Ziel dieser Arbeit war die Erstellung eines theoriegeleiteten Maßstabes als Analyse- und Entwicklungsinstrument zur Umsetzung von Inklusion in Werkstätten für behinderte Menschen. Dazu wurden verschiedene Textquellen der Debatten zur Inklusionsfrage von Werkstätten für behinderte Menschen inhaltsanalytisch betrachtet und theoretisch essentielle Begriffe wie Inklusion, Selbstbestimmung und Empowerment sowie Teilhabe am Arbeitsleben, am Leben und in der Gemeinschaft definiert.
Aus der Theorie und den Ergebnissen der inhaltsanalytischen Betrachtung wurden in Anlehnung an den Index für Inklusion1 von Boban & Hinz Kategorien abgeleitet, aus denen sich der theoriegeleitete Maßstab als Analyse- und Entwicklungsinstrument zusammensetzt. Dieser wurde exemplarisch an ausgewähltem Textmaterial angewendet.
Ferner wurde in der inhaltsanalytischen Betrachtung und der Darstellung der verschiedenen Sichtweisen aus der Debatte zur Inklusionsfrage der Werkstätten für behinderte Menschen deutlich, dass noch großer Entwicklungs- und Reformbedarf inner- und außerhalb solcher Einrichtungen besteht und noch lange nicht alle Potentiale zur Umsetzung von Inklusion ausgeschöpft wurden. Es konnte deutlich gemacht werden, dass Inklusion eine Art innere Haltung ist, die sich im Denken und Handeln widerspiegeln muss und aufgrund ihres Prozesscharakters Mut, Geduld, Beharrlichkeit und Ausdauer zur erfolgreichen Umsetzung erfordert.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1 THEORETISCHER RAHMEN
1.1 Zum Behinderungsbegriff
1.2 Inklusion
1.3 Selbstbestimmung und Empowerment
1.4 Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gesellschaft
2 BESCHREIBUNG DES FORSCHUNGSFELDES
2.1 Die Systeme Eingliederungshilfe und berufliche Rehabilitation als rechtlicher und inhaltlich-programmatischer Rahmen der WfbM
2.1.1 Grundsätzliches Spannungsverhältnis im Dienstleistungsdreieck
2.1.2 Beschreibung der WfbM als Leistungserbringer
2.1.3 Leistungsberechtigte und Zugang zur WfbM
2.1.4 Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
2.1.5 Sozialpolitische und rechtliche Entwicklungen
3 THEORIEGELEITETER MAßSTAB
3.1 Entwicklung der Kategorien des theoriegeleiteten Maßstabes
3.2 Exemplarische Anwendung des Maßstabes als Textanalyseinstrument
4 ERGEBNISSE UND AUSWERTUNG
AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis zielt darauf ab, einen theoriegeleiteten Maßstab zu entwickeln, der als Analyse- und Entwicklungsinstrument für Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) fungiert, um die Inklusionsbemühungen in diesen Einrichtungen zu bewerten und Potenziale für eine weiterführende Öffnung hin zu inklusiven Strukturen aufzuzeigen.
- Analyse des theoretischen Fundaments zu Inklusion, Selbstbestimmung und Empowerment.
- Untersuchung des rechtlichen und programmatischen Rahmens von WfbM im Kontext der Inklusionsdebatte.
- Erstellung eines Kategorienschemas zur Messung von Inklusion in Werkstattstrukturen.
- Exemplarische Anwendung des entwickelten Maßstabs auf bestehende Werkstattkonzepte.
- Identifikation von Entwicklungspotenzialen und Reformbedarf in der Eingliederungshilfe.
Auszug aus dem Buch
1.2 Inklusion
Der Begriff Inklusion (lat. = inclusio) bedeutet so viel wie "Einschluss" oder auch "Enthalten sein". Inklusion beschreibt also die Zugehörigkeit aller Menschen zur Gesellschaft, verbunden mit der Möglichkeit zur uneingeschränkten Teilhabe in allen Bereichen dieser Gesellschaft.
