Sowohl in der Markt- als auch in der Meinungs- und Sozialforschung wurde lange Zeit die Ansicht vertreten, man könne Meinungsentwicklung, Beweggründe oder sogar persönliche Ansichten am besten mit quantitativen Forschungsmethoden erfassen. Der Schlüssel zum Erfolg waren hierbei standardisierte Survey-Befragungen mit einer möglichst hohen Zahl an Teilnehmern. Man wollte somit sogenannte „harte“ Daten gewinnen, die man als repräsentativ ansah.
Für individuelle Erklärungen oder Rechtfertigungen des Antwortverhaltens oder die persönliche Interpretation der einzelnen Fragen von Seiten der Teilnehmer war bei diesen Forschungsmethoden kein oder nur sehr unzureichend Platz. Sozialforschung, und hier speziell die Meinungs- und Marktforschung, wurden als eine Art Naturwissenschaft begriffen, bei der objektives Wissen generiert werden konnte.
Spätestens nachdem Coca Cola im Jahre 1985 trotz der Durchführung eines Blindgeschmackstests mit der Einführung einer sogenannten „New Coke“ einen der größten Flops der Konzerngeschichte gelandet hatte, war jedoch klar, dass Meinungsbildung nicht ausschließlich rational erfolgt und nicht immer hinreichend mit den gängigen Instrumentarien erfasst werden kann. Dieser Verkaufsflop machte unfreiwillig deutlich, dass sich auch persönliche Meinung in einem kollektiven diskursiven Prozess konstruiert und äußert und sich Verhalten nicht immer anhand von standardisierten Befragungen deterministisch erklären lässt.
In der vorliegenden Arbeit wird deshalb eine qualitative Forschungsmethode vorgestellt: die Fokusgruppen. Der Autor beschreibt dabei die Entstehung und Durchführung einer Fokusgruppe und veranschaulicht anhand eines Anwendungsbeispiels seine Ausführungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Durchführung
3. Entstehung, aktuelle Entwicklung sowie Stärken und Schwächen
4. Anwendungsbeispiel
5. Fazit
6. Weiterführende Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Focusgruppen als eine in den Sozialwissenschaften noch relativ junge, aber bedeutsame qualitative Forschungsmethode vorzustellen und ihren methodischen Nutzen sowie ihre Anwendungsbereiche kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen und Durchführungsprozess von Focusgruppen
- Historische Entwicklung der Methode in den Sozialwissenschaften
- Analyse der Stärken und Schwächen für die Forschungspraxis
- Praktische Anwendung der Methode in der Politikwissenschaft
- Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Forschungsmethoden
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Sowohl in der Markt- als auch in der Meinungs- und Sozialforschung wurde lange Zeit die Ansicht vertreten, man könne Meinungsentwicklung, Beweggründe oder sogar persönliche Ansichten am besten mit quantitativen Forschungsmethoden erfassen. Der Schlüssel zum Erfolg waren hierbei standardisierte Survey-Befragungen mit einer möglichst hohen Zahl an Teilnehmern. Man wollte somit sogenannte „harte“ Daten gewinnen, die man als repräsentativ ansah. Für individuelle Erklärungen oder Rechtfertigungen des Antwortverhaltens oder die persönliche Interpretation der einzelnen Fragen (oder der eigenen Antworten) von Seiten der Teilnehmer war bei diesen Forschungsmethoden kein oder nur sehr unzureichend Platz. Sozialforschung und hier speziell die Meinungs- und Marktforschung wurden als eine Art Naturwissenschaft begriffen, bei der objektives Wissen generiert werden konnte.
