Die Pagan Metal Band Ensiferum arbeitet anachronistisch anmutende Bilder in ihre Songs ein, die vor dem inneren Auge entstehen: Männer in voller Kampfmontur, welche waffenschwingend zu Pferde in die Schlacht reiten. Die Furcht vor dem Tod ist ihnen dabei fremd, sie sind getrieben von Gewaltbereitschaft, Tapferkeit und der Lust am Töten. Kämpfen werden sie, bis entweder die Schlacht gewonnen ist oder sie dem Schwert eines Feindes zum Opfer gefallen sind.
Das Bild eines tapferen Kriegers, das hier gezeichnet wird, strotzt nur so von einer martialischen Hypermaskulinität, welche durch raue Gitarrenriffs und tiefen Gesang auf der musikalischen Ebene noch verstärkt wird. Dass Männlichkeit auf solch traditionelle Art und Weise dargestellt wird, ist im Genre des Heavy Metal keine Seltenheit und geht weit über die Auseinandersetzung mit kriegerischen Themen im Rahmen der Songtexte hinaus.
Diese Hausarbeit dient dazu, die verschiedenen Elemente und Faktoren, welche zur Konstruktion eben dieser archaischen Männlichkeit beitragen, zu erörtern und auf der Basis einer Musikvideoanalyse aufzuzeigen.
Zu Beginn soll dazu zunächst ein grober Überblick über das Genre des Heavy Metal und seine Geschichte gegeben werden. Anschließend an die Vorstellung des Untersu-chungsgegenstandes wird erläutert, welche Formen der Männlichkeitskonstruktionen im Heavy Metal existieren. Die theoretische Basis wird komplettiert durch Kapitel 3, in dem das Klassifikationsmodel zur Analyse von Musikvideos von Michael Altrogge vorgestellt wird, welches in seinen Grundzügen auch in dieser Hausarbeit Anwendung findet. Im letzten Schritt wird dann das Musikvideo zu Father of Wolf von Amon Amarth exemplarisch auf diese Methoden hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Genre Heavy Metal
3. Männlichkeitskonstruktionen im Heavy Metal
4. Klassifikationsmodell nach Altrogge
5. Musikvideo-Analyse: Amon Amarth: Father of the Wolf
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie archaische Männlichkeitsbilder im Genre Heavy Metal konstruiert und inszeniert werden, wobei das Musikvideo "Father of the Wolf" der Band Amon Amarth als zentrales Analyseobjekt dient.
- Historische und kulturelle Genese des Heavy Metal
- Theoretische Grundlagen zur Männlichkeitskonstruktion in der populären Musik
- Anwendung des Klassifikationsmodells nach Michael Altrogge auf Musikvideos
- Visuelle und narrative Analyse von Geschlechterrollen und Stereotypen im Metal-Kontext
Auszug aus dem Buch
3. Männlichkeitskonstruktionen im Heavy Metal
„At its core, British heavy metal is an expression of masculinity.” (Weinstein 2009: 17) Dass diese Aussage das Genre in Hinsicht auf Männlichkeitskonstruktionen lediglich unvollständig beschreibt, macht Deena Weinstein in ihrem Aufsatz »The Empowering Masculinity of British Heavy Metal« gleich zu Beginn deutlich. Die Tatsache, dass Rockmusik, zu der auch Heavy Metal gehört, an sich bereits vor einiger Zeit als ein maskulines Genre wissenschaftlich beschrieben wurde, lässt obige Aussage erst recht trivial erscheinen (vgl. ebd.).
Das folgende Kapitel soll also klären, auf welche Art und Weise Männlichkeit im Heavy Metal konstruiert wird und welche Faktoren in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind.
Die Deutung der Rockmusik als maskulin hängt zunächst damit zusammen, dass die große Mehrheit der in den Schaffungsprozess Involvierten männlichen Geschlechts ist (vgl. ebd.). Weiterhin gilt die E-Gitarre, deren Spiel im Zentrum der Rockmusik steht, als typisch männliches Instrument: „In the world of rock’n’roll the guitar was an inescapable symbol of masculinity, and the dynamics of the performance were filled with sexually significant actions and meanings.“ (Millard/McSwain 2004: 157)
Auch die Art und Weise des in die Bühnenperformance eingebetteten Gitarrenspiels gibt Anlass für die oben genannte Interpretation: „In several genres of rock, especially heavy metal and hard rock, the way of holding and moving the guitar was closely connected to its phallic symbolism.“ (ebd.: 158)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der archaischen Männlichkeitsbilder im Heavy Metal ein und erläutert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Das Genre Heavy Metal: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung des Genres, seine soziokulturelle Zusammensetzung und die stilistische Ausdifferenzierung in Subgenres.
3. Männlichkeitskonstruktionen im Heavy Metal: Hier werden theoretische Ansätze zur Maskulinität im Metal diskutiert, darunter die Bedeutung von Instrumenten wie der E-Gitarre, das "Chaos"-Konzept und die ikonographischen Symbole nach Deena Weinstein.
4. Klassifikationsmodell nach Altrogge: In diesem Kapitel wird das theoretische Modell von Michael Altrogge zur Analyse von Musikvideos vorgestellt, welches verschiedene Performance-Ebenen und Strukturmerkmale definiert.
5. Musikvideo-Analyse: Amon Amarth: Father of the Wolf: Dies ist der empirische Hauptteil, in dem das Musikvideo unter Berücksichtigung der zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte und der nordischen Mythologie untersucht wird.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und diskutiert die Rolle der stereotypen Männlichkeitsdarstellung sowie mögliche Perspektiven für zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Heavy Metal, Männlichkeitskonstruktion, Musikvideoanalyse, Archaische Männlichkeit, Amon Amarth, Michael Altrogge, Nordische Mythologie, Gender, Maskulinität, Performancetheorie, Kriegertum, Rockmusik, Subkultur, Identitätsbildung, Trickster-Figur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Inszenierung archaischer Männlichkeitsbilder innerhalb der Heavy-Metal-Subkultur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte des Heavy Metal, die theoretische Definition von Männlichkeit im Rock-Kontext sowie die Analyse von visueller Symbolik und Narrativen in Musikvideos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche Faktoren – wie Musik, Ästhetik und Ikonographie – ein maskulines, oft kriegerisch geprägtes Bild von Männlichkeit in diesem Genre erzeugt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretisches Gerüst das Klassifikationsmodell nach Michael Altrogge, um die visuelle und narrative Struktur von Musikvideos systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse des Musikvideos "Father of the Wolf" von Amon Amarth, wobei besonders auf die Verbindung zur nordischen Mythologie und die Darstellung von Männlichkeit geachtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Heavy Metal, Männlichkeitskonstruktion, Maskulinität, Musikvideoanalyse, nordische Mythologie und archaische Männlichkeit.
Warum spielt die nordische Mythologie im analysierten Video eine so große Rolle?
Die Mythologie dient als inhaltliche und ästhetische Basis, um traditionelle Männerbilder, wie den Krieger, historisch und symbolisch aufzuladen und zu legitimieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über die Frauenrolle im untersuchten Video?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Frauen im analysierten Videoclip kaum präsent sind oder lediglich eine marginale, nicht aktive Rolle einnehmen, was die These einer männlich dominierten Szene unterstreicht.
- Citation du texte
- B.A. Eva Lambrecht (Auteur), 2014, Furchtlose Krieger und wilde Zerstörer. Archaische Männlichkeitsbilder im Heavy Metal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303706