Sport bei den Inuit. Geschichte und Spiele des Volkes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Geschichte der Inuit
1.Woher kamen die Inuits? Wo liegen ihre Ursprünge?
2.Ein Leben für die Gemeinschaft

II. Die Spiele der Inuit
1. Zerr-Spiele
a. Zwischen Tauziehen und Hodenreißen
b. Mundziehen - eine Bewegungssituation
c. Ohrreißen
d. Bewertung
2. Springspiele
a. Die hohen Stöße
b. Das Deckenspringen
c. Das Seilspringen
3. Geschicklichkeitsspiele
a. Nullugaut
b. Bilboquet
4. Ballspiele
a. Pitseolak
b. Handball und Fußball

III. Inuit Sport in unserer Zeit

Literaturverzeichnis

I. Geschichte der Inuit

Als Esqimantsik (Rohfleischfresser) bezeichneten die Athabaska-Indianer geringschätzig ihre nördlichen Nachbarn. Die Europäer übernahmen die beleidigende Bezeichnung und verkürzten sie auf ,,Eskimo". Die Menschen der Arktis nennen sich jedoch Inuit, in der Einzahl Inuk, was schlicht , das Volk" bzw. ,,Der Mensch" bedeutet. Doch die ,,Rohfleischesser" haben es geschafft in einer nahezu lebensfeindlichen Umgebung zu überleben. Rohes Fleisch nahmen sie aus Not zu sich, weil nur wenige Eskimogruppen über Holz zum Kochen verfügten und die Hitze der Tranlampen zum Kochen kaum ausreicht. Außerdem hat rohes Fleisch den Vorteil, dass es nahrhafter ist und mehr Vitamin D und A enthält. Die Eskimos bewohnen fast zehntausend Kilometer Küste vom Pazifik bis zum Atlantik, von Sibirien und Alaska bis nach Kanada, Grönland und Labrador. Ein Gebiet, das 140 Längengrade umfasst und in seiner Nord-Süd-Ausdehnung immerhin der Entfernung zwischen der nördlichen und südlichen Grenze der USA entspricht. Keine andere, zahlenmäßig so kleine Rasse, die mit ihren 80000 Menschen bequem in ein großes Fußballstadion passen würde, kann auf ein so großes Verbreitungsgebiet verweisen, keine andere Rasse, die Naturvölker Australiens, Polynesiens und Afrikas eingeschlossen, muss aber auch in so einem menschenfeindlichen Land leben. Die meisten Wissenschaftler wundern sich noch heute darüber, dass eine Kultur in den unwegsamen Gebieten der Arktis und der baumlosen Tundra nicht nur bestehen sonder auch zur Entfaltung kommen konnte. Diese Wandtafel soll Einblick in den Anfang und die Einflüsse des weißen Mannes auf die Inuits zeigen aber auch einige Kulturzüge, die uns vielleicht auf den ersten Blick ,,nicht menschlich"(,weil sie nicht unserer europäischen Moral entsprechen) erscheinen wollen, aufzeigen und erklären.

1.Woher kamen die Inuits? Wo liegen ihre Ursprünge?

Trotz des großen Verbreitungsgebietes zeigen alle Eskimogruppen die gleiche Kultur und die gleiche Sprache auf, doch die genaue Entwicklungsgeschichte kennen die Wissenschaftler bis heute nicht. Es gibt nur Vermutungen die auf geographische Tatsachen, archäologischen Funden oder Rekonstruktionen aus den Erzählungen der Eskimos, die es nur wenig gibt beruhen. Die Möglichkeiten über die Herkunft der Eskimos lässt sich in zwei grobe Richtungen einteilen: Bis zum Ende des Neunzehnten Jahrhunderts gingen die Forscher von der Theorie aus, dass die Eskimos ursprünglich ein asiatischer Volksstamm waren, der von feindlichen Stämmen in den Norden des asiatischen Kontinents abgedrängt wurde und in seiner Not leinen anderen Ausweg wusste als ins spätere Alaska und nach Kanada und Grönland auszuwandern. Sie zogen mit den Vorfahren der späteren Indianer über eine Landbrücke, die damals zwischen dem asiatischen und amerikanischen Kontinent existierte, wahrscheinlich in einer sehr kalten Periode, denn er bestand aus Eis. Um 1871 stellte Henry Rink dann die Theorie auf, dass die Eskimos eine von den zentralamerikanischen Indianern abgespaltene Gruppe war, die nach Norden hin vertrieben wurde. Einig ist man sich jedoch darin, dass Indianer und Eskimos ursprünglich asiatischer Abstammung sind. Die eigentliche Eskimo-Kultur entstand aus verschiedenen Kulturen: Ca 3500v. Chr. Denbright-Kultur 2500-800v.Chr. Prä Dorset-Kulturca.500 v. Chr. Norton Kultur800-1300n. Chr. Dorset-Kultur ca. 1400 Thule Kultur Die Thule Kultur stellt den unmittelbaren Vorgänger der Eskimo-Kultur dar.

