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Das Differenzprinzip in John Rawls' Gerechtigkeitstheorie

Title: Das Differenzprinzip in John Rawls' Gerechtigkeitstheorie

Seminar Paper , 2015 , 11 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Schlegel (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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In seiner Einführung zu John Rawls listet Wolfgang Kersting dessen Theorie der Gerechtigkeit in einer Reihe mit den großen Texten der politischen Philosophie von Platon, Aristoteles, Hobbes, Locke, Rousseau und Kant auf. Kersting bewertet dieses bedeutende, wenn nicht sogar das bedeutendste philosophische Werk des 20. Jahrhunderts deshalb so hoch, da es Rawls damit gelungen sei, “alle Bereiche der praktischen Philosophie [...] und ihre benachbarten Einzelwissenschaften [...] in ein großes interdisziplinäres Gespräch zu verwickeln, das bis heute andauert”.
Dieses 'Gespräch' dient der “grundsätzliche[n] Verständigung darüber […], was politische und soziale Gerechtigkeit heißt”, schreibt Forster in seinem Zeit-Online-Artikel aus dem Jahre 2003 über die Hinterlassenschaft des kurz zuvor verstorbenen Philosophen, der mit seiner Theorie der Gerechtigkeit zwar keine “praktische Anleitung zur Reform des Sozialstaats” hinterließe, jedoch “eine Anleitung zum Nachdenken über die Grundsätze einer solchen Reform”.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung

II) Das Differenzprinip in Rawls' Gerechtigkeitstheorie

II.1) Zwei Prinzipien der Gerechtigkeit

II.2) Einordnung des Differenzprinzips

II.3) Die Ungeeignetheit des Optimalitätsprinzips

II.4) Ungleichheit ≠ Ungerechtigkeit

III) Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Differenzprinzip als zentralen Bestandteil von John Rawls' Gerechtigkeitstheorie zu analysieren, zu verorten und dessen spezifische Bedeutung im Kontext sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheiten zu erläutern.

  • Die theoretische Herleitung des Differenzprinzips aus dem Urzustand.
  • Die lexikalische Ordnung der Grundprinzipien bei Rawls.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit dem pareto-optimalen Optimalitätsprinzip.
  • Das Verhältnis von Ungleichheit zu Ungerechtigkeit in einer demokratischen Gesellschaft.
  • Die Anwendung des Differenzprinzips auf konkrete berufliche und ökonomische Disparitäten.

Auszug aus dem Buch

II.3) Die Ungeeignetheit des Optimalitätsprinzips

“Der Ausdruck »Optimalität« läßt den Begriff als weiter erscheinen, als er ist” (Rawls, S. 87). Ein Zustand, der als 'optimal' beschrieben wird, erweckt den Eindruck, dass er auf keine erdenkliche Art weiter optimiert, also verbessert werden kann. Im Zusammenhang mit dem Optimalitätsprinzips ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um die sogenannte Pareto-Optimalität handelt. Ein Zustand gilt dann als pareto-optimal, wenn es “unmöglich ist, die Position eines Individuums zu verbessern, ohne zugleich die Lage eines anderen zu verschlechtern” (Kersting, S. 75).

Nimmt man eine nicht vermehrbare Zahl von Gütern an, die auf eine bestimmte Anzahl von Personen verteilt wird, so wäre jede denkbare Verteilung automatisch pareto-optimal, da jede Besserstellung einzelner Individuen nur durch eine Umverteilung der Güter möglich wäre. Aber nicht jede denkbare pareto-optimale Verteilung würde man auch als gerecht empfinden. Kersting führt zur Untermauerung dieses Arguments gegen die Pareto-Optimalität an, dass selbst wenn ein einzelnes Individuum alle Güter besäße, diese Verteilung pareto-optimal wäre (vgl. Kersting, S. 75f).

