Ist Kinderfernsehen wert(e)los? Wie kann ein medienpädagogisch sinnvolles Kinderfernsehen entwickelt werden?


Hausarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

1 Einleitung

Ob Käpt'n Blaubär, Löwenzahn oder Die Sendung mit der Maus, ob Sesamstraße oder der

Tigerenten Club - sie alle haben sich längst in den Herzen der Kinder einen festen Platz erobert. Die Welt der Animationen und des Zeichentricks ist natürlich nicht zu vergessen, die inzwischen zum festen Bestandteil einer heutigen Kindheit gehören. Tom und Jerry, Micky Maus oder Pumuckl - diese Sendungen stehen alle für detailfreudige Erzählungen und eine farbige, liebenswürdige Charakterisierung der jeweiligen Figuren, die aus dem Alltag der Kinder nicht mehr wegzudenken sind. Die öffentlich-rechtlichen sowie die privaten TV-Anbieter werben in Deutschland im Genre Kinderfernsehen mit einem breiten Angebot von Sendungen. Hierunter fallen zum Beispiel die Magazinsendungen oder Infosendungen und Dokumentationen für Kinder mit Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn oder logo!, welche alle auf ihre sympathische Art und Weise versuchen um die Gunst der jüngsten Zuschauer zu werben.1

In großen Teilen der Welt begleitet das Fernsehen die Menschen schon von Kindesbeinen an, ungeachtet welche Auswirkungen dies auf die kindliche Entwicklung ausübt. „Die Spannbreite der Meinungen reicht dabei von der Verteufelung als dick und dumm machende Freizeitbeschäftigung hin zu Lobpreisungen des Fernsehens als Privatlehrer für Benachteiligte und als Mittel zur Überwindung von Bildungsunterschieden.“2

Die Frage die sich nun stellt ist, wie ein altersgerechtes, wertvolles und vor allem

medienpädagogisch sinnvolles Kinderfernsehen entwickelt werden kann? Welche Qualitätskriterien müsste dieses erfüllen und welche Werte sollen durch das Kinderfernsehen vermittelt werden. Hierbei stellt sich zudem die Frage, ob überhaupt Werte mittels Kindersendungen vermittelt werden? Oder ist Kinderfernsehen letztlich wert(e)los? Tritt sogar ein Werteverlust bei Kindern auf, die Kindersendungen anschauen?3

Diese Aspekte werden in dieser Arbeit betrachtet und im Folgenden genauer erörtert.

Im Mittelpunkt steht dabei das Kinderwissensfernsehen für die Vorschul- bis Grundschulkinder. Dieses Thema ermöglicht einen Querschnitt zwischen pädagogischen, psychologischen und gesellschaftlichen Erwägungen und ist somit außerordentlich interessant, weshalb ich mich zur Bearbeitung entschied.

Die Hausarbeit ist in zwei große Teile gegliedert. Im ersten Teil wird im Allgemeinen die Geschichte des Kinderfernsehens erläutert und anschließend das vielfältige Programmangebot für Kinder vorgestellt, welches eine hohe Wissensvermittlung verspricht.

Im zweiten Teil dieser wissenschaftlichen Arbeit wird explizit auf die Frage eingegangen, ob Kinderfernsehen wertlos ist. Hierzu wurde versucht mit Hilfe eines Wertekatalogs die verschiedenen Kindersendungen zu analysieren. Des Weiteren steht dann die Frage im Mittelpunkt, welchen Werteverlust das Kinderfernsehen mit sich bringt. Abschließend folgt meine persönliche Stellungnahme, die in einem Fazit zusammengefasst ist.

2 Kinderfernsehen im Wandel der Zeit

2.1 Geschichte des Kinderfernsehens

Der Startschuss für das Kinderfernsehen fiel in den frühen fünfziger Jahren. Zu der Zeit strahlte der Nordwestdeutsche Rundfunk NWDR täglich zwei bis drei Stunden Programm aus.4 Dazu gehörten unter anderem die Kinderstunde und der Kinderfernsehfunk, die das Fernsehen vom Hörfunk übernommen hatten.5 Ab dem Jahr 1956 etablierte sich dann ein Nachmittagsprogramm für Kinder ab vier Jahren. Hier wurden Sendungen für Kinder annonciert, die sowohl für „ältere“ Kinder als auch für Jugendliche angemessen waren. Außerdem wurde neben Bastel- , Rate- und Spielanregungen nun auch Tier- und Naturfilme gezeigt.6 Zu dieser Zeit setzten sich in den Kindersendungen besonders drei Formen der Gestaltung durch. Zum einen die Puppenspiele, die Studiosendungen und nicht zuletzt die Spielfilme.