Spätestens nachdem Coca Cola im Jahre 1985 mit der Einführung einer sogenannten „New Coke“ einen der größten Flops der Konzerngeschichte gelandet hatte, war jedoch klar, dass Meinungsbildung nicht ausschließlich rational erfolgt und nicht immer hinreichend mit den gängigen Instrumentarien wie z. B. repräsentativen Befragungen erfasst werden kann. Obwohl sich die Mehrheit der Probanden im Vorfeld der Einführung in einem Blindgeschmackstest für die neue Cola entschieden, wollten im Endeffekt die meisten Kunden lieber ihre alte, vertraute Cola zurück. Dieses Ergebnis hatte sich vorher in angeleiteten Diskussionsgruppen zu diesem neuen Produkt bereits abgezeichnet, wurde allerdings von der Konzernführung nicht weiter beachtet. Dieser Verkaufsflop machte unfreiwillig deutlich, dass sich auch persönliche Meinung in einem kollektiven diskursiven Prozess konstruiert und äußert und sich Verhalten nicht immer anhand von standardisierten Befragungen deterministisch erklären lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Grenzen quantitativer Methoden und führt Focusgruppen als wissenschaftlichen Ansatz ein, um soziale Meinungsbildungsprozesse tiefergehend zu verstehen.
2. Durchführung: Hier werden die methodischen Schritte von der Forschungsfrage über die Rekrutierung und Moderation bis hin zur Analyse und Auswertung detailliert skizziert.
3. Entstehung, aktuelle Entwicklung sowie Stärken und Schwächen: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss der Methode und diskutiert ihre spezifischen Vorzüge sowie Herausforderungen, wie etwa die geringe externe Validität.
4. Anwendungsbeispiel: Anhand einer Fallstudie von Robin L. Jarrett wird aufgezeigt, wie Focusgruppen genutzt werden, um bisher untererforschte Gruppen wie die Unterschicht in den USA zu untersuchen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Focusgruppen trotz methodischer Einschränkungen eine wertvolle, flexible Ergänzung für die sozialwissenschaftliche Forschung darstellen.
6. Weiterführende Literatur: Dieses Kapitel bietet Leseempfehlungen zur vertieften Auseinandersetzung mit Gruppeninterviews und Forschungsmethodik.
Schlüsselwörter
Focusgruppen, Qualitative Forschung, Sozialwissenschaften, Gruppendiskussion, Methodik, Politikwissenschaft, Empirische Forschung, Forschungsdesign, Induktives Vorgehen, Moderator, Gruppendynamik, Externe Validität, Umfragemethoden, Datenauswertung, Qualitative Daten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Einführung in die Methode der Focusgruppen, beleuchtet ihre historischen Wurzeln und ihre heutige Relevanz innerhalb der Sozialwissenschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Durchführung, der Stärken-Schwächen-Analyse, der historischen Einordnung sowie der praktischen Anwendung in der Politikwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Nutzen von Focusgruppen als qualitatives Instrument darzustellen und aufzuzeigen, inwieweit sie als Bereicherung für sozialwissenschaftliche Fragestellungen dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit selbst ist eine Übersichtsarbeit, die sich methodisch mit der qualitativen Forschungsmethode der Focusgruppen auseinandersetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Durchführung von Diskussionen, die Entwicklung der Methode von der Markt- zur Sozialforschung sowie eine kritische Fallstudie aus der US-amerikanischen Politikwissenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Focusgruppen, qualitative Sozialforschung, Gruppendynamik, methodische Flexibilität und induktive Forschung.
Warum spielt die Moderation bei Focusgruppen eine solch zentrale Rolle?
Der Moderator fungiert als Schlüssel zu einem zielführenden Diskussionsverlauf, da er Gruppendynamiken steuern muss, ohne die Teilnehmer in ihren Meinungsäußerungen unangemessen zu beeinflussen.
Was zeigt das Anwendungsbeispiel mit Robin L. Jarrett?
Das Beispiel verdeutlicht, wie Focusgruppen erfolgreich genutzt werden können, um Zugang zu Lebenswelten einkommensschwacher Bevölkerungsschichten zu finden, für die quantitative Daten oft nicht ausreichen.
- Citar trabajo
- Julian Wolff (Autor), 2014, Die Forschungsmethode der Fokusgruppen. Entstehung und aktuelle Verwendung in den Sozialwissenschaften, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304026