Akzeptanz und Resilienz. Nach belastenden Ereignissen durch Schritte der Versöhnung zur resilienten Lebenshaltung


Masterarbeit, 2007
125 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Motivation und eigener Bezug zum Thema
Methodenbeschreibung und Eingrenzung des Themas
Übersicht über die Arbeit

1. Resilienz
1.1 Einführung des Begriffs
1.2 Resilienz als psychische Widerstandskraft
1.3 Definitorische Schwierigkeiten
1.4 Grundaussagen der «klassischen» Resilienzforschung
1.5 Resilienzforschung des Erwachsenenalters
1.5.1 Einführung
1.5.2 Studienergebnisse
1.5.3 Aussagen der Studienergebnisse über den konstruktiven Umgang mit widrigen Lebensereignissen
1.5.4 Bindungsstil, lebenslange Lernfähigkeit und Resilienz
1.6 Ähnlich aber nicht gleich
1.6.1 Begriff- und Konzeptüberschneidungen
1.6.2 Das Konzept der Salutogenese
1.6.3 Das Coping-Konzept
1.7 Der Resilienzbegriff im Anwendungsbereich dieser Arbeit
1.7.1 Resume der bisherigen Abschnitte
1.7.2 Resilienzdefinition für den Anwendungsbereich dieser Arbeit

2. Versöhnlichkeit I: Rundblick
2.1 Friedenstiftung in der Primatenforschung
2.2 Hinweise auf spirituelle Weisungen, die zu Versöhnung leiten
2.3 Gesellschaftlich unterschiedliche Versöhnungskulturen:
«Anspruchgesellschaft» – «leidannehmende Gesellschaften»
2.4 Gesinnungen dem Schicksal gegenüber
2.4.1 Versöhnliche Schicksalseinstellungen
2.4.2 Konfrontative Schicksalseinstellung
2.4.3 Konsequenzen der einseitig konfrontativen Schicksalseinstellung der Modernen
2.5 Versöhnlickeit in der Fachliteratur
2.5.1 Aus den Entwicklungstheorien des Erwachsenenalters: die Weisheitsforschung
2.5.2 Das neue Interesse an der «Tugend» Versöhnlichkeit

3. Versöhnlichkeit II: Die Entwicklung von Akzeptanz
3.1 Das Gegebene anerkennen
3.1.1 Ohne Anerkennen der Verletzung keine Versöhnungsarbeit
3.1.2 Erkennen oder anerkennen
3.1.3 Wahrnehmen, ein aktiver Prozess
3.1.4 Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit als psychotherapeutisches Thema
3.1.5 Nicht-Wahrhaben als Schutz vor dem Leiden
3.1.6 Grübelnd das Vorgefallene ungeschehen machen
3.1.7 Das Anerkennen der Gefühle
3.1.7.1 Ärger, Wut, oder Hass
3.1.7.2 Nachtragen, Ressentiment und Groll
3.1.7.3 Verbitterung
3.1.7.4 Scham und Schuld
3.1.8 Verantwortung für das eigene Leben übernehmen
3.2 Das Leiden würdigen
3.2.1 Soziale Bedeutung des Schmerzes
3.2.2 Mitgefühl mit sich selbst als Basis für Liebe und Versöhnlichkeit
3.3. Trauerarbeit leisten
3.3.1 Funktion der Trauer
3.3.2 Trauerabwehr als Hindernis des Vergebens
3.3.3 Trauer als ein Weg zum Leben
3.3.4 Abschiednehmen vom Anspruch auf totale Gerechtigkeit
3.4 Akzeptieren und Loslassen: die Versöhnung mit dem Leben
3.4.1 Entscheidung zur Akzeptanz
3.4.2 Motivation zum Akzeptanzentschluss
3.4.3 Jene Beleuchtung der Realität wählen, welche die Akzeptanz erleichtert
3.4.4 Akzeptieren, um zu verändern
3.4.5 Akzeptanz- und Versöhnlichkeitsentwicklung bei zwischenmenschlichen Konflikten
3.4.6 Akzeptierende Umwandlung destruktiver Emotionen
3.4.7 Akzeptanz als Merkmal gesunder Menschen?
3.4.8 Akzeptanz der eigenen Person
3.4.9 Einfluss östlicher Philosophien in der Psychotherapie: Freiere Wahrnehmung durch achtsame, gegenwärtige Präsenz und Akzeptanz des «Ist-Zustandes»
3.4.9.1 Erich Fromms’ Interesse am Zen-Buddhismus: «Aufhebung der Verdrängung» versus «Erleuchtung»
3.4.9.2 «Haltung des Gegenwärtigseins und Wandel durch Akzeptanz» in den humanistischen Psychotherapien
3.4.9.3 «Achtsamkeit und Akzeptanz» in den neuen Ansätzen der Verhaltenstherapie
3.4.10 Erleichterte Akzeptanzentwicklung durch Sinngebung
3.4.11 Akzeptanz und Überwindung pathologischer Familienmuster als Befreiungsakt auch für die nächste Generation
3.4.11.1 Den überindividuellen Sinn des Versöhnungsprozesses mit den Vorfahren zu realisieren, stärkt die Motivation, Versöhnungsschritte zu wagen
3.4.11.2 Zum Phänomen der transgenerationalen Transmission destruktiver Beziehungsstile
3.4.11.3 Die destruktiven Familienmuster akzeptieren und überwinden
3.4.12 Religiöser Glaube und Akzeptanz
3.5 Kräfte befreien und Versöhnlichkeit pflegen
3.5.1 Die Wandlung des vergebenden Menschen durch das Vergeben
3.5.2 Die Metaphern der Befreiung
3.5.3 Übung macht den Meister.
3.5.4 Versöhnungsbereite Grundhaltung und Konfliktkompetenz
3.5.5 Versöhnlichkeit: eine immer wieder zu leistende innere Haltung

4. Versöhnlichkeit III: Präzisierungen zu Aspekten des Versöhnungsprozesses mit dem Leben
4.1 Sich mit dem Schicksal zu versöhnen oder einem Täter zu vergeben, heisst nicht die Tat zu billigen
4.1.1 Vergeben und die Tat verurteilen
4.1.2 Das Recht auf die eigenen Gefühle
4.1.3 Menschen sind unvollkommen
4.1.4 Den Täter nicht auf seine Tat reduzieren
4.1.5 Vergeben und fordern
4.1.6 Punkte des Vergebens in Kürze
4.2 Feindlichkeitsgefühle schaden der Gesundheit: Versöhnliche Akzeptanz als „Anti-Stressprogramm“
4.2.1 Zwischenmenschliche Beziehungen modellieren das Gehirn
4.2.1.1 Psychische Prozesse und die Regulation unserer Gene
4.2.2 Auch phantasierte Bedrohungen setzen den Organismus in Alarmbereitschaft
4.2.3 Physiologische Auswirkungen von psychischem Stress
4.2.4 Risikofaktor «Feindseligkeit»
4.2.5 Auch aus biologischer Sicht ist Friedfertigkeit lernbar
4.3 Der Mitmensch als «Gesundheitsfaktor»
4.3.1 Soziale Interaktionen: unsere emotional bedeutsamsten Ereignisse
4.3.2 Der Mensch als «tuteur de résilience»
4.3.3 Starke langdauernde Feindseligkeit macht einsam und verletzbar
4.3.4 Versöhnung als Schutz unserer wichtigsten sozialen Bindungen

5. Heitere Gelassenheit als höchste Entwicklungsstufe?
5.1 Das Glück
5.1.1 Die Frage nach dem guten Leben
5.1.2 Hochgefühl oder tiefe Zufriedenheit
5.1.3 Glück und seelische Gesundheit
5.1.4 Zufriedenheitsparadox
5.1.5 Die Entstehung von Glücksgefühlen erleichtern oder erschweren
5.1.6 Altersweisheit oder Altersstarrsinn
5.2. Glück als psychologisches Forschungsfeld
5.2.1 Martin Seligmans Optimismus
5.2.2 Mihalyi Csikszentmihalyis Flow
5.2.3 Flow-Erleben, meditativer Zustand und «Nahleben-Erfahrung»
5.3 Akzeptanz erzeugt Gelassenheit
5.3.1 Akzeptanz und innere Ruhe
5.3.2 Die taoistische Lebenshaltung: heitere Gelassenheit
5.3.3 Heitere Gelassenheit als Entwicklungsziel
5.3.3.1 Heiterkeit als östlicher und westlicher Philosophiebegriff
5.3.3.2 Die Gelassenheit der Akzeptanz

6. Psychotherapie: auch ein Weg zum «guten» Leben
6.1 Die natürliche Resilienzfähigkeit befreien
6.2 Das Annehmen des Leidens und die Dankbarkeit fördern
6.3 Die heilsame Kraft des Humors
6.3.1 Der Humor als Widerpart des Leidens
6.3.2 Lachen und Weinen in der Psychotherapie
6.4 Die therapeutische Beziehung als Katalysator der Resilienz
6.5 Auf Versöhnung hin arbeiten
6.6 Mitmenschliches Engagement fördern
6.7 Psychotherapie: eine Kunst zur Förderung der Lebenskunst

Rückblick und Ausblick

Zusammenfassung

Mögliche Bedenken und Einwände

Hinweise auf weitere Forschungsthemen

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Verschiedene Menschen reagieren nach belastenden Ereignissen sehr unterschiedlich. Viele erholen sich nur langsam und partiell oder bleiben gar geknickt und verbittert. Andere werden zwar zuerst auch richtig aus dem Gleise geworfen, realisieren danach aber das Wunder, durch die Verletzung menschlicher und reifer zu werden und können (wieder) ein volles «Ja» zum Leben sagen. Diese eindrückliche Widerstandskraft bzw. Resilienz lässt sich mit der Reaktion einer Auster vergleichen, welche, angegriffen von einem in ihr Inneres eingedrungenen Sandkorn, sich wehrt und schützt, indem sie Perlmutter produziert und das Sandkorn damit umhüllt, sodass aus diesem Drama eine wertvolle Perle entsteht.[1]

Nachdem in der Psychologie über Jahrzehnte hinweg eher defizitorientiert geforscht wurde, ist in neuerer Zeit eine Hinwendung zu ressourcenorientierten Ansätzen feststellbar. Das Interesse am Phänomen «psychische Gesundheit trotz widriger Lebensumstände» wächst. Aus der Überzeugung, dass die Psychotherapie aus dem Phänomen der Widerstandsfähigkeit Wesentliches lernen kann, richtet sich die Arbeit auf eine der vermutlich notwendigen Bedingungen von Resilienz: Ich gehe von der Hypothese aus, dass im Erwachsenenalter das Annehmen der Realität, so belastend sie auch sein mag, eine grundlegende Voraussetzung ist, um nach widrigen Lebensereignissen, Kränkungen oder Verlusterlebnissen allmählich zu einer Haltung der Akzeptanz und Versöhnlichkeit zu finden, welche ermöglicht, sich dem Leben wieder voll zuwenden zu können, bzw. resilient zu werden. Zu dieser Hypothese gehört die Annahme, dass die Realitätsakzeptanz meistens Zeit braucht und erst über mehrere Versöhnungsschritte zu erreichen ist.

Motivation und eigener Bezug zum Thema

In meiner psychotherapeutischen Arbeit treffe ich immer wieder Personen mit einer andauernden Opferhaltung an, welche, wenn sie nicht aufgegeben wird, eine persönliche Weiterentwicklung und Zuwendung zum Weiterleben dramatisch erschwert. Nicht selten hadern noch ein schon längst erwachsener Mann, eine schon längst erwachsene Frau, mit den Unzulänglichkeiten von Vater und Mutter, mit schon manche Jahre zurück liegenden Verlusterfahrungen oder Kränkungen, empfindet sich als vom Leben ungerecht behandelt und trägt einen jede Veränderung bremsenden Groll mit sich.

