Die Elbensprache Sindarin in J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe". Eine Einführung


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Tolkien und seine Sprachen
Biographie John Ronald Reuel Tolkien
Sprachen in Mittelerde
Die Elbensprachen Quenya und Sindarin

Die Grammatik des Sindarin
Phonetik und Phonologie
Aussprache
(Plural-)Artikel und Lenierung
Nomen
Adjektive
Verben
Fragewörter
Negation
Satzbau, Wortstellung
Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

I amar prestar aen,

han mathon ne nen,

han mathon ne chae

a han noston ned wilith.

Die Welt ändert sich.

Ich spüre es im Wasser.

Ich spüre es in der Erde.

Und ich rieche es in der Luft.“

(Katzer 2015)

Mit dem Kinostart der Verfilmung des ersten Bandes der Tolkien-Trilogie „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ im Jahre 2001 fand diese Sprache ihren Durchbruch auch bei jenen, die sich zuvor nicht mit Tolkien beschäftigt hatten. Bereits im Prolog wird der Zuschauer in Form des oben stehenden Gedichtes mit der fremd klingenden Sprache konfrontiert. Es handelt sich um Sindarin; eine der bekanntesten fiktiven Sprachen in Mittelerde.

Wenige wissen, dass die Elbensprache bereits durch die erste schriftliche Veröffentlichung im Original 1954 in „Der Herr der Ringe“ bekannt wurde. Der englische Professor John Ronald Reuel Tolkien schuf seine Sprachen nicht für sein Erzählwerk, sondern umgekehrt.

Das Ziel dieser Ausarbeitung soll es sein, einen tieferen Eindruck in die von Tolkien geschaffene Kunstsprache Sindarin zu geben. Sie soll in die Gesamtheit der Sprachen in Mittelerde eingeordnet werden und in Form einer Einführung dem Leser vorgestellt werden.

Stetig liegt der Bezug zu Dr. Helmut W. Pesch (Literatur- und Sprachwissenschaftler) vor, welcher sich intensiv mit elbischen Sprachen aus linguistischer Sichtweise auseinander setzt.

Das Sindarin unterscheidet sich vom Quenya, auf welches ich mich aufgrund der Komplexität und des Umfangs nicht beziehen werde. Lediglich eine kurze Abgrenzung beider Sprachen wird vorgenommen.

Um das Augenmerk auf den Grundzügen des Sindarins zu belassen werden folgende Themen in dieser Ausarbeitung nicht behandelt: Das Verbsystem wird nur an den Grundformen des Verbs erläutert und befasst sich ausschließlich mit dem Präsens und keinem weiteren Tempus; Pronomen als auch die Wortbildung werden nicht aufgegriffen; Mutationen, die über die Lenierung herausgehen, werden nur genannt.

Alle im Sindarin gegebenen Beispiele, sofern sie nicht extra markiert sind, stammen aus Helmut Peschs „Das große Elbisch-Buch“ (2009).

Da das Sindarin in dieser Abhandlung nur in gewissem Maße erläutert werden kann, verweise ich gerne bei weiterem Interesse auf die Lehrbücher des bereits genannten Schriftstellers.

Tolkien und seine Sprachen

Um sich mit den Sprachen in Mittelerde auseinanderzusetzen ist es naheliegend, sich mit dem Schöpfer genau dieser Sprachen zu beschäftigen. Seine Motivation und Schaffensfähigkeit sind auch durch seinen Lebenslauf begründet.

Biographie John Ronald Reuel Tolkien

1892 wurde Ronald Reuel Tolkien am 3. Januar in Südafrika geboren und wuchs in England auf. Der früh verwaiste Junge entwickelte damals bereits eigene Alphabete und begeisterte sich für die Kreationen neuer Sprachen.

1911 begann Tolkien sein Studium in Oxford, bei dem er sich auf Altenglische spezialisierte. In dieser Zeit beschäftigten ihn vorwiegend mittelalterliche Dialekte und später isländische und finnische Sprachen.

Die Grundkomponenten der Elbensprachen gründeten sich später auf dem Finnischen und Walisischen.

1917 beginnt er bereits „Das Buch der verlorenen Geschichten“ zu schreiben, aus dem später „Das Silmarillion“ wird.

1924 wurde Tolkien mit 32 Jahren als Professor für englische Sprachen nach Oxford berufen und praktizierte dort für mehr als vierzig Jahre. Er zog mit seiner Frau und seinen Kindern in einen Vorort.

1930 begann Tolkien „Der Hobbit“ zu schreiben, welcher am 21. September 1937 erschien. Der Erfolg des Buches überraschte nicht nur den Verlag, sondern auch Tolkien selbst. Er begann die Fortsetzung zu schreiben, aus der später „Der Herr der Ringe“ wurde.

1949 vollendete Tolkien „Der Herr der Ringe“ und legte es

1952 seinem Verlag vor. Dieser lehnte das Manuskript ab und bat um eine Kürzung.

