Schlechte Bildung hat aus zukunftsorientierter und sozioökonomischer Sicht negative Auswirkungen für das Individuum und den Staat. Jugendarbeitslosigkeit gehört zu den führenden Problemen in der europäischen Union.
Gründe liegen einerseits in der Misswirtschaft, z.B. der Finanzkrise 2008, andererseits aber auch in unterschiedlichen Berufsbildungssystemen. Letzteres ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. In dieser wird ein Vergleich zweier Länder angestrebt, dessen Entwicklungen aus der Perspektive der Jugendarbeitslosigkeit und Berufsqualifikation in der Vergangenheit unterschiedlicher kaum sein können. 2007 noch hat Deutschland mit 18,3% eine höhere Jugendarbeitslosigkeit als Spanien mit 16,2% zu dokumentieren. Heute weist Deutschland mit unter 8% den niedrigsten Wert im europäischen Vergleich auf, die Südeuropäer hingegen verzeichnen über 50%.
Ist die Diskrepanz zwischen den Berufsbildungssystemen dermaßen enorm, wenn ja warum? Gibt es bestehende Vor- oder Nachteile im jeweiligen Land? Wurden Maßnahmen zur Verbesserung bzw. Sicherstellung der Systemgüte unternommen? Welche Tendenzen weisen die Systeme auf? Welche Bemühungen strebt die EU an, um sich dem wachsenden Problem zu stellen? All diese Fragen werden im Rahmen dieser analytisch-theoretischen Arbeit aufgegriffen und schließlich fundiert beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DAS DEUTSCHE BERUFSBILDUNGSSYSTEM
2.1 GESCHICHTLICHER HINTERGRUND
2.2 DAS ALLGEMEINE BILDUNGSWESEN
2.3 DAS BERUFSBILDUNGSSYSTEM DEUTSCHLANDS
2.3.1 BERUFLICHE ERSTAUSBILDUNG
2.3.2 BERUFLICHE WEITERBILDUNG
2.4 AKTUELLE TENDENZEN
3 DAS SPANISCHE BERUFSBILDUNGSSYSTEM
3.1 GESCHICHTLICHER HINTERGRUND AB 1950
3.2 DAS ALLGEMEINE BILDUNGSWESEN
3.3 DAS BERUFSBILDUNGSSYSTEM
3.3.1 BERUFLICHE ERSTAUSBILDUNG BZW. STAATLICH GEREGELTE BERUFSBILDUNG
3.3.2 BERUFSBILDUNG FÜR BESCHÄFTIGUNG
3.4 AKTUELLE TENDENZEN
4 VERGLEICH BEIDER BERUFSBILDUNGSSYSTEME VOR DEM HINTERGRUND DES EQR
4.1 DER EUROPÄISCHE QUALIFIKATIONSRAHMEN FÜR LEBENSLANGES LERNEN (EQR)
4.2.1 VERGLEICH BEIDER BERUFSBILDUNGSSYSTEME
4.2.2 EINFLUSS DES EQR AUF SPANIEN UND DEUTSCHLAND
5 FAZIT: UNTERSCHIEDLICHKEIT IN BERUFSBILDUNGSSYSTEMEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die erheblichen Unterschiede zwischen den Berufsbildungssystemen Deutschlands und Spaniens vor dem Hintergrund der Jugendarbeitslosigkeit und Berufsqualifikation zu analysieren. Dabei wird untersucht, inwieweit strukturelle Diskrepanzen zur hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien beitragen und welche Rolle europäische Initiativen wie der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) bei der Harmonisierung und Qualitätssteigerung spielen.
- Vergleichende Analyse des deutschen dualen Systems und des primär schulischen spanischen Berufsbildungswesens.
- Untersuchung der historischen Entwicklungsphasen beider Bildungssysteme seit 1950.
- Bewertung des Einflusses der Jugendarbeitslosigkeit auf bildungspolitische Reformbestrebungen.
- Rolle des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) als Instrument zur Vergleichbarkeit und Mobilität.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Berufliche Erstausbildung
Die berufliche Erstausbildung in Deutschland wird mittels dualer Berufsausbildungen und Teilnahme an Vollzeitschulen vollzogen. Beide Möglichkeiten können im Anschluss an die allgemeine Schulpflicht von neun Jahren in Anspruch genommen werden. Gleichermaßen aber auch zu einem späteren Zeitpunkt.
Eine Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, und findet wie bereits erwähnt, in einem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule statt. Aktuell gibt es 344 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Allein 2012 wurden 512.773 neue Ausbildungsverträge geschlossen, ein deutliches Indiz für hohe Beliebtheit. Zugangsvoraussetzungen gibt es außer der zuvor zu erfüllenden Schulpflicht keine. Wobei anzumerken ist, dass bessere Eingangsvoraussetzungen (z.B. Abitur) oftmals bessere Chancen auf einen Ausbildungsvertrag bedeuten. Daher ist es beispielsweise wenig überraschend, dass Hauptschulabsolventen eher im Handwerk und Realschulabsolventen im öffentlichen Dienst enden. Berufsausbildungen werden mit Leistungsnachweisen beendet. Diese sind gesplittet in mündliche, schriftliche und praktische Prüfungen. Im Folgenden werden die Eigenschaften der dualen Ausbildung in Schule und Betrieb näher betrachtet.