Im Gegensatz zu solchen Patienten fallen mir Menschen auf, welche alles andere als ein einfaches Leben gehabt haben und trotzdem (oder gerade deswegen?) eine ansteckende lebensbejahende Zufriedenheit ausstrahlen. So ist mir z.B. mein 94-jähriger «Oncle Jean», der in seinem langen Leben manches entbehren musste und doch, so weit ich mich erinnern kann, in friedlicher Freude lebt, ein eindrückliches Vorbild. Auch die Lektüre mancher Biographien (z.B. Beisser 1997[2] ) versetzt mich in Erstaunen: sie zeugen von Menschen, welche auch unter extrem schwierigen Bedingungen ein «gutes» Leben geführt haben. Der Kontrast zu depressiven Menschen, denen äusserlich nichts fehlt und die trotzdem verzweifeln, könnte kaum grösser sein. Solche Unterschiede von Reaktionen auf belastende Herausforderungen haben mich auch bei meiner Arbeit als Spitalpsychotherapeutin (Frauenklinik vom Zürcherstadtspital Triemli) mit Frauen, welche an Krebs erkrankt waren, berührt.

Die faszinierende Tatsache, dass „die äusseren Bedingungen und die innere Einstellung nicht deckungsgleich sein müssen und es oft auch nicht sind“ (Dick 2003), hat mich zum Thema Resilienz und zu meiner Akzeptanzhypothese geführt.

Methodenbeschreibung und Eingrenzung des Themas

Diese Masterthese ist eine Literaturarbeit. Sie ist ein Versuch, zusammenzufassen, was über den intendierten Teilaspekt der Entwicklung von Resilienz in der Literatur zu finden ist, und beruht auf internetgestützten Recherchen[3] sowie auf Recherchen in Bibliotheken und Buchhandlungen. Ich bin also der Frage nachgegangen, ob die Fähigkeit zur Resilienz wirklich mit der Fähigkeit, die Realität anzunehmen, verbunden sei.

Ich siedle das Thema meiner Arbeit bewusst ausserhalb der psychopathologischen Kategorien[4] an und behandle es als ein Phänomen, das jeden Menschen angeht[5], egal, wo gerade er sich auf dem Kontinuum zwischen psychisch gesund und psychisch krank befindet.

Auch schulenorientierte Therapiekonzepte spielen in dieser Arbeit keine wesentliche Rolle, denn ich teile die Ansicht von Andrea Dick, dass die Psychotherapie, ob «analytisch», «humanistisch» oder «verhaltens-therapeutisch», „keine eigenen Gesetzte oder Mechanismen zur Heilung psychischer Krankheiten besitzt, sondern dass sie sich der gleichen Heilungsprozesse bedient, die überall und jederzeit Menschen psychisch gesünder und glücklicher machen, ob diese Heilungsprozesse im Rahmen einer Psychotherapie auftreten oder nicht“ (Dick 2003, 11; vgl. Hubble et al., 2001, z.B. 110).

Es geht mir darum, der in Fachkreisen allzu häufigen Fokussierung auf Störungen und Methoden zu entgehen und die Aufmerksamkeit auf die Ebene der menschlichen Psyche zu konzentrieren, auf die psychischen Entwicklungsprozesse, welche alle Menschen „weg vom Leiden und hin zu seelischer Gesundheit“ (ebd.) führen können.

Diese allgemeinmenschliche Annäherung legt nahe, Bestätigungen meiner Hypothese der zentralen Bedeutungen von Realitätsakzeptanz nicht nur in der psychologischen Literatur zu suchen, sondern die Recherchen nach Aussagen zur Entwicklung von «Akzeptanz des Gegebenen» und von «Versöhnlichkeit den Menschen und dem Leben gegenüber» auf weitere Bereiche der «Wissenschaften des Menschen», z.B. auf philosophische oder religiöse Texte, auszudehnen und auch Schriften anderer Kulturen beizuziehen.

Zwar war es nicht immer einfach, meinen selbstauferlegten Verzicht auf die Kategorien «krank» und «gesund» durchzuhalten. Nach der jahrelangen psychotherapeutischen Arbeit und Auseinandersetzung mit psychischen Störungen habe ich diese Einschränkung aber als bereichernd und befreiend erlebt.

Was in der Arbeit nicht zu finden ist:

Die Frage nach dem Ursprung der Resilienzfähigkeit, also warum Menschen in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber schwierigen Lebensumständen so unterschiedlich sind, gehört nicht zur Arbeit.[6] Auch die Frage, welche sonstigen Bedingungen wir noch brauchen, um nach Verlusten die Kraft zu haben, resilient zu werden, wird nicht besonders berücksichtigt. Zudem enthält die Arbeit keinen praktischen Teil mit psychologischen Anweisungen, „wie man «Glück» oder «Seelenfrieden» erreichen könne“ (Fromm 1995, 11).

Übersicht über die Arbeit

Im ersten Kapitel wird der Begriff «Resilienz» eingeführt und auf das Thema der Arbeit zugeschnitten. Im zweiten Kapitel wird ein weiter Überblick über Versöhnung, von der Primatenforschung über spirituelle Weisungen und kulturell verschiedene Einstellungen zum Schicksal bis zum neuen psychologischen Interesse an den Tugenden, gegeben. Im dritten Kapital werden ausführlich Aspekte der Entwicklung von Akzeptanz als «Versöhnungsschritte» dargestellt. Anschliessend werden im vierten Kapitel drei Aspekte des Versöhnungsprozesses, die missverstanden werden könnten, präzisiert. Das fünfte Kapitel ist der Frage gewidmet, was denn als das Ziel einer resilienten Entwicklung gelten könnte, bzw. was ein «gutes » Leben sei. Im sechsten Kapitel wird der Bezug zur Psychotherapie hergestellt und werden einige Konsequenzen für die psychotherapeutische Arbeit angedeutet. Im Schlusskapitel endlich wird versucht, aus dieser reichen Ernte an wissenschaftlichen Konzepten und traditionellen Weisungen das Gemeinsame herauszufiltrieren. Das Ergebnis dieses Versuchs dürfte die Bestätigung der Grundthese dieser Arbeit sein: Die «Akzeptanz des unwiederbringlich Gegebenen» ist nach belastenden Ereignissen eine unabdingbare Voraussetzung dafür, zu einer subjektiv befriedigenden Lebensqualität zurückzufinden.

1. Resilienz

1.1 Einführung des Begriffs

Der Begriff «Resilienz» stammt aus der Physik. Er bezeichnet die Fähigkeit eines Körpers, der durch äussere Kraft verändert wurde, zu seinem Grundzustand zurückzukommen. „Lebende Systeme können innere und äussere Gegebenheiten niemals vollständig beherrschen. Sie müssen daher in der Lage sein, Abweichungen (Fehler) auszugleichen. Sie müssen fehlertolerant, fehlerfreundlich, d.h. resilient sein.“[7] Der Begriff der Resilienz ist mit dem der Homöostase[8] eng verwandt.

Resilienz wird heute sowohl in naturwissenschaftlichen als auch - in einem übertragenen Sinn - in sozialwissenschaftlichen Bereichen gebraucht. Im Weiteren wird der Begriff der Resilienz nur in seinem übertragenen, soziopsychologischen Sinn gebraucht.

In der psychologischen Forschung wird mit «Resilienz» meistens das Phänomen bezeichnet, welches einem Individuum möglich macht, durch bestimmte psychische und physische Stärke Lebenskrisen ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen.

Die Resilienzforschung hat sich nach anfänglichem Schwerpunkt auf der kindlichen Entwicklung sehr diversifiziert, und die Begriffsdefinition wird je nach Forschungskontext etwas verschieden formuliert. Gemeinsam ist allen Forschungsbereichen, dass „sie sich mit der Widerstandsfähigkeit von Individuen oder Systemen beschäftigen, welche in der Lage sind, trotz Belastungen oder Traumata ihre Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten“ (Kluge 2004, 2).

Kluge gliedert die Forschungsfelder in vier Sektoren: Der klassische Bereich der Resilienzforschung ist das Kinder- und Jugendalter, ein zweites Forschungsgebiet wendet sich dem Erwachsenenalter zu: Die Belastungs- und Traumaverarbeitung erwachsener Menschen ist neben den Forschungen zum hohen Alter der wichtigste Gegenstand der Untersuchungen. Beim dritten, jüngeren Forschungsbereich geht es um das Interesse an systembezogener Resilienz, wie Resilienz im Familiensystem oder Resilienz von Gesellschaften. Als viertes Forschungsfeld nennt Kluge die arbeitsbezogene Resilienzforschung, welche die Ebene der Einzelperson und zugleich die Systemebene einbezieht.

Durch meine Internetrecherche, wurde mir deutlich, dass es im ursprünglichen Bereich der Resilienzforschung, nämlich im Bereich des Kinder- und Jugendalters, eine grosse Anzahl Publikationen gibt, für den Bereich des Erwachsenenalters hingegen, den ich in dieser Arbeit ins Zentrum stellen möchte, sichtbar weniger zu finden ist. Publikationen in den Bereichen Resilienz von Systemen und arbeitsbezogene Resilienz habe ich ausser Acht gelassen.

1.2 Resilienz als psychische Widerstandskraft

Die Resilienzforschung wurde aus der Risikoforschung entwickelt, indem bei Studien über Kinder, die unter Risikobedingungen leben, diejenigen, die trotz widrigen Lebensverhältnissen sich gut genug entwickelten oder sogar überdurchschnittlich erfolgreich wurden, angeschaut wurden.

Das von Anthony (1974) gebrauchte Adjektiv «unverletztbar» (englisch: «invulnerable»[9] ) wurde bald als irreführend angesehen und durch die Bezeichnung Resilienz (englisch: «resilience») ersetzt. Unverletzlichkeit suggeriert ja einen absoluten Schutz gegenüber belastenden Lebensumständen, was kaum vorkommen kann. Hingegen legt der Begriff Resilienz eher einen relativen Schutz nahe und steht somit der Realität einer relativen Widerstandsfähigkeit näher.

Auch wurde das Resilienzkonstrukt, das zuerst eher statisch dargestellt worden war (Resilienz als vorhandene oder eben nicht vorhandene Eigenschaft eines Menschen), allmählich eher dynamisch aufgefasst (Resilienz als entstehende Fähigkeit). Dies bedeutet, dass individuelle Widerstandskraft auch durch Lebensumstände und Rahmenbedingungen, also auch durch situative und kontextuelle Faktoren beeinflusst wird und damit im Laufe der Zeit veränderlich und variabel ist. Diese neue Sichtweise (vgl. Fingerle et al. 1999, 303). lässt zu, dass auch resilient genannte Menschen bei schwierigen Geschehnissen vorübergehend psychische Störungen aufweisen können, oder dass jemand in bestimmten Lebensphasen oder Bereichen resilient sein kann und in anderen nicht.

Kluge (2004, 10) nennt als Pioniere der Resilienzforschung Garmecy (1971, 1974), Anthony (1974), Murphy (1974), Rutter (1979) sowie Werner/Smith (1989). Die Beschäftigung dieser ForscherInnen mit den Entstehungsgrundlagen positiver Entwicklungen stand im Gegensatz zur traditionellen, auf pathogene Aspekte orientierten Forschung und brachte eine neue Sichtweise in die Psychologie und die anderen Sozialwissenschaften.

Fast zeitgleich entstanden das Coping-Konzept von Lazarus (1974) und in der Medizin das Konzept der Salutogenese vom Medizinsoziologen Aaron Antonowsky (1979): beide Konzepte weisen viel Gemeinsames mit dem Begriff der Resilienz auf[10].

