Integriertes Hochwassermanagement. Risikovermeidung durch Raumplanung


Hausarbeit, 2012

55 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALT

VORWORT

ABKÜRZUNGEN

1. EINLEITUNG

2. INTEGRIERTES HOCHWASSERMANAGEMENT
2.1. RISIKOKREISLAUF
2.1.1. HOCHWASSEREREIGNIS
2.1.2 BEWÄLTIGUNG
2.1.3 REGENERATION
2.1.4 PRÄVENTION

3. FOKUS RAUMPLANUNG
3.1. INFORMATIONSBESCHAFFUNG
3.1.1. HORA RISIKOZONIERUNG
3.1.2. GEFAHRENZONENPLÄNE
3.1.2.1 Gefahrenzonenpläne der Wildbach- und Lawinenverbauung
3.1.2.2 Der Gefahrenzonenplan der Bundeswasserbauverwaltung
3.2 RECHTLICHE GRUNDLAGEN
3.2.1 DIE RECHTSGRUNDLAGE AUF EUROPÄISCHER EBENE
3.2.2 DIE RECHTSGRUNDLAGEN AUF BUNDESEBENE
3.2.3 DIE RECHTSGRUNDLAGE AUF LANDESEBENE
3.3 MASSNAHMEN
3.3.1. PASSIVE MASSNAHMEN
3.3.2 TECHNISCHE MASSNAHMEN

4. FAZIT

QUELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

VORWORT

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Masterprojekts „Integriertes Hochwassermanagement“. Neben fachlichem Input der Lehrveranstaltungsbetreuer Dipl.-Ing. Dr. Arthur Kanonier (Fachbereich Rechtswissenschaften der TU Wien), Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Walchhofer (Department für Raument- wicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung - Örtliche Raumplanung) und Dipl.-Ing. Robert Loizl (Leiter des Referats Schutzwasserwirtschaft, Land Salzburg) entstand dieser Grundlagenbericht durch Re- cherchearbeiten in einschlägiger Fachliteratur. Ergänzend wurde auf der organisierten Exkursion in den Salzburger Pongau weitere Eindrücke gesammelt und Interviews mit ExpertInnen geführt.

ABKÜRZUNGEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. E1NLE1TUNG

Wasser war seit jeher eine maGgebliche Grundlage des menschlichen Lebens und Wirtschaftens. Die Multifunktionalitat des Flussgebiets zur Energiegewinnung, Transport von Gutern oder fruchtbare Ack- erboden machten die Flusslandschaften damals wie heute zu attraktiven Siedlungsgebieten (Kruse 2010:29). Viele alte Siedlungskerne befinden sich daher in direkter Nahe zu Flussen. Das diese jedoch nicht nur positiven Einfluss auf Siedlungen haben konnen, zeigen historische sowie aktuelle Hoch- wasserereignisse. Berichte uber AusmaG und Schaden deuten immer wieder darauf hin, wie wichtig und aktuell die Auseinandersetzung mit dem Thema Hochwasser ist. In Osterreich wurde die Problema- tik vor allem durch die verheerenden Hochwasser in den Jahren 2002 und 2005 bewusst.

Um Hochwasser beschreiben und verstehen zu konnen, ist es wichtig einige wesentliche Faktoren, die bei Hochwasserereignissen zusammen spielen, zu nennen. Neben klimatischen oder geologischen Faktoren sind vor allem aktuelle raumliche Entwicklungen fur das Entstehen von Hochwasserrisiken verantwortlich:

