Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) im Jahr 1998 rückt der Umgang mit unternehmerischen Risiken in Theorie und Praxis verstärkt in den Vordergrund. Die Verpflichtung zur Etablierung eines unternehmensweiten Frühwarnsystems für Risiken soll in Zeiten zunehmender Dynamik, Globalisierung und Komplexität des wirtschaftlichen Handelns die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens planbar gestalten. Hier bedarf es eines umfassenden und integrierten Managementsystems, dass der Unternehmensführung unterstützend zur Seite steht und die Betrachtung von Risikoaspekten in das unternehmerische Handeln einbindet. Ein Instrument, das in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren verstärkt diskutiert wird, ist der 1992 von Kaplan und Norton entwickelte Ansatz der Balanced Scorecard (BSC). Dabei handelt es sich um ein kennzahlengestütztes Planungs-, Steuerungs- und Kontrollsystem, das die Unternehmensstrategie in Ziele, Messgrößen und Maßnahmen umwandelt und so steuerbar macht. Zusätzlich ermöglicht die BSC aufgrund ihres systematischen Aufbaus ein klar strukturiertes Vorgehen und eignet sich daher im Besonderen als ordnungstiftendes Konstrukt im Rahmen des Risikomanagements. Dazu kommen die strukturellen Gemeinsamkeiten von Balanced Scorecard und Risikomanagement als Systeme der strategischen Unternehmensführung, die eine gegenseitige Integration ermöglichen.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es also, diese verschiedenen Integrationsmöglichkeiten von Balanced Scorecard und Risikomanagement anschaulich darzustellen und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile herauszuarbeiten. Dies ermöglicht einen systematischen Vergleich auf Tauglichkeit als Instrument im Rahmen der Unternehmenssteuerung und soll damit unter anderem eine Orientierungshilfe sein, um die anfangs erwähnten Schwierigkeiten und Umsetzungsdefizite von Risikomanagementsystemen auszugleichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Risiko
2.2 Risikomanagement
2.2.1 Notwendigkeit und Ziele eines Risikomanagementsystems
2.2.2 Regulatorische Rahmenbedingungen
2.2.2.1 Gesetzliche Regulierung
2.2.2.2 Corporate Governance Kodizes
2.2.2.3 Risikomanagement-Standards
2.2.3 Risikomanagementprozess
2.2.3.1 Risikostrategie
2.2.3.2 Risikoidentifikation
2.2.3.3 Risikobewertung
2.2.3.4 Risikosteuerung
2.2.3.5 Risikokontrolle und -reporting
2.2.4 Mängel von Risikomanagementsystemen
2.3 Risikocontrolling
2.3.1 Abgrenzung zum Controlling und Risikomanagement
2.3.2 Ziele, Aufgaben und Instrumente
2.3.2.1 Phasenspezifische Instrumente
2.3.2.2 Phasenübergreifende Instrumente
2.4 Balanced Scorecard
2.4.1 Die Perspektiven
2.4.2 Balanced Scorecard-Prozess
2.4.3 Kritik an der Balanced Scorecard
3 Balanced Scorecard und Risikomanagement
3.1 Ergänzungen der klassischen Balanced Scorecard
3.1.1 BSC mit separater Risikoperspektive
3.1.2 BSCPlus
3.1.3 Risk Enhanced Balanced Scorecard
3.2 Neukonzeptionen der Balanced Scorecard
3.2.1 Balanced Chance and Risk Card
3.2.2 Erfolgsfaktor-basierte BSC
3.2.3 Risk Adjusted Balanced Scorecard
4 Bewertung der Tauglichkeit einer BSC als Instrument des Risikocontrollings
4.1 Bewertungssystematik
4.1.1 Phasenspezifische Anforderungen
4.1.2 Phasenübergeifende Anforderungen
4.2 Bewertung der Integrationsansätze
4.2.1 Bewertung der phasenspezifischen Anforderungen
4.2.1.1 Phase der Strategie/Risikostrategie
4.2.1.2 Phase der Risikoidentifikation
4.2.1.3 Phase der Risikobewertung
4.2.1.4 Phase der Risikosteuerung
4.2.1.5 Phase der Risikokontrolle
4.2.2 Bewertung der phasenübergeifenden Anforderungen
4.3 Zusammenfassung Bewertung
5 Fazit
6 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Balanced Scorecard als Instrument des Risikocontrollings geeignet ist, indem sie verschiedene risikoorientierte Integrationsansätze analysiert und anhand spezifischer Kriterien bewertet.