Heute hat sich die Resilienzforschung als eigenständige Forschungsrichtung etabliert, deren Hauptziel die Gestaltung von Interventions- und Präventionsmassnahmen ist: Die Erkenntnis, dass Resilienz kein aussergewöhnliches Phänomen ist, sondern aus vielfältigen Anpassungsleistungen entsteht, die gefordert, beziehungsweise unterstützt werden können, nährt die Hoffnung, die Resilienzforschung könnte uns zu effektiveren Interventionen und Präventionen führen.

1.3 Definitorische Schwierigkeiten

Den Begriff «Resilienz» definieren zu wollen, lässt auf zwei Schwierigkeiten stossen: Einerseits bringen es die vielfältigen Anwendungsfelder der Resilienzforschung mit sich, dass nur eine sehr allgemeine Definition des Begriffs für alle Bereiche gelten kann. Somit müssen genauere Definitionen im Bezug auf ihren spezifischen Anwendungsbereich formuliert werden.[11]

Andererseits ist das Konstrukt Resilienz mit seinem Hauptziel, dem Verständnis von positiven Entwicklungen, zwar vielversprechend für Prävention und Therapie, kann aber als Prozess definiert nicht direkt gemessen werden. Es ist aus den Teilkonstrukten «Risiko», «positive Anpassung» und «protektive Faktoren» zusammengesetzt (vgl. Kluge 2004, 12f, Luthar/Zelzao 2003, 514). Hier werden diese drei Teilkonstrukte kurz dargestellt:

- Risiko

Das Konstrukt Resilienz bedingt die Anwesenheit von mindestens einem Risiko, das heisst von einem Erleben, das in der normativen Population Störungen hervorruft. Es werden oft drei Risikoformen unterschieden (vgl. Werner 2000, Kluge 2004, Wustmann 2005), die jeweils auf einen anderen Resilienzaspekt weisen.

1) Aufwachsen unter erschwerten Bedingungen. (In diesem Fall lässt sich Resilienz als Entwicklung von Funktionsfähigkeit definieren.)
2) Stressreiche Lebensereignisse. (Hier lässt sich Resilienz als Erhaltung der Funktionsfähigkeit definieren.)
3) Traumatisierende Ereignisse. (Resilienz bedeutet hier die Wiederherstellung von Funktionsfähigkeit.)

Risiken werden zu wirksamen Stressoren erst durch die individuelle Art der Person, mit ihnen umzugehen. Ob belastende Lebensbedingungen zu somatischen, psychischen oder psychosomatischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen führen, hängt entscheidend davon ab, wie solche Belastungen subjektiv erlebt und verarbeitet werden und welche Handlungsmöglichkeiten und sozialen Unterstützungsmöglichkeiten ein Individuum hat und nutzt. Allerdings führt das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Risikofaktoren in der Regel zu einem deutlichen Anstieg eines Störungsrisikos (Vgl. Conen 2002).

- Positive Anpassung

Die Frage des Gelingens einer individuellen biopsychosozialen Anpassung an widrige Lebensumstände oder an deren Ergebnis geht aus dem Vergleich mit der durchschnittlichen Anpassungsleistung anderer Menschen der gleichen Entwicklungsstufe an vergleichbare Risiken hervor. „Der Begriff der positiven Anpassung ist zu verwenden, wenn sich ein Individuum deutlich besser angepasst entwickelt, als unter den untersuchten Risikobedingungen zu erwarten gewesen wäre“ (Kluge 2004, 14).

Der Mensch wird nicht als Marionette des Schicksals gesehen, sondern als Mitgestalter seines Lebens. „Der Mensch wird hierbei nicht als ein einfaches Reiz-Reaktions-Wesen aufgefasst, sondern als informationsverarbeitender und handelnder Akteur, der versucht, nach seiner Lebensauffassung sich seine natürliche und soziale Umwelt anzueignen und zu bewältigen, ihr eine individuelle Bedeutung zu verleihen, und danach strebt, sie mit den eigenen Einstellungen und Zielsetzungen abzugleichen“ (Schubert et al. 2004).

- Protektive Faktoren

Die Resilienzforschung war lange Zeit besonders darauf ausgerichtet, protektive Faktoren, welche die kindliche Stressresistenz stärken, herauszufinden. Garmecy (1985[12] ) unterscheidet zum Beispiel drei Sorten von protektiven Faktoren: Persönlichkeitsmerkmale, familiäre Merkmale und Verfügbarkeit externer Unterstützungssysteme.

Was solche Unterscheidungen schwächt, ist die Tatsache, dass sie allzu stark vereinfachend sind und zum Beispiel nicht berücksichtigen, dass einzelne Faktoren in massvoller Ausprägung von Vorteil für das Individuum sein können, in extremer Ausprägung sich aber nachteilig auswirken können. Auch können Faktoren je nach Kontext einen Schutz oder ein Risiko bedeuten.

1.4 Grundaussagen der «klassischen» Resilienzforschung

Die ersten Forschungen über Resilienz untersuchten ausschliesslich resilientes Verhalten von Kindern und Jugendlichen und bilden heute noch die Grundlage für weitere Untersuchungen des Kindes- und Jugendalters. Da sie auch bei Untersuchungen der Resilienz im Erwachsenenalter viele Anhaltspunkte geben, skizziere ich diese Grundaussagen der Resilienzforschung.

Es waren vorwiegend Längschnittstudien wie die berühmte Kauai-Studie von E. Werner[13] (u.a. 1989, 1999), welche die noch heute gültigen Grundaussagen erbrachten. Werner begleitete wissenschaftlich über vierzig Jahre lang ungefähr 700 Kinder, die 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai geboren waren und dokumentierte ihre Entwicklung. Ihr Entwicklungstand wurde im Alter von 1, 2, 10, 18, 32 und 40 Jahren durch verschiedene Fachpersonen (PsychologInnen, ÄrztInnen, Pflegefachpersonen und SozialarbeiterInnen) überprüft. 210 der Forschungsteilnehmer wuchsen in extrem schwierigen Verhältnisse auf. Zwei Drittel der Kinder aus Hochrisikomilieus kamen, wie es fast zu erwarten war, nicht zurecht. Sie fielen durch Lern- und Verhaltensstörungen auf, kamen mit dem Gesetz in Konflikt, waren von der Unterstützung der Sozialhilfe abhängig oder litten unter psychischen Störungen. Ein Drittel dieser Risikokinder aber entwickelte sich überraschend gut. Bei diesem Teil der Studienteilnehmer konnten zu keinem Zeitpunkt der vierzig Jahre dauernden Untersuchung irgendwelche Auffälligkeiten entdeckt werden. Durch Werners Studie war die Annahme, dass ein Kind aus einer Hochrisikofamilie zwangsläufig zum «Versager» wird, widerlegt. Einmal gemachte schlechte Erfahrungen müssen nicht das gesamte weitere Leben prägen. Diese Erkenntnis, dass es keine unmittelbare linear-kausale Beziehung zwischen dem Ausmass von Belastungen und der Entwicklung von Erkrankungen beziehungsweise Störungen gibt, führte zu vielen weiteren Studien, die alle nach Faktoren suchten, welche die negativen Auswirkungen von widrigen Umständen abschwächen können, bzw. welche sich als förderlich für die psychische Gesundheit erweisen. Diese Faktoren betreffen entweder die Person selbst oder ihre soziale Umwelt.

Einen Vortrag von Emmy Werner[14] zusammenfassend, listet Nuber (2005a) drei Hauptfaktoren auf, welche resiliente Kinder auszeichnen:

1) Sie finden Halt in einer stabilen emotionalen Beziehung zu Vertrauenspersonen ausserhalb der zerrütteten Familie. Grosseltern, ein Nachbar, ein Lieblingslehrer, der Pfarrer oder auch Geschwister bieten vernachlässigten oder misshandelten Kindern einen Zufluchtsort und geben ihnen die Bestätigung, wertvoll zu sein. Diese Menschen fungieren als soziale Modelle, die dem Kind zeigen, wie es Probleme konstruktiv lösen kann.
2) Weiterhin wichtig ist, dass an ein Kind, das im Elternhaus Vernachlässigung und Gewalt erlebt, früh Leistungsanforderungen gestellt werden und es Verantwortung entwickeln kann, zum Beispiel, indem es für kleine Geschwister sorgt oder ein Amt in der Schule übernimmt.
3) Auch individuelle Eigenschaften spielen eine Rolle: Resiliente Kinder verfügen meist über ein «ruhiges» Temperament, sie sind weniger leicht erregbar. Zudem haben sie die Fähigkeit, offen auf andere zuzugehen und sich damit Quellen der Unterstützung selbst zu erschliessen. Und sie besitzen oft ein spezielles Talent, für das sie die Annerkennung von Gleichaltrigen bekommen.

Es gibt viele andere Studien, welche für Kinder oder Jugendliche aus Risikogruppen protektive Faktoren auflisten, welche sich als hilfreich erwiesen haben.

Eine Längsschnittstudie z.B. mit hoch risikobehafteten Jugendlichen aus verschiedenen Heimen (vgl. Lösel 1994) zeigte: Die resilienten Jugendlichen waren intelligenter, hatten ein positiveres Selbstkonzept und erlebten sich als weniger hilflos, als selbstwirksamer und als leistungsmotivierter. Sie zeigten ein aktiveres Bewältigungsverhalten und hatten ein grösseres soziales Netzwerk. Auch das Erziehungsklima im Heim spielte eine wichtige Rolle. Längerfristig wirkte sich auch eine an Leistung und Verantwortung sowie an religiösen und ethischen Werten orientierte Erziehung positiv aus.

Listen von protektiven Faktoren geben sicherlich Hinweise. Sie zeigen z.B., welche Merkmale des Umfelds potentiell schützend wirken können. Allerdings zeigte sich im Laufe der Untersuchungen, dass Resilienz aus einem bewegten „Zusammenspiel von inneren Faktoren und dem jeweiligen familiären, schulischen und weiteren sozialen Umfeld der Kinder“ (Kluge 2004, 21) entsteht und das Gleichgewicht dieser Interaktion zwischen persönlichen protektiven Faktoren und externen Unterstützungsfaktoren sich je nach Entwicklungsphase stark verändern kann.[15]

Cyrulnik[16] betont, dass jede Studie über Resilienz drei Aspekte berücksichtigen sollte: das persönliche Temperament des betroffenen Kindes, die kulturelle Bedeutung der Verletzung und die Qualität der gesellschaftlichen Unterstützung, welche das Kind nach dem Trauma bekommt.

1. Der Erwerb innerer Ressourcen, die in den vorsprachlichen Interaktionen der frühen Kindheit ausgebildet und im Temperament verankert sind, kann erklären, wie wir auf die Wechselfälle des Lebens reagieren, denn sie bilden ein mehr oder weniger stabiles Gerüst für unsere Entwicklung.
2. Die Struktur der Aggression erklärt die Zerstörungen, die durch den ersten [Schicksals]schlag [...] verursacht werden. Die Bedeutung aber, die diesem Schlag in der Geschichte des Verletzten und seinem familiären und sozialen Kontext zugeschrieben wird, bewirkt den zerstörerischen zweiten Schlag, der zum Trauma führt.
3. Schliesslich können Zufluchtsorte, Aktivitäten, Ausdrucksmöglichkeiten, die die Gesellschaft traumatisierten Menschen manchmal bietet, seine Widerstandskraft stärken und es ihm so ermöglichen, dass er sich trotz der Verletzung weiterentwickelt (Cyrulnik 2002, 21). [Ergänzung und Hervorhebung durch F.H.]