Steigender Bodenverbrauch, der durch Bevolkerungswachstum und wirtschaftlichen Entwicklungsdruck entsteht, fuhrt in Kombination mit restriktiven naturraumliche Gegebenheiten zu beengten Raumen. Vor allem Geminden in alpinen Tallagen und Flusslandschaften haben Schwierigkeiten, Flachen fur intensive und vielfaltige Nutzungen bereit zu stellen. (Rudolf-Miklau 2012:11) In Osterreich sind beispielsweise 39% der Flache fur den Dauersiedlungsbereich geeignet, in Salzburg liegt der Wert lediglich bei 20 % des Bundeslandgebiets (Statistik Austria 2012). Die Folge davon sind oft Siedlungsgrenzen, welche in Hochwasserbereiche ausufern (Loizl 2012b:11). Tritt Hochwasser aus dem Flussbett aus, entstehen Schaden erst wenn das Hochwasser auf etwas zu Schadigendes trifft. Erst durch die Interaktion von Gefahrdung und Verletzbarkeit (Vulnerabilitat) entsteht das Hochwasserrisiko. In Europa stieg in den letzten Jahrzehnten das Hochwasserrisiko vor allem durch das erhohte Schadenspotential, das die Schadensummen in die Hohe treibt. Dafur verantwortlich sind beispielsweise vollausgebaute KellergeschoGe, Besitz teurer Maschinen oder ahnliches. Bei hochwasserbedingten Schaden unterscheidet man zwischen direkten und indirekten Schaden. Dabei wird jeweils noch eine Unterscheidung zwischen tangiblen (monetarbewertbaren) und intangiblen (nicht oder nur eineindeutig monetar bewertbaren) Schaden getroffen. Als direkte Schaden versteht man die Beschadigung oder die Zerstorung von Vermogenswerten sowie den Verlust von Menschenleben. Beispiele fur indirekte Schaden sind die Unterbrechungen von wirtschaftlichen Aktivitaten oder die Kosten fur Katastrophenschutzaktivitaten. (Muller 2010:33, 36f)

Auch der Klimawandel ist an der hohen Aktualitat der Hochwasserthematik beteiligt. Veranderte Nieder- schlagsmengen sind nur einer der Faktoren die hier zum Tragen kommen. Auch das erhohte Tempera- turniveau ist ausschlaggebend fur das Entstehen und die Intensitat von Hochwasserereignissen. Fallt Niederschlag beispielsweise nicht als Schnee sondern als Regen, dann entstehen andere, intensivere Hochwasserereignisse. (Wiesenegger 2012)

Immer wieder auftretendes Hochwasser und die damit einhergehenden Schaden zeigen, dass ein Han- dlungsbedarf im Uberschneidungsfeld zwischen Hochwasserabflussbereichen und Siedlungsbereich besteht. Der Raumplanung kommt durch die Formulierung ihrer Ziele eine wichtige Aufgabe im Umgang mit Hochwasser zu. Neben Zielen zur Sicherung des Lebensraums (ROG-Slbg 2009: §1 Abs. 1), ist auch der Schutz vor Naturgewalten ein Anliegen der Raumplanung (ROG-Slbg 2009: §2 Abs 1).

Wandel von Sicherheitsdenken zu Risikokultur

Da das Katastrophenrisiko weltweit ansteigt und auch durch umfangreiche SchutzmaGnahmen ein Schadenspotential nicht vollstandig vermieden werden kann, ist ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Hochwasser notig. (Rudolf-Miklau 2012:35)

Erforderlich ist eine Veranderung des Denkansatzes von der technisch-dominierten Beherrschung des Hochwassers mit hauptsachlichem Vermerk auf Schadensbegrenzung hin zu einer interdisziplinaren Schadensvorbeugung, die sich durch vorsorgenden Umgang mit Hochwasser und der Anpassung men- schlicher Lebensweise an drohende Gefahren auszeichnet. Durch die zeitgemaGe Risikokultur sollen neben der Realisierung von verhaltnismaGigen VorbeugungsmaGnahmen vor allem die Bereitschaft in extremen Ereignissen Schaden hinzunehmen und die Risiken offen zu kommunizieren erreicht werden. Die neu entstehenden Anforderungen an die Schutz- und Sicherheitskonzepte werden durch das in- tegrierte Naturgefahrenmanagement getragen. Es zeichnet sich durch eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Hochwasserrisikokreislaufes aus. Durch die Forcierung von ressort- und grenzubergreif- endem Handeln aller vom Hochwasser betroffenen wird eine Hochwasserrisikoverminderung, -begren- zung oder -vermeidung angestrebt, die zu einer Minimierung der Hochwasserschaden fuhrt. MaGnah- men zur Risikokommunikation, Bewusstseinsbildung, gut verbreitetes Katastrophenmanagement sind hier von besonderer Bedeutung (Rudolf-Miklau 2012:35; Kruse 2010:50; Muller 2010:6f).