1954 erschienen die ersten beiden Bände „Die Gefährten“ und „Die zwei Türme“.

1955 erschien der dritte Band „Die Rückkehr des Königs“.

1956 erschien „Der Hobbit“ erstmals in einer deutschen Ausgabe im Bitter Verlag.

1959 ging Tolkien in Rente.

1969 erwarb der Klett Verlag die Rechte an „Der Herr der Ringe“; es erscheinen alle drei Bände in Deutschland.

1972 erhielt Tolkien von der englischen Königin einen Orden und von der Universität Oxford einen Ehrendoktortitel für seine literarischen Verdienste.

1973 starb Tolkien nach kurzer Krankheit am 2. September in Bournemouth, England.

Sein Sohn Christopher übernahm seinen literarischen Nachlass;

1978 veröffentlichte er „Das Silmarillion“.“ (vgl. White 2001, S.259ff.)

Sprachen in Mittelerde

Die Anfänge der Sprachen von Mittelerde liegen zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Tolkien schuf zu dieser Zeit sein eigenes Material und stellte fest, „dass jede Sprache eine Zeit braucht, in der sie sich entwickeln, und einen Raum, in dem sie sich entfalten kann. So entstand Mittelerde […]“ (Pesch 2009, S.22).

Eine genaue Anzahl der von Tolkien erschaffenen Sprachen ist nur schwer zu nennen, es gibt jedoch vier nichtmenschliche Arten von Sprachen, die linguistisch in Erscheinung treten: das Elbische (unterteilt in Quenya und Sindarin), das Zwergische, das Entische und die schwarze Sprache der Orks.

Die schwarze Sprache besteht aus einigen wenigen Bruchstücken, das bekannteste stellt die Inschrift des Ringes dar:

„Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.“ (Pesch 1984, S.150)

Sie wird als „drohend, machtvoll, hart wie Stein“[1] charakterisiert. Die Artikulationsbewegung ist von vorn nach hinten und endet meist mit einem Verschluss wie in nazg ‚Ring‘. Es gibt kaum Frikative außer den meist stimmlosen Zischlauten [s,z,sh,th] und kaum Nasale außer dem bilabialen Verschlusslaut [m].

Morphologisch funktioniert sie nach dem Prinzip der Rechtsverzweigung: alle Modifikationen werden an das Grundwort angehangen (vgl. Pesch 1984, S.152). Die schwarze Sprache gilt als beinahe funktionsunfähig und dient vor allem für Flüche. Sie soll als ebenso unmenschlich wie ihr Schöpfer (der Dunkle Herrscher) wahrgenommen werden und hat aus diesem Grunde auch eine lebensfeindliche Phonologie, die eine dauerhafte Aussprache längerer Passagen unmöglich machen würde.

Die Sprache der Zwerge, das Khuzdul, verfügt ähnlich wie die schwarze Sprache vorwiegend über geschlossene Silben, die auf einen Konsonanten enden. Die artikulatorische Reichweite und Variation ist hier deutlich größer als in der Orksprache. Im Khuzdul sind Wortverbindungen in beide Richtungen möglich, weitere Elemente können sowohl voran-, als auch nachgestellt werden. Auffällig ist hier die Verteilung und Regelmäßigkeit der Vokale und Konsonanten wie z.B. in den Wörtern Baraz, Zirak, Khazad-dûm (vgl. Der Herr der Ringe – die Gefährten, S.344).

Die Sprache der Ents, das Entisch, ist ebenso wie die schwarze Sprache nur in wenigen Bruchstücken vorliegend und „der einzige vorhandene (und wahrscheinlich sehr ungenaue) Versuch, ein Bruchstück des eigentlichen Entisch wiederzugeben“[2] liegt durch einen Hobbit vor: „ a-lalla-lalla-rumba-kamanda-lind-or-burúme“ (Der Herr der Ringe – Die Gefährten, S.75).

Offene Silben mit klingenden Konsonanten und wenig Verschlusslaute dominieren die Sprache. Sie besteht vorwiegend aus Aneinanderreihungen und stellt vermutlich eine polysynthetische Sprache dar, bei der Wort und Satz ineinander übergehen. Es handelt sich um eine rein orale Sprache aufgrund ihrer tonalen Qualitäten, die schriftlich nicht wiederzugeben ist.

Seinem Sohn Christopher gegenüber schrieb Tolkien: „Niemand glaubt mir, wenn ich sage, daß mein langes Buch [Der Herr der Ringe] ein Versuch ist, eine Welt zu schaffen, in der eine Form von Sprache, die meiner persönlichen Ästhetik entspricht, real erscheinen könnte. … [Daß] es ein Versuch war, eine Situation zu schaffen, in der ein üblicher Gruß elen sílalúmenn ’ omentielmo lauten würde, und daß der Satz dem Buch lange vorausging“ (J.R.R. Tolkien: Briefe. S.264 f.).