Die Unergiebigkeit des Optimalitätsprinzips in Hinsicht auf die Findung einer Gerechtigkeitsvorstellung liegt also darin, dass es “gleichgültig gegenüber der Verteilungssituation im Ausgangszustand” (Kersting, S. 76) ist. Als weiteres illustrierendes Beispiel führen Rawls und Kersting das einer Sklavengesellschaft an. Die Verteilung von Grundfreiheiten und Gütern ist dort zu Ungunsten der Sklaven bzw. Leibeigenen geschehen. Die aktuelle Situation in der bereits bestehenden Gesellschaft ist jedoch pareto-optimal, denn die Verbesserung der Lebensumstände der Sklaven wäre nur auf Kosten des Lebensstandards derer Herren möglich (vgl. ebd. und Rawls, S. 91), da deren Wohlstand auf der Rechtlosigkeit der ihnen zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte fußt.

So schlussfolgert Rawls: “Nun zeigen diese Überlegungen nur, was wir die ganze Zeit schon wußten, nämlich, daß das Pareto-Prinzip allein keine Gerechtigkeitsvorstellung abgibt” (Rawls, S. 92).

Zusammenfassung der Kapitel

I) Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Rawls' Hauptwerk ein und definiert das Ziel der Arbeit, das Differenzprinzip innerhalb der Gerechtigkeitstheorie methodisch einzuordnen.

II) Das Differenzprinip in Rawls' Gerechtigkeitstheorie: Dieser Teil erörtert die zwei Gerechtigkeitsprinzipien, die Einordnung des Differenzprinzips, die Abgrenzung zum Optimalitätsprinzip sowie die Legitimation von Ungleichheiten.

III) Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass Rawls keine Anleitung für Reformen liefert, sondern eine wertvolle Diskussionsgrundlage für moderne gesellschaftliche Streitfragen bietet.

Schlüsselwörter

Differenzprinzip, John Rawls, Gerechtigkeitstheorie, Pareto-Optimalität, Verteilungsgerechtigkeit, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, soziale Ungleichheit, demokratische Gleichheit, Grundstruktur, politische Philosophie, ökonomische Disparität, Grundfreiheiten, Fairness, Chancengleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Untersuchung des Differenzprinzips innerhalb von John Rawls' Werk "Theorie der Gerechtigkeit".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Verteilungsgerechtigkeit, die Funktionsweise von Gesellschaftsverträgen und die Bedingungen, unter denen soziale Ungleichheiten als gerechtfertigt gelten können.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Differenzprinzip zu definieren, gegenüber dem Optimalitätsprinzip abzugrenzen und zu verdeutlichen, wie Rawls dieses Prinzip in seiner Theorie der Gerechtigkeit verstanden wissen möchte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Rawls' Primärliteratur mit ausgewählten Sekundärkommentaren wie denen von Wolfgang Kersting und Will Kymlicka in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die beiden Grundprinzipien von Rawls analysiert, das Optimalitätsprinzip kritisch hinterfragt und an konkreten Beispielen illustriert, warum ungleiche Entlohnung unter bestimmten Bedingungen legitim sein kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie Differenzprinzip, Schleier des Nichtwissens, Verteilungsgerechtigkeit und Pareto-Optimalität.

Warum lehnt Rawls das Optimalitätsprinzip als alleinige Bewertungsgrundlage ab?

Rawls lehnt es ab, weil das pareto-optimale Prinzip gegenüber der Ausgangslage gleichgültig ist – es könnte beispielsweise auch eine Sklavengesellschaft als "optimal" bezeichnen, sofern keine Besserstellung ohne Verschlechterung möglich ist.

Wie unterscheidet Rawls zwischen Ungleichheit und Ungerechtigkeit?

Ungleichheiten sind laut Rawls dann legitim, wenn sie den am stärksten benachteiligten Mitgliedern der Gesellschaft zum Vorteil gereichen, anstatt lediglich ein bestehendes Machtgefälle zu zementieren.

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Details

Title
Das Differenzprinzip in John Rawls' Gerechtigkeitstheorie
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Philosophie)
Course
Einführung in die politische Philosophie
Grade
2,0
Author
Christian Schlegel (Author)
Publication Year
2015
Pages
11
Catalog Number
V303303
ISBN (eBook)
9783668016941
ISBN (Book)
9783668016958
Language
German
Tags
differenzprinzip john rawls gerechtigkeitstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Schlegel (Author), 2015, Das Differenzprinzip in John Rawls' Gerechtigkeitstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303303
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