2. INTEGRATES HOCHWASSERMANAGEMENT

Nach den jungsten Hochwasserereignissen in Osterreich, v.a. nach den Jahren 2002 und 2005, durch- dachte man das bisher angewandte Risikomanagement. Bis dahin gab es wenig Abstimmungen zwis- chen verschiedenen Institutionen und jeder fuhrte seinen Aufgabenbereich und SchutzmaGnahmen mit bestmoglichen Absichten durch. Doch eine Naturkatastrophe, wie zum Beispiel das Hochwasser, kennt keine Verwaltungs- und Zustandigkeitsgrenzen. Immer deutlicher wurden die komplexen und in unterschiedlich starken Zusammenhang stehenden Wechselwirkungen zwischen den Handlungen der verschiedenen Institutionen. Durchgefuhrte MaGnahmen in der Planungsebene konnen unter anderem die naturlichen Vorgange (z.B. Abflussverhalten), die Hohe des potentiellen Schadens und auch die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen (z.B. Akzeptanz und Risikobewusstsein) beeinfus- sen. (Muller 2010: 9)

Dadurch kam man zu dem Schluss, dass nicht die einzelnen Risikosteuerungsstrategien der einzel- nen Akteure und Institutionen, sondern erst “eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Hochwas- serrisikokreislaufes” (Muller 2010: 7) zu einem ausreichenden Hochwasserschutz fuhren kann. Diese Betrachtung und den damit einhergehenden komplexen Ablauf nennt man integriertes (bzw. integrales) Hochwassermanagement. (Der Risikokreislauf wird im anschlieGenden Kapitel 2.1. genauer erlautert.)

Hochwasserrisikomanagement umfasst “eine Verringerung des Risikos hochwasserbedingter nachteiliger Folgen insbesondere auf die menschliche Gesundheit und das menschliche Leben, die Umwelt, das Kulturerbe, wirtschaftliche Tatigkeiten und die Infrastruktur [...]” (Richtlinie 2007/60/EG, 2007: 1). Das Hochwassermanagement, wie auch das Naturgefahrenmanagement, ist ein System welches “gepragt [ist] von vielschichtigen Aufgaben, komplexen Ablaufen, zersplitterten Kompeten- zen- und Aufgabenverteilung, unterschiedlich organisierten Akteuren, parallel laufenden Aktionen und zahlreichen Schnittstellen.” (Rudolf-Miklau u. Suda 2012: 49)

Aus diesem Grund ist der Begriff “integriert” besonders ausschlaggebend. Integrieren bedeutet im Allge- meinen, etwas “zu einem ubergeordneten Ganzen zusammen[zu]stellen”, etwas “in ein ubergeordnetes Ganzes aufnehmen, eingliedern, einbeziehen” (Brockhaus Online Ausgabe). Im Falle des integrierten Hochwassermanagements bezieht sich das auf die Akteure der verschiedenen Ebenen (lokal, regional, gesamtstaatlich und europaisch), welche sich - zu “einem ubergeordneten Ganzen” (ebd.) - dem Hoch­wasserschutz und -management zusammenstellen und nach gemeinsamen Richtlinien - v.a. der. Hoch- wasserrichtlinie - handeln. (siehe Abb. 1)