Diese Ganzheit, bestehend aus dem persönlichen Temperament des Traumatisierten, der kulturellen Bedeutung seines Traumas und der Qualität der sozialen Unterstützung, die ihm beschert wird, erklärt die erstaunliche Variabilität der Reaktionen auf potentiell traumatisierende Ereignisse.

Die heutige Annahme, dass sich Resilienz aus der Interaktion verschiedener, sich in der Zeit verändernder Faktoren ergibt, ist für Prävention und Therapie sehr wichtig, weil sie die Möglichkeit nahelegt, dass Resilienz ein Prozess ist, der in verschiedenen Bereichen und zu verschiedenen Zeitpunkten gefördert und entwickelt werden kann.

1.5 Resilienzforschung des Erwachsenenalters

1.5.1 Einführung

Erst ab Anfang der 80er Jahre wurden Untersuchungen zu Resilienz im Erwachsenenalter durchgeführt; sie sind bis heute viel weniger zahlreich als die Untersuchungen der «klassischen» kinderorientierten Resilienzforschung. Ein Teil der Untersuchungen bezieht sich auf die Wirkung von traumatischen Erlebnissen, der andere Teil auf allgemein belastende Lebensbedingungen, die in fast jedem Leben einmal vorkommen.

Spezifische Konzepte für den Bereich des Erwachsenenalters wurden anscheinend nicht entwickelt, und es scheint noch viele offene Fragen zu geben: „Insgesamt ist für das Feld der erwachsenenbezogenen Resilienzforschung die wissenschaftliche Grundlegung und Theoriebildung weiterzuentwickeln“ (Kluge 2004, 24).

Eine Unterkategorie der Resilienzforschung des Erwachsenenalters, nämlich die «Resilienz im hohen Alter» scheint etwas besser erforscht zu sein. Wagnild und Young (1990)[17] u.a. nennen für das Alter resilienzfördernde Faktoren wie Gleichmut, Beharrlichkeit, Selbstvertrauen, Neugierde, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, soziale Kompetenz, soziale Aktivität, Unabhängigkeit oder die Einstellung, dass das Leben einen Sinn hat.

1.5.2 Studienergebnisse

Auch wenn spezifische Konzepte für die Resilienz des Erwachsenenalters noch weitgehend fehlen, liegen dennoch Studien vor, welche Erkenntnisse in verschiedenen spezifischen Unterbereichen erbringen und resilienzfördernde Faktoren nennen.

Bonanno (2005)[18] stellt durch seine Forschungsarbeiten mit Menschen, die um den Tod einer nahen Bezugsperson trauerten, bei einem Teil der Trauernden eine erstaunliche Stärke fest: auch sie litten stark unter dem Verlust, auch sie gingen durch Phasen von heftigem Trauern und Abschiedschmerz, aber sie verloren nie den «Boden unter den Füssen» und erholten sich relativ schnell. Bonanno konnte bei ihnen keine Anzeichen von Verdrängung feststellen, noch wurden sie als emotional kalt eingestuft. Von den lang und heftig Trauernden unterschieden sie sich darin, dass „sie akzeptierten, dass das Leben endet, sie glaubten an eine gerechte Welt, und sie suchten und fanden soziale Unterstützung“(Nuber, 2005a, 23).

Leppert und al. (2005) untersuchten das Ausmass von Resilienz als protektives Persönlichkeitsmerkmal für körperliches Wohlbefinden im Alter. Bei einem höheren Ausmass von Resilienzmerkmalen werden subjektiv weniger Körperbeschwerden wahrgenommen.

Sagor (1996)[19] nennt resiliente Personen «CBUPO»-Menschen (Abkürzung von competence, belonging, usefulness, potency, optimist), weil sie ein Selbstgefühl von Kompetenz, Zugehörigkeit, Nützlichkeit und Stärke haben, gepaart mit einer Tendenz, den Wechselfällen, die das Leben bringt, mit Optimismus zu begegnen.

Fthenakis (2001) nennt Selbstverpflichtung (eine internale Kontrollüberzeugung im Sinne von Eigenverantwortlichkeit) und das Gefühl des vom Leben Herausgefordertseins als Eigenschaften von resilienten Menschen.

Nuber (1999) beschreibt resiliente Menschen als Personen, welche die Krise und die damit verbundenen Gefühle akzeptieren, welche nach Lösungen suchen, welche ihre Probleme mit der Hilfe anderer Menschen lösen, welche sich nicht als Opfer fühlen, optimistisch bleiben, sich nicht selbst die Schuld geben und vorausplanen.

1.5.3 Aussagen der Studienergebnisse über den konstruktiven Umgang mit widrigen Lebensereignissen

Trotz populär-wissenschaftlicher Formulierung geben die «zehn Wege zur Resilienz», welche die Amerikanische Psychologenvereinigung APA in ihrer Broschüre «The road to resilience» auflistet, die Merkmale, die in den meistens Studien vorkommen, gut wieder. Eine kommentierte Übersetzung davon gibt sowohl Walser (2005, 1-4) als auch Nuber (2005a, 24). Leider haben beide die zehn Wege auf sieben reduziert. Hier wird jeder der zehn Faktoren in der original englischen Version wiedergegeben, auf deutsch übersetzt und mit einem kurzen Kommentar ergänzt.

1) Make connections. Good relationships with close family members, friend, or other are important. Accepting help and support from those who care about you and will listen to you strengthens resilience. Some people find that being active in civic groups, faith-based organizations, or other local group provides social support and can help with reclaiming hope. Assisting others in their time of need also can benefit the helper.

Verbindungen aufbauen : Gute soziale Beziehungen mit nahen Familienmitgliedern, Freunden oder anderen Personen sind wichtig. Hilfe und Unterstützung zu akzeptieren, von denjenigen, denen Sie etwas bedeuten und die Ihnen zuhören können, stärkt die Resilienz. Manche Menschen sagen, in einer Bürgergruppe, einer Organisation auf religiöser Basis oder in einer anderen lokalen Gruppe aktiv teilzunehmen, biete Unterstützung und könne helfen, wieder Hoffnung zu gewinnen. Anderen zu helfen, wenn sie es nötig haben, kann auch dem Helfer zugute kommen.

Die Resilienzforschung zeigt: wer in einer Familie eingebunden ist oder ein festes soziales Netz von Freunden um sich hat, überwindet Schicksalsschläge besser. Der Mensch ist ein durch und durch soziales Wesen[20]. Aus philosophischer Sicht ist schon lange erkannt, dass im Antlitz des anderen Menschen uns unser eigenes Menschsein begegnet (vgl. Buber 1965). Wir entwickeln uns im Spiegel eines Du (vgl. Stern 1996[21] ) und brauchen nach einer Lebenskrise Mitmenschen, die uns wieder ins Leben begleiten (vgl. Cyrulnik 2002a). Mit der Aufdeckung der neurobiologischen Aspekte des Spiegelgeschehens (vgl. Bauer 2005) wird unser sozialer Urgrund auch von der Neurobiologie bestätigt. Sogar die Entfaltung dieser neurobiologischen Grundausstattung des Menschen ist nur im Rahmen von zwischenmenschlichen Beziehungen möglich (vgl. Bauer 2004, Eliot 2003).

2) Avoid seeing crises as insurmountable problems. You can’t change the fact that highly stressful events happen, but you can change how you interpret and respond to these events. Try looking beyond the present to how future circumstances may be a little better. Note any subtle ways in which you might already feel somewhat better as you deal with difficult situations.

Vermeiden, Krisen als unüberwindbares Problem zu betrachten : Die Tatsache, dass höchst stresserzeugende Geschehnisse passieren, können Sie nicht verändern, aber sie können die Art und Weise verändern, wie Sie diese Geschehnisse interpretieren und wie Sie darauf reagieren. Versuchen Sie über die Gegenwart hinauszusehen und stellen Sie sich vor, dass die zukünftigen Umstände vielleicht besser sein werden, als die gegenwärtigen sind. Nehmen Sie jeden subtilen Hinweis wahr, dass Sie sich schon jetzt im Umgang mit schwierigen Situationen etwas besser fühlen .

Epiktet (ca 55 - 135 n. J.C.) sagte es schon: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen“ (Epiktet 1978). Was bereits die antiken Philosophen wussten, wird wieder «neu» sowohl in den Kognitiven Verhaltenstherapien (vgl. Hoellen 1986)[22] als auch in den Systemischen Therapien (vgl. Watzlawik[23] 1977, Satir 1975) und im NLP-Ansatz (Bandler et al. 1992) vertreten. Die Interpretation der Geschehnisse bestimmen mehr als die Geschehnisse selber unsere Gefühle, und diese Interpretation ist wenigstens teilweise formbar.

Innere Distanzierung durch positive Visionen der Zukunft sowie Achtsamkeit auf Zeichen positiver Veränderungen stärken die Zuversicht und befreien aus dem «Sackgassegefühl». Auch Neurobiologen haben über die Kraft der inneren Bilder Eindrückliches zu berichten (vgl. Hutter 2004c).

3) Accept that change is a part of living. Certain goals may no longer be attainable as a result of adverse situations. Accepting circumstances that cannot be changed can help you focus on circumstances that you can alter.

Veränderung als Teil des Lebens akzeptieren : Einige Ziele sind vielleicht durch eine veränderte Situation nicht mehr erreichbar. Die Umstände, die nicht verändert werden können, zu akzeptieren, kann Ihnen helfen, sich auf Umstände zu konzentrieren, die sie verändern können.

Resiliente Menschen akzeptieren, dass nichts von Dauer ist. Sie lernen allmählich zwischen lohnenden und sinnlosen Anstrengungen zu unterscheiden und akzeptieren die Tatsachen, welche sie nicht ändern können. Das ermöglicht ihnen, ihre Kräfte auf die Tatsachen, welche sie ändern können, zu fokussieren (vgl. Beisser 1970). In der Bewegung der Anonymen Alkoholiker (AA) z.B. nimmt das Gebet von Christof Friedrich Öttinger (1702-1782) eine sehr zentrale Stellung ein und ist Millionen von Suchtkranken zu einer Lebenshilfe geworden: „Gott, gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“(vgl. Röhr 2003, 93).

4) Move toward your goals. Develop some realistic goals. Do something regularly – even if it seems like a small accomplishment – that enables you to move toward your goals. Instead of focusing on tasks that seem unachievable, ask yourself, “What’s one thing I know I can accomplish today that helps me move in the direction I want to go?”

Sich auf Ziele zubewegen : Entwickeln Sie realistische Ziele. Machen Sie regelmässig etwas, das Ihnen ermöglicht, sich auf die Ziele zuzubewegen, auch wenn es vielleicht nach einer kleinen Leistung aussieht. Anstatt sich auf Ziele zu konzentrieren, die unerreichbar scheinen, fragen Sie sich: „Was kann ich heute erreichen und was bringt mich weiter in die Richtung, in die ich gehen möchte?“.

Im Kleinen handeln, statt nur im Grossen zu träumen: Die Wünsche und Ziele, die trotz des Verlustes, trotz der Schmerzen noch vorhanden sind, müssen erkannt und akzeptiert werden. Schrittweise etwas tun, um sie zu verwirklichen, beruhigt und erzeugt Hoffnung auf bessere Zeiten.

5) Take decisive actions. Act on adverse situations as much as you can. Take decisive actions, rather than detaching completely from problems and stresses and wishing they would just go away.

Entscheidungen in Angriff nehmen : Handeln Sie unter widrigen Umständen, so viel Sie können. Nehmen Sie Entscheidungen in Angriff, statt völlig von den Problemen und Stressfaktoren wegzusehen, in der Hoffnung, sie würden einfach so verschwinden.

