Der Bildungsplan des Landes Baden Württemberg 2004, die Landesverfassung und das Schulgesetz sehen vor, dass eine zentrale Aufgabe der Schule sowie auch des Ethikunterrichts die Bildung und Erziehung des SuS zu mündigen und selbstkritischen Bürgern ist. Die Förderung der Identitätsentwicklung sowie die Befähigung zu Selbststeuerung, Lebensgestaltung und Lebensplanung sind weitere essentielle Inhalte des Bildungsplanes. Genau hier halte ich es für enorm wichtig, den SuS die Möglichkeit zu eröffnen, ihre individuellen Normen und Werte zum Unterrichtsthema zu machen und in einen größeren Zusammenhang zu setzen. Außerdem dienen Werte und Normen sowie die Auseinandersetzung mit Moral und moralischen Entscheidungen bzw. die Wertepluralität einer Gesellschaft/Kultur als Orientierung für die eigene Lebensgestaltung. Identifikation oder Alteritätserfahrungen durch die Konfrontation mit verschiedenen kulturellen Moralvorstellungen und die Frage nach einer „Universalmoral“ unterstützen die SuS in ihrer Identitätsentwicklung. Weiterhin wichtig ist die Entwicklung von ethischer Urteilsfähigkeit, welche am Ende der Einheit nochmal intensiv aufgegriffen werden wird. Die Auseinandersetzung mit Moralvorstellungen, Werten und Normen anhand einiger wissenschaftlicher Definitionen sowie eigener Vorstellungen ist Grundlage, um eine ethische Urteilsfähigkeit entwickeln zu können. Die Übernahme von persönlicher Verantwortung für die eigene Lebensführung während und besonders nach der Schule schließt sich hier ebenfalls an.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedingungsanalyse
1.1 Institutionelle Bedingungen
1.2 Soziokulturelle und anthropologische Voraussetzungen
1.3 Methodische und fachinhaltliche Voraussetzungen
1.4 Einbettung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtssequenz
2 Didaktische Reflexion
2.1 Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans
2.2 Sachanalyse
2.3 Kompetenzen
2.4 Stundenziel
3 Methodische Reflexion
3.1 Einstieg und Überleitung
3.2 Erarbeitung l, Präsentation und Zwischensicherung
3.3 Erarbeitung ll und Zwischensicherung
3.4 Vertiefung und Anwendung
3.5 Transfer und Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Schülern durch ein kompetenzorientiertes, erfahrungs- und handlungsorientiertes methodisches Arrangement den kritischen Umgang mit moralischen Wertvorstellungen zu vermitteln. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie durch die Verknüpfung von eigenen Lebensweltbezügen, philosophischen Texten wie Thomas Morus’ „Utopia“ und Bildimpulsen eine ethische Urteilsfähigkeit sowie ein Verständnis für Werte und Normen gefördert werden kann, um die Identitätsentwicklung und soziale Verantwortung der SuS zu stärken.
- Förderung der Identitätsentwicklung und moralischen Urteilsfähigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit Werten und Normen im Ethikunterricht
- Integration von Gedankenexperimenten zur Förderung von Sozialkompetenz
- Anwendung der philosophischen Hermeneutik zur Texterschließung
- Reflexion eigener Standpunkte durch interkulturelle Bildimpulse
Auszug aus dem Buch
1.3 Methodische und fachinhaltliche Voraussetzungen
Die Sozialformen Einzel-/Partner- und Gruppenarbeit wurden in der Klasse bereits mehrfach erfolgreich erprobt. Weiterhin wurden mehrere Kreisgespräche durchgeführt. Die Gruppen fanden sich meist selber zusammen, da diese Arbeitsform der Klasse bekannt ist. Jedoch gab es auch hier manchmal kleine Probleme, die dazu führten, dass Lehr- und Lernzeit verloren ging. Daher führe ich in letzter Zeit verschiedene Methoden zur Gruppenbildung durch (Kurzthemen-Gruppen, Zufallsgruppen). Für mich ist es besonders wichtig, auch während der Gruppenarbeit im gesamten Klassenzimmer präsent zu sein, um die SuS einerseits zu motivieren und ihnen als diskreter Ratgeber oder Dialogpartner bei Bedarf zur Seite zu stehen. Die Methode des Gedankenexperiments wurde mit den SuS noch nicht trainiert. Um den SuS den Einstieg zu erleichtern, habe ich einerseits auf ein aktuelles Beispiel aus der Lebenswelt der SuS zurückgegriffen (Newtopia/Sat1) und werde andererseits die Versuchsanordnung sowie die Experimentieranweisung so kurz und präzise wie möglich formulieren (kontrafaktische Manipulation der Zeit).