Das integrierte Hochwassermanagement beruht nicht nur auf der interdisziplinaren Zusammenarbeit in Osterreich, sondern auch auf der Ebene der Europaischen Union. (siehe Abb. 1) Als gemeinsame Grundlage dafur dient die beschlossene Hochwasserrichtlinie (HW-RL) (Richtlinie 2007/60/EG uber die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken (ABl L 288/27)). Laut dieser Richtlinie sollen fur alle Einzugsgebiete von Flussen und auch Kusten das Hochwasserrisiko ermittelt, bewertet und anhand von Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten ausgewiesen werden. (Lebensministe- rium 20011b) (Eine ausfuhrlichere Beschreibung folgt im Kapitel 3.2.1).

Folgende Grafik zeigt die Planungsinstrumente zur Umsetzung der HW-RL. Die Abbildung veranschau- licht zudem, wie komplex dieses System des Hochwasserschutzes auf den Planungsebenen der Rau- mordnung ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Planungsinstrumente zur Umsetzung der HW-RL auf den Planungsebenen der Raumordnung

(Rudolf-Miklau u. Suda, 2012: 188)

Aus diesem Teilkomplex des integrierten Hochwassermanagements kann man schon die Schwierigkeit, alle Fachbereiche aus den verschiedenen Ebenen miteinander zu koordinieren vermuten.

Zusammenfassend kann als “Ziel des integrierten Hochwasser-risikomanagements [...] die groGtmogli- che Vermeidung, Verminderung oder Begrenzung des Hochwasserrisikos unter Beteiligung aller Betrof- fenen und Akteure aller Ebenen, mit allen verfugbaren Mitteln, in allen Phasen des Risikokreislaufes [...]” (Muller 2010: 11) genannt werden.

2.1. RISIKOKREISLAUF

Der Risikokreislauf stellt ein Modell dar, welches versucht, den Ablauf des integrierten Hochwasser­managements schematisch darzustellen und all die verschiedenen Fachdisziplinen mit einzubeziehen. In der Fachliteratur variiert der Risikokreislauf in manchen Bereichen, doch laufen alle Modelle da- rauf hinaus, dass es sich beim integrierten Hochwassermanagement um einen “fortlaufende[r][n] und iterative[r][n] Prozess” (Muller 2010: 9) mit Einbezug moglichst aller Beteiligten handelt. Den Risikokrei­slauf sollte man sich als eine nicht-endende Spirale vorstellen, bei dem als auslosende GroGe das Hochwasserereignis steht. Dieses Ereignis lost dann einen Prozess der Bewaltigung, Regeneration, Vorbeugung aus. (Muller 2010: 9f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Riskiokreislauf (eigene Bearbeitung)

Jedoch beginnt der Prozess bei einem Hochwasserereignis nicht von vorne, sondern er basiert “auf dem Prinzip der laufenden Verbesserung” (Rudolf-Miklau u. Suda 2012: 49). Durch ausreichende An- alysen und Reflexionen konnen aus den Erfahrungen vergangener Hochwasserereignisse Schlusse fur einen verbesserten Ablauf bei zukunftigen Ereignissen gezogen werden. (Rudolf-Miklau u. Suda 2012: 49)

2.1.1. HOCHWASSEREREIGNIS

Ein Hochwasserereignis wird durch verschiedenste eng zusammenhangende Faktoren ausgelost und beeinflusst. Grundlegender Ausloser ist meist ein ortlich begrenztes Starkniederschlagsereignis, welches zu einem erhohten Abfluss in den Flussen und Bachen fuhrt. Zudem beeinflussen auch die “Bodenbeschaffenheit, der Bewuchs, die Gelandeneigung, die GroGe des Einzugsgebietes sowie das Wasserruckhaltevermogen der Gewasser und ihrer Auen das AusmaG eines Hochwassers.” (Lebens- ministerium 2006: 6) Aber auch anthropogenes Eingreifen in die Landschaft, wie zum Beispiel starke Verbauung der Flussufer, haben erheblichen Einfluss aufden Hochwasserabfluss.