Etwas zu tun, stärkt das Gefühl, den Umständen nicht ganz ausgeliefert zu sein; und die Überzeugung, die eigenen Lebensumstände positiv beeinflussen zu können, ist eines der wichtigsten Merkmale resilienter Menschen. Auch sie verlieren zeitweise die Hoffnung auf Änderung und fühlen sich als Opfer. Doch nach einer gewissen Zeit kommen sie aus dem Opfergefühl heraus und versuchen wieder etwas an Kontrolle über das Geschehen zurückzugewinnen. Die Wichtigkeit dieser subjektiven Überzeugung, Ereignisse selbst aktiv beeinflussen zu können, wird sowohl im «SOC» von Antonovsky[24], im «Konzept der Kontrollüberzeugung» von Rotter (Sack 1998, 328) als auch im «Konzept der Selbstwirksamkeit» von Bandura (ebd.) als grundlegend zur Bewältigung widriger Umständen dargestellt.

6) Look for opportunities for self-discovery. People often learn something about themselves and may find that they have grown in some respect as a result of their struggle with loss. Many people who have experienced tragedies and hardship have reported better relationships, greater sense of strength even while feeling vulnerable, increased sense of self-worth, a more developed spirituality, and heightened appreciation for live.

Gelegenheit zur Selbstwahrnehmung beachten : Menschen lernen oft etwas über sich selber und sehen, dass sie in gewissen Belangen gewachsen sind, als Ergebnis ihres Kampfes mit einem Verlust. Viele Menschen, die Tragödie und Elend erlebt hatten, haben erwiesenermassen bessere Beziehungen, einen grösseren Sinn für Kraft, auch wenn sie sich gleichzeitig verwundbar fühlen, ein gesteigertes Selbstwertgefühl, ein stärker entwickeltes Empfinden für Spiritualität und eine erhöhte Lebensfreude.

Die schmerzvolle Erfahrung einer Krise birgt auch die Chance persönlicher Entwicklung (vgl., Adl-Amini 1992, Cyrulnik 2002a, Diekstra 2005) und kann die Achtsamkeit für die kleinen alltäglichen Wunder intensivieren.

7) Nurture a positive view of yourself. Developing in your ability to solve problems and trusting your instinct helps build resilience.

Eine positive Sicht von sich selbst pflegen: Die Fähigkeit entwickeln, Probleme zu lösen, und Ihrem Instinkt vertrauen, hilft Resilienz aufzubauen.

«Übung macht den Meister» gilt auch für die Fähigkeit, Lösungen für Probleme zu finden. Das Konzept der erlernten Hilflosigkeit (Seligman 1999) zeigt auf eindrückliche Weise, wie die Fähigkeit Probleme zu lösen, schwinden kann. Hier muss auch auf Frick (2004) hingewiesen werden, der Verwöhnung in der Kindheit als Droge bezeichnet, welche hilflos macht (vgl. auch Zöllner 1994). Wer nicht gelernt hat, für sich und sein Handeln Verantwortung zu übernehmen, wird bei den Entwicklungsaufgaben, die Heranwachsende bewältigen müssen, grosse Mühe bekunden. Dass dies auch später für die Entwicklungsaufgaben des Erwachsenenalters gilt, liegt nah. Jedes Problem, das gelöst wird, stärkt das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit; umgekehrt stärkt ein positives Selbstbild das Gefühl, Problemen gewachsen zu sein.

8) Keep thing in perspective. Even when facing very painful events, try to consider the stressful situation in a broader context and keep a long-term perspective. Avoid blowing the event out of proportion.

Eine Aussenperspektive einnehmen: Versuchen Sie sogar in der Konfrontation mit sehr schmerzlichen Geschehnissen, die stressgeladene Situation in einem weiteren Kontext zu sehen und behalten Sie eine Langzeitperspektive. Vermeiden Sie es, die Proportion des Geschehnisses aufzublasen.

Eine breitere Sicht der schwierigen Situation eröffnet neue Perspektiven. Hingegen fördert eine Einengung der Sicht die Verzweiflung. Ringel (1995,16-20), beschreibt eine multiple Einengung als zum präsuizidalen Syndrom gehörend.[25] Besonders wenn die Gegenwart äusserst schmerzhaft ist, sollte versucht werden, sie in den gesamten Lebenskontext zu stellen. Hilfreich dabei sind sogenannte Distanzierungsübungen (z.B. Visualisierungen), welche, indem sie darauf zielen, die Situation aus einer anderen Optik wahrzunehmen, einen breiteren Fokus ermöglichen oder eben mehr innere Distanz erzeugen.

9) Maintain a hopeful outlook. An optimistic outlook enables you to expect that good things will happen in your life. Try visualizing what you want, rather worrying about what you fear.

Einen hoffnungsvollen Ausblick aufrechterhalten: Ein optimistischer Ausblick ermöglicht Ihnen zu erwarten, dass Gutes in Ihrem Leben geschehen wird. Versuchen Sie sich das vorzustellen, was Sie sich wünschen, statt sich Sorgen über das, was Sie ängstigt, zu machen.

Forschungsarbeiten zu Auswirkungen einer optimistischen Lebenshaltung hat besonders Seligman (1991, 2005)[26] geleistet, der auch zeigen konnte, dass Optimismus lernbar ist.

10) Take care of yourself. Pay attention to your own needs and feelings. Engage in activities that you enjoy and find relaxing. Exercise regularly. Taking care of yourself helps to keep your mind and body primed to deal with situations that require resilience.

Für sich selbst sorgen: Beachten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle. Engagieren Sie sich in Aktivitäten, die Sie gerne tun und entspannend finden. Verschaffen Sie sich regelmässig Bewegung. Sich für sich selbst zu sorgen, hilft den Geist und den Körper bereit zu halten, sich mit Situationen auseinanderzusetzen, die Resilienz erfordern.

Positiv bewertete Aktivitäten und nährende Begegnungen sind wie eine erfrischende Quelle in der Wüste belastender Lebensereignisse. Sie machen die Wüste nicht kleiner, tragen aber dazu bei, dass sie erträglicher wahrgenommen wird.

Über die psychischen Auswirkungen von Bewegung berichten z.B. Röhricht (2000) und Bartmann (2005).

Zwar sind die zehn Empfehlungen der amerikanischen Psychologenvereinigung - der utilitaristisch amerikanischen Haltung entsprechend - in populärem Lebensberatungsstil etwas «naiv optimistisch» formuliert, doch fassen sie die Merkmale resilienter Menschen, welche aus Studien der Resilienzforschung bekannt geworden sind, gut verständlich zusammen.

Da jedes der beschriebenen Verhaltensmerkmale an sich erlernbar scheint, darf angenommen werden, dass Resilienz eine Fähigkeit ist, die nicht einfach nur gegeben ist, sondern die wir zum Wachsen bringen können.

1.5.4 Bindungsstil, lebenslange Lernfähigkeit und Resilienz

Die Frage nach dem Ursprung der Resilienzfähigkeit ist komplex und wird in dieser Arbeit nicht vertieft. Doch sollen immerhin zwei wichtige Grundlagen der Resilienz genannt sein: Einerseits der oft vermuteten Zusammenhang zwischen einem sicheren Bindungsstil in der frühen Kindheit und der späteren Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, und andererseits auf die lebenslange Fähigkeit Neues zu lernen.

Wie jede grundlegende persönliche Haltung werden auch die resilienzfördernden Denkarten und Verhaltensmerkmale in jungen Jahren am leichtesten zu erwerben sein. Aus dem aktuell sehr produktiven Bindungsforschungskreis (z.B. Grossmann & Grossmann 2005) gibt es bereits bejahende Antworten auf die Frage, ob die zwischenmenschliche Früherfahrungen eines Kindes zu seiner späteren Fähigkeit zu Resilienz beitragen. Es gibt tatsächlich viele Beweise, dass eine sichere Bindung in der frühen Kindheit sozusagen als Blei im Fuss der «Stehaufmenschen» fungiert, welches ihnen das Wiederaufstehen auch nach heftigen Stössen erleichtert. K. Grawe fasst viele Studien der Bindungsforschung zusammen und bedauert die Tragik der unsicher Gebundenen, die ihre früh erworbenen Handicaps in alle nachfolgenden Altersabschnitte weitertragen. „Sie haben ein geringeres Selbstvertrauen und geringere Selbstwirksamkeitserwartungen, ein schlechteres Selbstwertgefühl, eine schlechtere Resilienz (Robustheit) bei Belastungen“ (2004, 359, vgl. auch 192-210).

Glücklicherweise zeigen aber Untersuchungen, wie K. Grawe betont, dass „negative Bindungserfahrungen nicht einfach ein unabwendbares Schicksal sind, wenn man ungünstige Gene auf die Welt bringt oder wenn man eine nicht ganz optimale Bezugsperson hat. Der ungünstige Zirkel kann mit gezielten Massnahmen durchbrochen werden“ (2004, 204).

Kein Forschungszweig allein, auch die Bindungsforschung nicht, wird je abschliessend das komplexe Geheimnis der menschlichen Widerstandskraft erhellen. Menschliche Verhaltensweisen sind durch vielerlei Faktoren determiniert und durch noch so tiefgehende Kindheitsprägungen nicht definitiv festgestellt: „On est loin des causalités linéaires ou un agent provoque un effet qui s’aggraverait avec les générations. Dans les théories de la résilience, le sujet se trouve soumis à l’influence d’une constellation de déterminants ou il se débat et va chercher intentionnellement les tuteurs le long desquels il pourra reprendre un développement» (Cyrulnik 2004, 235).

So sollten die resilienzfördernden Denkarten und Verhaltensweisen auch in späteren Lebensphasen noch entwickelbar bleiben. „Über das ganze Leben können Schäden gesetzt werden, aber auch positive Einflüsse dasein [...], die Heilung ermöglichen“ (Petzold[27] ). Ein solches Konzept richtet sich an der Entwicklungspsychologie der Lebenspanne, am «lifespan developmental approach» (vgl. Baltes und al., 1979, Faltermaier 1992), aus. Die neurobiologische Erkenntnis einer lebenslangen Plastizität des Gehirns (vgl. Herschkowitz 2002) stützt diese Annahme, dass auch Erwachsene zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens in der Lage sind, ihre Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.

Die Hypothese, resilientes Verhalten sei erlernbar, ist von grosser Tragweite für die Pädagogik (Opp 1999), für die Psychotherapie und nicht zuletzt für den persönlichen Reifeprozess[28].

Cyrulnik, der persönlich erlebt hat, dass Resilienz möglich ist[29], spricht von einer nötigen Denkumstellung, weg von der pathogenetischen Sichtweise zu einer Sicht von Entwicklung im Lebenszyklus. „Jeder Mensch [ist] in jedem Kapitel seiner Lebensgeschichte ein komplettes, entwickeltes Wesen [...], mit einer kohärenten mentalen, empfindenden, vernünftigen, verwundbaren Welt, die ständig verbessert werden kann“ (Cyrulnik 2002, 33).

Diese Einstellung zu den Wechselfällen des Lebens lädt uns nach Cyrulnik ein, „de considérer le traumatisme comme un défi“ („das Trauma als Herausforderung zu begreifen“). Gibt es, so fragt er, eine andere Möglichkeit, als sich ihm zu stellen?

