WebQuests im Italienischunterricht. Eine Möglichkeit zur Förderung der Medien- und der Fremdsprachenkompetenz?


Examensarbeit, 2013
106 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise

2. Neue Medien im Fremdsprachenunterricht
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Umgang mit Neuen Medien im Unterricht
2.3. E-Learning & Blended Learning

3. Das Internet als Medium
3.1. Funktionen des Internets
3.2. Gefahren des Internets
3.3. Recherchieren im Internet

4. Fremdsprachenkompetenz in der Schule
4.1. Kompetenz und Fremdsprachenkompetenz - Begriffsklärung
4.2. Die fünf sprachlich-funktionalen Kompetenzen
4.2.1. Leseverstehen
4.2.2. Hörverstehen
4.2.3. Sprechen
4.2.4. Schreiben
4.2.5. Sprachmittlung
4.3. Interkulturelle Kompetenz

5. Medienkompetenz in der Schule
5.1. Medienkompetenz - Begriffsklärung
5.2. Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule
5.3. Curriculare Vorgaben zur Medienkompetenz im Italienischunterricht

6. Die WebQuest-Methode und ihre Anwendung im Fremdsprachenunterricht
6.1. Was sind WebQuests?
6.2. Merkmale von WebQuests
6.2.1. WebQuests als konstruktivistischer Ansatz von Lernen
6.2.2. Autonomes Lernen
6.2.3. Authentizität
6.2.4. Handlungsorientierung
6.2.5. Lernerorientierung
6.2.6. Problemorientierung
6.3. Gründe für den Einsatz von WebQuests im Fremdsprachenunterricht
6.3.1. Motivation
6.3.2. Kompetenztraining
6.4. Methodischer Aufbau von WebQuests
6.5. Anforderungen an die Lehrkraft
6.6. Herausforderungen und Probleme mit WebQuests

7. Unterrichtsvorschlag zum Einsatz von WebQuests im Italienischunterricht
7.1. Rahmenbedingungen auf Lernerseite
7.2. Rahmenbedingungen auf Lehrerseite
7.3. Unterrichtseinheit zum Thema La Commedia dell' Arte
7.3.1. Thema: La Commedia dell' Arte
7.3.2. Lerngruppe
7.3.3. Durchführung der WebQuest
7.3.4. Kompetenzförderung durch diese WebQuest
7.3.5. Probleme bei der Umsetzung

8. Zusammenfassung

9. Anlagenverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis

11. Bibliographie

1. Einleitung

1.1. Zielsetzung

Die Bedeutung der Neuen Medien steigt stetig an. Insbesondere der Computer und das Internet sind zu bedeutenden Arbeitsmitteln geworden (Wieser, 2003: 2). Dieser Entwicklung sollte auch die Institution Schule Rechnung tragen. Die Neuen Medien können dann zu Lehrmedien werden, wenn "die transportierten Informationen nicht nur über- sondern auch vermittelt werden" (Mitschian, 1998: 597). Demnach müssen die Neuen Medien unter Anwendung entsprechender didaktischer und pädagogischer Konzepte in den Unterricht integriert werden. Damit ist auch der vielfältige Einsatz dieser Medien außerhalb des Informatikunterrichts möglich. In der vorliegenden Arbeit sollen deshalb Möglichkeiten, im Fremdsprachenunterricht mit dem Internet zu arbeiten, untersucht werden.

Die WebQuest-Methode bezeichnet dabei eine Chance, das Internet im Fremdsprachen-unterricht sinnvoll einzusetzen und so den neuen Leitlinien des Lernens, nämlich Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit, gerecht zu werden. Das Thema der vorliegenden Arbeit befasst sich aus diesem Grund mit der Fragestellung, ob und inwieweit durch den Einsatz von WebQuests im Fremdsprachenunterricht die Fremdsprachen- und auch die Medienkompetenz gefördert werden können.

1.2. Vorgehensweise

Zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik wird zunächst im 2. Kapitel der Begriff „Neue Medien“ als Ausgangspunkt definiert. Weiterhin wird der Umgang mit diesen Medien untersucht, damit der Einsatz im Unterricht effektiv und sinnvoll gestaltet werden kann. In diesem Zusammenhang werden die Konzepte des E-Learning sowie des Blended Learning näher betrachtet.

Thema des 3. Kapitels "Das Internet als Medium" beschreibt zum einen die Funktionen des Internets bei der Einbindung in die Unterrichtsgestaltung und außerhalb des Unterrichts, zum anderen werden auch die möglichen Gefahren im Umgang mit diesem Medium aufgezeigt. Im dritten Abschnitt werden die Möglichkeiten der Nutzung des Internets zu Recherchezwecken erläutert.

Im 4. Kapitel "Fremdsprachenkompetenz in der Schule" wird im Zusammenhang mit der Definition des Kompetenzbegriffs die Debatte um einen kompetenzorientierten Unterricht näher beschrieben. Im Anschluss wird auf die für den Fremdsprachen-unterricht wichtigen sprachlich funktionalen Kompetenzen sowie die interkulturelle Kompetenz eingegangen.

Im 5. Kapitel "Medienkompetenz in der Schule" wird zuerst der Begriff der Medienkompetenz erklärt. Des Weiteren wird ein Augenmerk auf die theoretische Vermittelbarkeit dieser Kompetenz in der Schule gelegt sowie anschließend, anhand zweier unterschiedlicher Lehrpläne, die praktische Umsetzung dieses Vorhabens untersucht.

"Die WebQuest-Methode und ihre Anwendung im Fremdsprachenunterricht" ist Thema des 6. Kapitels. Hierin wird das Konzept der WebQuest mit seinen entsprechenden Merkmalen zusammengefasst um anhand dieser, Gründe für deren Einsatz im Fremdsprachenunterricht aufzuführen. WebQuests folgen einem strikten methodischen Aufbau, der im vierten Abschnitt näher betrachtet wird. Ein Einsatz dieser Methode ist mit einem veränderten Rollenverständnis der Lehrkraft verbunden. Dieser Aspekt wird im fünften Abschnitt herausgestellt. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen werden im Anschluss beschrieben.

Im 7. Kapitel "Unterrichtsvorschlag zum Einsatz von WebQuests im Italienisch-unterricht" wird ein vom Autor der vorliegenden Arbeit selbst entwickelter Unterrichtsvorschlag vorgestellt. Dabei werden zunächst die Rahmenbedingungen sowohl auf Lerner- als auch auf Lehrerseite erläutert. Weiterhin werden die Lerngruppe und das Thema der WebQuest erklärt sowie die konkrete Vorgehensweise im Italienischunterricht aufgezeigt und begründet. Im Anschluss wird auf die durch diese WebQuest geförderten Kompetenzen und möglichen Problemen eingegangen.

2. Neue Medien im Fremdsprachenunterricht

Im folgenden Kapitel liegt der Fokus auf dem Terminus der Neuen Medien. Im Zuge dessen wird der Begriff definiert und Vorteile gegenüber den konventionellen Medien herausgestellt. Des Weiteren wird auf die Einbindung dieser Medien in den Unterricht, insbesondere im Fremdsprachenunterricht, eingegangen. Dabei werden die Umstände, die den Einsatz von Neuen Medien rechtfertigen sowie deren Funktionen heraus-gearbeitet. Anschließend werden die Konzepte des E-Learning und des Blended Learning vorgestellt und auf ihre Verwendbarkeit für den schulischen Kontext hin untersucht.

2.1. Begriffsdefinition

Der Begriff "Neue Medien" kann nicht einheitlich definiert werden, da er einem ständigen zeitlichen Wandel unterliegt und sich die Möglichkeiten der Mediennutzung kontinuierlich erweitern. Entsprechend wurden einige Medien als "Neue Medien" bezeichnet. In den 60er Jahren galt beispielsweise das Schulfernsehen bereits als neues Medium, in den 80er Jahren war es der Personal-Computer und seit den 90er Jahren sind darunter alle digitalen und interaktiven Medien zu verstehen. Heute zählen das World Wide Web, E-Mail, CD-Rom, DVD usw. zu den Neuen Medien.