2.1.2. BEWALTIGUNG

Die Phase der Bewaltigung folgt wahrend oder direkt nach einem Hochwasserereignis.

Mit SofortmaGnahmen wie Alarmierung, Rettung, mobile Schutzelementen (z.B. Sandsacke) etc. wird versucht, potentielle Schaden und die Gefahrdung der Bevolkerung so gering wie moglich zu halten.

AnschlieGend folgen Opferbetreuung und provisorische Instandsetzungen, vor allem der Infrastruktur wie Verkehrs- und Rettungswege, Kommunikationswege, Ver- und Entsorgungsleistungen von Wasser, Strom, Abfall u.v.m. (Muller 2010: 10)

Die Bundeswasserbauverwaltung ist in dieser Phase unter anderem fur die “Organisation und Durch- fuhrung von SofortmaGnahmen” (Lebensministerium 2006: 11) zustandig und handelt auf Basis von sogenannten “Einsatzplanen (Katastrophenplanen)” (ebd.).

Zudem ist es in dieser Phase besonders wichtig, dass der Ablauf des Hochwassers und der Ablauf der Bewaltigung des Ereignisses ausreichend dokumentiert werden, um daraus hilfreiche Schlusse und Analysen fur zukunftige Vorgehensweisen durchfuhren zu konnen.

2.1.3. REGENERATION

AnschlieGend an die Phase der Bewaltigung folgen die Aufraumarbeiten der entstandenen Schaden, die Wiederherstellung von eventuell zerstorten technischen Schutzeinrichtungen sowie anderen tech- nischen und infrastrukturellen Anlagen. Zudem werden in dieser Phase Ereignisanalysen anhand der gesammelten Daten und Informationen durchgefuhrt: “Prozessanalyse, Gefahrenanalyse, Schutzde- fizitanalyse, Vulnerabilitatsanalyse” (Muller2010: 10) etc.

Anhand der Reflexion des Hochwasserereignisses ergeben sich Schlussfolgerungen und neue Erk- enntnisse, welche fur die Vorbeugung zukunftiger Katastrophen besonders wichtig sind. Dieser Vor- gang kann auch als “lessons learned” (Rudolf-Miklau 2009: 49) bezeichnet werden.

2.1.4. PRAVENTION

Im Naturgefahrenmanagement ist dies die umfangreichste Phase des Risikokreislaufs. (Rudolf-Miklau 2009: 97) Die Phasen der Bewaltigung und Regeneration sind Reaktionen auf ein vor kurzem statt- gefundenen Hochwasserereignisses, wahrend die Phase der Pravention zeitlich weiter vom vergan- genen Ereignis entfernt liegt und mehr auf ein eventuell bevorstehendes hinarbeitet. (Muller 2010: 207) Praventionsmaftnahmen dienen dazu, eine mogliche Katastrophe zu verhindern oder potentiellen Schaden bei einem zukunftigen Hochwasserereignis zu verringern. Das Ziel ist somit, eine “dauerhafte und nachhaltige Schutzwirkung” (Rudolf-Miklau 2009: 97) zu erreichen.

Das Bewusstsein der Bevolkerung ist nach einem Hochwasserereignis am hochsten, doch mit der Zeit wird dieses immer geringer und das Ereignis gerat ohne jegliche Informationsveranstaltungen in Ver- gessenheit (Rudolf-Miklau 2009: 185). Der zeitliche Abstand zu einer vergangenen Katastrophe kann vor allem bei der Akzeptanz von Hochwasservorbeugemaftnahmen zu Schwierigkeiten fuhren. Be- sonders wenn finanzielle Einsparungen Oder personliche Einschrankungen betroffen sind. Aus diesem Grund sollten die Entscheidungstrager die Bevolkerung ausreichend und kontinuierlich aufklaren und mogliche Schutzmaftnahmen fachlich gut aber auch verstandlich begrunden. Wichtig hierbei ist, dass das Hochwasserbewusstsein der BurgerInnen auch noch lange nach dem Hochwasserereignis durch verschiedenste Offentlichkeits- und Pressearbeiten aufrecht gehalten wird. (Muller 2010: 207ff)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Darstellung Vergessenskurve (Alpenkonvention o. J., eigene Darstellung)