„„Inklusion“ heißt, Menschen willkommen zu heißen. Niemand wird ausgeschlossen, alle gehören dazu: zu unserer Gesellschaft. Alle werden anerkannt und alle können was beitragen. Unsere Gesellschaft wird reicher durch die Vielfalt aller Menschen, die in ihr leben. Das Wort Inklusion bedeutet auch, nachzudenken und zu beobachten: Wo und warum werden Menschen noch ausgeschlossen? Wie können wir das ändern?“
Die UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 wendet sich mit der Forderung nach Inklusion gegen eine gesellschaftliche Marginalisierung, da sie nicht nur für Menschen mit Behinderungen gilt, sondern auch andere Menschen, die beispielsweise wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer sozialen Stellung benachteiligt werden, mit einschließt.
Inklusion ist jedoch keine Einstellung, bei der ich „einen inneren Schalter umlegen“ kann, sondern eine verfestigte innere Haltung, die das Denken und Handeln bestimmt und die sich damit wiederum reziprok auf die Gesellschaft auswirken kann. Brokamp verweist hier vor allem auf den Prozesscharakter von Inklusion.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Autorin begründet die Relevanz der Forschungsfrage nach der Inklusionsfähigkeit von Werkstätten vor dem Hintergrund ihrer Tätigkeit als Fachberaterin.
1 THEORETISCHER RAHMEN: Es werden grundlegende Begriffe wie Behinderung, Inklusion, Selbstbestimmung und Empowerment theoretisch definiert und in den Kontext sozialer Teilhabe gesetzt.
2 BESCHREIBUNG DES FORSCHUNGSFELDES: Dieses Kapitel beleuchtet das System der Eingliederungshilfe und die Rahmenbedingungen der WfbM unter kritischer Betrachtung aktueller Inklusionsdebatten.
3 THEORIEGELEITETER MAßSTAB: Hier wird ein Instrument zur Messung und Entwicklung von Inklusion in Werkstätten erarbeitet und exemplarisch auf drei Werkstattkonzepte angewendet.
4 ERGEBNISSE UND AUSWERTUNG: Die Autorin bilanziert, dass Werkstätten trotz Bemühungen oft noch exklusive Sonderwelten darstellen und einen hohen Reformbedarf zur Umsetzung inklusiver Prozesse haben.
AUSBLICK: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung von Netzwerkarbeit und der Haltung als Inhaber von Rechten, um Inklusion als fortlaufenden Prozess zu gestalten.
Schlüsselwörter
Inklusion, Werkstätten für behinderte Menschen, WfbM, Selbstbestimmung, Empowerment, Teilhabe am Arbeitsleben, Eingliederungshilfe, UN-Behindertenrechtskonvention, Inklusive Strukturen, Inklusive Kulturen, Übergangsförderung, Soziale Teilhabe, Arbeitsmarkt, Sozialrecht, Inhaltsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis?
Die Arbeit untersucht, inwiefern Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) Inklusion umsetzen können und ob sie Orte der Inklusion darstellen oder eher als exklusive Sonderwelten fungieren.
Welche Themenfelder sind zentral?
Die Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den Begriffen Inklusion, Selbstbestimmung, Empowerment sowie der beruflichen Teilhabe und den rechtlichen Rahmenbedingungen der Eingliederungshilfe.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines theoriegeleiteten Maßstabes, der als Analyse- und Entwicklungsinstrument dient, um Werkstätten bei der Umsetzung inklusiver Prozesse zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, um verschiedene Textquellen, Konzepte und Diskussionen aus den letzten 10 Jahren auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt das Forschungsfeld WfbM, die theoretischen Hintergründe und diskutiert Herausforderungen wie den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und das Spannungsverhältnis im Dienstleistungsdreieck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Inklusion, Empowerment, WfbM, soziale Teilhabe und den Prozesscharakter von Inklusionsbemühungen beschreiben.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Integration" und "Inklusion"?
Während Integration oft innerhalb bestehender Sondereinrichtungen erfolgt, fordert Inklusion eine gesellschaftliche Struktur, die Vielfalt als Normalität begreift und niemanden ausschließt.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse in Bezug auf das "Persönliche Budget"?
Die Arbeit zeigt auf, dass das Persönliche Budget zwar ein wichtiges Instrument zur Förderung der Selbstbestimmung ist, in der Praxis jedoch noch zu selten genutzt wird und eine zu geringe Bekanntheit aufweist.
- Arbeit zitieren
- Nicole Zollmann (Autor:in), 2013, Werkstätten und Inklusion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303107