Diese Arbeit setzt sich mit der Rolle der Frau im Horrorfilm auseinander. Der Fokus liegt hierbei auf der Darstellung weiblicher Monstrosität. Dafür wird zunächst das Horrorgenre in Ansätzen definiert und ein Überblick über verschiedene Subgenres gegeben. Anschließend wird gezeigt, wie weiblicher Gewalt auf gesellschaftlicher Ebene begegnet wird. Dies wird am Beispiel des Falls der Monika Weimar verdeutlicht, der in den 1980ern sowohl gesellschaftlich als auch in den Medien große Aufmerksamkeit erfuhr. Dies ist aufgrund dessen von Bedeutung, da die Reaktionen denen auf filmische Darstellungen weiblicher Gewalt sehr ähneln. Da weibliche im Vergleich zu männlichen Tätern eine tiefgreifende gesellschaftliche Verunsicherung hervorrufen, ist es verwunderlich, dass so wenige Protagonistinnen im Horrorfilm existieren. Da Horror den Zuschauer entsetzen und verstören soll, ließe sich dieser Effekt folglich durch Frauen in der Täterrolle besser erzielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsansätze
2.1 Das Genre Horrorfilm
2.2 Die Subgenres
3. Weibliche Gewalttätigkeit in Soziologie und Medien
3.1 Wider die Weiblichkeit – Zur Unmöglichkeit weiblicher Gewalt
3.2 Der Fall Monika Weimar
4. Weiblichkeit in der Theoriebildung
4.1 Sigmund Freud und der Mythos der Vagina Dentata
4.2 Julia Kristeva – Der weibliche Körper als Abjekt
5. Inszenierung von Weiblichkeit im Horrorfilm
5.1 Das Final Girl
5.2 The Monstrous Feminine
5.2.1 Die archaische Mutter
5.2.2 Das besessene Monster
5.2.3 Der monströse Mutterleib
5.2.4 Die Vampirin
5.2.5 Die Hexe
5.2.6 Die Femme Castratrice
5.2.7 Die kastrierende Mutter
6. Filmanalysen
6.1 High Tension (Haute Tension)
6.2 Audition (Ōdishon)
6.3 The Loved Ones – Pretty in Blood (The Loved Ones)
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Monstrosität im Horrorfilm und hinterfragt, warum Frauen in diesem Genre bevorzugt in der Opferrolle dargestellt werden, obwohl weibliche Gewalt gesellschaftlich existiert. Dabei wird analysiert, wie filmische Repräsentationen weiblicher Täterinnen mit gesellschaftlichen Geschlechterstereotypen und psychoanalytischen Theorien korrespondieren.
- Analyse der soziokulturellen Wahrnehmung weiblicher Gewalt am Beispiel des Falls Monika Weimar.
- Erörterung psychoanalytischer Ansätze (Freud, Kristeva, Creed) zur Interpretation weiblicher Monstrosität.
- Untersuchung der filmischen Konzepte "Final Girl" und "The Monstrous Feminine".
- Filmanalysen von "High Tension", "Audition" und "The Loved Ones" hinsichtlich der Konstruktion weiblicher Gewalt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wider die Weiblichkeit – Zur Unmöglichkeit weiblicher Gewalt
Die Rezeption weiblicher Gewalt in den Medien wird stark von stereotypen Geschlechterbildern beeinflusst. Gewalttätigkeit an sich wird als männlich konnotiert wahrgenommen und widerspricht somit der Vorstellung der Frau als passives und nicht aggressives Wesen (Klein 1998a: 9). Werden dem Mann also Attribute wie Ernst, Härte, Kraft und Unabhängigkeit zugeschrieben, erweisen sich Schönheit, Freundlichkeit, Zartheit und Hilfsbedürftigkeit als typisch weibliche Merkmale (Klein 1998a: 18). Gewalt wird in diesem Zusammenhang nicht nur eher im Bereich des Männlichen verortet, sondern verstärkt in ihrer Ausübung sogar noch die Maskulinität eines Mannes ebenso sehr, wie sie die Feminität einer Frau beeinträchtigt (Neroni 2005: 42). Frauen, welche Gewaltverbrechen verüben, stehen somit dem Stereotyp von Weiblichkeit entgegen (Klein 1998a: 18). Die Problematik, die sich aus diesem Widerspruch ergibt, erklärt Neroni (2005) wie folgt : „We deem violence so antithetical to feminity that when a woman murders someone it doesn’t make sense within our symbolic system” (Neroni 2005: 62). Die Reaktion der Medien und der Gesellschaft auf diese Verletzung der symbolischen Ordnung ist fast immer hysterischer Natur (Neroni 2005: 60). Diese Hysterie äußert sich dergestalt, dass immer wieder erneut die Beweggründe der Tat diskutiert und hinterfragt werden. Die Frage nach dem ‚Warum?‘ vermag jedoch nicht beantwortet werden: Das gesellschaftlich erlittene Trauma, bedingt durch die von einer Frau begangene Gewalt-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Darstellung von Frauen im Horrorfilm und Formulierung der Forschungsfrage zur Unterrepräsentation weiblicher Gewaltakteure.
