Ethik in der Medizin


Essay, 2002
7 Seiten

Leseprobe

Vorwort

Im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Thema "Ethik in der Medizin" stieß ich auf ziemlich kontroverse Aussagen von Medizinern und Autoren diverser Beiträge, die von "die ärztliche Ethik ist krank" reichten bis zu der Frage "brauchen wir eine Ethik der Medizin?", eine Frage die andeuten soll, daß Mediziner auch Schutz bräuchten unter anderem vor den "Ethikern".[1]

Es wird auch die Ansicht vertreten, medizinische Ethik sei nur die Anwendung einer allgemeinen Ethik auf die Situation der Medizin.[2] Warum sich in diesem Bereich ethische Fragen öfter und dringender stellen, liegt einerseits daran, daß hier geistige und körperliche Integrität des Menschen im Besonderen berührt werden und andererseits durch den rasanten Fortschritt in der medizinischen Entwicklung massiv in die Individualität des Menschen eingegriffen wird.

Nach Engelhardt ist Ethik in der Medizin auf philosophische Ethik bezogen und kann als philosophische Begründung sittlichen Verhaltens in der Medizin bezeichnet werden. Medizinische Ethik sei daher keine Sonderethik, wohl aber eine Ethik besonderer Situationen. Dem Arzt ist – bei aller notwendigen Mitverantwortung des Patienten – mit der Gesundheit ein hohes Gut nahezu allein anvertraut. So wäre also auch bei Entscheidungen, die nicht unter Zeitdruck gefällt werden müssen, die Kenntnis ethischer Positionen und ethischer Argumentationen eine Hilfe für den Arzt wie auch für Patienten und deren Angehörige.

Nun zu einigen Fragen, die sich mir als potentiellem Patienten in diesem Zusammenhang gestellt haben, und zu denen mir meine beiden Kollegen – beides Ärzte an einem Krankenhaus in Kärnten – einige Gedanken geliefert haben.

1.Frage:

Wie werden ethische Entscheidungen herbeigeführt? Kann es dazu Rezepte geben oder sind es immer individuelle Einzelentscheidungen?

Es gibt sicher keine Rezepte, es sind immer Einzelentscheidungen. Man hat als Mediziner sein Vorverständnis, weiters ist der Zeitfaktor ein Problem. Betrachten wir das Problem der Anamnese: Der Patient erzählt einerseits seine Geschichte und der Arzt versucht andererseits durch gezielte Fragen an den Punkt des medizinischen Krankheitsbegriffs zu kommen. Die Diagnose wird erstellt aus der Anamnese und der Untersuchung. Die getroffenen Entscheidungen sind auch von der Struktur des Hauses abhängig. Meist sind es Einzelentscheidungen des behandelnden Arztes, manchmal wird im Kollegenkreis besprochen, welche Maßnahmen ergriffen werden bezüglich Reanimation etc. Andere, z.B. organisatorische Probleme werden oft viel mehr diskutiert, die ethische Thematik sollte öfter angesprochen werden.

2.Frage:

Durch die moderne Entwicklung vor allem in der Intensivmedizin sind heute Behandlungen möglich, die uns ethisch zumindest fragwürdig erscheinen. Darf man immer alles tun, was möglich ist?

Es gibt hier 2 Szenarien: Ist eine schriftlich formulierte Patientenverfügung vorhanden, daß z.B. eine Langzeitbeatmung abgelehnt wird oder eine Bluttransfusion wie bei den Zeugen Jehovas, dann ist die Sachlage klar. Andernfalls fällt es dem behandelnden Arzt oft schwer, eine Entscheidung zu treffen, z.B. wenn es sich um ein Kind von Zeugen Jehovas handelt, das eine Transfusion braucht. Dann muß im Extremfall den Eltern das Sorgerecht entzogen werden. Ich erinnere nur an den Fall Olivia Pilhar, der sich vor einiger Zeit in Österreich zugetragen hat. Hier haben die behandelnden Ärzte letztendlich eine sehr mutige Entscheidung getroffen und so das Mädchen gerettet. Es muß also der Arzt entscheiden, allein oder im Team, je nach Struktur des Hauses. Hier kommt auch noch die rechtliche und gesellschaftliche Komponente zum Tragen, letztlich findet kaum eine freie ethische Entscheidung statt.

[...]


[1] Vgl. Hartmann, Fritz: Sittliche Spannungslagen ärztlichen Handelns. In: Engelhardt, Dietrich v. (Hrsg.): Ethik im Alltag der Medizin. Spektrum der medizinischen Disziplinen. Berlin 1989. S. 17.

[2] Vgl. Schildberg, Friedrich W: Ethische Aspekte in der Chirugie. In: ebd. S. 211.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Ethik in der Medizin
Autor
Jahr
2002
Seiten
7
Katalognummer
V303863
ISBN (eBook)
9783668026506
ISBN (Buch)
9783668026513
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethik, medizin
Arbeit zitieren
Karl Gietler (Autor), 2002, Ethik in der Medizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303863

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