„Finanzmarktkrise, Bankenpleiten, Personalabbau, die heile Welt der Finanzbranche ist deutlich aus den Fugen geraten. Die Unsicherheit bei Sparern und Anlegern ist groß. Davon profitieren unabhängige Finanzberater. Sie erleben derzeit einen ungeahnten Boom.“ In der heutigen Zeit nach der Finanzmarktkrise ist bei den Kunden ein immenser Vertrauensrückgang gegenüber den Finanzberatern zu verzeichnen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass bisher viele Anleger eine negative Beratung seitens der Finanzberater erfahren haben. Viele Kunden, die sich Gedanken über ihre Vorsorgepläne machen, sind sich oft nicht im Klaren darüber, wie sie ihr Geld effektiv anlegen sollen. Oftmals haben sie keinen genauen Überblick über ihre aktuelle Finanzsituation, weshalb sie das Gespräch mit einem Finanzberater suchen. Auf Grund des breiten Spektrums an Anlageangeboten kann der Anleger zwischen Banken, Versicherungen oder sonstigen diversen Finanzdienstleistern wählen. Er hat eine Auswahl zwischen Banken, Versicherungen oder privaten Finanzdienstleistern.
Vor einiger Zeit hat sich in dieser Branche die Beratung auf Provisionsbasis etabliert und wird von fast allen Finanzberatern angeboten. Seit der Finanzkrise wird dieses Modell doch sehr in Frage gestellt und ein neues Vergütungssystem wurde auf den Markt gebracht, die Honorarberatung. Aktuell herrscht in der Finanzberatungsbranche eine rege Diskussion welches der beiden Vergütungssysteme besser geeignet ist. Der Wunsch nach fairer Beratung und Kostentransparenz wird immer deutlicher. Bei der Provisionsberatung wird der Berater über die Provision von einem Produktanbieter verdeckt bezahlt. Hingegen wird er bei der Honorarberatung direkt vom Anleger bezahlt. In Deutschland überwiegt bisher die Beratung auf Provisionsbasis. Die Honorarberatung stellt zur Zeit noch ein Nischenprodukt dar. Diese ist in anderen EU-Ländern oder den USA mittlerweile weit verbreitet und dort ein fester Bestandteil der Finanzberatungsbranche, nur in Deutschland noch nicht. Ein erster Vorreiter für reine Honorarberatung war die Quirin Bank AG in Berlin. Sie wurde im Jahre 2006 gegründet und ist die erste reine Honorarberaterbank Deutschlands.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
2 Grundlagen
2.1 Definition Finanzberatung
2.2 Die verschiedenen Vergütungssysteme
2.2.1 Vergütung auf Provisionsbasis
2.2.2 Vergütung auf Honorarbasis
2.2.3 Vergütung auf Provisions- und Honorarbasis (Mischform)
2.3 Principal-Agent-Theorie
2.3.1 Probleme der Principal-Agent-Theorie
3 Provisionsvermittlung vs. Honorarberatung
3.1 Kostentransparenz
3.2 Unabhängige Beratung
3.3 Qualifikation eines Beraters
3.4 Motivation eines Beraters
4 Vergleich Deutschland mit dem Rest Europas und der USA
5 Die erste Honorarberaterbank Deutschlands
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel in der Finanzberatungsbranche, indem sie die klassische, provisionsbasierte Beratung der Honorarberatung gegenüberstellt. Dabei wird analysiert, wie sich unterschiedliche Vergütungssysteme auf die Beratungsqualität, Kostentransparenz und das Anlegervertrauen auswirken und inwieweit die Honorarberatung als kundenfreundlichere Alternative fungieren kann.
- Vergleich von provisionsbasierter Beratung und Honorarberatung
- Analyse von Interessenskonflikten mittels der Principal-Agent-Theorie
- Untersuchung von Kostentransparenz und Beraterqualität
- Internationaler Vergleich der Etablierung von Honorarmodellen
- Vorstellung der Quirin Bank AG als Pionier der Honorarberatung in Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.1 Kostentransparenz
Die Kostentransparenz spielt in der Finanzberatung eine sehr entscheidende Rolle, denn jeder Kunde möchte bereits vorher wissen, welche Höhe die Kosten vereinnahmen. Hierbei werden erhebliche Unterschiede zwischen der Provisionsvermittlung und der Honorarberatung erkenntlich.
Bei der Honorarberatung kann das Honorar entweder pauschal, vom betreuten Vermögensvolumen oder vom Zeitaufwand ausgehend berechnet werden. Das Honorar wird direkt an den Finanzberater gezahlt. Folglich weiß der Kunde wie viel er seinem Berater als Honorar zu entrichten hat.