Der Begriff „Neue Medien“ kann jedoch von anderen Medientypen abgegrenzt werden. Faulstich nahm folgende Einteilung vor: Primärmedien, Sekundärmedien, Tertiär-medien, Quartärmedien (zitiert nach: Volkmann, 2012: 28). Die Primärmedien werden laut Faulstich durch einen Lehrer oder Dozenten geprägt, der kommunikativ vermittelnd auftritt. Schreib- und Druckmedien, beispielsweise das Lehrbuch oder auch Text- und Bildmaterialien zählen zu den Sekundärmedien. Tertiärmedien sind elektronische Medien wie Fotos, Videos oder Filme. Der Kategorie Quartärmedien lassen sich digitale Medien zuordnen. Computer, Multimedia, E-Mail und Internet können darunter zusammengefasst werden; also Medien, die einen vernetzenden, multimedialen und interaktiven Charakter aufweisen. Der Übergang zwischen den letzten beiden Kategorien wird von Faulstich als fließend beschrieben. Dies kann insofern gerechtfertigt werden, dass sich Fotos, Videos etc. ebenso über den Computer oder das Internet abrufen lassen. Neue Medien zeichnen sich demnach durch ihren rechner-gestützten Umgang, die digitale Form von Daten und Informationen und ebenso durch den interaktiven Umgang mit diesen Daten aus.

Die Neuen Medien bieten gegenüber den konventionellen eine Vielzahl an Vorteilen. Nach Meinung von Engel ist der Computer "ein Medium unter anderen, mit dem sich in bestimmten Lernsituationen individueller, gezielter, schneller, umfassender und damit effektiver lernen läßt als mit herkömmlichen Medien" (1997: 26). Damit grenzen sich die Neuen Medien von den konventionellen durch Eigenschaften wie Interaktivität, Multimedialität und Anpassungsfähigkeit ab. Interaktivität meint hierbei, dass sich den Nutzern Optionen sowohl für Aktion als auch für Reaktion bieten (Meschenmoser, 2002: 76). Der Nutzer ist demnach nicht nur Rezipient, sondern auch Produzent. So kann ein Text auf einer Internetseite im Gegensatz zu einem Zeitungstext nicht nur gelesen, sondern auch bearbeitet, abgespeichert, ausgedruckt und mit Hyperlinks1, die zu weiteren Texten führen, versehen werden. Dementsprechend ergeben sich für den Nutzer Steuerungsmöglichkeiten, die zu dem Begriff „interaktive Medien“ geführt haben. Der Begriff Multimedia ist erst zu Beginn der 90er Jahre bekannt geworden. Multimedia bedeutet eine zeitlich synchronisierte Kombination von Text-, Bild-, Audio- und Videoelementen oder auch Animationen. Die Verknüpfung dieser Elemente ermöglicht ein mehrkanaliges Lernen und verbessert damit die Aufnahme und das Speichern von Informationen. Das erleichtert zum einen das Lernen und verändert zum anderen die Anforderungen an das Berufsbild eines Lehrers. Durch ihre Struktur sind multimediale Informationen abwechslungsreich und tragen zur Motivation der Nutzer bei.

Die Neuen Medien zeichnen sich zusätzlich durch ihre Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der Lerner aus. Diese dient der Individualisierung und Differenzierung (Meschenmoser, 2002: 82). Um aufzuzeigen, dass im Gegensatz dazu konventionelle Medien nur bedingt anpassungsfähig sind, führt Meschenmoser als Beispiel den Videofilm an (ebd.). Zwar sind Zeitlupeneffekte und eine Lautstärkeregulierung vorhanden, ansonsten bieten sich kaum Möglichkeiten zur Veränderung an. Computergestützte Medien hingegen sind sowohl hinsichtlich ihrer Hard- als auch Software veränderbar und passen sich somit besser an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer an.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Interessen, Emotionen und Erfahrungen, die den Lernprozess unterschiedlich stark beeinflussen. Die Individualisierung des Lern-vorgangs sollte deshalb verstärkt berücksichtigt werden, indem Lernangebote differenzierter und vielseitiger gestaltet werden. Gemeint ist hierbei jedoch nicht, dass leistungsstärkere und leistungsschwächere Lerner stets unterschiedliche Aufgaben erhalten, vielmehr zielt diese Aussage auf eine "Unterstützung des gemeinsamen Lernens in einer heterogenen Lerngemeinschaft" ab (Meschenmoser, 2002: 120). Neue Medien können sich demnach unterstützend auf den individuellen Lernprozess auswirken.

Ein weiterer Vorteil der Neuen Medien liegt in ihrer Hypertextualität bzw. Hypermedialität. Lehrbücher sind beispielsweise linear aufgebaut, so dass sie seitenweise bearbeitet werden können. Lexika hingegen sind ohne Beachtung der Reihenfolge lesbar, da sie nach Stichworten strukturiert sind. Dennoch muss immer wieder vor- und zurückgeblättert werden. Durch Hypertexte wiederum kann der Nutzer problemlos von einer Seite zur nächsten gelangen, was eine Zeitersparnis zur Folge hat. Weiterhin ermöglichen Hypertexte sowohl Verknüpfungen, Analogiebildungen, als auch Kombinationen und erhöhen demnach die Effizienz des Lernens (Engel, 1997: 28). Sie sind multimedial, nicht-linear und stellen umfangreiche Informationen zur Verfügung. Der Begriff Hypermedia wird verwendet, wenn neben Texten zusätzlich Grafiken, Audio- oder Videoelemente eingebunden werden.

2.2. Umgang mit Neuen Medien im Unterricht

Bereits im Grundschulalter werden Neue Medien von Kindern genutzt. Diese Mediennutzung wird in der Didaktik und Pädagogik deshalb als wichtig erachtet, da ein kompetenter Umgang mit Medien häufig als Schlüsselqualifikation angesehen und im späteren Berufsleben vorausgesetzt wird. Demnach sollte es Aufgabe von Eltern und Lehrern sein, Kinder und Jugendliche im Umgang mit diesen Medien zu schulen, um dem kritiklosen Medienkonsum entgegenzuwirken.

Nach Schulz-Zander wurden Ende der 60er Jahre Informationstechnologien in den Unterricht eingebunden (2001: 7). Anfang der 70er Jahre, während der Bildungskrise, sollte der technologisch gestützte Unterricht wieder steigende Schülerleistungen bewirken sowie die Ausgaben im Lehrbereich senken. Anstatt jedoch Personalkosten einzusparen, wurden hohe finanzielle Mittel für die nötige Hard- und Software aufgewendet, wodurch eine große Skepsis gegenüber dem Lernen mit den Neuen Medien erzeugt wurde, die mitunter bis heute anhält. In den 80er Jahren wurden erste Überlegungen zum Einsatz von Personal-Computern im Fachunterricht angestellt. Jedoch waren die Computerkenntnisse erst in den 90er Jahren so weit fortgeschritten, dass diese im Unterricht tatsächlich verwendet werden konnten. 1995 fiel dann der Startschuss der Kampagne "Schulen ans Netz". Diese Initiative trug wesentlich dazu bei, dem Internet als Medium für das Lernen eine Bedeutung zuzuweisen. Das Portal Lehrer-Online2, welches von "Schulen ans Netz" zur Verfügung gestellt wird, bietet umfangreiche Service-Angebote für die Unterrichtsvorbereitung. Dabei stehen die Neuen Medien und Strategien für deren Einsatz im Unterricht im Mittelpunkt (Drabe, 2001: 11).

