Wohin man auch blickt, die Trennung in zwei Geschlechter ist überall präsent.
Meine Arbeit befasst sich mit der Thematik der „Sozialen Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit: Doing gender“. Dazu wird im Folgenden zunächst auf die Frage: „Wie kommt es zu einer Zweiteilung der Gesellschaft in „Frauen“ und „Männer“?“ eingegangen. Während hier die Unterscheindung zwischen „sex“ und „gender“ thematisiert wird...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie kommt es zu einer Zweiteilung der Gesellschaft in „Frauen“ und „Männer“?
3. „Soziale Konstruktion“
4. Der interaktionstheoretische Zugang
5. Transsexuellenstudien von Harold Garfinkel und Susan Kessler/Wendy McKenna
6. Interaktion und Institution
7. Diagnostische Konstruktion von Transsexuellen nach Stefan Hirschauer
7.1 Die Diagnose der Transsexualität
8. Veränderung des Körpers
9. Die chirurgische Transformation
10. Die juristische Transformation
11. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziale Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit durch das Konzept des „Doing gender“. Dabei wird analysiert, wie Geschlecht als sozialer Prozess in alltäglichen Interaktionen hervorgebracht, gefestigt und institutionell verankert wird, wobei Transsexualität als Modell dient, um die Konstruktionsmechanismen dieser vermeintlich natürlichen Zweiteilung aufzudecken.
- Soziale Konstruktion von Geschlecht
- Konzept des „Doing gender“
- Transsexuellenstudien als interaktionstheoretische Modelle
- Rolle von Institutionen bei der Geschlechtsfixierung
- Medizinische und juristische Transformationen
Auszug aus dem Buch
4. Der interaktionstheoretische Zugang
Das Konzept des „Doing gender“ ist ein erster wissenschaftlicher Zugang, der zur Abgrenzung der „sex-gender“ Unterscheidung entwickelt wurde. „Es besagt im Kern, dass Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität als fortlaufender Herstellungsprozess aufzufassen sind, der zusammen mit faktisch jeder menschlichen Aktivität vollzogen wird und in den unterschiedlich institutionelle Ressourcen eingehen“ (Gildemeister 2008: 172). Demnach zielt „Doing gender“ darauf ab, Geschlecht bzw. Geschlechtszugehörigkeit nicht als interne Eigenschaft von Individuen zu betrachten, wie das in Sozialisationstheorien der Fall ist.
Stattdessen dreht „Doing gender“ das „sex-gender“ Modell praktisch um: Man greift nun nicht mehr zu biologischen Gegebenheiten, die den Ausgangspunkt im „sex-gender“ Modell ausmachen. „Doing gender“ beschreibt die Entstehung von Geschlecht bzw. Geschlechtszugehörigkeit durch den Herstellungsprozess in der Interaktion. Dementsprechend ist Geschlecht das „Ergebnis komplexer sozialer Prozesse“ (ebd.). Beispielsweise wenn die Gebärfähigkeit von Frauen in der „Natur“ oder der Biologie verankert, „naturalisiert“ wird, dann wird der Prozess der sozialen Konstruktion unsichtbar und uns im Ergebnis als so selbstverständlich entgegen, dass schon die Frage nach dem Herstellungsprozess irritiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der sozialen Konstruktion von Geschlecht ein und erläutert den Aufbau sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Wie kommt es zu einer Zweiteilung der Gesellschaft in „Frauen“ und „Männer“?: Dieses Kapitel beleuchtet die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht („sex“) und sozialem Geschlecht („gender“) und kritisiert den Rückbezug auf die Natur.
3. „Soziale Konstruktion“: Es wird erörtert, wie Geschlecht nicht als gegebene Tatsache, sondern als durch soziale Prozesse erzeugtes „Geschlechtszeichen“ verstanden werden kann.
4. Der interaktionstheoretische Zugang: Dieses Kapitel stellt das „Doing gender“-Konzept vor, das Geschlecht als fortlaufenden Herstellungsprozess in sozialen Interaktionen definiert.
