Das Phänomen der Fürstenkonversionen - Auswirkungen, Hintergründe, Betroffene


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 2,75


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation ab 1648

3. Gründe für eine Konversion

4. Berühmte Konvertiten
4.1 Konversion aus Überzeugung
4.2 Karriere in der Reichsarmee und Kirche
4.3 Der Förder der Konvertiten: Johann Philipp von Schönborn
4.4 Machtpolitische und dynastische Konversionen

5. Auswirkungen der Konversionen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Das Phänomen der Fürstenkonversionen

- ihre Auswirkungen, Hintergründe, Betroffene -

1. Einleitung

In der zweiten Hälfte des 17. Jh. sowie zu Anfang des 18 Jh. nahm die Zahl der Konvertiten innerhalb des deutschen Reichsgebietes erheblich zu. In umgekehrter Weise zu der Zeit vor dem 30jährigen Krieg, wurde nun vom protestantischen Glauben weg und zum katholischen hin konvertiert.

Im Verlauf dieser Arbeit werden die Beweggründe und Motive für eine Konversion zum Katholizismus heraus gearbeitet und erläutert. Um sie zu explizieren, werden sie in Beziehung zu bekannten Konvertiten der damaligen Zeit gesetzt. Es soll dabei veranschaulicht werden, daß weltliche Interessen, aber auch religiöse Motive Beweggrund eines Glaubenswechsel darstellten und diese sich nicht gegenseitig ausschlossen.

Die Arbeit wird sich bei den Beispielen für Glaubensübertritte ausschließlich auf Fürstenkonversionen beziehen, da am Beispiel von Glaubenswechsel der Fürsten die Eigenart und der Charakter der Konversionen sehr gut verdeutlicht werden kann.

Auf Glaubensübertritte des 3. Standes wird deshalb nicht näher eingegangen werden.

Auch werden die Auswirkungen dargestellt, welche die Konversion eines Landesherrn für sein Volk und Territorium mit sich führen konnte.

Davor ist jedoch ein Blick auf die politischen und religiösen Bedingungen der damaligen Zeit geboten.

2. Die Situation ab 1648

Prägend für die konfessionelle und religiöse Entwicklung des Reiches waren vor allem die Bestimmungen des Westfälischen Friedens. Der Westfälische Friede kann nicht nur als Beendigung eines Krieges gesehen werden, er bedeutet darüber hinaus ein „sich Abfinden“ mit der neuen Religion. Entsprechend war auch der Friedensvertrag abgefaßt. Er berücksichtigte neben politischen Regelungen auch sehr stark die konfessionsrechtlichen Bestimmungen und Regelungen für das Reich.

Der Westfälische Friede baute auf den Bestandteilen des Augsburger Religionsfriedens auf und erkannte diesen gleichzeitig an.[1]

So garantierte er durch die Regelung des „Ius emigrandi„ ein Abzugsrecht andersgläubiger Untertanen aus einem Territorium, wodurch die Voraussetzung für eine hohe konfessionelle Mobilität geschaffen wurde. Des weiteren wird die bürgerliche und religiöse Rechtsstellung Andersgläubiger festgelegt, jedoch mit der Unterscheidung zwischen öffentlicher und privater Religionsausübung.

Der geistliche Vorbehalt, der zuvor eine Schutzfunktion für die katholische Kirche hatte, wird in eine paritätische Bestimmung umgewandelt. Von nun an konnte das „Reservatum ecclesiasticum„ in gleicher Weise für und gegen Katholische und Reformierte gelten.

Auch waren von dato an drei Konfessionen innerhalb des Reiches anerkannt: Der Katholizismus, die lutheranische und die calvinistische Konfession.

Eine zentrale Bestimmung des Westfälischen Friedens ist zweifellos die Festsetzung des „annus normalis„. Durch die Anerkennung des Normaljahres und Normaltages auf den 1. Januar 1624, wird das Ius reformandi welches das Recht auf Landeshoheit beinhaltet und vertraglich bestätigt wird, quasi ausgehebelt. Daraus ergibt sich, daß die Untertanen eines konvertierten Landesherrn ihre Konfession beibehalten können, auch wenn der Landesfürst diese wechselt. Der Grundsatz „cuius regio, eius religio„ hat dadurch keine eigentliche Geltung mehr.