2.Ein Leben für die Gemeinschaft

Besonders schwer ist für einen Europäer der in der Eskimo-Kultur gebräuchliche Kindermord zu verstehen. Kurz nach der Geburt entscheidet meist der Vater, ob das Kind leben darf oder nicht. Die Entscheidung hängt davon ab in welchen Lebensverhältnissen sich die Gruppe momentan befand. Gab es genug zu Essen? War die Gruppe auf Wanderschaft? Und auch das Geschlecht des Kindes spielte eine Rolle, denn wenn es ein Mädchen war, dann hatte es gleich eine geringere Überlebenschance, weil ein Junge als heranwachsender Jäger für die Gruppe viel bedeutender war. Doch die Geschlechter in den Eskimo-Gruppen waren trotzdem relativ ausgeglichen, weil bei Unfällen viele Jäger ums Leben kamen. Diese Methode des Kindermords mag uns grausam erscheinen und doch war sie notwendig zur Erhaltung der Gruppe, denn eine große Gruppe kann die Arktis nicht ernähren. Auch ältere Menschen konnten eine Belastung der Gruppe werden. Wenn die Gruppe sich z.b. auf Wanderung begab konnten sie nicht dad auf ein geschwächtes Mitglied Rücksicht nehmen. Deshalb blieben Alte auch oft freiwillig in einem Schneehaus zurück, wenn sie merkten, dass sie eine zu hohe Belastung der Gruppe darstellten. Oft wird auch abfällig von Polygamie und Partnertausch unter den Inuits geredet. Doch besonders der sogenannte Frauentausch dient nicht nur dem Sexuellen ( Frauen hatten hier übrigens ein nicht geringes Mitspracherecht). Ein Frauentausch verband zwei Familien auf Dauer und forderte gegenseitige Hilfsbereitschaft. Frauentausch wurde z.b. praktiziert wenn ein Mann mit Frau auf die Jagd gehen musste, seine eigene aber schwanger oder zu schwach war. Oder man versuchte durch einen Tausch die bösen Geister zu verwirren oder abzulenken.

II. Die Spiele der Inuit

1. Zerr-Spiele

a. Zwischen Tauziehen und Hodenreißen

Der Bewegungsvorgang lässt sich nicht ohne weiteres in die uns vertrauten und institutionalisierten Muster einordnen. Handelt es sich beim Mundziehen um einen Wettkampf, einen Sport, ein Stück Folklore oder einen Jux?

Der kulturelle Kontext, aus dem das Bewegungsspiel stammt, ist die traditionelle Welt der Inuit, der Eskimo des arktischen Nordens. In den langen Nächten der Winterzeit, wenn die Sonne über Monate hin gänzlich hinter dem Horizont bleibt, rückten die Menschen hier in ihren gemeinschaftlichen Langhäusern zusammen, wo jede Familie eine Art Zelle, eine Schlafbank und eine Specklampe für sich hatte, ansonsten aber das Gemeinschaftsleben die täglichen Abläufe bestimmte. In den Tanzhäusern, kashim, dröhnten die Trommeln zum permanenten Fest. Der Trommeltanz, ingmerneq oder qilaatersorneq, versetzte die Menschen in Trance und Gelächter. Die Schamanen, angákoq, praktizierten ihre ekstatischen Seancen. In solcher Stimmung geschah es, dass man einander herausforderte, insbesondere unter den starken Männern. Neben Faustschlagen, Heben und Balanceübungen gehörten verschiedene Arten des Stockziehens (arsâraq oder quertemilik), das Tauziehen (norqutit) und Ziehen am glatten Seehundfell (asârniúneq), Arm-, Finger- und Nackenziehen zu dieser Bewegungskultur im Winterhaus, man mass sich im Ellbogenhakeln (pakásungmingneq) und Handgelenkdrücken (mûmigtut), mit Ziehen oder Drehen der Nasen und Ohren oder gar im Hodenziehen (MAUSS 1974 Seite 183ff,). Im Sommer löste sich die Inuitgesellschaft dann in kleinfamiliale Jagd- und Sammlergruppen auf. Sie trafen sich jedoch zu Sommerfesten, aasivik, bei denen abermals Trommeltänze und Wettkämpfe im Mittelpunkt standen.