Heute nimmt die Bedeutung des Umgangs mit Neuen Medien in nahezu allen Unterrichtsfächern zu, "weil die Schule sich den Herausforderungen und Anforderungen der gegenwärtigen und zukünftigen Informations- und Wissensgesellschaft weder studienbezogen noch berufsbezogen verschließen kann. Es gehört auch zum schulischen Bildungsauftrag, die Schülerinnen und Schüler zur selbständigen und selbst-verantwortlichen Nutzung des Computers zu erziehen" (Mühlmann, 2000: 56). Dementsprechend muss mit diesen Medien effizient umgegangen werden. Texte zum Beispiel anstatt im Lehrbuch auf dem Computer lediglich abzurufen und zu bearbeiten, rechtfertigt die Mediennutzung, verbunden mit dem nötigen Aufwand, nicht. Auf diese Weise kann keine Steigerung der Unterrichtsqualität bewirkt werden. Aber genau darum geht es bei der Frage, wann und inwiefern Neue Medien einzusetzen sind. "Erst wenn die kommunikativ-kreativen Möglichkeiten von Computer- und Internetanwendungen [...] sinnvoll [...] erschlossen werden, kann davon ausgegangen werden, dass das Potential der neuen Medien zur Realisierung eines didaktischen Lernwertes auch genutzt wird" (Brülls, 2005: 9). Wenn sich die Schule als eine Institution versteht, die auf das spätere Leben vorbereiten will, müssen entsprechende Fähigkeiten bzw. Kompetenzen vermittelt werden. Computer und Internet können sich nur dann positiv auf die Unterrichtsgestaltung und das Lernverhalten auswirken, wenn nicht nur stupide Einsetzübungen durch technische Hilfe durchgeführt werden, sondern sich stattdessen neue und kreative Möglichkeiten der Internet- und Computernutzung eröffnen. Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung eruiert seit den 80er Jahren sinnvolle Möglichkeiten der Nutzung neuer Medien. Das Ergebnis manifestiert sich in den "beispielhaften Medien" (Engel, 1997: 27). Darunter sind jene Neuen Medien zu verstehen, die den fachdidaktischen Anforderungen entsprechen und aktives sowie handlungsorientiertes Lernen fördern. Diese Medien müssen also eine mittelnde Funktion aufweisen. Wie der Begriff bereits ausdrückt, soll nicht durch die Neuen Medien, sondern mit ihnen gelernt werden. So wies Kleinschroth 1996 schon darauf hin, dass multimedial aufbereiteter Lerninhalt sowohl Aufmerksamkeit, als auch Ausdauer sowie Speichern von Informationen fördert und kommt zu dem Ergebnis, dass "Multimedia [...] nicht zuletzt deshalb die Unterrichtstechnologie der Zukunft [ist], weil hier alle klassischen Medien - Text, Grafik, Foto, Musik, Sprache und Film - zusammenwachsen" (Kleinschroth, 1996: 17).

Modifikationen im Nutzungsverhalten von Medien im Unterricht bedeuten auch gleichzeitig Veränderungen des Lehrens und Lernens. So soll das instruktive Vermitteln von Wissen aktuell durch kooperative Lernformen ersetzt werden (Nieweler, 2006: 145). Gemäß den Prinzipien des Konstruktivismus, auf die nachfolgend noch genauer eingegangen wird, ist das Lernen ein aktiver und individueller Prozess, der von außen nur durch "die Bereitstellung attraktiver Anlässe [zum Beispiel mit Hilfe neuer Medien] beeinflusst werden" kann (zitiert nach: Nieweler, 2006: 145).

Speziell im Fremdsprachenunterricht können Neue Medien hilfreich sein, um die fremde Sprache mit all ihren Eigenheiten ins Klassenzimmer zu bringen. Denn die Ziele eines modernen Fremdsprachenunterrichts sind der Erwerb von kommunikativer Kompetenz, Sprachbewusstheit und Lernkompetenz. Neue Technologien können insbesondere zur Förderung "kommunikativer Sprechakte" (Rüschoff, 1997: 109) führen. Eine möglichst realitätsnahe Veranschaulichung der Lerninhalte ist hierbei von immenser Bedeutung (ebd.: 111). Denn die häufigste Ursache für ein Defizit an Sprachkompetenz ist die Künstlichkeit der Unterrichtssituation in Verbindung mit ungünstigen Rahmenbedingungen, wie einem zu strikten Lehrplan (Engel, 1997: 25).

Abschließend ist festzustellen, dass die Neuen Medien das Lernen selbst nicht ersetzen, jedoch eine Unterstützung für den Lernprozess darstellen können, sofern sie sinnvoll eingesetzt werden.

2.3. E-Learning & Blended Learning

Unter E-Learning wird elektronisch unterstütztes oder auch webunterstütztes Lernen, wie sich im Verlauf noch zeigen wird, verstanden. Das Lernen mit einer entsprechenden Software zählt ebenso dazu (Baumgartner, 2002: 15). Im Allgemeinen unterstützt E-Learning sowohl lehrer-, als auch lerner- und teamzentrierte Unterrichtsmethoden (De Witt, 2005: 1). Die Lernangebote sind "auf der Basis moderner Informations- und Kommunikationstechnologien umgesetzt" (zitiert nach: Schlemmer, 2011: 5). Der Lern-prozess steht hier im Mittelpunkt. Die Vorteile von E-Learning ergeben sich aus der zeitlichen und räumlichen Ungebundenheit.

Das E-Learning wird durch verschiedene Formen geprägt, wovon zwei nun näher vorgestellt werden - das "computer based training" und das "web based training". "Computer based training" (CBT) ist die älteste Form des E-Learning. Darunter sind computerbasierte Lernprogramme zu verstehen, die sich auf CD-Rom oder DVD befinden. Sie werden als eigenständige Anwendungen bezeichnet, da sie ohne das Internet verwendet werden können. Die primären Funktionen des Unterrichts werden folgendermaßen abgedeckt: es erfolgt eine Präsentation der Lerninhalte, daraufhin diverse Aufgaben- bzw. Fragestellungen und eine anschließende Erfolgskontrolle (Dittler, 2003: 25). Der Lerner kann entweder dem linearen Programmablauf folgen oder auch einzelne Abschnitte bearbeiten. Die entsprechenden Lerneinheiten werden meist von Sprechern vorgetragen, um langes Textlesen zu vermeiden. Gleichzeitig kann dadurch das Hörverstehen geschult werden. Dennoch erfolgt zur Absicherung und Dokumentation eine schriftliche Zusammenfassung des Gesagten in Form von Stichpunkten. Nach der Vermittlung des Wissens, soll der Nutzer dieses anwenden, indem ihm ein möglichst realistisches Problem geschildert wird. Im Anschluss gibt das Programm ein Feedback zur Lösung des genannten Problems bezüglich inhaltlicher Lücken.

Das "web based training" (WBT) ermöglicht zusätzlich den Zugriff auf Anwendungen im Internet. Durch das CBT kann der Nutzer selbst über den Ort und den Zeitpunkt des Lernens entscheiden. Das WBT ist hingegen auf die Verfügbarkeit eines Internet-zugangs angewiesen. Vorteile des WBT liegen wiederum in der Aktualisierbarkeit der Lerninhalte, in der Ökonomie, denn es müssen nicht wie beim CBT Datenträger produziert werden, außerdem bietet es Möglichkeiten zur Kooperation. Meist werden dabei Kommunikationsmöglichkeiten mit einem Experten, beispielsweise via E-Mail oder durch ein Forum, angeboten (Dittler, 2003: 154), die das interaktive Lernen fördern. Sowohl das CBT als auch das WBT werden als medienzentriertes Lernen bezeichnet, wobei Lehrende hierbei eine eher untergeordnete Bedeutung einnehmen (ebd). Das E-Learning umfasst also verschiedene Aspekte, wie die Verteilung des Lernmaterials, die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden bzw. untereinander sowie diverse Arten der Kooperation zwischen den Lerngruppen (Rösler, 2007: 9). Dementsprechend beinhaltet E-Learning die Kompetenz sich selbst zu organisieren. Dabei sind jedoch auch Lerner mit weniger gutem Lernmanagement zu beachten.