Verständlicherweise wurde dieser Absatz im Westfälischen Friede von der katholischen Kirche als der unliebsamste empfundenen. Es wurde verhindert, daß die katholische Kirche durch Konversionen von Landesherren einen großen Teil ihres Einfluß zurück gewinnt. Denn 1622 hatte der Papst die „Congregatio de Propaganda Fide“ einberufen, die den Auftrag beinhaltete protestantische Fürsten zur Glaubensrückkehr zu bewegen und auf diese Weise verlorengegangenes Gebiet zurückzugewinnen.[2]

Der Friede. bedingte somit in gleichem Modus eine Stabilisierung der Beziehungen der verschiedenen Konfessionen untereinander als auch des Besitzstandes, sowie eine fortschreitende Entwicklung von Konversionen und gemischt-konfessionellen Staaten innerhalb des Reiches.

Trotz alledem blieben die Fronten nicht unbeweglich . Im 17. Und 18. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Konversionen evangelischer [...] Fürsten zum Katholizismus. Man kann förmlich von Wellen sprechen.[3]

Die Beweggründe der regierenden Landesherren waren aber oftmals eher persönlicher oder politischer Natur, sie hatten weniger das Ziel, einer Konfessionsvermischung im Staat zu erreichen und somit zur Verständigung der Religionen beizutragen.

Welche Motive für eine Konversion konnte ein Fürst haben, wie sind diese zu bewerten und letztlich in den historischen Kontext einzuordnen?

3. Gründe für eine Konversion

In der Literatur zum Konversionsbegriff allgemein anerkannt ist die Bestimmung der Konversion als einen radikalen Einstellungswandel des Individuums [...]. Meist wird die Einstellungsänderung in engem Zusammenhang mit einer Änderung des Verhaltens und der Gruppenzugehörigkeit gesehen [...] .[4]

Das Spektrum der Faktoren und Motive, welche einen Einstellungswandel bewirken können und somit zu einer Konversion führen, ist relativ groß. Es reicht von politisch-dynastischen Gründen bis hinzu der einfachen Überzeugung, zum „richtigen„ Glauben überzutreten. Diese Beweggründe lassen sich in 6 zentrale Motive gliedern, welche hier vorgestellt und im folgenden Kapitel durch Beispiele bestätigt werden.

Als erstes wäre die Faszination für die katholische Barockkultur und die hierarchische Gliederung der katholischen Kirche zu nennen.[5]

Es ist leicht nachzuvollziehen, welche Anziehung der barocke Stil katholischen Kirchen auf die Menschen und selbstverständlich auch auf die Protestanten ausgeübt haben kann. Der katholischen Kirche mit ihrer prächtigen, pompösen Architektur, stehen die eher schlichten und einfachen Kirchen der Reformierten gegenüber. Zu erwähnen sind auch die Zeremonien der jeweiligen Gottesdienste, die sich ähnlich wie beim Baustil in schlichte und beeindruckende Ausprägungen unterscheiden.

Auch die hierarchische Gliederung der katholischen Kirche muß auf viele Menschen beeindruckend gewirkt haben.

Die katholische Kirche ist und war hierarchisch geordnet und streng durch organisiert. Somit ist immer eine Person vorhanden, die übergeordnet ist und an die man sich gegebenenfalls wenden kann. Eine Situation, welche den mit dem System der Monarchie aufgewachsenen Zeitgenossen vertraut erschienen war.

Ein weiterer Anlaß für eine Konversion stellt die religiös individuelle Überzeugung dar, den wahren Glauben gefunden zu haben. Oftmals wird dieser Aspekt nicht hinreichend beachtet und jegliche Konversion mit politischen und wirtschaftlichen Motiven begründet. Gerade aber in einer Zeit, die durch einen vorhergegangenen Religionskrieg geprägt war, muß die Suche und Beschäftigung mit dem „wahren Glauben„ eine große Rolle gespielt haben.