2. Definitionsansätze: Überblick über die Schwierigkeiten einer einheitlichen Genredefinition des Horrorfilms sowie eine Einführung in dessen Subgenres.
3. Weibliche Gewalttätigkeit in Soziologie und Medien: Untersuchung der gesellschaftlichen Reaktionen auf reale weibliche Gewalt am Fallbeispiel Monika Weimar.
4. Weiblichkeit in der Theoriebildung: Vorstellung psychoanalytischer Konzepte von Freud, Kristeva und Creed zur Analyse monströser Weiblichkeit.
5. Inszenierung von Weiblichkeit im Horrorfilm: Analyse der filmischen Figurenkonzeptionen, insbesondere des Final Girls und der verschiedenen Facetten des Monstrous Feminine.
6. Filmanalysen: Detaillierte Untersuchung von "High Tension", "Audition" und "The Loved Ones" hinsichtlich der Darstellung weiblicher Monstrosität.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Genres.
Schlüsselwörter
Horrorfilm, Weiblichkeit, Monstrosität, Gewalt, Psychoanalyse, Final Girl, Abjektion, Geschlechterstereotypen, Vagina Dentata, Kastrationsangst, Filmanalyse, Soziologie, Medienwirkung, Geschlechterrollen, Horror-Subgenres.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Frauen im Horrorfilm, insbesondere mit der Frage, warum weibliche Figuren selten als aktive Gewalttäterinnen oder Psychopathinnen inszeniert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die soziologische Betrachtung von realer weiblicher Gewalt, psychoanalytische Deutungsmuster von Monstrosität und die mediale Inszenierung von Frauen in verschiedenen Horror-Subgenres.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, warum das Genre Frauen überwiegend in der Opferrolle präsentiert und welche gesellschaftlichen oder theoretischen Gründe eine monströse Darstellung von Frauen erschweren oder als Bedrohung definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche und filmtheoretische Analyse, ergänzt durch psychoanalytische Ansätze, um Filmbeispiele und mediale Diskurse zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Freud, Kristeva, Creed) sowie in eine detaillierte Filmanalyse von drei exemplarischen Horrorfilmen, in denen Frauen die Rolle des Täters einnehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Monstrous Feminine", "Final Girl", "Kastrationsangst", "Abjektion" und "Geschlechterrollen" definiert.
Welche Rolle spielt der Fall Monika Weimar für die Analyse?
Der Fall dient als reales Beispiel, um aufzuzeigen, wie die Medien auf gewalttätige Frauen reagieren und diese durch stereotype Konstruktionen als "Un-Frauen" oder "Hexen" diskreditieren, um das eigene Weltbild zu schützen.
Wie wird das Konzept des "Final Girl" in der Arbeit bewertet?
Die Arbeit rezipiert die Analyse von Carol J. Clover kritisch und diskutiert, ob das "Final Girl" tatsächlich ein emanzipatorisches Potenzial besitzt oder lediglich eine männlich konnotierte Projektionsfläche bleibt.
Was macht die drei analysierten Filme besonders?
In "High Tension", "Audition" und "The Loved Ones" brechen die Protagonistinnen mit den klassischen Mustern des Horrorfilms, indem sie selbst zu den gewalttätigen Akteurinnen werden, wobei jede Frau eine unterschiedliche Form der Monstrosität repräsentiert.
- Citation du texte
- B.A. Eva Lambrecht (Auteur), 2012, Vom "Final Girl" zum Monster. Subversive Weiblichkeit im Horrorfilm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303708