Nun kann die Frage aufgeworfen werden, ob alle Lernprozesse und Lerninhalte virtualisiert werden können. Die Antwort darauf lautet nein, weil sich computerbasiertes Lernen ohne jegliche Präsenzveranstaltungen als ineffizient erwiesen hat. An diese Überlegungen lehnen sich die Formen des Blended Learning an. Hierbei wird das virtuelle Lernen durch Präsenzphasen oder -veranstaltungen ergänzt. Dadurch wird den Lernern die Möglichkeit eines Treffens in Verbindung mit einem Meinungs- sowie Erfahrungsaustausch eröffnet. Damit wird der Lernerfolg tatsächlich abgesichert und der Transfer in den Anwendungsbereichen ermöglicht. Blended Learning kann aber auch insgesamt als eine Kombination von verschiedenen Lernformen, -theorien sowie -medien verstanden werden, weshalb es auch oftmals als hybrides Lernen bezeichnet wird (De Witt, 2005: 4). Herkömmlicherweise können die Präsenzveranstaltungen als eine Form des Unterrichts angesehen werden, da sich in diesen Phasen mehrere Lerner zur selben Zeit an einem bestimmten Ort (wie dem Klassenzimmer) befinden. Lernen mit digitalen Medien bedeutet demnach nicht, dass dies nur im virtuellen Raum geschehen muss.

Darüber hinaus gibt es sogenannte virtuelle Seminare, bei denen ein Lehrender einen Lerninhalt vorbereitet und digitales Anschauungsmaterial zusammenstellt. Die Teilnehmer treffen sich zur selben Zeit in diesem virtuellen Seminar. Zwar liegt der Vorteil in der Ortsunabhängigkeit und der theoretisch unbegrenzten Teilnehmerzahl, obwohl bei einer allzu hohen Teilnehmerzahl Rückfragen an den Lehrenden nicht beantwortet werden können. Dennoch fehlen nötige Signale für eine erfolgreiche Kommunikation, wie die Variationen der Aussprache, der Blickkontakt, Gestik und Mimik. Dadurch ist die Aufmerksamkeit und die Gemütslage des Gegenübers schwer einschätzbar (Dittler, 2003: 209). Genau aus diesen Gründen empfehlen sich Präsenzphasen bzw. -veranstaltungen.

"Vollvirtuelles Lernen" ist laut Rösler vor allem beim Fremdsprachenlernen ungeeignet, da bei dieser Lernform die Sozialkompetenz und Möglichkeiten des aktiven Lernens zu gering ausgeprägt sind (2007: 20). Deshalb sind entsprechende Präsenzphasen notwendig. Die Variationsmöglichkeiten für eine Kombination von virtuellen und Präsenzphasen sind sehr vielfältig, so kann E-Learning zur Erarbeitung von Inhalten sowie zur Vor- bzw. Nachbereitung von Präsenzphasen genutzt werden. Beispielsweise kann ein Experte per Video oder Chat in die Veranstaltung eingebunden, die Teilnehmer auch per E-Mail betreut werden, ebenso können Online-Veranstaltungen Präsenztermine nach sich ziehen. Die direkte Kommunikation zwischen dem Lehrenden und den Lernenden stellt dabei den entscheidenden Vorteil gegenüber vollvirtuellem Lernen dar.

Schließlich ist festzustellen, dass das Blended Learning keine neue Gestaltungsform für den Schulunterricht darstellt, denn die Mischung der Arbeits- und Sozialformen und der entsprechende Einsatz unterschiedlicher Medien wird bereits seid geraumer Zeit praktiziert. Eine Möglichkeit das Blended Learning Konzept in den Fremdsprachen-unterricht zu integrieren, bietet zum Beispiel das virtuelle Klassenzimmer. Der Begriff virtuelles Klassenzimmer bedeutet, ein Forum oder Gruppe zu erstellen, zu dem sowohl der Lehrer als auch die Schüler der jeweiligen Klasse (und nur diese) Zugang haben. Verschiedene Lerninhalte und Aufgaben können von allen Mitgliedern hoch- und heruntergeladen, bearbeitet und präsentiert werden. Ein virtuelles Klassenzimmer kann als langfristiges Projekt angelegt werden - so können die Inhalte ständig aktualisiert werden und es ergibt sich die Möglichkeit über den Schulunterricht hinaus an den Aufgaben zu arbeiten und diese mit den anderen zu teilen. Damit stellt es eine Möglichkeit dar, das kooperative Lernen zu fördern.

3. Das Internet als Medium

Dieses Kapitel greift die Thematik „Internet als Medium“ auf. Ihm kommt im Rahmen der Nutzung der Neuen Medien eine besondere Rolle zu, weil es räumlich und zeitlich flexibel ist und des Weiteren eine Vielzahl von visuellen und auditiven Materialien enthält, welche die mehrkanalige Wahrnehmung fördern. Wie genau ist das Internet überhaupt zu definieren? Fasching beschreibt es sehr treffend als ein "globales Netz-werk unterschiedlicher Computernetze, das, technisch hierarchisiert aufgebaut, Daten [...] als selbststeuernde Pakete transportiert, um den Nutzern Programm-, Datei- und Informationsaustausch zu ermöglichen [wobei es sich um ein] selbstverwaltetes System ohne zentrale Instanzen [handelt]" (1997: 49). Im Fremdsprachenunterricht kann das Internet insofern gewinnbringend eingesetzt werden, da, obwohl viel authentisches Material3 enthalten ist, die Sprachbarriere sinkt. Begründen lässt sich dies durch die multimediale Darbietung. Sie erleichtert das Verständnis und kommt somit auch unterschiedlichen Lernertypen zugute.

Im weiteren Verlauf sollen nun die wesentlichen Funktionen des Internets und die sich daraus für den Fremdsprachenunterricht ergebenden Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf mögliche Gefahren beim Umgang mit diesem Medium eingegangen. Des Weiteren widmet sich Punkt 3.3. der Thematik des Recherchierens im Internet - wie es vonstatten gehen kann, was dabei (besonders im Fremdsprachenunterricht) zu beachten ist und was dies für die Lehrer-Schüler-Konstellation bedeutet.

3.1. Funktionen des Internets

Das Internet wurde ursprünglich für den militärischen Bereich entwickelt, mit dem Ziel miteinander vernetzte Rechenzentren für einen effizienteren Informations- und Kommunikationsaustausch zu schaffen. In den 80er Jahren änderte sich dies durch die Einführung des World Wide Web. Entsprechend stiegen Mitte der 90er Jahre die Nutzerzahler durch so genannte Browser und ließen das World Wide Web schließlich zum Massenmedium werden. Heute surfen fast alle Jugendlichen täglich im Internet. Dieser Tatsache kann sich auch die Schule nicht verschließen. Entsprechend wurden Möglichkeiten gesucht das Internet in den Schulunterricht einzubinden. In diesem Zusammenhang müssen zunächst drei entscheidende Funktionen des Internets unter-schieden werden - das Internet als Kommunikations-, als Präsentations- und als Informationsmedium.

Das Internet kann zunächst als kommunikatives Medium genutzt werden. Dabei dienen folgende Werkzeuge der Kommunikation: E-Mails, Chats, Newsgroups4, Video-konferenzen, Wikis5, das World Wide Web usw. Man unterscheidet dabei zwischen synchronen und asynchronen Kommunikationsformen. Ersteres bedeutet, dass zwei oder mehr Personen gleichzeitig an der Kommunikation beteiligt sind (wie im Chat), während asynchron die zeitlich versetzte Kommunikation meint (beispielsweise durch E-Mails). Durch diese verschiedenen Werkzeuge eröffnen sich neue Perspektiven für den Fremdsprachenunterricht. Die Verwendung von E-Mails eignet sich auch im Klassenraum in Form von so genannten E-Mail-Projekten, die sich durch bestimmte thematische Schwerpunkte in Verbindung mit einer Kooperation mit einer fremdsprachlichen Klasse auszeichnen. Auf diese Weise werden Schüler zum projekt-orientierten Arbeiten angeleitet, autonome Lernprozesse gefördert und in Abhängigkeit des Themas auch fachübergreifend gearbeitet. Dadurch wird nicht nur das Interesse an der fremden Kultur, sondern ebenso an der eigenen geweckt, indem die Schüler ihr Leben und ihren Alltag miteinander vergleichen. In diesem Zusammenhang erhöht sich auch die Motivation und Lernbereitschaft der Schüler, da eine "reale" Kommunikation stattfindet. Das World Wide Web "besteht aus einer gigantischen, ständig wachsenden Zahl von graphisch aufbereiteten Bildern, Videos und mit Tönen versehenen und über Schlagwörter verbundenen Texten" (zitiert nach: Kloeser/ Klein, 2000: 174). Entsprechend entsteht eine netzwerkartige Struktur, in der man durch Anklicken bestimmter Wörter oder Bilder von einem Dokument zum anderen gelangt (Hypertextprinzip). Das World Wide Web kann demnach als strukturierendes und übergreifendes Werkzeug bezeichnet werden. Deshalb werden die Begriffe World Wide Web und Internet häufig synonym verwendet.

