Die Reformpädagogik in der Weimarer Zeit


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

Inhalt

1. Kennzeichen der Weimarer Zeit
1.1. Politische Merkmale der Epoche
1.2. Soziale und ökonomische Merkmale der Epoche
1.3. Geistesgeschichtlich – kulturelle Merkmale der Epoche

2. Die Rolle von Kindern und Jugendlichen in sozialen Formationen von Familie

3. Bildungs- und Erziehungsinstitutionen
3.1. Schule
3.2. Kindergarten
3.3. Konfessionelle Erziehung

4. Pädagogische Grundideen der Epoche
4.1. Reformpädagogische Bewegungen
4.1.1 Die Kunsterziehungsbewegung
4.1.2 Die Arbeitsschulbewegung
4.1.3 Die Landerziehungsheimbewegung
4.1.4 Die Jugendbewegung

5. Maria Montessori
5.1. Biographie
5.2. Grundideen der Montessori Pädagogik

6. Literatur

1. Kennzeichen der Weimarer Zeit

1.1. Politische Merkmale der Epoche

Die politische Situation der Weimarer Zeit ist in Deutschland wesentlich geprägt durch das Bemühen, nach Ende der Monarchie und verlorenem Weltkrieg einen demokratischen und parlamentarischen Neuanfang zu finden. Allein die Tatsache, dass das Parlament nach Weimar ausweichen muss, um den politischen Unruhen und Wirrnissen in Berlin zu entgehen, macht die Gefährdung des neuen politischen Systems deutlich. Zwischen links- und rechtsextremen Strömungen versucht eine Vielzahl von Parteien und Gruppen, politisch Einfluss zu nehmen und an der Macht teilzuhaben.

In der Arbeiterschicht findet eine starke Identifizierung mit dem politischen System der Republik statt. Obwohl lediglich durch die Wahlen Einfluss auf die politischen Entwicklungen genommen werden kann, drückt sich eine positive „Staatsgesinnung“ in der politisch organisierten Arbeiterschaft aus. Durch die in der Verfassung repräsentierten Freiheitsrechte werden Chancen gesehen, „von der formalen zur sozialen Demokratie fortzuschreiten“[1].

1.2. Soziale und ökonomische Merkmale der Epoche

Die sozialen und ökonomischen Spannungen zu Beginn der 20er Jahre resultieren zunächst aus den Folgen der hohen Reparationszahlungen, die der Versailler Vertrag Deutschland auferlegt hat. Die katastrophale Inflation der Jahre 1922 und 1923 und zunehmende soziale Polarisierung in Verlierer und Gewinner dieser Entwicklung sind die Folge.

Bereits vor dem Krieg setzt in vielen Bereichen der Wirtschaft eine Monopolisierung ein, die durch die Kriegswirtschaftspolitik vorangetrieben wird und sich nach dem Krieg weiter verstärkt. Hinzu kommt eine Umstrukturierung der Wirtschaft von der Schwerindustrie (Kohle, Eisen, Stahl) zur chemischen und Elektroindustrie. Trotz dieser positiven Entwicklung wird eine produktive Kapitalentwicklung in Deutschland verhindert, da zum einen ausländisches Kapital den Markt beherrscht und zum anderen die hohen Reparationsforderungen die Gewinne abziehen.

Dies führt zu Schwierigkeiten, vor allem, da in den ersten Nachkriegsjahren ein Mangel an Energie und Rohstoffen herrscht. Da es sehr viel Arbeitslosigkeit gibt, ist die einzelne Arbeitskraft recht billig, so dass man vermehrt zu Hand- und Manufakturarbeit tendiert.

1.3. Geistesgeschichtlich – kulturelle Merkmale der Epoche

Die kulturelle Situation der Weimarer Zeit versteht sich als Aufbruch aus der geistigen Enge und gesellschaftlichen Beschränkung der wilhelminischen Zeit. Expressionismus in der Kunst, das Bauhaus mit seinen linkssozialen Intentionen in der Architektur, die Entwicklung der Filmindustrie in Berlin, Musik, Varieté, Kabarett und Kleinkunst in der zweiten Hälfte der 20er Jahre: Alle diese Stationen markieren einen experimentellen Aufbruch in eine neue Zeit.

Insgesamt wird deutlich: Die Weimarer Zeit stellt politisch, sozial, wirtschaftlich und geistesgeschichtlich einen Neubeginn mit vielen kreativen Ansätzen, nach der Zeit der Stagnation und des Niedergangs des Kaiserreiches, dar.

2. Die Rolle von Kindern und Jugendlichen in sozialen Formationen von Familie

Die Familie gehört zusammen mit dem unmittelbaren Wohngebiet zum primären Sozialisationsfeld von Kindern und Jugendlichen. Der Bereich Schule fällt in das sekundäre Sozialisationsfeld.

Die Bevölkerung besteht zum überwiegenden Teil aus Arbeiterfamilien. Diese breite Bevölkerungsschicht ist im Zuge der industriellen Entwicklung entstanden. Aus Handwerkern wurden Fabrikarbeiter, billige Arbeitskräfte, die Tätigkeiten unter ihrer Qualifikation ausführen müssen.

