein. Sie ist Mitglied der politischen Strömung Sozialistische Linke (SL), die linkskeynesianische und neomarxistische Positionen vertritt. Sie lebt in Köln, ist verheiratet mit Christoph Butterwegge und hat eine Tochter.

[10] Der „Welttag der Migranten und Flüchtlinge“ ist ein erstmals 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret Ethnografica studia unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges ausge –rufener Gedenktag, der seither jährlich abgehalten wird. Seit 2001 wird der 20. Juni als Weltflüchtlingstag begangen. Zuvor hatten viele Länder ihre eigenen nationalen Flücht –lingstage begangen, so auch Papst Benedikt XV. erstmals 1914 den Welttag des Migranten und Flüchtlings (kurz ebenfalls als „Weltflüchtlingstag“ bezeichnet) ausgerufen, der seither jährlich abgehalten wird. Die einzelnen Bischofskonferenzen haben zum Teil andere Tage festgelegt, so in Lateinamerika den 12. Oktober, dem Tag der Entdeckung Amerikas. Am 4. Dezember 2000 erklärte die UN – Generalversammlung mit der Re – solution 55/76 zum bevorstehenden 50. Jahrestag der Gründung des UNHCR den 20. Juni zum Welt –flüchtlingstag. Die Wahl fiel auf dieses Datum, da der 20. Juni zuvor in etlichen Ländern bereits Afrika – Flüchtlingstag gewesen war. (Mit Material von: Wikipedia, Lizenz: CC-A/SA)

[11] Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sind die am 11.12.2012 vorgestellten Ergebnisse der Studien IGLU (Lesen) und TIMMS (Mathematik und Naturwissenschaften) ein wissenschaftlicher Beleg für gute Arbeit und erfolgreiches Lernen in der Grundschule. Die Studie verweise aber gleichzeitig – so die Gewerkschaft – auf altbekannte Defizite und Schwachstellen, die dringend angegangen werden müssten.

[12] PISA 2015 ist die dritte Erhebung innerhalb des zweiten PISA – Zyklus. Dieser hat 2009 mit dem Schwerpunkt Lesen begonnen. 2015 steht die Naturwissenschaftskompetenz der Schüler/innen im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass rund die Hälfte aller Aufgaben aus diesem Bereich stammt. Naturwissenschaft ist damit zum zweiten Mal (nach PISA 2006) die Hauptdomäne und ermöglicht einen Trendvergleich mit 2006. Neben Natur –wissenschaft, Lesen und Mathematik wird bei PISA 2015 erstmals die Kompetenz „kollaboratives Problemlösen“ (die Fähigkeit, Probleme in Kooperation mit anderen Personen zu lösen) erfasst. Eine wesentliche Neuerung ist, dass mit PISA 2015 der gesamte Test in einem Großteil der teilnehmenden Länder, darunter auch Österreich, auf eine computerbasierte Erhebung umgestellt wird.

[13] Familienstand verheiratet, ein Sohn; Ausbildung: Studium der Regionalwissenschaften La – teinamerika; Journalistenschule Axel Springer;

Berufliche Laufbahn: 2006 Politikredakteurin „Welt am Sonntag“, „Die Welt“ zunächst Außenpolitik, dann Innenpolitik, Schwerpunkt: Integration, Rechtsextremismus, gesell –schaftspolitische Reportage 2002 freie Reporterin mit Aufenthalten in New York, Johannes –burg, Kolumbien, Kongo

[14] Im Dezember 2000 hat die UNO den 18. Dezember als den Internationalen Tag der Migranten ausgerufen. Genau zehn Jahre zuvor wurde die Konvention zum Schutz der Rechte aller Migranten von der UN – Vollversammlung angenommen. Nationale Regierungen sollen ihre Schutzmechanismen mit diesem Standard messen.

[15] Aydan Özoğuz, 31. Mai 1967 in Hamburg, ist eine deutsche Politikerin (SPD) und seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Özoğuz ist seit Dezember 2011 stellvertretende Bun –desvorsitzende der SPD. Seit Dezember 2013 ist sie Nachfolgerin von Maria Böhmer als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Mit 22 Jahren bekam sie den deutschen Pass, ihren türkischen musste sie abgeben. „Ich fühle mich als Deutsche, aber ich bin auch stolz auf meine türkische Abstammung", sagt sie. „Wenn die Eltern zugewandert sind, dann prägt das, weil man sich durchboxen, eine andere Sprache lernen, sich eine Existenz aufbauen musste.“

[16] Kenan Kolat,* 24. August 1959 in Istanbul, war von 2005 bis 2014 Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland e. V. (TGD). Der Diplom – Ingenieur (Seeverkehrs –technologie) ist deutscher und türkischer Staatsbürger. Kolat ist Mitglied der SPD.

[17] Suriname (auch Surinam) ist ein Staat in Südamerika. Er grenzt im Norden an den Atlantischen Ozean, im Osten an Französisch – Guayana, im Süden an Brasilien und im Westen an Guyana. Das Land verdankt seinen Namen wahrscheinlich dem Stamm der Surinen, der durch die Arawak aus diesem Gebiet vertrieben wurde

Ende der Leseprobe aus 295 Seiten

Details

Titel
Migration, Integration, Inklusion in der neuen Heimat. Chance oder Selbstverleugnung?
Untertitel
Die Problematik, zwischen zwei Kulturen zu leben. Beispielhaft an einer Familie dargestellt
Autor
Jahr
2015
Seiten
295
Katalognummer
V302940
ISBN (eBook)
9783668021976
ISBN (Buch)
9783668021983
Dateigröße
3837 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migration, integration, inklusion, heimat, chance, selbstverleugnung, problematik, kulturen, beispielhaft, familie
Arbeit zitieren
Religionspädagoge Günter-Manfred Pracher (Autor), 2015, Migration, Integration, Inklusion in der neuen Heimat. Chance oder Selbstverleugnung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302940

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