Mit Beginn der sechziger Jahre beginnt sich das Kinderfernsehen langsam umzugestalten. Eine Vielzahl importierter Serien aus US-amerikanischer Produktion wie Fury oder Rin-Tin-Tin, erfreuten sich großer Beliebtheit. Aber auch Zeichentrickabenteuer wie zum Beispiel Tom und Jerry fanden großen Anklang bei dem jungen Publikum. Die sogenannten Magazinsendungen, in denen Kinder mit Dingen und Situationen des Alltags konfrontiert werden und auf verschiedene Art und Weise erklärt und geschickt präsentiert bekommen, blühten ebenfalls in den sechziger Jahren auf. Die ausgestrahlten Serien von der ARD wie Flipper, Lassie oder Die kleinen Strolche prägten einerseits die Unterhaltung und andererseits die Kultur der Kinder zu dieser Zeit.

Ein weiterer Trend war die Verfilmung von Comics oder populären Kinderbüchern.7 Neben der ARD und den dritten Programmen, bietet ab 1970 nun auch das ZDF ein Kinderprogramm an. Diese sind meist in Magazinform gestaltet. Das Kinderfernsehen ist zu dieser Zeit durch die Etablierung und Durchsetzung der Sesamstraße geprägt.8 Zudem entstehen 1987 die ersten Kindernachrichten wie logo!, Spielshows und Ratesendungen für Kinder. Außer den üblichen Programmangeboten gab es weitere Zeichentrickserien, die durch den Ankauf vieler langlaufender ausländischer Serien, wie beispielsweise Heidi, Wickie oder Die Biene Maja, die Herzen der Kinder erklimmen. Ende der 1970er Jahre entwickelten sich die dokumentarischen Formen im Fernsehen in zwei unterschiedlichen Formaten. Zum einen gab es die Sachgeschichten, die in Die Sendung mit der Maus zu sehen waren und zum anderen die ökologische Betrachtung in den Beziehungen zwischen Umwelt und Technik, wie man es unter anderem von dem Klassiker Löwenzahn kennt. In den 1980er Jahren stiegen die privaten Rundfunkanstalten ins Fernsehgeschäft ein. Dadurch begann das Kinderprogramm sich erneut zu wandeln. Von nun an bestimmten die Trickfilmangebote ganz erheblich das Genre Kinderfernsehen. Das Kinderprogramm in den Privatsendern wandelte sich zu einer Aneinanderreihung beliebiger Zeichentrickserien, die lediglich von Werbespots unterbrochen wurden. Hier wird ein großer Unterschied zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Privatsendern deutlich, denn die privaten Anbieter versuchen durch das Einspielen der Werbestreifen hohe Werbeeinnahmen zu verbuchen. ARD und ZDF bieten demnach ein Programm für Kinder an. Die privaten Anbieter entwickelten stattdessen ein Kinderprogramm, um mit den hohen Werbebuchungen Einnahmen zu erzielen.9