Des Weiteren versuche ich gerade, methodische Grundlagen in Bezug auf die Themenentfaltung, Gesprächsgestaltung und Informationsstrukturierung einzuführen. Jedoch werden auch hier durch die häufigen Ausfälle die Zeitabstände groß und es bedarf zielgerichteter Wiederholungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel erörtert die institutionellen, soziokulturellen und methodischen Voraussetzungen der Lerngruppe sowie die Einbettung der Stunde in die laufende Unterrichtseinheit.
2 Didaktische Reflexion: Hier wird der Bezug zum Bildungsplan hergestellt, eine Sachanalyse zum Themenfeld Moral und Ethik durchgeführt sowie die angestrebten Kompetenzen und Ziele definiert.
3 Methodische Reflexion: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Entscheidungen für die einzelnen Unterrichtsphasen vom Einstieg über die Erarbeitungsphasen bis hin zum Transfer und Abschluss.
Schlüsselwörter
Ethikunterricht, Moral, Werte, Normen, Gedankenexperiment, Identitätsentwicklung, Urteilsfähigkeit, Thomas Morus, Utopie, Kompetenzorientierung, Soziale Kompetenz, Didaktische Reflexion, Lebensweltbezug, Hermeneutik, Ethikopia
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung und methodischen Gestaltung einer Ethikstunde, die Teil einer größeren Unterrichtseinheit zum Thema „Moral – kritisch betrachten“ ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Auseinandersetzung mit eigenen moralischen Wertvorstellungen, die Bedeutung von Werten und Normen für das Zusammenleben sowie die Reflexion über Utopien.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, ihre eigenen moralischen Grundsätze kritisch zu hinterfragen und sie mit allgemeinen Normen in Einklang zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird ein handlungs- und erfahrungsorientierter Ansatz gewählt, der insbesondere Gedankenexperimente, die Methode der phänomenologischen Bildbetrachtung und Elemente der philosophischen Hermeneutik integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedingungsanalyse der Lerngruppe, eine didaktische Einordnung der Lerninhalte und eine detaillierte methodische Begründung der Unterrichtsschritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ethikunterricht, moralische Urteilsfähigkeit, Werteerziehung, Gedankenexperiment und Identitätsentwicklung.
Warum wird das Gedankenexperiment „Ethikopia“ in Anlehnung an „Newtopia“ genutzt?
Es dient dazu, an die Lebenswelt der Schüler anzuknüpfen und durch die fiktive Erschaffung einer neuen Gesellschaft moralische Grundwerte und Normen erfahrbar zu machen.
Welche Rolle spielt Thomas Morus in der Planung?
Seine „Utopia“ dient als philosophisches Bindeglied, um Schülern die Verbindung zwischen ihrer heutigen Realität und dem Entwurf einer idealen Gesellschaftsordnung aufzuzeigen.
Warum wird am Ende ein Kreisgespräch zu Bildimpulsen durchgeführt?
Das Kreisgespräch soll den Schülern ermöglichen, ihre gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen, Standpunkte zu formulieren und die eigene ethische Urteilsfähigkeit durch den Vergleich mit anderen Perspektiven zu schärfen.
- Arbeit zitieren
- Alexander Eisen (Autor:in), 2015, Lehrprobe zum Thema "Ethikopia". Vielfalt moralischer Vorstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304060