1.6 Ähnlich aber nicht gleich

1.6.1 Begriff- und Konzeptüberschneidungen

Eine bedeutende Schwierigkeit der am Positiven orientierten Konzepte besteht darin, dass einige Begriffe in verschiedenen Konzepten vorkommen und dabei nicht immer ganz similär gebraucht werden. Mit der undeutlichen Abgrenzung des Begriffs «Ressourcen» von anderen Begriffen haben wir ein solches Beispiel: Unter dem Begriff «Ressourcen» werden zumeist die vorhandenen oder potentiellen Stärken einer Person und ihrer Umwelt gemeint. Der Begriff wird zunehmend wichtig, insbesondere in der Psychotherapieforschung. Für Grawe (vgl. 2004, z.B. 399ff) geht es um das positive Potential zur Befriedigung eigener Grundbedürfnisse. Er bewertet das Element der Ressourcenaktivierung als primäres Wirkprinzip effektiver Therapien. Welter-Enderlin (Nuber 2005a[30] ) unterscheidet Ressourcenorientierung, die nur auf die Stärken fokussiert, von Resilienzarbeit, die sowohl dem ganz Schwierigen im Leben der Person als auch den Stärken der Person und ihrer Umwelt genug Platz einräumt:

„Ressourcenorientierung [...] wird oft nur als unspezifische Freundlichkeit des Therapeuten verstanden. Man fragt nach den Stärken der Klienten, doch das ist banal. Wir müssen anerkennen, dass so manches im Leben nicht leicht verlaufen ist, es gibt dunkle Löcher, und wir müssen bereit sein, hinzuschauen und keine Angst davor haben. Dann können wir Menschen begleiten im Erkennen von Erlebnissen, die sie vielleicht noch nie so geäussert haben. Gleichzeitig aber müssen wir sie auch dazu ermutigen, stolz darauf zu sein, wie sie bislang mit ihren Problemen umgegangen sind. Wenn man nur ressourcenorientiert arbeitet, dann gibt man den schlimmen Erfahrungen keinen Raum.“

R. Welter-Enderlin unterscheidet die ähnlich anmutenden Begriffe «Ressourcen-orientierung» und «Resilienzarbeit» dadurch, dass der Begriff «Ressourcenorientierung» sich möglicherweise in einer einseitigen Orientierung am Positiven erschöpft, der Begriff «Resilienzarbeit» hingegen sowohl der therapeutischen Arbeit am ganz Schwierigen als auch der Förderung der Ressourcen Platz einräumt.

Beim Begriff «Ressourcen» entstehen ausserdem Überschneidungen mit anderen Begriffen, je nachdem, ob Ressourcen eher als externe oder als interne Hilfspotentiale definiert wird.

Werden Ressourcen als externe potentielle Unterstützungsquellen definiert, lässt sich der Begriff «Ressourcen» nicht scharf vom Begriff «externale protektive Faktoren» abgrenzen (Petzold u. Müller 2004, 190).

Wird das Konstrukt «personale Ressourcen» als kognitive Überzeugungssysteme definiert, liegt die Schwierigkeit darin begründet, dass die gesundheits-wissenschaftliche Literatur eine grosse Anzahl verwandter Konzepte anbietet. Es gibt also nicht nur Begriffüberschneidungen, sondern die verschiedenen Konzepte, die zwar theoretisch zumeist in sich stimmig sind, weisen auch grosse Überschneidungen und Merkmalähnlichkeiten auf (Rimann u. Udris 1998, 350[31] ).

1.6.2 Das Konzept der Salutogenese

Seiner Ähnlichkeit mit dem Resilienzkonzept wegen soll hier Antonowskys Salutogenesekonzept mit dem personalen Merkmal «Kohärenzerleben» vorgestellt werden.

Aaron Antonovsky (1997), Medizinsoziologe, sah Gesundheit und Krankheit als Gegensatzpole eines Kontinuums, auf dem wir Zeit unseres Lebens uns bewegen. Er hat seine Forschungen hauptsächlich der Frage gewidmet, wie es dazu kommt, dass ein Mensch gesund bleibt, und hat nach den Bedingungen von Gesundheit und von Faktoren, welche die Gesundheit schützen und erhalten, geforscht. Das Konzept der Salutogenese beschreibt er anhand der Metapher eines Flusses: Die pathogenetische Herangehensweise gleicht dem Versuch, Menschen mit hohem Aufwand aus einem reissenden Fluss zu retten, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sie da hineingeraten sind und warum sie nicht besser schwimmen können. Die Salutogenese hingegen sieht den Fluss als den Strom des Lebens, in dem wir alle, ob zurzeit gesund oder krank, schwimmen:

„Niemand geht sicher am Ufer entlang. Darüber hinaus ist für mich klar, dass ein Grossteil des Flusses sowohl im wörtlichen wie auch im herkömmlichen Sinn verschmutzt ist. Es gibt Gabelungen im Fluss, die zu leichten Strömungen oder in gefährliche Stromschnellen und Strudel führen. Meine Arbeit ist der Auseinandersetzung mit folgender Frage gewidmet: „Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluss befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer?“

Antonowsky nennt das personale Merkmal, welches Menschen helfen kann, im Lebensfluss gute Schwimmer zu werden, «Kohärenzerleben»[32]. Es ist ein Einstellungskonstrukt[33] beziehungsweise eine «Grundorientierung», die das Gefühl ausdrückt, über genug Fähigkeiten zu verfügen, um das Leben zu meistern. Antonowsky unterteilt das Kohärenzerleben in drei Komponenten.

1) «Comprehensibility» (Verstehbarkeit) ist eine kognitive Komponente, die das Individuum annehmen lässt, dass Informationen geordnet, in sich schlüssig und klar sind.
2) «Manageability» (Handhabbarkeit) meint das Vertrauen, aus eigener Kraft oder mit fremder Unterstützung mit den Anforderungen des Lebens umgehen zu können.
3) «Meaningfulness» (Sinnhaftigkeit oder Bedeutsamkeit) ist eine emotionale Komponente, die das Individuum seine Existenz und die Anforderungen des Lebens als sinn-voll erleben lässt und ihm dadurch das Gefühl vermittelt, dass es sich lohnt, sich für Ziele einzusetzen. „Die Welt und ihre Abläufe sind es wert, dass man sich engagiert“ (Schüffel 1998, 3). Antonovsky sieht im Gefühl der Sinnhaftigkeit den wichtigsten Einfluss auf die Gesundheitserhaltung (vgl. Frankl 1981).

Das Konzept der Salutogenese postuliert, dass ein stärkeres Kohärenzerleben „die Anpassungsleistungen verbessere, Stress reduziere und die Gesundheit fördere“ (Frommberger et al. 1998, 340).

Nach Schüffel und Mitarbeiter (1998, 3) war es Antonovsky wichtig, eine Verengung auf das westliche, individuumszentrierte Menschenbild zu vermeiden. Das Kohärenzgefühl ist somit nicht gleichzusetzen mit gesundheitspsychologischen Konstrukten wie „«self-efficacy» (die Überzeugung, Anforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können) von Bandura oder «hardiness» (Ausdauer, Zähigkeit) von Kobasa. Eine Darstellung beider Ansätzen im Vergleich zur Salutogenese ist bei Sack et al. (1998, 328) zu finden. Diese Ansätze betonen beide die Wichtigkeit der Kontrolle, die der einzelne über sich und die Anforderungen der Umwelt haben soll. Schüffel et al. (1998, 4) beschreiben das entsprechende Menschenbild durch die trügerische Überzeugung, alles im Griff haben zu können. Im Gegensatz zu dieser individualistischen Sicht unterstreicht er, dass mit dem Kohärenzgefühl das Vertrauen gemeint ist, sich „dem gefährlichen Fluss des Lebens“ anvertrauen zu können und Krisen aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer zu meistern.

Antonovsky war der Meinung, das Kohärenzerleben würde sich im Wesentlichen in den ersten zehn Lebensjahren herausbilden, sei aber noch bis ins mittlere Erwachsenenalter entwicklungsfähig und durch Psychotherapie in begrenztem Umfang förderbar.

1.6.3 Das Coping-Konzept

Auch das Coping-Konzept, ein Teilaspekt der Stressforschung, der sich auf die Bewältigungsformen stressreicher Ereignisse richtet, soll hier kurz vorgestellt werden.

Coping, vom englischen «to cope» (bewältigen, überwinden) bezeichnet die Art des Umgangs mit einem als bedeutsam und schwierig empfundenen Lebensereignis oder einer entsprechenden Lebensphase.

Der Begriff «Coping» wurde vom Psychologen Richard Lazarus in seinem 1974 veröffentlichten Stressmodell eingeführt. Dieses Modell besagt, dass Stresssituationen als komplexe Wechselwirkungsprozesse zwischen den Anforderungen der Situation und der handelnden Person anzusehen sind. Im Gegensatz zu früheren Stresstheorien ging Lazarus davon aus, dass nicht die Beschaffenheit der Reize oder Situationen für die Stressreaktion von Bedeutung sind, sondern die individuelle kognitive Verarbeitung des Betroffenen. Menschen können für einen bestimmten Stressor höchst unterschiedlich anfällig sein, d.h. was für den einen Betroffenen negativen Stress (Distress) bedeutet, ist für einen anderen keine Belastung, sondern willkommene Herausforderung (Eustress). Lazarus sah die Art und das Ausmass der Stressreaktionen in einem engen Zusammenhang mit der Bewertung der Situation bzw. des Stressors (primäre Bewertung) und mit der Einschätzung der Bewältigungsmöglichkeiten (sekundäre Bewertung): Je nach dem, wie die Person auf eine Bedrohung reagiert, verändern sich ihre inneren und den äusseren Bedingungen, und sie sieht die ursprüngliche Situation im rückblickenden Vergleich dann anders (Neubewertung).

Das Coping-Konzept besagt also, dass Lebensereignisse vom betroffenen Individuum immer Anpassungs- und Bewältigungsanstrengungen erfordern. Diese können unterschiedlich ausfallen, und entsprechend vielfältig sind die Folgen für den Lebenslauf und die individuelle Entwicklung der Person.

Lazarus unterscheidet zwei Arten der Stressbewältigung: das problemorientierte Coping einerseits und das emotionsregulierende Coping andererseits. Beim problemorientierten Coping versucht das Individuum, durch Informationssuche, durch direkte Handlungen oder auch durch Unterlassen von Handlungen Problemsituationen zu überwinden oder sich den Gegebenheiten anzupassen. Diese Bewältigungsstrategie bezieht sich auf die Ebene der stresserzeugenden Situation bzw. des Reizes. Das emotionsregulierende Coping wird auch intrapsychisches Coping genannt. Hier wird in erster Linie versucht, die durch die Situation entstandene emotionale Erregung abzubauen, ohne sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen.

Die Copingsstrategien werden in adaptiven und maladaptiven Copingsstrategien unterteilt. Adaptive Copingsstrategien tragen zu einer langfristigen und nachhaltigen Lösung eines Problems bei, während bei maladaptiven Copingsstrategien der Ablenkungscharakter im Vordergrund steht.

Im medizinischen Bereich bezeichnet Coping das Bewältigungsverhalten von Menschen mit akuten oder chronischen Krankheiten sowie auch mit Behinderungen. Die klinisch empirische und neuerdings auch von den Neurowissenschaften gestützte Erkenntnis, dass adaptive Copingsstrategien sowohl für die Lebensqualität der betroffenen Person als auch für den Krankheitsverlauf von grosser Bedeutung sind, setzt sich allmählich durch (vgl. Schüffel et all. 1998, Schubert & Schiepek 2003, Bauer 2004): das Coping-Konzept findet in medizinischen Kreisen zunehmend Anwendung.