b. Mundziehen - eine Bewegungssituation

Zwei Menschen stehen Schulter an Schulter. Sie legen einander den Arm um die Schultern, symmetrisch, wie gute Freunde. Dann öffnen sie den Mund, greifen mit dem Zeigefinger einander in den Mundwinkel - und auf eine Zeichen hin beginnen sie zu ziehen. Die Münder und Wangen verzerren sich, die Augen rollen, der Anblick erhält groteske Züge. Die Zeigefinger verhaken sich in den Mundwinkeln und verstärken den Druck. Die Wettkämpfer wenden die Köpfe leicht nach außen, dem Zug an der Lippe teils folgend, teils widerstrebend. Aber irgendwann gibt der eine der beiden nach, sein Kopf wird gänzlich zur Seite gezogen, und der Körper folgt der Drehung. Er ist besiegt.

Vom einzelnen Teilnehmer an diesem Ziehspiel her wäre der Vorgang etwas anders zu beschreiben. Ich fühle, wie der andere mir den Arm um die Schulter legt. Das ist nicht alltäglich, und eine sonderbare Nähe oder Intimität stellt sich ein. Das Ungewöhnliche der Situation verstärkt sich dadurch, dass ich den Finger eines anderen Menschen in meinem Mund spüre; das ist ansonsten dem Zahnarzt vorbehalten und in diesem Fall von einem besonderen Hygieneritual umgeben. Hier geht es auch nicht um die Zähne, und es nützt im folgenden schwerlich, "die Zähne zusammenzubeißen" - denn es ist die Wange, an der der Schmerz ansetzt. Ebenso ungewöhnlich ist es, dass ich mit meinem Zeigefinger das Innere der Wange meines Kontrahenten spüre - es ist feucht, warm und weich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Inuit Galerie Mannheim

Sobald das Ziehen beginnt, ist es auch ein Abtasten - wie hart darf ich ziehen, ohne dass da etwas einreißt - wie hart zieht der andere an meiner Wange? Eine Art Rhythmus stellt sich ein - zwischen meinen und seinen Bewegungen, zwischen meinem und seinem Schmerz, zwischen Nachgeben und Widerstehen. Aushalten, aushalten... Irgendwann wird mir der Schmerz unerträglich - oder es ist der andere, der plötzlich nachgibt. Der Ausgang des Kampfes ist zu ertasten und wird zugleich sichtbar. Ich fühle mit geschlossenen Augen, dass der Kampf vorbei ist, auf meiner oder auf der anderen Seite. Wir wenden uns einander zu, und ich sehe dem anderen wieder ins Gesicht. Ich muss lachen - er muss lachen. Eine Zeitlang noch wirkt der Schmerz in meinem äußeren Mundwinkel nach und hinterlässt ein Gefühl von Taubheit und Verzerrung im Gesicht. Die Situation löst sich in Gelächter auf (Eichberg 1993 Seite 257ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sport bei den Inuit. Geschichte und Spiele des Volkes
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich Sport)
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V303502
ISBN (eBook)
9783668027343
ISBN (Buch)
9783668027350
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sport, inuit, geschichte, spiele, volkes
Arbeit zitieren
OStR Niels Preiser (Autor:in), 2002, Sport bei den Inuit. Geschichte und Spiele des Volkes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303502

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