Bei der Provisionsvermittlung muss der Kunde für die reine Beratung nichts zahlen. Deswegen erscheint ihm diese Beratungsart in erster Sicht günstiger, da er diese vermeintlich kostenlos erhält. Beim genaueren Hinsehen fällt jedoch auf, dass der Finanzberater hier vom Anleger bezahlt wird. Zu Beginn ist hier nicht offensichtlich, dass der Anleger den Berater, verdeckt über Umwege, bezahlt. Ein Finanzberater erhält seine Provision vom Produktanbieter. Kommt es letztendlich zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Produktanbieter und dem Anleger, so muss der Anleger zum Beispiel einen Ausgabeaufschlag oder eine Verwaltungsgebühr an den Produktanbieter bezahlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Vertrauensverlust der Kunden gegenüber Finanzberatern nach der Finanzkrise und stellt die Honorarberatung als alternative, transparente Lösung vor.
2 Grundlagen: In diesem Kapitel werden Begriffe definiert, verschiedene Vergütungsmodelle wie Provisions-, Honorar- und Mischmodelle erläutert und die Principal-Agent-Theorie zur Erklärung von Interessenkonflikten herangezogen.
3 Provisionsvermittlung vs. Honorarberatung: Hier erfolgt ein detaillierter Vergleich der beiden Systeme hinsichtlich Transparenz, Unabhängigkeit, Qualifikationsproblematiken und der Motivation der Berater.
4 Vergleich Deutschland mit dem Rest Europas und der USA: Dieses Kapitel analysiert den internationalen Markt und zeigt auf, dass Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien oder den USA bei der Etablierung der Honorarberatung noch Nachholbedarf hat.
5 Die erste Honorarberaterbank Deutschlands: Die Quirin Bank AG wird als erstes deutsches Institut vorgestellt, das konsequent auf das Honorarmodell setzt, und ihre Entwicklung sowie Geschäftsfelder werden beleuchtet.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Honorarberatung kundenfreundlicher ist, jedoch in Deutschland eine gesetzliche Verankerung und Standardisierung benötigt, um sich flächendeckend als Alternative zur Provisionsberatung durchzusetzen.
Schlüsselwörter
Finanzberatung, Honorarberatung, Provisionsberatung, Kostentransparenz, Principal-Agent-Theorie, Finanzmarktkrise, Quirin Bank AG, Nettoprämiensystem, Beratervergütung, Adverse Selection, Moral Hazard, Anlageberatung, Verbraucherschutz, Finanzdienstleister, Honorarmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Markt für Finanzberatung in Deutschland und vergleicht das traditionelle Provisionsmodell mit der aufkommenden Honorarberatung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf Vergütungssystemen, der ökonomischen Principal-Agent-Theorie, der Qualität der Beratung und einem internationalen Vergleich der Marktstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Honorarberatung eine transparente und kundenorientierte Alternative zur provisionsbasierten Beratung darstellt und welche Hürden einer breiteren Etablierung in Deutschland noch entgegenstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung theoretischer Modelle, ergänzt durch Fallbeispiele und Marktvergleiche zwischen Deutschland, Europa und den USA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Finanzberatung, die differenzierte Gegenüberstellung der Vergütungsmodelle, die Analyse der Marktunterschiede und die Vorstellung der Quirin Bank AG als Pionier im deutschen Markt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Finanzberatung, Honorarberatung, Kostentransparenz, Principal-Agent-Theorie und Provisionsvermittlung.
Welches spezifische Problem der provisionsbasierten Beratung wird identifiziert?
Ein zentrales Problem ist der Interessenskonflikt, da der Berater für Abschlüsse provisioniert wird, was dazu führen kann, dass nicht das optimale Produkt für den Kunden, sondern das Produkt mit der höchsten Provision empfohlen wird.
Welche Rolle spielt die Quirin Bank AG für die Argumentation?
Die Bank dient als praktisches Beispiel für ein funktionierendes, profitables Geschäftsmodell der Honorarberatung in Deutschland und untermauert die These, dass ein Umdenken in der Branche möglich ist.
Warum ist die Honorarberatung in Deutschland bisher nur ein Nischenprodukt?
Dies liegt unter anderem an der fehlenden gesetzlichen Verankerung des Berufsbildes, der historischen Dominanz von Provisionsmodellen und dem Umstand, dass Kunden die Kosten der Honorarberatung im Voraus zahlen müssen, was oft als teurer wahrgenommen wird.
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- Master of Arts Sebastian Boosen (Author), 2011, Der Markt für Honorarberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303187