Er legt seinen erfunden Sprachen ein ethisches System zugrunde, er spielt sie nahezu gegeneinander aus. Die Sprache der Orks sei eine Umkehrung des Elbischen und an jede seiner erschaffenen Sprachen haben sich die Sprecher adaptiert. So sprechen die Zwerge beispielsweise nicht nur in geschlossenen Silben, sie sind auch ein verschlossenes Volk und die Ents drücken sich in ihrer langatmigen, gewundenen Sprache aus, die wie keine andere zum Geschichten erzählen geeignet ist.

Die Elbensprachen Quenya und Sindarin

Zwei von Tolkien geschaffene Elbensprachen, Quenya und Sindarin, sind relativ weit entwickelt mit Tausenden von Wörtern und grammatischen Strukturen. Durch Tolkien selbst verfügt man heutzutage über ein relativ umfangreiches Korpus an Texten in Quenya und ein kleineres in Sindarin.

Zudem existieren drei oder vier weitere elbische Sprachen, Telerin, Dorianthrin/Ilkorin und Nandorin; es existiert ein Vokabular zwischen dreißig und ein paar hundert Wörtern.

Als Sindarin bezeichnet man die Umgangssprache der Elben. Quenya hingegen wird in der Zeit des Herrn der Ringe schon seit Jahrtausenden nicht mehr als Umgangssprache verwendet, es ist eine erlernte Sprache, die für Inschriften verwendet wird und gilt als alte Sprache der Weisen. Ebenso wie Sindarin ist Quenya eine wohlklingende, offene Sprache, deren Wörter nur auf Vokale oder die zentralen Konsonanten l, n, r, s und t enden. Wortfinal ist der Mund also immer geöffnet. Die Wortstellung ist relativ frei und besonders für Gesang und Poesie geeignet.

Der auffälligste Unterschied zwischen Sindarin und Quenya ist die Beibehaltung des ursprünglichen elbischen „th“ im Sindarin, während es im Quenya zu einem „s“ wurde (Quenya Isi l und Sindarin Ithil ‚Mond‘).

Im Sindarin findet man den Gebrauch von stimmhaften Verschlusslauten wortinitial und nach Vokalen, während dies im Quenya durch eine unterschiedliche Entwicklung der Sprachen verschwunden ist.

Wie oft angenommen, da Quenya als die ältere Sprache bezeichnet wird, ist Sindarin nicht vom Quenya abgeleitet; beide Elbensprachen führen zurück auf das Ur-Elbische (vgl. Pesch 2009, S.31).

Mit den Elbensprachen Quenya und Sindarin eingeschlossen ergeben die Sprachen von Mittelerde ein gutes halbes Dutzend Sprachen, die zumindest ein Minimum an Vokabular und Struktur haben.

Die Grammatik des Sindarin

Beispiele für das Sindarin in Herr der Ringe sind unter anderem das Gedicht „A Elbereth Gilthoniel“, die meisten Ortsnamen in Beleriand, die Namen der Könige von Arthedain, die Namen der Stammesoberhäupter des Nordens und der Stallhalter von Gondor.

Das Lied an Elbereth in Elronds Haus (Sindarin, Der Herr der Ringe - Die zwei Türme, S.1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ auf dieser Seite [des] Meeres, hier auf dieser Seite [des] großen Meeres! “

„O Elbereth Gilthoniel, hell strahlt herab juwelengleich vom Himmel der Glanz der Sterne. Nachdem ich weit in die Ferne geblickt habe von der walddurchwirkten Mittelerde, werde ich dich, Fanuilos, diesseits des Meeres besingen, hier diesseits des Großen Meeres!“

Phonetik und Phonologie

Wie im zuvor genannten Lied „A Elbereth Gilthoniel“ zu erkennen ist, entsprechen die Konsonanten des Sindarin weitgehend denen des Deutschen. Es gibt zwei Ergänzungen: das th, welches im Sindarin erhalten geblieben ist, wird sowohl stimmlos [θ] als auch stimmhaft [ð] realisiert. Die stimmlosen Plosive p, t und k finden sich nie nach einem Vokal, da sie in dieser Position zu b, d und g assimiliert sind.

Die Konsonanten des Sindarin werden vereinfacht in folgender Tabelle (1) dargestellt, wobei die Zeilen die Artikulationsstellen und die Spalten die Artikulationsmodi kennzeichnen.

[...]


[1] Pesch 1984. S.150, zit. n. Der Herr der Ringe – Die Gefährten, 2. Aufl. S.309

[2] Pesch 1984. S.150, zit. n. Der Herr der Ringe – Die Gefährten, 2. Aufl. S.460

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Elbensprache Sindarin in J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe". Eine Einführung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Geheim- und Tabusprachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V303550
ISBN (eBook)
9783668021716
ISBN (Buch)
9783668021723
Dateigröße
773 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elbensprache, Sindarin, Hausarbeit, Herr der Ringe, Quenya, elbisch, J.R.R. Tolkien, Mittelerde
Arbeit zitieren
Sabrina Wein (Autor), 2015, Die Elbensprache Sindarin in J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe". Eine Einführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303550

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