Das Internet im Fremdsprachenunterricht als Kommunikationsmedium zu nutzen, bedeutet, die Schüler entsprechend ihrem eigenen Lerntempo lernen zu lassen. Somit ist Internetarbeit individualisiert und interaktiv. Darüber hinaus besteht eine Vielzahl an Möglichkeiten einen Kommunikationspartner zu finden. So können Brieffreundschaften oder auch Schüleraustauschprogramme entstehen. In diesem Zusammenhang wird vor allem das sprachliche, landeskundliche und interkulturelle Lernen gefördert (Kloeser/ Klein, 2000: 176). Ebenso können die Fertigkeiten des Lesens und Schreibens in der Fremdsprache weiter ausgebaut werden. Der Vorteil der Internetkommunikation besteht demnach darin, dass "wirkliche Kommunikation [...] autonomer, authentischer, in Echtzeit und ohne den didaktischen Zeigefinger stattfinden kann" (zitiert nach: ebd.: 177).

Das Internet wird ebenso zur Publikation von Informationen verwendet. Die Schüler können eigene Internetseiten zur Präsentation bestimmter Projekte erstellen. So kann beispielsweise die eigene Schule vorgestellt werden. Im Rahmen des fremdsprachlichen Unterrichts kann die Schule in mehreren Fremdsprachen dargestellt werden, wodurch Schüleraustauschprogramme gefördert werden können. Durch den Einsatz des Internets im Schulunterricht lassen sich Gruppenergebnisse optimieren und für ein breiteres Publikum öffnen. Des Weiteren setzt die öffentliche Präsentation eine höhere Motivation und Leistungsbereitschaft bei den Jugendlichen frei. So wird "handlungs- und schülerorientiertes sowie fachübergreifendes Arbeiten ermöglicht [und ein wichtiger] Beitrag zum Aufbau von Medienkompetenz" geleistet (ebd.: 179).

Aus der Verwendung des Internets als Präsentationsmedium resultiert eine sehr hohe Anzahl an Materialien und Dokumenten. Demnach kann das Internet ein probates Mittel zur Informationssuche, sowohl für Lehrende als auch für Lernende, sein. Die Landeskunde ist ein wichtiger Bestandteil des fremdsprachlichen Unterrichts, doch sind die Inhalte der Lehrbücher mitunter bereits veraltet. Das Internet kann dieses Aktualitätsdefizit verringern und damit zur Beschaffung neuster Informationen, ergänzend zum Lehrwerk oder lehrwerkunabhängig, dienen. Der entscheidende Vorteil liegt demnach in der Aktualität, wobei stets auf die Zuverlässigkeit der Angaben geachtet werden muss. Wenn die Lerner das Internet als Informationsmedium nutzen, kann die Motivation erhöht werden, da eine Vielzahl authentischer Materialien zu finden ist. Neben diesen Materialien gibt es auch Nachschlagewerke und Online-Wörterbücher, die zur Informationssuche dienen. Sich im Fremdsprachenunterricht über das Internet zu informieren, bedeutet eine Förderung der Fremdsprachenkompetenz - einerseits im rezeptiven Bereich durch das Lesen von Informationen und andererseits im produktiven Bereich durch das Formulieren von Suchanfragen. Auch die Methoden-kompetenz wird dabei geschult. Außerdem kann der Unterricht dadurch kommunikativer gestaltet und das interkulturelle Lernen gefördert werden.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich der Einsatz des Internets positiv auf den Fremdsprachenunterricht auswirkt, da "nicht nur tagesaktuelle Informationen aus dem Sprachraum einer Zielsprache zur Verfügung stehen, sondern sich das Klassenzimmer darüber hinaus für eine direkte Kommunikation mit realen Sprechern der neuen Sprache und Kultur öffnet" (Rüschoff/ Wolff, 1999: 249). Das Internet eignet sich zur Förderung der interkulturellen Kommunikation und des Informationsaustausches (Volkmann, 2012: 28) und dient der anschließenden Präsentation der Suchergebnisse. Es im Unterricht zu nutzen, zieht allerdings auch eine Veränderung der Arbeitsformen sowie der Rolle der Lehrkraft nach sich, entsprechend der Prämisse: der Lehrer als guide on the side, not sage on the stage (ebd.).

Ein kompetenter Umgang mit dem Medium Internet ist, wie bereits erläutert, von Bedeutung. Zur sinnvollen Nutzung müssen didaktische Konzepte ausgearbeitet werden. Zu diesen Konzepten zählen E-Learning, Computer based training oder auch WebQuests. Der zielgerichtete Einsatz ist jedoch nur möglich, wenn sowohl die Lerner als auch die Lehrer in der Lage sind, die gefundenen Informationen auszuwerten, zusammenzufassen und zu präsen­tieren. Dazu sind entsprechende Übungen nützlich, z.B. die Vermittlung von Texterschließungs- oder Lesestrategien. Ebenso kann das Internet eingesetzt werden, um den Wortschatz zu erweitern oder Recherchen über die Landeskunde anzustellen. Festzuhalten ist, dass ein Online-Zugang allein noch keinen kompetenten Umgang mit dem Medium Internet gewährleistet. Eine kompetente Nutzung hängt von zahlreichen zu erwerbenden Kompetenzen ab - der Lesekompetenz, dem technischen Know-how oder der kritischen Reflexion usw. (Grünewald, 2009: 174).

3.2. Gefahren des Internets

Das Internet in den Fremdsprachenunterricht einzubinden, hat, wie bereits aufgezeigt worden ist, einige Vorteile. Zum anderen ist die Arbeit mit dem Internet, insbesondere für junge Nutzer, mit Gefahren verbunden. Durch das Internet können die Nutzer schnell eine Vielzahl an Informationen erschließen. Diese sind jedoch nicht zwingend ergiebig und nutzbringend. Da jede Person Materialien im Internet veröffentlichen kann, sind einige Informationen nur scheinbar seriös. Demnach gilt es vor einer Informations-entnahme die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Internetseite zu überprüfen. Infolgedessen müssen die Lerner im Fremdsprachenunterricht zunächst über die Durchführung der Überprüfung eingewiesen werden. Dabei können folgende Fragen hilfreich sein: Wird der Autor bzw. die Gesellschaft, welche die jeweilige Webseite vertritt, genannt und kann überprüft werden? Ist der Autor ein Experte auf dem jeweiligen Fachgebiet? Sind die Internetseite und die darin enthaltenen Informationen aktuell? Was sagen andere Autoren im Vergleich? Wird der vorliegende Text von Vorurteilen geprägt? (Redling, 2009: 15). Außerdem ist ein weiteres Merkmal für eine vertrauensvolle Internetseite die Einsicht und Nachprüfbarkeit der verwendeten Quellen.