Im Betrieb können die Auszubildenden erste praktische Erfahrungen sammeln. Dazu muss der Ausbilder, Betriebe im öffentlichen Dienst oder der Wirtschaft, Praxen der freien Berufe oder private Anbieter, Fähigkeiten vermitteln, die in der jeweiligen Ausbildungsordnung vorgesehen sind. Es handelt sich faktisch um eine Situation, in der alle Beteiligten Nutzen erfahren. Anreize für die Betriebe sind zur Genüge gegeben, wie in einer Umfrage des BIBB 2000 festgestellt wurde. Sie können sich ihre Auszubildenden entsprechend den gesuchten Kriterien selbst aussuchen, sodass gleich mehrere Vorteile gegeben sind. Vor dem Hintergrund der Ausbildungsordnungen entscheiden sie selbst über Methodik der Lehrweise und im Endeffekt über die Qualitätssteigerung eines Auszubildenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit in der EU und Darlegung der Zielsetzung des Vergleichs zwischen den Berufsbildungssystemen Spaniens und Deutschlands.
2 DAS DEUTSCHE BERUFSBILDUNGSSYSTEM: Detaillierte Beschreibung der historischen Entwicklung, des allgemeinen Schulwesens sowie des dualen Systems und der Weiterbildungsmöglichkeiten in Deutschland.
3 DAS SPANISCHE BERUFSBILDUNGSSYSTEM: Analyse der historischen Entwicklung Spaniens seit 1950, der Bildungsreformen (LOGSE) und der Struktur des heutigen, eher schulisch geprägten Berufsbildungssystems.
4 VERGLEICH BEIDER BERUFSBILDUNGSSYSTEME VOR DEM HINTERGRUND DES EQR: Gegenüberstellung beider Systeme unter Berücksichtigung des Einflusses des Europäischen Qualifikationsrahmens auf Vergleichbarkeit und nationale Bildungspolitik.
5 FAZIT: UNTERSCHIEDLICHKEIT IN BERUFSBILDUNGSSYSTEMEN: Kritische Zusammenfassung der zentralen Unterschiede und Reflexion über die Zukunftsfähigkeit der Systeme in einem geeinten europäischen Arbeitsmarkt.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, Duales System, Jugendarbeitslosigkeit, Deutschland, Spanien, Berufliche Erstausbildung, Weiterbildung, EQR, Europäisierung, Bildungspolitik, Qualifikationsrahmen, Arbeitsmarkt, Schulpflicht, Kompetenzentwicklung, Reformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Überblick über die Berufsbildungssysteme in Deutschland und Spanien, um Unterschiede in der Qualifizierung und deren Auswirkungen auf die Jugendarbeitslosigkeit zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Systeme, das duale System versus schulische Ausbildung, Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt sowie die europäische Harmonisierung durch den Qualifikationsrahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Diskrepanzen zwischen beiden Systemen aufzuzeigen und zu untersuchen, ob der deutsche Ansatz der dualen Ausbildung als Modell für Spanien zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytisch-theoretische Arbeit, die auf Literatur- und Quellenrecherche aus Fachpublikationen, Internetquellen und internationalen Bildungsberichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das deutsche Berufsbildungssystem, das spanische Pendant sowie der Einfluss europäischer Rahmenvorgaben wie der EQR detailliert dargestellt und analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Berufsbildung, Jugendarbeitslosigkeit, duales System, EQR, Europäisierung und nationale Qualifikationsrahmen.
Warum schneidet Deutschland bei der Jugendarbeitslosigkeit besser ab als Spanien?
Laut Arbeit liegt dies maßgeblich an der hohen Praxisnähe und Flexibilität des dualen Systems, das frühzeitig auf den Bedarf der Wirtschaft reagiert und eine enge Verzahnung von Betrieb und Berufsschule ermöglicht.
Welche Rolle spielt das Gesetz "LOGSE" für das spanische System?
Das LOGSE von 1990 gilt als zentraler Meilenstein für die Modernisierung des spanischen Bildungswesens, mit dem Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und lebenslanges Lernen zu etablieren.
Was ist das Ergebnis in Bezug auf die Europäisierung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der EQR eine wertvolle Chance bietet, Systeme transparenter zu machen, wobei Spanien derzeit verstärkt versucht, sich an deutschen Modellen zu orientieren, um die Systemgüte zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Gerbi Kaplan (Autor:in), 2014, Berufsbildungssysteme in Spanien und Deutschland im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304173