Das Resilienzkonzept (Garmecy 1974, Anthony 1974, Werner u. Smith 1982[34] ) und das Coping-Konzept (Lazarus 1974) sind in der Psychologie ungefähr zur gleichen Zeit entstanden wie das Modell der Salutogenese (Antonovsky 1979, 1987) in der Medizin. Alle drei Konzepte weisen auf unterschiedlicher Art auf die Dimension des individuellen Handelns bei Krisen hin. Wie die ResilienzforscherInnen verschoben auch die Salutogeneseexperten um Antonowsky und die Copingforscher um Lazarus die Fragerichtung von einer defizitorientierten Perspektive zu einer ressourcenorientierten Perspektive. Diese fast gleichzeitige Entstehung von drei neu orientierten Konzepten weist vermutlich darauf hin, dass etwas im Zeitgeist lag, was diese neue Denkform nährte. Denn, wie Victor Hugo geschrieben hat: „Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“[35]

Als Basismodell dieser Arbeit habe ich unter diesen drei Möglichkeiten das Modell der Resilienz gewählt, weil es in meinen Augen am besten dafür geeignet ist: Es fokussiert nicht, wie das Coping-Konzept, vorwiegend auf die kognitive Aspekte und zentriert auch nicht, wie die Salutogenese, sosehr um das Konzept von Gesundheit. Das Resilienzmodell hat für diese Arbeit den Vorteil, dass es bio-psycho-soziale Kompetenz gleichwohl berücksichtigt und auf die positive Variante der Bewältigungsformen fokussiert. Zudem ist es ein sehr offenes Konzept, das sich nicht nur mit medizinischen und psychologischen Denkmodellen, sondern auch mit Denkmodellen aus benachbarten Fachbereichen, wie Philosophie und Religionswissenschaften gut in Zusammenhang bringen lässt.

1.7 Der Resilienzbegriff im Anwendungsbereich dieser Arbeit

1.7.1 Resume der bisherigen Abschnitte

Der klassische Bereich der Resilienzforschung ist das Kinder- und Jugendalter, deren Grundlagenliteratur auch für das Verständnis der Resilienztheorien des Erwachsenenalters hilfreich ist. Allmählich, anders als in den Anfängen dieses Forschungszweigs, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Resilienz kein aussergewöhnliches Phänomen ist, sondern aus Anpassungsleistungen entsteht, die unterstützt werden können. Auch wenn die Theoriebildung für das Feld der erwachsenenbezogenen Resilienzforschung noch in Entwicklung ist, liegen Studien vor, welche Erkenntnisse in verschiedenen spezifischen Unterbereichen gewinnen und resilienzfördernde Faktoren nennen. Das Resilienzkonzept des Erwachsenenalters orientiert sich an der Entwicklungspsychologie der Lebenspanne und wird durch die neurobiologische Erkenntnis der lebenslangen Plastizität des Gehirns bestätigt.

1.7.2 Resilienzdefinition für den Anwendungsbereich dieser Arbeit

Hier wird auf den Fokus dieser Arbeit hingewiesen und eine Definition von Resilienz für dessen Anwendungsbereich formuliert.

In meiner Arbeit gehe ich von der Arbeitshypothese aus, dass im Erwachsenenalter das Annehmen der Realität, so belastend sie auch sein mag, eine der wichtigen Bedingungen ist, um nach Kränkungen und Verlusterlebnissen allmählich zu einer Haltung der Versöhnlichkeit gelangen zu können, welche ermöglicht sich dem Leben wieder voll zuwenden zu können. Zu dieser Hypothese gehört die Annahme, dass die Realitätsakzeptanz meistens Zeit braucht und erst über mehrere Versöhnungsschritte zu erreichen ist.[36]

Mit Resilienz wird in dieser Arbeit das Resultat des Prozesses gemeint, welcher erwachsenen Menschen ermöglicht, nach Belastungen sich wieder aktiv gestaltend dem Leben zuzuwenden und ihr eigenes Leben, ob mit oder ohne Einschränkungen, als befriedigend und sinnvoll zu erleben. Unter Belastungen ist sowohl die Wirkung von traumatischen Erlebnissen als auch die von Widrigkeiten, wie sie in fast jedem Leben (als Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben) vorkommen, gemeint. Resilienz verlangt interne und externe Faktoren. Die persönlichen (internen) Fähigkeiten, die dafür nötig sind, können angeboren sein, in der Kindheit entstanden sein oder auch erst im Erwachsenenalter, vielleicht gerade durch ein belastendes Ereignis (!), erworben werden. Eine resiliente Lebenshaltung[37] kann also in jedem Lebenszeitpunkt entwickelt werden. Die im Umfeld zu findenden (externen) Faktoren, liegen sowohl auf der Mikroebene[38], insbesondere in der Familie und im Freundeskreis, als auch auf der Mesoebene, wie Wohngemeinde und Vereine, und der Makroebene des weiteren ökologischen und gesellschaftlichen Kontextes.

2. Versöhnlichkeit I: Rundblick

Wie im ersten Kapitel ersichtlich geworden ist, zeigen die Forschungsarbeiten mit resilienten Menschen, dass Menschen, welche die Widrigkeiten des Lebens überdurchschnittlich gut überstehen, über bestimmte Denk- und Verhaltensweisen verfügen, welche bei anderen Menschen weniger ausgeprägt vorhanden sind. Vor allem sieht es so aus, dass die Entwicklung von Resilienz ein zeitaufwendiger Prozess ist, der mehrere Versöhnungsschritte erfordert.

Da in dieser Arbeit die Entwicklung einer versöhnlichen Lebenshaltung für die Entwicklung von Resilienz als sehr zentral erachtet wird, werden dem Thema «Versöhnlichkeit» drei Kapitel gewidmet.[39]

2.1 Friedenstiftung in der Primatenforschung

Als Einstieg in das Thema «Versöhnung» möchte ich einen Seitenblick auf das Sozialleben unserer nächsten Verwandten werfen.

Affen sind – wie wir Menschen auch – sozialorganisierte Tiere und verfügen offenbar über eine beträchtliche soziale Intelligenz. Sie können verwandtschaftliche Beziehungen gut einschätzen, können sich gegenseitig täuschen, miteinander spielen oder Allianzen bilden. Sie können ihre Aggressionen durch Drohungen oder Kämpfe ausleben, können sich aber auch wieder versöhnen. Die Fähigkeit zur Versöhnung ist nicht für den Menschen reserviert (vgl. De Waal 1991, 1997) .

Frans De Waal definiert Versöhnung unter Primaten als Wiedervereinigung zwischen ehemaligen Gegnern nicht lange nach dem Kampf. Einige zufällige Begegnungen genügen nicht: eine Versöhnung ist nur bei einer systematischen Zunahme freundlicher Interaktionen, die auf aggressive folgen, gegeben. Der Beobachter bekommt den Eindruck, dass vormalige Gegner selektiv voneinander angezogen werden, das heisst, dass sie dazu neigen, öfter zusammenzukommen als sonst und öfter als mit Tieren, die nichts mit dem Kampf zu tun hatten. In der Primatenordnung scheint dieses Phänomen weit verbreitet zu sein (vgl. Waal 1997, 218f).

Einige Spezies machen nur einen Bruchteil der Konflikte wieder gut, andere fast alle. Je wichtiger der Gruppenzusammenhalt in der Wildnis ist, desto versöhnlicher verhält sich eine Spezies. De Waal geht davon aus, dass die Fähigkeit, Frieden zu schliessen, sich als Anpassung an die Umwelt, als Überlebensstrategie entwickelt hat.

Primaten haben zum Teil raffinierte Strategien, mit denen sie ihre Aggressionen abbauen und Konflikte lösen. Viele Primatenarten haben für die Prozedur des Friedensschlusses sogar eine bestimmte Gestik und Mimik und besondere Rufe entwickelt.

Ein Schlüssel zum Erlernen der Fähigkeit «Frieden zu schliessen» ist die Qualität der Beziehungen. Primaten unterdrücken Aggressionen und versöhnen sich nicht allein um des lieben Friedens willen, sondern um wertvolle Beziehungen zu erhalten (vgl. De Waal 1997, 223). „Durch verschiedene Untersuchungen liess sich bestätigen, dass die Versöhnungsneigung mit der Stärke der Bindung zunimmt (gemessen an der Zeit, die die Affen miteinander verbringen)“ (ebd., 224). Auch für Affen sind Beziehungen wertvoll, und zwar nicht nur, um das Überleben zu sichern, sondern auch um sich wohl zu fühlen. Es geht darum, „die gefühlsmässige Einbettung“ (ebd.) zu schützen. Gerald Hüther (2004b, 52) berichtet, dass Stressforscher feststellen mussten, dass bei einem Affen immer dann, wenn sein «Freund» zu ihm gesetzt wird, kaum noch Angst und deshalb auch keine Stressreaktion mehr auslösbar ist[40].

Auch bei Spezies, die ein hohes Konfliktpotential haben, sind häufig friedensdienende Rituale zu beobachten. Schimpansen zum Beispiel streiten sehr häufig, „eigentlich um alles, um Futter, um Frauen, um Dominanz in der Gruppe“ (Call[41] ). Sie können auch brutal sein und sogar regelrecht Krieg führen. Dennoch: auch sie haben diverse Strategien entwickelt, Konflikte abzuschwächen oder zu verhindern. Ist der Kampf unvermeidbar gewesen, so bemühen sich oft alle danach, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren, indem die Verfeindeten sich wieder versöhnen. Sie können sogar in eine regelrechte „Versöhnungseuphorie“ (Call, vgl. Fussnote 41) geraten, indem nicht nur die Kombattanten selbst, sondern auch deren jeweiligen Familienangehörigen und Freunde sich in die Arme fallen, sich küssen und herzen.

[...]


[1] Diese Metapher für seelische Widerstandsfähigkeit benützt der französische Ethologe und Psychiater Boris Cyrulnik (2002a, 187).

[2] Arnold Beisser wurde als sportlicher junger Arzt innerhalb von wenigen Tagen durch Kinderlähmung von den Füssen bis zum Hals gelähmt. Dennoch führte er, nachdem er allmählich seine neue Situation akzeptiert hatte, ein persönlich und beruflich besonders erfülltes Leben. Vgl. Fussnote 124

[3] Insb. www.Google.de und http://psyndex.zpid.de

[4] Die Kategorien der Psychopathologie sind als Instrumente der Orientierung in der Vielfalt menschlichen Erlebens von grossem Wert, geben sie doch klinische Leitlinien und vereinfachen die fachliche Kommunikation. Es ist aber wichtig, sich stets „[...] bewusst zu sein, dass Krankheitsbeschreibungen immer Konventionen darstellen [...]“ (Hell 2003, 108) und keine absoluten Grössen sind, denn auch „klinische Beobachtungen, wie alle anderen Beobachtungen, sind Interpretationen im Licht von Theorien“ (Carl Popper 1963, zit. durch Hell 2003, 94). PsychotherapeutInnen sollten deshalb immer wieder auch ausserhalb der psychopathologischen Klassifikationen denken, denn es erleichtert das Verständnis für die jeweilige Bewältigungsfunktion eines Verhaltens („comprendre la fonction adaptative momentanée d’un comportement“, Cyrulnik 2001, 27), lässt das menschlich Gemeinsame besser spüren und somit die therapeutische Beziehung zu einer heilsamen Begegnung von Mensch zu Mensch werden (vgl. Staemmler 1993).

[5] Mit belastenden Ereignissen sind nicht nur ausserordentliche Ereignisse im Ausmass von traumatischen Kriegs- oder Katastrophenerfahrungen, sondern auch Erlebnisse, die sich in jedem Leben, auch in einem einigermassen stabilen und geschützten Kontext, ereignen können, gemeint. Beispiele dafür sind etwa das Aufwachsen in einer beengenden oder bedrückenden Atmosphäre, ökonomische oder emotionale Entbehrungen, Verluste wichtiger Bezugspersonen, der Verlust der körperlichen Integrität durch Krankheit oder Unfall, psychische Krankheit bei sich selber oder bei einem nahen Angehörigen.