Schüler sind oftmals mit der Informationsflut auf den jeweiligen Internetseiten überfordert. Demnach sind entsprechende Hilfestellungen notwendig. Hierfür sollten nach Nieweler beispielsweise auf dem Browser oder einem Textverarbeitungsprogramm Aufgaben und Links zu bestimmten Webseiten gespeichert und die einzelnen Seiten mit Hyperlinks verbunden werden (2006: 163). So können die Lerner Informationen von den betreffenden Seiten offline einsehen. Gleichzeitig kann das Surfen im Internet, abweichend vom Fachthema, unterbunden und evtl. auftretende Verbindungsprobleme umgangen werden. Weiterhin muss angemerkt werden, dass viele Internetseiten sehr kurzlebig sind. Aus diesem Grund wäre eine vorherige Abspeicherung sinnvoll, sodass die Informationen immer wieder abgerufen werden können (ebd.). Diese Methode eignet sich jedoch eher für geschlossene Aufgabenstellungen bzw. Lerngruppen mit geringer Medienkompetenz. Weiterführende, eigene Internetrecherchen sind hierbei nicht möglich.

Eine weitere Gefahr beim Einsatz des Internets im Unterricht stellt der Zeitfaktor dar. Durch die oben erwähnte Fülle an Informationen kann die Suche im Netz mitunter sehr lange dauern. Auch ein ineffektives Surfen, das so genannte zapping6, führt dazu, dass die benötigte Zeit nicht sinnvoll genutzt wird. Nach Moser muss durch geeignete didaktische Maßnahmen in der Schule die Informationskomplexität reduziert werden, damit Lernerfolge erzielt werden können (2000: 16). Das bedeutet eine Vorauswahl an Materialien zu leisten. Auch für die Lehrkraft ist der Zeitfaktor zu bedenken. Zwar erleichtert die digitale Form der Materialien die Aufbereitung für den Unterricht (so kann ein Arbeitsblatt innerhalb weniger Minuten konzipiert werden), doch die Suche nach geeigneten Artikeln etc. nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch.

Des Weiteren ist aufgrund der Struktur des Internets eine Orientierung, insbesondere für ungeübte Nutzer, mitunter schwer. Kinder und Jugendliche lassen sich leicht z.B. durch Animationen oder Musik ablenken. Dies kann zum "Museumseffekt" führen. Demnach ist eine Differenzierung von Informationen aufgrund der Sichtung verschiedener Texte, Bilder etc. nicht mehr möglich. Durch die Suche in fremdsprachlichen Datenbanken kann sich dieser Effekt zusätzlich verstärken. Ferner ist es jedoch auch möglich, dass der Nutzer nach langem Surfen keine Kenntnis mehr über den ursprünglichen Grund der Suche hat. Diese Auswirkung wird auch als "Hänsel-und-Gretel-Effekt" bezeichnet. Die Schule kann den benannten Effekten durch die Anwendung entsprechender Methoden und Techniken in Form von Vorentlastungen oder Orientierungshilfen entgegenwirken.

Neben den oben benannten Gefahren der Internetnutzung kann die kontinuierliche Computerarbeit auch gesundheitliche Schäden nach sich ziehen (Mühlmann, 2000: 58). Ursachen dafür sind beispielsweise das lange Sitzen in derselben Position sowie das „Starren“ auf den Monitor. Seitens der Lehrkraft ist demnach bei einem längeren Einsatz von Computern und Internet im Unterricht auf entsprechende Pausen zu achten. Darüber hinaus stellt eine weitere Gefahr bei der Verwendung des Internets als Kommunikationsmedium das potentielle Suchtverhalten dar, welches zu langfristiger "sozialer Verarmung" führen kann (Kloeser/ Klein, 2000: 182). Damit entsteht ein Bedeutungsverlust der direkten Realitätserfahrung. Im Rahmen einer medialen Erziehung muss deshalb im Unterricht ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Medium Internet gelehrt werden.

Gefährdend können aus pädagogischer Sicht außerdem Internetseiten wirken, die gewaltverherrlichende Darstellungen, Pornographie und Propaganda beinhalten. Lösungsmöglichkeiten, die solche Internetseiten für die Benutzung durch Kinder und Jugendliche sperren, sind gegenwärtig unzureichend. Spezielle Filterprogramme existieren zwar, doch bieten sie keine völlige Sicherheit. "Deshalb kann die Schule auch hier nur vorbeugend und aufklärerisch tätig sein" (ebd.: 182). Letztlich kann sich im Umgang mit dem Internet auch die Gefahr ergeben, dass die Schüler rechtswidrig handeln, z.B. durch das Herunterladen von Materialien mit Copyright, wie Musik. Den Lernern muss demnach die aktuelle Rechtslage7 erklärt sowie auf mögliche Konse-quenzen hingewiesen werden. Außerdem sollten den Lernern generelle Verhaltens-weisen im Netz aufgezeigt werden. Dies wird auch als Netiquette8 bezeichnet.

3.3. Recherchieren im Internet

Das Recherchieren im Internet wird auch als trawlen bezeichnet und bedeutet, dass eine Aufgabe nur (oder vor allem) durch das Aufsuchen bestimmter Webseiten, welche die benötigten Informationen beinhalten, gelöst werden kann. Recherchen jeglicher Art haben verschiedene Funktionen. Sie können sowohl eigenständige Aufgaben darstellen oder Teil eines umfangreicheren Aufgabenkomplexes sein, als auch ergänzend zur Lösung eines Problems genutzt werden. Im Fremdsprachenunterricht werden Recherchen zur Aktualisierung eines Lehrwerks oder zur vertiefenden Behandlung eines Themas genutzt. Darüber hinaus können neue Themenspektren erschlossen werden, die in dem jeweiligen Lehrwerk nicht enthalten sind. Ebenso können sie vorbereitend für Diskussionen, eine bevorstehende Klassenfahrt oder einen Auslands-aufenthalt eingesetzt werden. Recherchen sollten stets an den Wissensstand der Lerner angeglichen werden. Internetseiten, die aufgrund des Wortschatzes oder der Grammatik einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen, eignen sich nur bedingt. Grund dafür ist die Überforderung und Demotivation der Schüler. Der Schwierigkeitsgrad kann jedoch gesteigert werden, wenn das Internet bereits zu Beginn des Fremdsprachenunterrichts eingebunden und die Lerner damit kontinuierlich an den Umgang mit diesem Medium herangeführt werden (Rösler, 2007: 162). Zu Anfang eignen sich eher geschlossene Aufgabenstellungen und die Suche nach Fakten. Fortgeschrittene Lerner können allgemeiner gestellte Aufgaben erhalten, die eine umfangreichere und zeitintensivere Informationssuche auf der entsprechenden Internetseite erfordern, um im Anschluss beispielsweise an einer Diskussion teilnehmen zu können (Rösler, 2007: 164). Der Schwierigkeitsgrad kann zudem durch das Bereitstellen mehrerer Internetseiten erhöht werden, da die Lerner die entscheidende Information eigenständig herausfiltern müssen. Die Lehrkraft gibt durch den Aufgabentyp die unterschiedlichen Grade der Steuerung der Recherchen vor. Die Stärke der Steuerung durch den Lehrer hängt von verschie-denen Faktoren ab, z. B. dem Wissensstand der Lerner, der Funktion der Recherche, und ist eine Einzelfallentscheidung. Eine gewisse Steuerung wird deshalb als sinnvoll erachtet, um dem Problem des lost in hyperspace entgegenzuwirken und um zu garantieren, dass die Lerner nicht vom Thema abkommen. Die verschiedenen Aufgabentypen können allgemein in offene und gebundene sowie online- und offline-Aufgaben unterschieden werden (Hakenjos 1999: 76). Offene Aufgaben beinhalten das selbständige Suchen von Informationen, während in gebundenen Aufgaben Hilfe-stellungen gegeben werden, wie in Form von entsprechenden Links. Die notwendigen Informationen können sowohl online, also von den jeweiligen Internetseiten, oder auch offline durch voriges Abspeichern der Internetseiten auf einer CD-Rom, abgerufen werden.