In den neunziger Jahren wurden zuerst osteuropäische, später japanische und US-amerikanische Produktionen, wie zum Beispiel Sailor Moon, Pokemon oder Teenage Mutant Ninja Turtles (TMNT), vorwiegend in den unterschiedlichen Magazinen für Kinder eingesetzt. Aufgrund dieser Programmpräferenzen verlieren die öffentlich-rechtlichen Sender stark an Marktanteilen bei den Kinderprogrammen.10 Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken starten die ARD und das ZDF am 1. Januar 1997 gemeinsam das Projekt Kinderkanal, heute nur noch KI.KA genannt, um die Herausforderung der kommerziellen Rundfunkanstalten stand zu halten. Der Kinderkanal strahlt montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr und am Wochenende von 6.00 Uhr bis 19.00 Uhr bestehend aus Magazinen, Zeichentrickserien, Kinderfilmen oder selbstproduzierten Serien wie Süderhof, Die Kinder vom Alstertal oder Schloss Einstein „ein gewalt- und werbefreies, qualitativ hochwertiges und pädagogisch sinnvolles und dabei gleichzeitig unterhaltsames“11 Kinderprogramm aus.12 Durch dieses mittlerweile reichhaltige Angebot an Kindersendungen ist die Versuchung für die Kinder immer größer fernzusehen. Dies ist für viele vor allem auch wichtig, um im Kindergarten bzw. der Grundschule mitreden zu können. So kam es zu der Entwicklung, dass Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich und intensiv das Medium Fernsehen nutzen. Jugendliche nehmen jedoch mehr die Programme der privaten Sender, bestehend aus nachmittäglichen Daily Soaps, amerikanischen Teenie-Serien wie Beverly Hills 90210 oder Talk- Shows wie Arabella, wahr.13 Kinder hingegen sehen am liebsten Fern, wenn die Sendungen ihren Interessen entsprechen. Dass heißt märchenhafte Zeichentrickfilme sprechen eher die Mädchen an, wohingegen abenteuerliche und spannende Sendungen den Jungen zusagen. Mit dem Alter ändert sich dann auch das Fernsehverhalten, denn wer nicht mehr klein sein will, sieht Programme für Jugendliche und Erwachsene. Zwischen Mädchen und Jungen sind hierbei wieder Unterschiede zu erwarten und auch erkennbar. Mädchen beschäftigen die Themen wie Liebe, Freundschaft und soziale Beziehungen. Außerdem bevorzugen sie Figuren in phantastischen Welten und schauen Serien oder Daily Soaps. Jungen finden dies oftmals langweilig und öde und widmen sich Sportsendungen oder auch Sciencefiction und Actionfilmen. Aus diesem Grund gibt es heutzutage immer mehr Sendungen und Serien, die auf die jeweiligen Interessen und Fragen der Kinder eingehen.14 Auf einige der hier aufgeführten Sendungen wird im nächsten Teil noch genauer eingegangen.

2.2 Kinderprogramm im Überblick

Mit dem Start des ARD- Programms im Jahre 1954 gab es gerade mal eine Stunde Kinderfernsehen am Tag. Heute zeigt das Fernsehen pro Woche rund 100 Stunden Bildungs-TV für Kinder.15 Ein Blick in die Fernsehzeitschrift zeigt, dass es heute ein Übermaß an Programmangebote für Kinder gibt. Es gibt verschiedene Formate von Kinderprogrammen. Bei den Informationssendungen für Kinder kann man eine grobe Unterscheidung zwischen den Infosendungen und Dokumentation für Kinder, den Magazinsendungen und den Spielshows und Ratesendungen für Kinder treffen, die im Folgenden kurz erläutert werden und auf die im weiteren Verlauf Bezug genommen wird.

2.2.1 Infosendungen und Dokumentationen für Kinder

In den Infosendungen und Dokumentationen für Kinder geht es darum, primär Kindern ein hohes Wissen und viele Informationen zu vermitteln. Entweder die Kinder erfahren, mit einfacher Sprache und wenig Fremdwörtern gestaltete, kurze Meldungen, Berichte und Reportagen über aktuelle Geschehnisse oder sie werden selbst zum Forscher und Entdecker. In der Sendung Löwenzahn gehen sie beispielsweise mit auf Untersuchungskurs. Es stehen dabei immer Themen wie Gesellschaft, Technik, Natur oder Politik im Mittelpunkt. Das Wissen verankert sich somit besser, da die Kinder es mit eigenen Augen erleben und die Dinge mit allen Sinnen wahrnehmen.16 Zu den Infosendungen und Dokumentation gibt es verschiedene Formate zu denen auch die Nachrichtensendungen zählen. Die Sendungen wie beispielsweise die Tagesschau werden täglich von vielen Kindern gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern angeschaut. Doch die Präsentationsweise und vor allem die Machart dieser gängigen Nachrichtensendungen gehen nicht auf die speziellen Bedürfnisse und die Sensibilität der Kinder ein. Sie haben somit oft Verständnisschwierigkeiten mit Erwachsenennachrichten, denn die Berichte sind für Kinder zu abstrakt, zu kompliziert und oft ohne zusätzliche Erklärung. Nicht zu vergessen sind auch die grausamen und oft brutalen Bilder über Krieg, Zerstörung und Leid, welche die Kinder oft aufwühlen. Kindernachrichten zielen daher mehr auf ein Informationsbedürfnis und einen Bedarf an Erklärungen.17 Deshalb sind Nachrichtensendungen wie logo! speziell auf junge Menschen zugeschnitten und schließen diese Lücke.18 In den speziell für Kinder entwickelten Nachrichten werden die Zusammenhänge ausführlicher erklärt und Hintergrundmaterial umfangreicher präsentiert als bei Erwachsenennachrichten.19

