Zum Thema "Ethik in der Medizin" finden sich zahlreiche und zum Teil kontroverse Aussagen von Medizinern und Autoren diverser Beiträge. Diese reichen von "Die ärztliche Ethik ist krank" bis zu der Frage "Brauchen wir eine Ethik der Medizin?", eine Frage, die andeuten soll, dass Mediziner auch Schutz bräuchten, unter anderem vor den Ethikern. Es wird auch die Ansicht vertreten, medizinische Ethik sei nur die Anwendung einer allgemeinen Ethik auf die Situation der Medizin.
Warum sich in diesem Bereich ethische Fragen öfter und dringender stellen, liegt einerseits daran, daß hier die geistige und körperliche Integrität eines Menschen im Besonderen berührt werden. Andererseits wird durch den rasanten Fortschritt in der medizinischen Entwicklung massiv in die Individualität des Menschen eingegriffen.
Nach Engelhardt ist Ethik in der Medizin auf philosophische Ethik bezogen und kann als philosophische Begründung sittlichen Verhaltens in der Medizin bezeichnet werden. Medizinische Ethik sei daher keine Sonderethik, wohl aber eine Ethik besonderer Situationen. Dem Arzt ist – bei aller notwendigen Mitverantwortung des Patienten – mit der Gesundheit ein hohes Gut nahezu allein anvertraut. So wäre also auch bei Entscheidungen, die nicht unter Zeitdruck gefällt werden müssen, die Kenntnis ethischer Positionen und ethischer Argumentationen eine Hilfe für den Arzt wie auch für Patienten und deren Angehörige.
In dieser Arbeit widmet sich der Autor einigen Fragen, die sich ihm als potentiellem Patienten in diesem Zusammenhang gestellt haben. Er ermöglicht dadurch einen neuen Blick auf die Ethik in der Medizin.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Frage
2. Frage
3. Frage
4. Frage
5. Frage
6. Frage
7. Frage
8. Frage
Zielsetzung & Themen
Das Seminarprotokoll beleuchtet die komplexen ethischen Spannungsfelder in der modernen Medizin, wobei das Hauptziel darin besteht, die Sichtweise praktizierender Ärzte auf ethische Entscheidungen, Ressourcenknappheit und den Umgang mit neuen Technologien zu reflektieren.
- Ethische Entscheidungsfindung in der ärztlichen Praxis
- Konfliktfelder in der Intensivmedizin und bei Patientenverfügungen
- Ressourcenverteilung und ökonomische Zwänge im Gesundheitssystem
- Patientenautonomie versus ärztliche Fürsorge
- Prävention und gesellschaftliche Verantwortung
- Definition des Todes und Umgang mit Organspenden
Auszug aus dem Buch
3. Frage:
Die Faszination der Technik suggeriert das Gefühl des unbegrenzt Machbaren. Verbirgt nicht die Passivität und Anonymität der apparativen Medizin einen ethischen Notstand nach dem Motto "sicher ist sicher" – und versucht man nicht auf diese Weise eigene Unsicherheiten zu verbergen und anstehenden ethischen Entscheidungen auszuweichen?
Man sagt hierzu "state of the art" und auch "evidence based medicine". Man trifft Entscheidungen, die aus Studien abgeleitet sind, man handelt danach und ist relativ unangreifbar. Das Thema "Studien" ist wiederum ein eigenes Kapitel. Darüber müßte wieder eine eigene Diskussion geführt werden. Die einfachste Entscheidung wäre: Man beatmet solange, "bis es nicht mehr geht". Man hat dadurch die Möglichkeit, eine ethische Frage gar nicht zu stellen. Man tut also alles, was zu Verfügung steht. Dies alles ist abhängig vom Team, abhängig von der Erfahrung und der Einschätzung des behandelnden Mediziners.
Die Medien tragen auch viel dazu bei, daß in der Öffentlichkeit das Bild entsteht: "alles ist machbar". Ich denke hier an die Serie "Emergency Room". Derartige Serien spiegeln das Verständnis der Gesellschaft von Medizin wieder, ein Bild, das mit der Realität oft nicht übereinstimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Problematik der medizinischen Ethik als philosophische Begründung für sittliches Handeln in besonderen Situationen.
1. Frage: Analyse der ärztlichen Entscheidungsfindung, die primär als individuelle Einzelentscheidung unter Zeitdruck verstanden wird.
2. Frage: Diskussion über ethische Dilemmata in der Intensivmedizin, insbesondere im Kontext von Patientenverfügungen und Behandlungspflichten.
3. Frage: Auseinandersetzung mit der Technisierung der Medizin und dem Fluchtmechanismus in apparative Absicherung statt ethischer Reflexion.
4. Frage: Erörterung der Patientenautonomie und der Grenzen des "Informed Consent" bei eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit.
5. Frage: Problematisierung der Ressourcenverteilung und des Gleichheitsgrundsatzes bei begrenzten medizinischen Kapazitäten.
6. Frage: Reflexion über Eigenverantwortung, Prävention und die Rolle der Gesellschaft bei gesundheitsgefährdendem Verhalten.
7. Frage: Betrachtung der gelebten Ethik-Diskussion im Klinikalltag und dem Einfluss von hierarchischen Strukturen.
8. Frage: Klärung des modernen Todesbegriffs im Zeitalter der Intensivmedizin und Abgrenzung zu künstlich aufrechterhaltenen Lebensfunktionen.
Schlüsselwörter
Medizinethik, Intensivmedizin, Patientenautonomie, Patientenverfügung, Ressourcenverteilung, Informed Consent, Gehirntod, ärztliche Verantwortung, apparative Medizin, Gesundheitsvorsorge, Krankenhausstruktur, Ethikdiskussion, Behandlungsentscheidung, Organspende, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Dokument?
Das Dokument ist ein Seminarprotokoll aus dem Jahr 2002, das ethische Fragestellungen in der modernen Medizin aus der Sicht praktizierender Ärzte analysiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst Themen wie Patientenautonomie, den Einsatz von Medizintechnik, Ressourcenmanagement, Fragen der Prävention sowie die Definition des Todes in der heutigen Medizin.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit sucht Antworten darauf, wie Ärzte ethische Entscheidungen in komplexen Situationen treffen, in denen es keine einfachen "Rezepte" gibt und wie sie mit dem Druck durch Technik, Medien und rechtliche Rahmenbedingungen umgehen.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein interviewbasiertes Seminarprotokoll, bei dem ein Medizinstudent ethische Fragestellungen mit zwei praktizierenden Ärzten in Kärnten diskutiert.
Was ist das Hauptziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Beleuchtung der Lücke zwischen medizinischer Theorie und klinischer Realität, insbesondere in Bezug auf die tägliche Entscheidungsfindung.
Welche Rolle spielt die Medizintechnik in der Arbeit?
Die Technik wird als Werkzeug betrachtet, das zwar Leben retten kann, aber auch dazu verleitet, schwierige ethische Fragen durch "maximale Therapie" zu umgehen.
Wie gehen Ärzte mit der Ressourcenknappheit um?
Die Ärzte beschreiben, dass die Last der Verteilung auf die Mediziner abgewälzt wird und oft medizinisch zweifelhafte Untersuchungen zur rechtlichen Absicherung durchgeführt werden.
Was wird zum Thema Organspende ausgesagt?
Das Dokument unterscheidet zwischen dem Apallischen Syndrom und dem Gehirntod und betont, dass der Gehirntod eine notwendige Bedingung für die Organentnahme darstellt.
- Quote paper
- Karl Gietler (Author), 2002, Ethik in der Medizin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303863