Grünewald nimmt gemäß dem Grad der Steuerung folgende Untergliederung von Aufgabentypen für eine Recherche im Internet vor: die freie Suche, die gelenkte Suche, die Internetralley sowie WebQuests (2009: 178 ff). Bei der freien Suche recherchieren die Lerner ohne Hinweise oder Hilfestellungen bestimmte Informationen. Diese Arbeit setzt Vorkenntnisse bei der Nutzung von Suchmaschinen und Browsern voraus und ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden. Die Lerner sollten Webseiten bereits kritisch bewerten können. Außerdem werden sich die gewünschten Ergebnisse erst im Laufe der Zeit einstellen, weil sich die Lerner zuvor mit dem eigenständigen Arbeiten vertraut machen müssen. Die gelenkte Suche hingegen ist vielversprechender bezüglich der Resultate der Informationsrecherche. Die Lerner erhalten bestimmte Hinweise auf Quellen oder Lösungswege. Diese Art der Suche ist eine geeignete Heranführung für den Umgang mit fremdsprachlichen Webseiten. Die Internetralley erfordert die Kreativität der Lerner und enthält dennoch einen überschaubaren Arbeitsauftrag. Es wird eine Problemstellung geschildert, die eigene Lösungswege zulässt, um zu einem individuellen Ergebnis zu gelangen. WebQuests sind auf Fragen basierende Rechercheprojekte. Mithilfe eines methodischen Gerüsts werden die entsprechenden Aufgaben gelöst. Somit sind WebQuests ein gute Möglichkeit für eine angeleitete Internetrecherche, wobei die Lerner dennoch eigenverantwortlich hinsichtlich der Auswahl der bereitgestellten oder neuen Materialien, der Bewertung dieser Materialien, der Planung der Arbeitsschritte bis hin zur Ergebnispräsentation arbeiten (Staiger, 2001: 52). Wie eben erwähnt, wird eine gewisse Steuerung auch deshalb vorgenommen, damit die Lerner "beim Thema bleiben". Gerade für den Fremdsprachenunterricht ist jedoch eine Unterbindung des Surfens auf anderen interessanten (fremdsprachlichen) Seiten zu bedenken. Sofern das, was auf diesen Internetseiten beiläufig gelernt wird, dem Spracherwerb dient und die Lerner den zeitlich vorgegebenen Rahmen einhalten, sollten ohnehin keine Steuerungsmaßahmen ergriffen werden. Diese Kontrolle würde das selbstbestimmte Lernen einschränken. Die Lehrkraft muss demnach eine gewisse Akzeptanz dafür aufbringen.

Zur Erleichterung der Internetrecherche können Suchmaschinen verwendet werden, die nach Stichwörtern oder Wortfragmenten suchen, die logisch verknüpfbar sind. Dabei ist es wichtig, treffende Schlüsselwörter zu finden und bei zu vielen Ergebnissen die Suche einzugrenzen, indem mehrere Begriffe durch ein Plus verbunden oder in Anführungs-zeichen gesetzt werden. Auch elektronische Wörterbücher und Lexika können im Fremdsprachenunterricht hinzugezogen werden, um mögliche Verständnis-schwierigkeiten zu minimieren. Außerdem sollte die Lehrkraft eine begleitende und kompetente Unterstützung gewährleisten (Grünewald, 2004: 215).

Die Internetrecherche ist lerneraktivierend, da diese sich selbst aktiv mit den gefundenen Informationen auseinandersetzen müssen. Diese Informationen haben den Vorteil der Aktualität und Authentizität gegenüber dem Lehrwerk, beispielsweise in den Bereichen Landeskunde, Grammatik oder Literatur. Durch authentische und lebensnahe Situationen kann das Lernen effizienter erfolgen und das entsprechende Wissen besser abgespeichert werden. "Vor allem das Recherchieren [oder] die Datenbankabfrage (Wann wird wo welcher Film gespielt? Wann fährt der nächste Zug?) hat Bezug zur Lebensrealität der Lerner und führt daher zu einer höheren Identifikation mit dem Lerngegenstand" (Grünewald, 2004: 219). Die Auswertung von Rechercheaufgaben kann variabel erfolgen und ist nicht zwangsläufig an das Medium Internet oder den Computer gebunden.

4. Fremdsprachenkompetenz in der Schule

Das folgende Kapitel befasst sich mit dem Thema Fremdsprachenkompetenz und ihren Teilbereichen. Infolgedessen wird zunächst der Kompetenzbegriff erläutert sowie auf die aktuelle Debatte um den kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht eingegangen. Anschließend werden die sprachlich-funktionalen Kompetenzen unter-sucht. Sie gliedern sich in Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen, Schreiben und Sprachmittlung. Des Weiteren wird auch auf den Bereich der interkulturellen Kompetenz eingegangen.

4.1. Kompetenz und Fremdsprachenkompetenz - Begriffsklärung

Im Schulunterricht liegt seit Ende der 90er Jahre der Fokus auf den zu erreichenden Kompetenzen der Lerner. Vor allem durch Vergleichsstudien, wie die PISA-Studie, wurde die Debatte um einen kompetenzorientierten Unterricht ausgelöst. Dieser hat das Ziel, das Lernen in der Schule zu fördern und somit die Unterrichtsqualität zu verbessern. Außerdem sollen dadurch die unterschiedlichen Bildungschancen in den Bundesländern Deutschlands angeglichen werden (Hu, 2008: 4). Eine Orientierung an den zu erreichenden fachlichen und auch fachübergreifenden Kompetenzen wird hierbei als wichtig erachtet (ebd.: 1). Entsprechend dazu verabschiedete die Kultusminister-konferenz 2003 die Bildungsstandards für die erste Fremdsprache für den Mittleren Schulabschluss und den Hauptschulabschluss. Diese Bildungsstandards gelten als verbindliche Vorgaben für die jeweiligen Bildungsabschlüsse. Dabei wurden Regel-standards festgelegt. Dies sind Standards, die der Durchschnitt erreichen soll. Die Bildungsstandards dienen nicht nur der Nennung der von den Lehrenden zu vermittelnden Kompetenzen, sondern sie legen ebenso fest, zu welchem Zeitpunkt welche Kompetenzen erworben werden sollten. Entsprechend tragen sie zu einer besseren Strukturierung des Fremdsprachenunterrichts bei (Fäcke, 2010: 79) und führen zu einer Neubetrachtung des Lernprozesses. Denn bisher wurden vor allem die Fehler und das noch fehlende Fachwissen in den Vordergrund gestellt. Im kompetenz-orientierten Unterricht werden hingegen die bereits vertieften Kenntnisse der Lerner hervorgehoben (Hu, 2008: 9-10). Ausgehend von einem weiten Kompetenzbegriff nach Weinert (2001) und Klieme (2003), beruht dieser auf den folgenden vier Komponenten: dem deklarativen,9 dem prozeduralen10 bzw. Handlungswissen, den Motivationen bzw. Einstellungen und der Problemlösefähigkeit.

Entscheidend ist die Anwendbarkeit dieser Komponenten bei der Lösung von Aufgaben. Im Vordergrund steht hierbei das Überwinden von "trägem" Wissen hin zu anwendungsfähigem Können (Klieme/ Hartig, 2007: 13), wobei das Wissen ein "grundlegender und daher nicht zu vernachlässigender Bestandteil von Kompetenz und Kompetenzentwicklung" darstellt (Hu, 2008: 7). Das Konzept der Kompetenz-orientierung soll verdeutlichen, dass Kompetenzen das Ergebnis von Lernprozessen sind, die aufeinander aufgebaut werden können. So ergibt sich ein "Polster von verfügbaren kognitiven und affektiv-motivationalen Komponenten [...] auf die beim Lösen von [...] 'Problemen' zurückgegriffen werden kann" (ebd.: 3).