[6] Dieser sehr interessanten und wichtigen Frage, u.a. in der Bindungsforschung, nachzugehen, würde schon eine eigene Arbeit ergeben (vgl. Punkt 1.5.4).

[7] Aus «Wikipedia», der «freien Enzyklopädie». http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz [Internet], zit.: 15.03.06.

[8] Der Begriff der Homöostase (oder Selbstregulation) „bezeichnet in der Systemtheorie die Fähigkeit eines Systems, sich durch Rückkopplung selbst innerhalb gewisser Grenzen in einem stabilen Zustand zu halten.“ Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Homöostase [Internet], zit.: 15.03.06.

Der Begriff der Homöostase wird in zahlreichen wissenschaftlichen Bereichen gebraucht. In der Psychologie war bereits in den 30er Jahren „die Gestalttheorie die Selbstorganisations-Theorie“ Portele (1999, 265). In der Gestaltpsychotherapie, deren Theorie teilweise aus der Gestaltpsychologie entwickelt wurde, nimmt die Basisannahme der Selbstregulation einen zentralen Platz ein (vgl. Gremmler-Fuhr 1999, 375-379). Mit den Theorien der Selbstorganisation (Prigogine 1981) und der Autopoiese (Maturana und Varela 1987) sind neue Theorien dazugekommen, welche Selbstregulation als ein grundlegendes Prinzip alles Lebendigen ansehen. Diese Theorien versprechen Hilfe beim Versuch einer Annäherung an die Komplexität des Lebendigen: Für alle die „auf der Suche sind, im komplexen Feld der Zusammenhänge zwischen psychischen, sozialen und somatischen Prozessen [...] für sich Wege des Verstehens zu finden, ohne die Komplexität durch klassische Ursache-Wirkungs-Erklärungen vorschnell reduzieren zu wollen“ (Kriz 1997, 5).

[9] „The syndrome of the psychologically invulnerable child“

[10] Das Konzept der Salutogenese wird unter Punkt 1.6.2, das Coping-Konzept unter Punkt 1.6.3 vorgestellt.

[11] Eine für den Bereich dieser Arbeit spezifische Definition von «Resilienz» wird unter Punkt 1.7.2 formuliert.

[12] Zitiert durch Kluge 2004, 15

[13] Emmy Werners Lebenslauf kann beispielhaft für Resilienz erwähnt werden: Aufgewachsen in der Zeit des zweiten Weltkrieges verlor sie ihre ganze Familie und emigrierte bereits mit 20 Jahren in die Vereinigten Staaten. Gerade diese Erfahrung, kombiniert mit ihrer optimistischen Veranlagung, sensibilisierte sie (wie sie selber betont) für das Thema der Resilienz (vgl. Hermann 2005, 2).

[14] Vortrag gehalten Anfang 2005 in Zürich am internationalen Kongress «Resilienz, gedeihen trotz widriger Umstände», welcher von der Paar- und Familientherapeutin Rosmarie Welter-Enderlin veranstaltet wurde.

[15] Selbst wenn die Fähigkeit zur Resilienz als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal («trait») konzipiert wird, muss berücksichtigt werden, dass dieses Merkmal in bestimmten kontextuellen (psychosozialen, zeitlichen und räumlichen) Situationen zum Tragen kommt und somit unter vielen wechselnden Einflüssen steht, welche diese Fähigkeit unterstützen oder hindern.

[16] Der besonders in der «Francophonie» sehr renommierte Professor ist selber ein eindrückliches Beispiel von Resilienz: Boris Cyrulnik wurde in Bordeaux geboren. Seine Eltern, aus Russland eingewanderte Juden, starben im Konzentrationslager, als er noch ein Bub war. Er selbst entging damals nur knapp dem Tod. Cyrulnik lehrt Psychologie und Ethologie an der Universität von Toulon und hat mehrere sehr beachtete Bücher geschrieben.

[17] Zitiert durch Müller und Petzold (2003, 13f)

[18] Zitiert durch Nuber 2005a, 23

[19] Zitiert durch Gunkel und Kruse 2004, 26

[20] Vgl.Pt 4.3 u. Pt 6.6

[21] Insbesondere Konzept der «Affektabstimmung»

[22] Diesen Hinweis auf die Antike verdanke ich Herrn Dr. H.M. Zöllner, Leitender Psychologe in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich

[23] „Wir haben es nie mit der Wirklichkeit schlechthin zu tun, sondern immer nur mit Bildern der Wirklichkeit, also mit Deutungen.“ Watzlawick 1977, 96

[24] Vgl. Pt 1.6.2

[25] Einengung der persönlichen Möglichkeiten (situative Einengung), Einengung der Gefühlswelt (dynamische Einengung), Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen (Entwertung vorhandener Beziehungen, zunehmende Isolierung) und Einengung der Wertwelt (Entwertung von immer mehr Lebensgebieten)

[26] Vgl. Punkt 5.2.1

[27] Petzold in einem Interview durch Gstöttner 2003

[28] Vgl. Punkt 2.5.1: «Weisheitsforschung»

[29] s. Fussnote 16

[30] Nuber, U. (2005): „Die Zentrierung auf die frühe Kindheit ist falsch“. Gespräch mit R. Welter-Enderlin. Psychologie heute. Heft 9, 25-27

[31] M. Rimann und I. Udris schreiben über das «Kohärenzerleben» von Antonowsky und listet dazu noch folgende weitere Konzepte, auf: «Hardiness» von S. Kobasa (1982), «Selbstwirksamkeit» von A. Bandura (1977), «locus of control» von B. Rotter (1975) und «seelische Gesundheit als Eigenschaft» von P. Becker (1992).

[32] englisch: «Sense of Coherence» (SOC)

[33] vgl. http://www.med.uni-marburg.de/stpg/ukm/lb/psychosomatik/topics/forschung.html

[34] Werner, E.E., Smith, R. (Eds) Vulnerable but invincible: A longitudinal study of resilient children and youth. New York: Adams, Bannister & Cox 1989 (erste Auflage: New York: McGraw-Hill 1982)

[35] „Rien au monde n’est plus fort qu’une idée dont le temps est venu.“ Victor Hugo: Les Misérables, o.S.

[36] Diese Stufen der Versöhnung mit dem eigenen Schicksal werden unter Punkt 3 (Kapitel «Versöhnlichkeit II: Die Entwicklung von Akzeptanz») dargestellt.

[37] Da der Begriff «Resilienz» immer noch leicht den Eindruck eines ein für allemal erworbenen Zustandes suggeriert, ziehe ich Ausdrücke wie «resiliente Entwicklung» oder «resiliente Lebenshaltung» vor. Diese Ausdrücke suggerieren mehr das Prozesshafte und Relative der Resilienz, die unter bestimmten Bedingungen wachsen kann, zeitweise wieder verloren gehen kann, sich vielleicht nur in bestimmten Lebensbereichen entwickeln kann und kaum definitiv gesichert ist, sondern eher immer wieder erarbeitet werden muss. Da Resilienz für unterschiedliche Belastungen verschiedentlich entwickelt ist, schlägt sogar Petzold (2004) vor, eher im Plural - von Resilienzen - zu sprechen. Auch wenn dieser Vorschlag einleuchtend ist, brauche ich den Singular «Resilienz», der in der Fachliteratur bereits eingebürgert ist.

[38] Beschreibung der sozial-psychologischen Begriffe der Mikro-, Meso und Makroebenen von U. Bronfenbrenner bei Flammer, A.: Entwicklungstheorien. Psychologische Theorien der menschlichen Entwicklung (203-315). Bern [u.a.]: Huber. 1996

[39] Versöhnlichkeit I: Rundblick, Versöhnlichkeit II: Die Entwicklung von Akzeptanz: Die Versöhnungsschritte «Anerkennen, Würdigen, Trauern und Akzeptieren befreien vitale Kräfte» Versöhnlichkeit III: Präzisierungen zu Aspekten des Versöhnungsprozesses

[40] „Die Forscher hatten sich ein ganz einfaches Experiment ausgedacht, um ein neues Präparat zu testen, das gegen Angst und Stress helfen sollte. Dazu wurde ein Affe in einen Käfig gesetzt, anschliessend holte man einen Hund herein, der nun knurrend um den Käfig herumlief. Natürlich hatte der Affe Angst und die Stresshormonspiegel in seinem Blut schnellten in die Höhe. Dann holte man einen zweiten Affen, gab dem das Testpräparat, setzte ihn zu dem anderen, liess wieder den Hund um den Käfig rennen, und der Affe, der das Präparat bekommen hatte, zeigte keinerlei Stressreaktion. Die Pille wirkte also, dachten die Forscher, aber nur bis sie auch die Stresshormonspiegel desjenigen Affen anschauten, der zuerst im Käfig gesessen und keine Beruhigungspille bekommen hatte. Bei dem war nämlich auch keine Stressreaktion mehr messbar. Sie nahmen den zweiten Affen wieder heraus, holten den Hund, und die Stressreaktion war wieder da. Sie warteten einen Tag und machten das Ganze noch einmal. Diesmal bekam der zweite Affe keine Beruhigungspillen. Alles verlief wie am Tag zuvor. Sah einer der beiden Affen allein im Käfig sitzend den Hund, so stiegen seine Stresshormonspiegel mächtig an. Sassen die beiden Affen gemeinsam im Käfig, so konnte der Hund draussen knurren, so viel er wollte, sie hatten keine Angst mehr. Setzte man jedoch zwei Affen zusammen, die aus unterschiedlichen Kolonien stammten und sich nicht kannten, kam es zu keinerlei Unterdrückung der Stressreaktion. Das schaffte eben nur der alte bekannte, der gute Freund, nicht irgendein Affe. Damit hatten die Forscher nun wirklich nicht gerechnet. Sie hatten endlich das wichtigste und effektivste Gegenmittel gegen Angst und Stress bei allen sozial organisierten Säugetieren, und damit ganz besonders bei uns Menschen, gefunden [...]“ ( Hüther 2004, 52f).

[41] Call, J. in einem Interview durch Junghänel, F.: Wilde Diplomatie. Berliner Zeitung. 17.03.06 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0317/blickpu... [Internet], zit. 24.03.06.

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
Akzeptanz und Resilienz. Nach belastenden Ereignissen durch Schritte der Versöhnung zur resilienten Lebenshaltung
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung  (Department für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie)
Veranstaltung
Psychologie Psychotherapie
Autor
Jahr
2007
Seiten
125
Katalognummer
V303678
ISBN (eBook)
9783668017689
ISBN (Buch)
9783668017696
Dateigröße
1026 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Die Arbeit (...) ist sachlich, genau, kompetent und klug. (...) Sie ist von hohem moralischen Ethos getragen und verdient deshalb die heute etwas abgegriffene Charakterisierung "humanistisch". (...) Die Arbeit ist zudem höchstanschaulich mit vielen Beispielen aus Ethologie und Ethnologie. Immer wieder finden sich in Fussnoten interessante Anekdoten, die die Lektüre kurzweilig gestalten. (...) Ich habe an der Arbeit von Frau Honegger nichts das Geringste zu bemängeln und freue mich mit ihr über das rundum Gelungene." Der Begutachter
Schlagworte
Resilienz, Akzeptanz, Lebensbejahung, Belastende Ereignisse, Trauma, Trauerarbeit, Ressourcen, Versöhnung, Psychotherapie, Beziehung, Widerstandskraft, Coping, Salutogenese
Arbeit zitieren
Francine Honegger-Jolissaint (Autor), 2007, Akzeptanz und Resilienz. Nach belastenden Ereignissen durch Schritte der Versöhnung zur resilienten Lebenshaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303678

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