In dieser Arbeit wollen wir uns auf die Islamische Revolution im Iran 1978/79 konzentrieren und anhand zweier Theorien analysieren, welche Ansätze den Ausbruch dieser Revolution erklären können. Auch wenn diese Revolution, die zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Errichtung einer Islamischen Republik unter der Führung des Ajatollahs Ruhollah Chomeini führte, über 30 Jahre zurückliegt, ist eine tiefgehende Analyse der Ursachen noch immer relevant.
Denn so überraschend die Massenprotestbewegung damals für den Schah selbst und für den ihn unterstützenden amerikanischen Geheimdienst CIA kam, so rätselhaft scheint ihr Entstehen auf einen ersten Blick auch heute noch: Kurzman fasst die Bedingungen, die es so unerklärlich scheinen lassen, dass die regimekritischen Proteste von Geistlichen, Studenten, Sozialisten und anderen Teilen der Zivilbevölkerung tatsächlich zum Sturz des Schah-Regimes führten, folgendermaßen zusammen „A seemingly stable regime, led by a monarch with decades of experience, buoyed by billions of dollars in oil export, girded with a fearsome security apparatus and the largest military inthe region, and favored by the support of the world's most powerful countries – how could such a regime fall?“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorieerklärungen
2.1. State-centered perspective
2.2. Demokratisierungstheorie
3. Empirisch-analytische Anwendung
3.1. Allgemeine Operationalisierung
3.2. State-centered perspective
3.2.1. Operationalisierung
3.2.2. Anwendung
3.3.Demokratisierungstheorie
3.3.1.Operationalisierung
3.3.2. Anwendung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen und den Zeitpunkt des Ausbruchs der Islamischen Revolution im Iran 1978/79, indem sie zwei konträre politikwissenschaftliche Theorien auf den historischen Kontext anwendet, um zu erklären, warum das Schah-Regime trotz seiner vermeintlichen Stabilität zusammenbrach.
- Analyse der state-centered perspective nach Jeff Goodwin zur Erklärung der Entstehung revolutionärer Bewegungen.
- Anwendung der Transitionstheorie nach Jack Snyder und Edward D. Mansfield zur Erklärung der Eskalation bei Systemwechseln.
- Untersuchung der Rolle staatlicher Repression und Exklusivität gegenüber der Zivilbevölkerung.
- Bewertung des Einflusses politischer Liberalisierungsprozesse im Iran ab Mitte der 1970er Jahre auf die Eskalation der Proteste.
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Anwendung
Der Schah führte 1963 im Zuge seiner Weißen Revolution ein Reformprogramm ein, durch welches er nach eigenen Angaben eine politische, ökonomische und soziale Demokratisierung erreichen wollte (Saikal 1980, S. 80). Die politischen Entwicklungen der Weißen Revolution blieben in den vierzehn Jahren nach der Weißen Revolution jedoch weit hinter den sozioökonomischen zurück. Im Folgenden soll analysiert werden, wie exklusiv, willkürlich repressiv und autoritär der Iranische Staat während dieser Zeit war, welche finanziellen, militärischen und personellen Kapazitäten er besaß, welche Folgen das für die Gesellschaft hatte und schließlich, welche Rolle diese Phase für die Entstehung der Islamischen Revolution spielte.
Anstatt wie angekündigt die Politik zu institutionalisieren, politische Partizipation zu erweitern und Machtbefugnisse an politische Parteien abzugeben (Saikal 1980, S. 80), fuhr Mohammad Reza Schah in den Jahren nach 1963 fort, die Politik unter seiner absoluten Herrschaft weiter zu zentralisieren (Saikal 1980, S. 90). Ervand Abrahamian fasst dieses Phänomen folgendermaßen zusammen: „Although the shah helped modernize the socioeconomic structure, he did little to develop the political system – to permit the formation of pressure groups [and] open the political arena for various social forces [...]“ (Abrahamian 1982, S. 435).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Analyse der Islamischen Revolution als historisch relevantes Ereignis und definiert die Forschungsfrage nach den Ursachen für den Ausbruch und Zeitpunkt der Revolution.
2. Theorieerklärungen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Konzepte der state-centered perspective von Jeff Goodwin und der Demokratisierungstheorie von Snyder und Mansfield als analytische Werkzeuge eingeführt.
3. Empirisch-analytische Anwendung: Der Hauptteil wendet die gewählten Theorien auf den Zeitraum 1963 bis 1978 im Iran an, um die staatlichen Strukturen und die Auswirkungen politischer Liberalisierungsversuche zu untersuchen.
4. Fazit: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass die Kombination beider Theorien ein fundiertes Verständnis für die Entstehung und den spezifischen Zeitpunkt der Revolution ermöglicht.
Schlüsselwörter
Islamische Revolution, Iran, Schah, Goodwin, Snyder, Demokratisierung, Repression, politische Partizipation, Staat, Zivilbevölkerung, Transformation, Systemwechsel, Widerstand, Identität, Konflikteskalation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den Ausbruch und den spezifischen Zeitpunkt der Islamischen Revolution im Iran 1978/79 unter Rückgriff auf politikwissenschaftliche Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rolle des Staates (state-centered perspective), dem Einfluss von Demokratisierungsprozessen auf die Stabilität und dem Verhältnis zwischen staatlicher Repression und zivilgesellschaftlicher Mobilisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Revolution als Folge von Demokratisierung oder als Widerstand gegen ein repressives Regime? Wie lassen sich Ausbruch und Zeitpunkt der Islamischen Revolution im Iran verstehen?“
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine empirisch-analytische Anwendung, bei der theoretische Modelle auf historische Entwicklungen im Iran zwischen 1963 und 1978 angewendet werden, um deren Erklärungskraft zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil operationalisiert die theoretischen Ansätze, untersucht die staatliche Exklusivität und Repression unter dem Schah sowie die Auswirkungen der politischen Liberalisierung ab 1975 auf die oppositionelle Mobilisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Islamische Revolution, Iran, State-centered perspective, Demokratisierungstheorie und politische Partizipation charakterisieren.
Warum konnte die state-centered perspective den Zeitpunkt der Revolution nicht erklären?
Obwohl die Theorie gut erklärt, warum Unzufriedenheit gegenüber dem Regime entstand, kann sie nicht begründen, warum der Zusammenbruch ausgerechnet 1978 und nicht bereits in den Jahren zuvor erfolgte.
Welche Rolle spielte der SAVAK in der Argumentation?
Der SAVAK wird als Indikator für die hohen Kapazitäten des iranischen Staates angeführt, was dem Argument eines infrastrukturell schwachen Staates innerhalb der state-centered perspective widerspricht.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der „Weißen Revolution“?
Die „Weiße Revolution“ wird als ambivalenter Reformprozess bewertet, der zwar sozioökonomische Modernisierungen einleitete, aber politisch exklusiv blieb und somit langfristig zur Radikalisierung beitrug.
- Citation du texte
- Julian Wolff (Auteur), Cecilia Kilimann (Auteur), 2014, Revolution als Folge von Demokratisierung oder als Widerstand gegen ein repressives Regime?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304025