(1) Löwenzahn

Fast jeder kennt den Vorspann mit der lustigen Musik und dem Löwenzahn, der über Straßen, Dächer und Städte wächst, nur all zu gut. Löwenzahn ist Kult. Mit seinem heutigen Moderator Guido Hammesfahr als hummervoller und genussfreudiger „Fritz Fuchs“, der Held und Mittelpunkt jeder Folge mit seinem Hund „Keks“, ist es eine Sendung, die Informatives aus Natur, Umwelt und Technik für Kinder von sieben bis zehn Jahren aufbereitet. Die Sendung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass immer aus kindlichen Perspektiven und Wahrnehmungsweisen Nachvollziehbares und Anregendes berichtet wird. Späße, Streiche, Lieder und witzige Kommentare sorgen für Auflockerung in den kindgerechten Zeichentrickfilmen, Dokumentationen über Tier- und Pflanzenbeobachtungen oder Erklärungen über technische Prozesse. „Jede Sendung hat einen Themenschwerpunkt, vermittelt durch eine durchgehende Geschichte in die verschiedene Kurzbeiträge eingeflochten sind.“20 1980 war der Startschuss mit dem damaligen Moderator Peter Lustig, der als zentrale Figur, in einem phantasievoll gestalteten, blauen Bauwagen in Bärstadt lebt. Mit ihm werden 200 Sendungen gedreht und ausgestrahlt. Bis 2005 führte er durch die 25-minütige Sendung. Heute wird Löwenzahn sonntags vom ZDF tivi um 8.35 Uhr und im Kinderkanal KI.KA um 11 .05 Uhr ausgestrahlt. „Mit Fantasie, Kreativität und Entdeckerlust legt Fritz Fuchs los. Erforschen heißt für ihn Erleben und Ausprobieren.“21 Damit zieht er sowohl Jung als auch Alt in seinen Bann mit sich. Die Sendung ist mehrfach preisgekrönt. So erhielt sie zum Beispiel zweimal den „Grimme-Preis“ in Silber und den „Goldenen Spatzen“, welcher unter anderem von einer Jury aus Kindern vergeben wird.22 Löwenzahn ist eine Sendung, die für Unterhaltung sorgt, zugleich Wissen vermittelt und das pädagogische Konzept der „selbst-zum-Forscher-und-Entdecker-werden“ verfolgt.

[...]


1 vgl. Schwanebeck/ Cippitelli (Hrsg.) 2000, S.9

2 vgl. Michel, 2006, S.13

3 vgl. Schwanebeck/ Cippitelli (Hrsg.) 2000, S.9

4 vgl. Mattusch/ Eßer, 1993, S. 33

5 vgl. Stötzel (Hrsg.), 1988, S.5

6 vgl. Buresch (Hrsg.), 2003, S.13

7 vgl. http://www2.uni-jena.de

8 vgl. Stötzel (Hrsg.), 1988, S.68

9 vgl. Hollstein/ Mattusch/ Eßer (Hrsg.), 1996, S.26

10 vgl. Buresch (Hrsg.), 2003, S.17f

11 vgl. http://www.media-perspektiven.de

12 vgl. Wilhelm/ Myrtek/ Brügner, 1997, S.10

13 vgl. Erlinger (Hrsg.), 1989, S.56

14 vgl. Schwanebeck/ Cippitelli (Hrsg.), 2000, S.97

15 vgl. Wilhelm/ Myrtek/ Brügner, 1997, S. 61f

16 vgl. Basic/ Schell/ Schorb/ Graf, 1997, S.41

17 vgl. Erlinger/ Mattusch (Hrsg.), 1991, S.73

18 vgl. Baacke/ Lenssen/ Röllecke, 1997, S.121

19 vgl. Buresch (Hrsg.), 2003, S.17

20 Baacke/ Lenssen/ Röllecke, 1997, S.130

21 http://www.tivi.de

22 vgl. Grimm/ Horstmeyer, 2003³, S.63

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Ist Kinderfernsehen wert(e)los? Wie kann ein medienpädagogisch sinnvolles Kinderfernsehen entwickelt werden?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V302953
ISBN (eBook)
9783668016309
ISBN (Buch)
9783668016316
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinderfernsehen
Arbeit zitieren
Natalie Heck (Autor), 2011, Ist Kinderfernsehen wert(e)los? Wie kann ein medienpädagogisch sinnvolles Kinderfernsehen entwickelt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302953

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