- Konzeptionelle Grundlagen von Risikomanagement und Risikocontrolling
- Funktionsweise der klassischen Balanced Scorecard
- Verbindungen zwischen Balanced Scorecard und Risikomanagement
- Darstellung und Bewertung verschiedener Ansätze einer risikoorientierten Balanced Scorecard
- Kriterienbasierte Eignungsprüfung für das Risikocontrolling
Auszug aus dem Buch
2.2.3.2 Risikoidentifikation
Der wichtigste Schritt und damit kritischster Punkt im Risikomanagementprozess ist die strukturierte, detaillierte und vollständige Identifizierung aller wesentlichen Risiken, von denen Schadensgefahren oder Verlustpotenziale für die Unternehmung ausgehen. Die Risikoidentifikation stellt die Informationsbasis für das weitere Vorgehen dar und bestimmt durch ihre Qualität die Effizienz und Effektivität der nachfolgenden Prozessschritte. Sie kann als Risikoinventur bezeichnet werden, bei der es nicht nur um die reine Erfassung, sondern auch um die Kategorisierung der verschiedenen Risiken geht, um damit die Transparenz zu erhöhen und die Gefahr einer unvollständigen oder mehrdeutigen Identifikation von Risiken zu vermeiden. Dabei können die Risiken beispielsweise nach dem Zeithorizont in operative oder strategische Risiken eingeteilt werden, nach der Position in der Wertschöpfungskette in Produktions- oder Absatzrisiken oder nach dem Ort der Entstehung in externe und interne Risiken. Abbildung 8 zeigt beispielhaft eine mögliche Einteilung von Risiken in einem Unternehmen.
Instrumente zur Risikoidentifikation können beispielsweise standardisierte Befragungen, Brainstorming, Risiko-Checklisten oder Fragebögen sein. Bei der Erfassung der Risiken sollte jedoch der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen verloren werden, so dass eine vollständige Erfassung aller Risiken oftmals nur schwer umsetzbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, beschreibt die Problemstellung, die Notwendigkeit von Risikomanagement in Unternehmen und legt den Gang der Untersuchung sowie den Analyserahmen der Arbeit dar.
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen: Hier werden die theoretischen Fundamente für Risikomanagement, Risikocontrolling und die klassische Balanced Scorecard gelegt, inklusive der Definitionen, Prozesse und methodischen Rahmenbedingungen.
3 Balanced Scorecard und Risikomanagement: Dieses Kapitel untersucht die Verbindung beider Konzepte und stellt sechs verschiedene Ansätze einer risikoorientierten Erweiterung der Balanced Scorecard ausführlich vor.
4 Bewertung der Tauglichkeit einer BSC als Instrument des Risikocontrollings: Es wird ein Kriterienkatalog entwickelt, anhand dessen die zuvor vorgestellten Ansätze auf ihre Tauglichkeit für die Unterstützung eines wirksamen Risikocontrollings detailliert bewertet und verglichen werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Bewertung zusammen, diskutiert die Grenzen der Integration von Balanced Scorecard und Risikomanagement und gibt eine Einschätzung zur praktischen Anwendbarkeit.
6 Thesenförmige Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Diplomarbeit werden prägnant in Thesenform zusammengefasst, um die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung übersichtlich darzustellen.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Risikocontrolling, Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Risikostrategie, Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikosteuerung, Risikokontrolle, Risikoreporting, Performance Measurement, Erfolgsfaktoren, Unternehmenssteuerung, Risikotransparenz, KonTraG
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration von Risikomanagement-Aspekten in das Konzept der Balanced Scorecard, um diese als Instrument für ein wirksames Risikocontrolling in Unternehmen nutzbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen des Risikomanagements und Controllings, der Struktur der Balanced Scorecard sowie der kritischen Analyse und Bewertung verschiedener risikoorientierter Scorecard-Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, verschiedene Ansätze zur Erweiterung der Balanced Scorecard darzustellen, ihre Eignung anhand definierter Kriterien des Risikocontrollings zu bewerten und ihre Vor- und Nachteile aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine literaturbasierte Analyse und ein systematischer Vergleich der Ansätze mittels eines entwickelten Kriterienkatalogs, der eine ordinale Bewertung ermöglicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den konzeptionellen Grundlagen, der detaillierten Vorstellung von sechs risikoorientierten BSC-Konzepten sowie deren ausführlicher Bewertung anhand eines spezifischen Anforderungskatalogs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Risikomanagement, Risikocontrolling, Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Risikostrategie und Performance Measurement.
Warum ist die klassische Balanced Scorecard laut Autor nicht ausreichend für das Risikocontrolling?
Die klassische Version nach Kaplan und Norton enthält keine explizite Risikobetrachtung, wodurch sie in den Phasen der Identifikation, Bewertung und Steuerung keine direkte methodische Unterstützung bietet.
Welcher Ansatz wird laut Bewertung als der "komplexeste" bezeichnet?
Die Erfolgsfaktor-basierte Balanced Scorecard (EBSC) wird aufgrund ihrer mathematischen Verknüpfungen und der anspruchsvollen Struktur als komplexeste Form der risikoerweiterten BSC eingestuft.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2010, Bedeutung und Ausgestaltungsmöglichkeiten der Balanced Scorecard als Instrument des Risikocontrollings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302952