Wie bereits erwähnt, wird unter Konversion die Vorstellung eines persönlichen Wandels und der individuellen Änderung der Einstellung verstanden. Diese Vorstellung findet sich schon in den Worten ausgedrückt, die dafür in der Bibel verwendet werden: im Hebräischen „shub„ und den griechischen Vokabeln „epistrephein„, „strephein„ uns „mentanoia„, die alle einen dramatischen Wandel, eine Wendung von einer Auffassung zu einer anderen [...] bezeichnen.[6]

Zuvor randständige und als uninteressant empfundene religiöse Richtungen werden nun bewußt war genommen und als erstrebenswert empfunden.

Im Gegensatz dazu ist der folgende Konversionsanlaß eher profan. So war eine Karriere zur damaligen Zeit sowohl in der Reichskirche als auch in der kaiserlichen Armee nur als Angehöriger der katholischen Konfession möglich.[7] Gerade die Chance, in der Reichskirche aufzusteigen und ihr anzugehören, bewegte im Verlauf des 17Jh. zahlreiche Angehörige der gehobenen Schichten, ihre Religionszugehörigkeit zu wechseln.

Führende Positionen waren Katholiken vorbehalten, was noch lange Zeit Bestand hatte.

Daran lassen sich weitere persönliche Motive und Gründe für eine Konversion anschließen.

Es können eventuelle finanzielle Vorteile und eine mögliche zukünftige Förderung durch einen Gönner, die aus einem Glaubenswechsel resultieren, hinzuzählen.

Dies musste zwar nicht immer im Vordergrund stehen, allerdings konnte solches einen erheblichen Trost für den Verlust der alten Religion darstellen.

[...]


[1] Konrad Fuchs & Heribert Raab: Westfälischer Friede. In: Wörterbuch Geschichte. München 1987, S.869

[2] http://www.lwl.org/westfaelischer-friede/wfd-t/wfd-txt1-28.htm, S. 5

[3] Rudolf Reinhardt: Konvertiten und deren Nachkommen in der Reichskirche der frühen Neuzeit. In: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 8 (1939), S. 1

[4] Eckhart Friedrich, Klaus Hartmann & Detlef Pollack: Kircheneintritt und Konversion. In: Hubert Knoblauch , Volkhard Krech & Monika Wohlrab-Sahr (Hg.): Religiöse Konversion. Systematische und fallorientierte Studien in soziologischer Perspektive. Konstanz 1998, S. 93ff

[5] http://www.lwl.org/westfaelischer-friede/wfd-t/wfd-txt1-28.htm, S. 4

[6] Hubert Knoblauch , Volkhard Krech & Monika Wohlrab-Sahr: Religiöse Bekehrung in soziologischer Perspektive. In: Ders. (Hg.): Religiöse Konversion. Systematische und fallorientierte Studien in soziologischer Perspektive. Konstanz 1998, S. 8

[7] http://www.lwl.org/westfaelischer-friede/wfd-t/wfd-txt1-28.htm, S. 4

[8] Vgl. Christof Dahm: Schönborn. In: Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon Band IX (19a 633-636

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen der Fürstenkonversionen - Auswirkungen, Hintergründe, Betroffene
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Übung: Union - Konversion - Toleranz. Dimensionen der Annährung zwischen den Konfessionen im 17. Und 18. Jahrhundert
Note
2,75
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V30327
ISBN (eBook)
9783638316101
ISBN (Buch)
9783638839242
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der zweiten Hälfte des 17. Jh. sowie zu Anfang des 18 Jh. nahm die Zahl der Konvertiten innerhalb des deutschen Reichsgebietes erheblich zu. Im Verlauf dieser Arbeit werden die Beweggründe und Motive für eine Konversion zum Katholizismus heraus gearbeitet und erläutert. Um sie zu explizieren, werden sie in Beziehung zu bekannten Konvertiten der damaligen Zeit gesetzt.
Schlagworte
Phänomen, Fürstenkonversionen, Auswirkungen, Hintergründe, Betroffene, Union, Konversion, Toleranz, Dimensionen, Annährung, Konfessionen, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Dominik Petko (Autor), 2003, Das Phänomen der Fürstenkonversionen - Auswirkungen, Hintergründe, Betroffene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30327

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