Betrachtet man die Arbeiterfamilie nach 1918, so ist deren ökonomische Lage durch Enge, Hunger, Sorgen und Existenznot gekennzeichnet. Meist leben 5 und mehr Familienmitgliedern in winzigen Ein- bis Zweizimmerwohnungen mit wenig Luft und Licht.

Dieses proletarische Familienumfeld muss als äußerst ungeeigneter Erziehungsboden angesehen werden. Geld bestimmt die Rangordnung und den Lebensrhythmus der Familie und dies lernt das Kind von Geburt an. Es bekommt durch seine Eltern vorgelebt, dass der Vater als „Verdiener“ am meisten zählt (er bekommt bei Tisch das beste und größte Stück). Die häusliche Arbeit der Mutter zählt weitaus weniger. Durch gutes Hauswirtschaften (Sparsamkeit) kann sie sich Respekt verschaffen. Die Kinder stehen in der Rangordnung ganz unten. Sie müssen bereits in jungen Jahren durch hartes und langes Arbeiten zum Lebensunterhalt beitragen. Damit ist u. a. auch die in den meisten Fällen recht hohe Kinderzahl in den Arbeiterfamilien zu erklären.

In proletarischen Familien mit vielen Kindern ist eine strenge Hierarchie vorgegeben. Das Alter zwischen 9 und 14 Jahren ist das „Ausbeutungsalter“. Die Jüngeren werden meist von den älteren Geschwistern betreut, vor allem in den Familien, in denen beide Elternteile arbeiten. Dies führt häufig zu Unterdrückungen. Die Älteren, und hier vor allem die Jungen, versuchen häusliche Arbeit zu vermeiden. Wenn sie in die Lehre kommen bürden sie diese den jüngeren Geschwistern auf. Immer wieder kommt es so zur Unterdrückung des/der nächst Jüngeren, und meist wird die Unterdrückung noch heftiger, als der/die Betreffende sie erlebt hat, ausgeführt.

Kinder bleiben ungeschützt gegen Misshandlung, Ausbeutung und Demütigung durch Eltern und durch ältere Geschwister. Diese Tatbestände gehören gerade im proletarischen Milieu zur Tagesordnung. Oftmals herrscht ein aggressives und gewalttätiges Klima in den Arbeiterfamilien. Dies ist durch wirtschaftliche Not, häusliche Enge und Unterdrückung zu erklären. Streit um Geld und Gewalttätigkeit gehören zum Alltag. Das Zusammenleben auf sehr engem Raum erschwert das Miteinander enorm. Ein Kind besitzt kein eigenes Zimmer, oft nicht einmal ein eigenes Bett. Ausreichend Platz zum Spielen und Arbeiten fehlt.

Eine sehr wichtige Rolle nimmt die religiöse Erziehung bei den Proletariern ein. Diese ist jedoch in erster Linie gekennzeichnet durch „Übernahme und Einhaltung äußerer Verhaltensregeln“[2]. Normen, Werte und Gewissen werden von den Eltern anerzogen.

Verbale sexuelle Aufklärung findet innerhalb der Familie überhaupt nicht statt. Sexuelles Verständnis entwickelt sich durch eigene Beobachtungen in engen Wohnungen, und auch das proletarische Milieu verhilft recht früh zu einer eigenen Art von Aufklärung.

Emotionen haben in den Familien keinen hohen Stellenwert. Dennoch erfährt ein Kind Zuwendungen vor allem von Seiten der Mütter und Großmütter. Diese haben die Aufgabe, die häufig strengen Maßnahmen der Väter zu mildern, da die Väter dazu neigen ihre Kinder als Objekte anzusehen, an denen sie Macht und Überlegenheit, die ihnen an den Arbeitsplätzen untersagt ist, zu demonstrieren. Individuelle Wünsche und Bedürfnisse der Kinder werden von Seiten der Eltern meist nicht erkannt, und wenn sie erkannt werden, werden sie nicht ernst genommen. Einerseits scheinen Kinder eine Last zu sein, andererseits bietet die familiäre Umgebung emotionale Geborgenheit und Schutz nach außen, z. B. vor Behörden und Polizei, denn gegenüber allen Gruppen, die der Familie überlegen sind, hält sie eng zusammen.

[...]


[1] Brandecker, Ferdinand: „Notizen zur Sozialisation des Arbeiterkindes in der Weimarer Republik“, in: Sozialisation und Bildungswesen in der Weimarer Republik. Stuttgart 1976, S. 39-54, S. 45.

[2] Brandecker: „Sozialisation des Arbeiterkindes“, in: Sozialisation und Bildungswesen, S. 48.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Reformpädagogik in der Weimarer Zeit
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Einführung in die Allgemeine Erziehungswissenschaft
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V30411
ISBN (eBook)
9783638316750
ISBN (Buch)
9783638842716
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformpädagogik, Weimarer, Zeit, Einführung, Allgemeine, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Judith Düringer (Autor), 2002, Die Reformpädagogik in der Weimarer Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30411

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