Das MaGnahmenspektrum in dieser Phase der Prevention ist besonders groG. Es beinhaltet die “Praventionswirkung von Rechtsnormen” (Rudolf-Miklau 2009: 97), angepasste Raumnutzung und raumplanerische MaGnahmen (Muller 2010: 11), naturlicher und technischer Hochwasserschutz (vgl. ebd.) als auch Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten (vgl. ebd.). Zudem gehoren auch Risiko- und Verhaltensvorsorge (Versicherungen, Eigenvorsorge, Hochwasserschutzubungen), Infor- mationsvorsorge (Hochwassernachrichtendienst) und Hochwasserrisikomanagementplane zum Auf- gabenfeld dieser Phase. (Muller 2010: 11)

Der Raumplanung wird in der Phase der Pravention eine besonders wichtige Rolle zugeteilt. Laut Rau- mordnungsgesetz (Slbg ROG 2009) liegt ihre Zustandigkeit in der “planmaGige[n] Gestaltung eines Gebietes” (Slbg ROG 2009: §1 Abs. 1) mit dem Ziel der “bestmogliche[n] Nutzung und Sicherung des Lebensraums im Interesse des Gemeinwohles” (ebd.) unter anderem mit Berucksichtigung der naturli- chen Gegebenheit. Zudem ist es die Aufgabe der Raumplanung “Die Bevolkerung [...] vor Gefahrdung durch Naturgewalten und Unglucksfalle auGergewohnlichen Umfanges [...] durch richtige Standortwahl dauergenutzter Einrichtungen und durch SchutzmaGnahmen bestmoglich zu schutzen.” (Slbg ROG 2009: §2 Abs. 1 Z 4)

Die ortliche Raumplanung arbeitet im Bereich des Hochwasserschutzes und -pravention vor allem mit den Instrumenten Flachenwidmungs- und Bebauungsplan. Fur die passiven und aktiven Schutz­maGnahmen liegen unterschiedliche Informationsgrundlagen und rechtliche Bestimmungen zu Grunde, welche im folgenden Kapitel (3. Fokus Raumplanung) genauer erlautert werden.

Zusammenfassend zielt der Risikokreislauf des integrierten Hochwassermanagements darauf ab, dass durch ein bestmogliches Zusammenwirken von “raumplanerischen, bautechnischen [...] organisa- torischen” (Lebensministerium 2006: 10) und anderen Institutionen ein bestmoglicher Schutz vor Hoch- wasser erreicht werden soll. Denn nur arbeitsteilig lasst sich ein solch umfangreicher und komplexer Aufgabenbereich managen. (Rudolf-Miklau 2009: 57)

3. FOKUS RAUMPLANUNG

3.1. INFORMATIONSBESCHAFFUNG

Um eine preventive Fachplanung zu ermoglichen benotigt die Raumplanung Informationen uber die Hochwassergefahr in den betreffenden Gebieten. Da die Raumplanung selbst keine Plane und Er- hebungen zur aktuellen Gefahren erstellt, ist sie zur Informationsbeschaffung auf Daten und Karten anderer Institutionen angewiesen.

Hochwasserabflusskarten/Abflussuntersuchungen

Detaillierte Hochwasserabflusskarten stellen mittels durchgefuhrten Abflussuntersuchungen uberflutete Flachen miteiner Jahrlichkeitvon 30 und 100 Jahren (Hochwasseranschlaglinien)sowie FlieGgeschwin- digkeiten und Abfusstiefen dar. Diese detaillierten Gefahrenkarten bzw. physikalischen Prozesskarten bilden die Grundlage zur Gefahrenzonenplanung. Die Hochwasseranschlaglinien werden aufterdem im Flachenwidmungsplan kenntlich gemacht. (Rudolf-Miklau u. Suda 2012:190)

Gefahrenhinweiskarten und Gefahrenzonenplane

Als wichtigste Informationsquelle uber Naturgefahren und im besonderen uber Hochwasser stehen Gefahrenhinweiskarten und Gefahrenzonenplane zur Verfugung.