Ferner kann der Kompetenzbegriff in Teilbereiche untergliedert werden. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen11 verwendet auch den erweiterten Kompetenzbegriff Weinerts, jedoch mit einer veränderten Terminologie. So wird für den Bereich der Motivationen bzw. Einstellungen der Begriff Persönlichkeits-kompetenz genutzt. Außerdem ergänzt der GER den Kompetenzbegriff durch die Methodenkompetenz. Kompetenz wird daher als "die Summe des (deklarativen) Wissens, der (prozeduralen) Fähigkeiten und der persönlichkeitsbezogenen Kompetenzen [bezeichnet], die es einem Menschen erlauben, Handlungen auszuführen" (Europarat, 2001: 21). Gerade im Hinblick auf das spätere Berufsleben werden bestimmte Schlüsselqualifikationen vorausgesetzt. Diese untergliedern sich in folgende Teilkompetenzen: die kognitiven Kompetenzen (Denken in Zusammenhängen, logisches & abstraktes Denken, Problemlösefähigkeit ...), die kommunikativen Kompetenzen (schriftliche & mündliche Ausdrucksfähigkeit, Diskussionsfähigkeit, interkulturelle Kompetenz ...), die sozialen Kompetenzen (Konflikt- & Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen ...), die Selbstkompetenz (Selbständigkeit, Kreati-vität, Initiative, Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft ...) sowie das allgemeine Basiswissen (Allgemeinbildung, EDV-Kenntnisse, Grundwissen in Bereichen Wirtschaft, Jura, Fremdsprachen) (Nieweler, 2006: 55-56).

Durch die Unterteilung in Teilkompetenzen und Kompetenzniveaus können einerseits die Lehrer ihren Unterricht gezielter planen und evaluieren. Andererseits erhalten die Lernenden mehr Transparenz bezüglich der zu erreichenden Ziele und Anforderungen (Hu, 2008: 10).

Die kommunikativen Sprachkompetenzen sind vor allem im Fremdsprachenunterricht von Bedeutung. Sie untergliedern sich in linguistische, soziolinguistische und pragmatische Kompetenzen. Ein "Sprecher muss [demnach] nicht nur über die Kenntnis der benötigten formalen Mittel und die Fähigkeit, diese handlungsrelevant umzusetzen, verfügen (linguistische Kompetenz), sondern ebenso über die Fähigkeit, seine Äußerungen der Aussageabsicht angemessen zu gestalten (pragmatische Kompetenz) und soziale Konventionen zu respektieren (soziolinguistische Kompetenz)" (Nieweler, 2006: 58). Für ein erfolgreiches Fremdsprachenlernen sind jedoch nicht nur die kommunikativen Kompetenzen von Bedeutung, sondern auch die interkulturelle und die Methodenkompetenz (KMK, 2003: 8).

Ein auf die zu erzielenden Kompetenzen ausgerichteter Fremdsprachenunterricht muss dabei folgenden Bereichen Rechnung tragen: individuelle Förderung, Entwicklung einer kompetenzorientierten Aufgabenkultur sowie kompetenzorientierter Leistungs-erhebungen, Entwicklung von Kompetenzstufen, Förderung von interkultureller Kompetenz und Methodenvielfalt und Entwicklung einer neuen Lehrwerksgeneration (Hu, 2008: 13). Als kompetenzorientierte Aufgaben können solche bezeichnet werden, die unter Berücksichtigung der methodischen Vorgehensweise sowohl die einzelnen Teilkompetenzen als auch die Integration von Wissen und Können fördern. Diese Aufgaben sollten realitätsnah und valide sein. Aus diesem Grund müssen die Bewertungskriterien jeder Aufgabe offen gelegt werden.

4.2. Die fünf sprachlich-funktionalen Kompetenzen

Die kommunikativen Kompetenzen setzen sich aus den kommunikativen Fertigkeiten und den verfügbaren, sprachlichen Mitteln12 zusammen (KMK, 2003: 8). Im Folgenden werden diese kommunikativen Fertigkeiten als sprachlich-funktionale Kompetenzen bezeichnet und stellen einen Teilbereich der Fremdsprachenkompetenz dar. Gemäß dem GER und den Bildungsstandards gehören sie zu den erreichenden Schlüssel-qualifikationen von Fremdsprachenlernern. Zu ihnen zählen die folgenden fünf Teil-kompetenzen, die auch als Grundfertigkeiten bezeichnet werden: Lese-, Hörverstehen, Sprechen, Schreiben und Sprachmittlung. Der Erwerb dieser Teilkompetenzen ist primäres Ziel eines kommunikativen Fremdsprachenunterrichts. Sie werden in rezeptive (Lese- und Hörverstehen) und produktive (Sprechen, Schreiben) Fertigkeiten unter-schieden. Der erste Begriff meint die passive Sprachaufnahme, der Letzte das aktive Sprachhandeln. Diese Teilfertigkeiten sollten im fremdsprachlichen Unterricht nicht getrennt voneinander geschult werden. Vielmehr ist die Herstellung eines Zusammen-hangs von Bedeutung (Nieweler, 2006: 109). Insofern ist hier die Sprachmittlung hervorzuheben, da sie, wie im weiteren Verlauf aufgezeigt wird, rezeptive und produktive Fertigkeiten miteinander verbindet.

[...]


1 Ein Hyperlink ist ein elektronischer Verweis an einer Textstelle. Dieser führt entweder zu einer anderen Stelle innerhalb desselben Dokuments oder zu einem anderen Dokument. Des Weiteren kann ein Hyperlink auch auf Bilder, Videos etc. verweisen.

2 Die Internetseite www.lehrer-online.de ist ein Online-Dienst für Lehrer unterschiedlicher Fächer.

3 Man unterscheidet authentische und didaktisierte Materialien voneinander. Authentisch bedeutet, dass das Material ursprünglich nicht für den Unterricht konzipiert wurde. Dies sind Zeitungsartikel, (Internet-) Radio und TV, Chats, Foren usw. Didaktisierte Materialien sind speziell auf den Lernprozess bezogen z.B. das Lehrwerk, Arbeitsblätter, Lernprogramme, Online-Vokabeltrainer usw.

4 Newsgroups sind thematisch untergliederte Diskussionsforen, ähnlich einem schwarzen Brett. Die enthaltenen Beiträge sind öffentlich, also für jeden sichtbar.

5 Ein Wiki ist eine Form der asynchronen Kommunikation. Es bietet eine Sammlung verlinkter Seiten, die nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Bearbeiten konzipiert wurden. Dabei ist keine bestimmte Qualifikation nötig.

6 Zapping bezeichnet das planlose Springen von Dokument zu Dokument.

7 In den Anlagen (Nr. 1) wird erläutert, wie die Urheberrechte von Internetseiten für den schulischen Gebrauch ausgelegt werden.

8 Als Netiquette werden Verhaltensregeln im Netz bezeichnet. Der Begriff setzt sich aus Netz (Internet) und Etikette zusammen. An vielen deutschen Schulen ist sie bereits Unterrichtsgegenstand. Ziel ist die Einhaltung gesetzlicher Regelungen, sowie der höfliche, respektvolle Umgang im Netz untereinander und mit der Verbreitung von Informationen.

9 Das deklarative Wissen beinhaltet das sprachliche und Weltwissen, soziokulturelle Wissen und interkulturelle Bewusstsein.

10 Prozedurales Wissen bezeichnet Fähigkeiten, Handlungen zu planen, die dafür notwendigen Mittel einzusetzen, Defizite zu kompensieren und nach einer Kontrolle Korrekturen durchzuführen.

11 Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen wird im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit mit GER abgekürzt.

12 Die verfügbaren, sprachlichen Mittel beinhalten den Wortschatz, die Grammatik, Aussprache, Intonation sowie Orthographie (KMK, 2003: 8).

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
WebQuests im Italienischunterricht. Eine Möglichkeit zur Förderung der Medien- und der Fremdsprachenkompetenz?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Note
2,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
106
Katalognummer
V304069
ISBN (eBook)
9783668022713
ISBN (Buch)
9783668022720
Dateigröße
4177 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
webquests, italienischunterricht, eine, möglichkeit, förderung, medien-, fremdsprachenkompetenz
Arbeit zitieren
Alida Ziehm (Autor), 2013, WebQuests im Italienischunterricht. Eine Möglichkeit zur Förderung der Medien- und der Fremdsprachenkompetenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304069

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