Evgenij Baratynskij zählt heutzutage zu den größten Dichtern der russischen Sprache. Er wird auch der "Dichter des Gedankens" genannt. Zu Lebzeiten im 19. Jahrhundert war Baratynskij jedoch weder bekannt noch beliebt.
In dieser Arbeit betrachtet die Autorin die literarische Entwicklung und die Werke Baratynskijs Schritt für Schritt von Anfang an. Daneben zieht sie einen Vergleich des Gedichtes "Herbst" mit Puškins gleichnamigen Werkes. Die beiden Gedichte haben zwar den gleichen Titel, wurden aber unabhängig und mit unterschiedlichen Philosophien und Intensionen verfasst.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu verdeutlichen, dass Evgenij Baratynskij ein sehr origineller Dichter mit einer eigenen Philosophie ist. Er ist derjenige, der mit der Tradition brach, keine Sammlungen, sondern ein Buch mit Gedichten zu schreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. E. Baratynskij und seine Entwicklung
3. Zwei „Herbste“
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Entwicklung und das künstlerische Schaffen von Evgenij Baratynskij, einem bedeutenden russischen Dichter des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, seine Entwicklung vom Beginn seiner Karriere bis zu seinem zentralen Spätwerk nachzuvollziehen und seine eigenständige, philosophisch geprägte Dichtung im Vergleich zu Zeitgenossen wie Puschkin herauszuarbeiten.
- Literarische Evolution Baratynskijs und sein Bruch mit poetischen Traditionen
- Analyse der philosophischen Grundthemen in seiner Lyrik
- Gegenüberstellung und Vergleich der Gedichte mit dem Titel „Der Herbst“ von Baratynskij und Puschkin
- Die Bedeutung der Zurückgezogenheit für den Schaffensprozess des Dichters
- Baratynskijs Rolle als Dichter des Gedankens und Vorläufer des Existenzialismus
Auszug aus dem Buch
3. Zwei „Herbste“
Baratynskij und Puškin schrieben Gedichte mit dem gleichen Titel „Der Herbst“. Natürlich konnte Puškin das Gedicht des Freundes nicht kennen, da er nach einem Duell starb und Baratynskij das Ende von seinem „Herbst“ nach dessen Tod schrieb. Baratynskijs „Der Herbst“ ist wie ein Widerhall auf Puškins Tod. Aber vermutlich las Baratynskij Puškins „Herbst“ auch nicht direkt nach der Erschaffung (1833 fertiggestellt), sondern erst nach dem Tod Puškins, weil dessen Gedicht nicht vorher veröffentlicht wurde. Daraus kann man schließen, dass die Dichter ihre Gedichte unabhängig von einander geschrieben haben. Aber bei beiden sind diese Gedichte als Hauptwerke der Dichtungen zu betrachten. Ich werde diese in den folgenden Abschnitten kurz beschreiben und mit einander vergleichen.
Wie oben schon gesagt wurde, schrieb Puškin sein Gedicht 1833, aber die Idee steckte wahrscheinlich schon vorher in ihm. Dieses Gedicht wurde in der Zeit geschaffen, als Puškin die Bestrebung hatte den Bruch zwischen der Poesie und der Prosa zu überwinden und neue adäquate Wörter der Kunst des realen Lebens versuchte.
Puškins „Herbst“ zeigt die Bilder aller vier Jahreszeiten mit seiner Wahrnehmung der Realität: „... я не люблю весны;/ Скучна мне оттепель; вонь, грязь – весной я болен“ („Ich liebe nicht den Frühling;/ Lästiges Tauwetter, der Gestank, der Dreck – im Frühling bin ich krank“) oder „Ох, лето красное! Любил бы я тебя,/ Когда б не зной, да пыль, да комары, да мухи.“ („Ah , roter Sommer! Ich hätte dich geliebt,/ Abgesehen von Hitze und Staub, Mücken und Fliegen“). In diesem Gedicht spürt man die Einmaligkeit der Natur, die durchdringend mit der Wahrnehmung der unabwendbaren Erneuerung des Lebens, der Erneuerung der Seele des Dichters und des Aufschwungs seiner Kräfte ist. Das sieht man in der siebten und achten Strophe: „Унылая пора! очей очарованье!/ Приятна мне твоя прощальная краса“ („Melancholische Zeit! So charmant!/ Gefällt mir deine Schönheit im Abschied“); „И с каждой осенью я расцветаю вновь;/ Здоровью моему полезен русский холод “ („Und mit jedem Herbst erblühe ich wieder;/ Meiner Gesundheit ist der russische Frost nützlich“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsarbeit ein, erläutert die Relevanz des Dichters Evgenij Baratynskij und beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere den Vergleich mit Puschkin.
2. E. Baratynskij und seine Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen und literarischen Werdegang des Dichters nach, betont seine Eigenständigkeit gegenüber Puschkin und analysiert seine Entwicklung zu einer komplexen, philosophischen Poesie.
3. Zwei „Herbste“: Hier findet ein detaillierter literaturwissenschaftlicher Vergleich zwischen den gleichnamigen Gedichten von Baratynskij und Puschkin statt, um ihre unterschiedliche Weltsicht und Auseinandersetzung mit dem Herbst als Motiv zu beleuchten.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die bleibende Bedeutung Baratynskijs als tiefgründiger Dichter des Gedankens, dessen Werk weit über seine Zeit hinausreicht.
Schlüsselwörter
Evgenij Baratynskij, Alexander Puschkin, russische Literatur, Romantik, Elegie, philosophische Poesie, Der Herbst, literarische Entwicklung, existenzielle Themen, Weltschmerz, Schaffensprozess, 19. Jahrhundert, Lyrik, Dichter des Gedankens, Werkvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und literarischen Werk des russischen Dichters Evgenij Baratynskij und analysiert seine Position innerhalb der russischen Romantik.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die literarische Evolution Baratynskijs, der Einfluss von Traditionen, die philosophische Tiefe seiner Lyrik und die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Baratynskij seinen individuellen künstlerischen Weg fand und warum er als „Dichter des Gedankens“ eine so eigenständige und oft verkannte Rolle in der Literatur seiner Zeit einnahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die biografische Einflüsse mit textanalytischen Vergleichen verbindet, insbesondere durch die vergleichende Untersuchung der Gedichte „Der Herbst“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der künstlerischen Entwicklung Baratynskijs sowie einen detaillierten Vergleich seines Herbst-Gedichts mit dem gleichnamigen Werk von Puschkin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Baratynskij, Puschkin, Romantik, philosophische Lyrik, literarische Entwicklung und Existenzialismus.
Warum wird im Vergleich der beiden Herbst-Gedichte von einer „unabhängigen“ Entstehung gesprochen?
Die Autorin erläutert, dass Baratynskij das Werk Puschkins erst nach dessen Tod gelesen haben kann, weshalb beide Dichter das gleiche Motiv unabhängig voneinander mit unterschiedlichen Philosophien bearbeiteten.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der „Zurückgezogenheit“ Baratynskijs bei?
Die Zurückgezogenheit, etwa auf dem Gut Muranovo, wird als notwendige Bedingung für den Dichter betrachtet, um sich auf sein inneres künstlerisches Treffen mit sich selbst zu konzentrieren und sich von äußeren gesellschaftlichen Zwängen zu lösen.
- Citation du texte
- Viktoria Popsuy-Johannsen (Auteur), 2010, Evgenij Baratynskij, der "Dichter des Gedankens". Ein Vergleich des Gedichtes "Herbst" mit Puschkins gleichnamigem Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303557