Gefahrenhinweiskarten geben einen groben Uberblick uber die Gefahrensituation, bleiben aber allge- mein da sie die Gefahr nicht parzellenscharf darstellen. Sie mussen gemaft Art. 6 HW-RL bzw. WRG § 55k Abs. 2 fur alle Gebieten mit signifikantem Hochwasserrisiko (Gebiete mit einem Hochwasser- wiederkehrungsintervall von 30,100 oder 300 Jahren) erstellt und alle sechs Jahre uberarbeitet werden.

In Osterreich werden Gefahrenhinweiskarten uber das HORA Projekt bezogen, welches grobe Oster- reichkarten fur Naturgefahren erstellt. (Rudolf-Miklau u. Suda 2011:186f)

Gefahrenzonenplane konnen je nach Kompetenzlage der relevanten Flusse uber die Bundeswasser- bauverwaltung (BWV) oder der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) bezogen werden. Sie stellen ein detaillierteres parzellenscharfes Bild uber die Gefahrenbereiche dar.

Ereigniskataster

In Salzburg steht weiters noch der Ereigniskataster fur die Informationsbeschaffung uber Naturkatastro- phen zur Verfugung. In der WebGIS Applikation SAGIS (Salzburger Geographisches Informationssys- tem) (siehe Abb. 4) konnen online unter dem Punkt Naturgefahren Inhalte zur Hochwasserdokumenta- tion (Ereigniszeitpunkt, Phanomene, usw.) abgerufen werden. Die Informationen stammen aus dem Interreg IIIB Alpenraum-EU-Projekt “DIS-ALP”, das eine alpenweite, standardisierte Dokumentation von katastrophalen Naturereignissen zum Ziel hat. (Land Salzburg 2012d)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Ereigniskataster in der WebGis Applikation SAGIS

(www.sagis.at)

Projektbezogene Gutachten

Projektbezogen gibt es noch weitere Gutachten die zur Informationsbeschaffung herangezogen werden konnen. Beispielsweise werden von der Bundeswasserbauverwaltung in Zusammenarbeit mit Ziviltech- nikburos Gewasserentwicklungskonzepte, Regionalstudien und Schutzwasserwirtschaftliche Raument- wicklungskonzepte erstellt. Unterschiedliche raumrelevante Informationen werden aufgearbeitet und kombiniert.

In Salzburg wurden bzw. werden fur einige Flusse Gewasserentwicklungskonzepte erarbeitet. Fur den Fluss Enns besteht eine derartige Planung allerdings nicht. (Land Salzburg 2012b) Ein Regionalent- wicklungskonzept wurde bislang fur Salzburg nicht aufgestellt.

Da der Gefahrenzonenplan und die HORA Zonierung wesentliche Informationsquellen fur die Raump- lanung darstellen, werden diese im folgenden Abschnitt genauer beschrieben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Integriertes Hochwassermanagement. Risikovermeidung durch Raumplanung
Hochschule
Technische Universität Wien
Note
1
Autoren
Jahr
2012
Seiten
55
Katalognummer
V302973
ISBN (eBook)
9783668018433
ISBN (Buch)
9783668018440
Dateigröße
3863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integriertes, hochwassermanagement, risikovermeidung, raumplanung
Arbeit zitieren
DI Manuela Stögerer (Autor:in)Valentin Schalk (Autor:in)Katharina Jutz (Autor:in), 2012, Integriertes Hochwassermanagement. Risikovermeidung durch Raumplanung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302973

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