5. Transsexuellenstudien von Harold Garfinkel und Susan Kessler/Wendy McKenna: Die Studien analysieren Transsexualität als Modell, um unser alltagsnahes Verständnis von Zweigeschlechtlichkeit als moralischen Tatbestand zu hinterfragen.
6. Interaktion und Institution: Es wird dargelegt, dass Interaktionen auf institutionellen Ordnungen basieren, die Geschlecht als vereinfachendes Klassifikationsschema zur Stabilisierung nutzen.
7. Diagnostische Konstruktion von Transsexuellen nach Stefan Hirschauer: Hirschauers ethnographische Studie zeigt auf, wie medizinische Behandlungsprogramme zur Transformation der Geschlechtszugehörigkeit beitragen.
8. Veränderung des Körpers: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle von Endokrinologie, Stimmpädagogik und Kosmetik bei der körperlichen Darstellung von Transsexuellen.
9. Die chirurgische Transformation: Es wird der Prozess der chirurgischen Geschlechtsumwandlung inklusive der gutachterlichen Vorbereitungen und Spezifikationen beschrieben.
10. Die juristische Transformation: Das Kapitel behandelt die rechtliche Legitimierung des Geschlechtswechsels, insbesondere durch das Transsexuellengesetz.
11. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Geschlecht ein durch Alltagspraktiken und medizinische Disziplinen hergestelltes Konstrukt ist.
Schlüsselwörter
Doing gender, soziale Konstruktion, Geschlecht, Zweigeschlechtlichkeit, Interaktionstheorie, Transsexualität, Geschlechtszugehörigkeit, Geschlechtsidentität, Harold Garfinkel, Stefan Hirschauer, Medizinische Transformation, Körperdarstellung, Normalisierung, Geschlechterforschung, Klassifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Perspektive, dass Geschlecht keine biologische Naturgegebenheit ist, sondern durch soziale Prozesse kontinuierlich konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem „Doing gender“-Konzept, den interaktionstheoretischen Grundlagen der Geschlechterforschung und der Analyse von Transsexualität als Modell für die Konstruktion von Geschlecht.
Welches ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie die Zweiteilung der Gesellschaft in „Frauen“ und „Männer“ in alltäglichen sowie institutionellen Kontexten hergestellt und reproduziert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung interaktionstheoretischer Ansätze und der Analyse ethnographischer Studien zu Transsexualität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Geschlechterkategorie, die Studien von Garfinkel sowie Kessler/McKenna und die medizinische sowie juristische Transformation bei Transsexuellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Doing gender, soziale Konstruktion, Geschlechtsidentität, Interaktionstheorie und Transsexualität.
Warum spielt die „Agnes-Studie“ von Harold Garfinkel eine so zentrale Rolle?
Sie dient als klassisches Beispiel, um aufzuzeigen, welche grundlegenden Annahmen über eine „natürliche“ Zweigeschlechtlichkeit unser alltägliches Handeln steuern.
Wie beeinflusst das medizinische Behandlungsprogramm die Wahrnehmung von Transsexuellen?
Es fungiert als Prozess, der Transsexuelle als „Probanden“ in eine medizinische Logik einordnet, um ihre körperliche Erscheinung an die gesellschaftliche Norm anzupassen.
Inwiefern hat die „juristische Transformation“ Bedeutung für die Geschlechtszugehörigkeit?
Die rechtliche Anerkennung durch das Transsexuellengesetz bildet den formalen Abschluss der Transformation und legitimiert das erreichte Geschlecht auch im staatlichen Sinne.
Was bedeutet der Begriff „Doing gender“ konkret im Alltag?
Er bedeutet, dass wir durch unser tägliches Handeln, unsere Kleidung und unsere Kommunikation ständig beweisen, welchem Geschlecht wir angehören, wodurch die Zweigeschlechtlichkeit erst real wird.
- Citation du texte
- Aldina Rastoder (Auteur), 2013, Transsexualität. Soziale Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit „Doing gender“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303985