Das Bibelzitat „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ steht über dem Eingang der Kaiserwerther Diakonissenanstalt geschrieben. Dies lässt unschwer erkennen, dass die Krankenpflege dieser evangelischen Schwestern als Berufsverständnis seit Bestehen ihrer Gemeinschaft unter dem christlichen Glauben stand. Dennoch hatte diese gegründete Diakonissenanstalt in Kaiserwerth auf die Entwicklung der neuzeitlichen Krankenpflege entscheidenden Einfluss.
In der vorliegenden Arbeit soll dies in Bezug auf berufliche Tätigkeit der Frau aufgezeigt werden. Es sollen die Auswirkungen der Kaiserwerther Anstalt auf das Berufsverständnis der Frau im 19. Jahrhundert hinterfragt werden. Dabei stehen vor allem bürgerliche christliche Frauen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Zunächst wird kurz die Diakonissenanstalt mit ihrem Gründer vorgestellt. Dabei wird die Organisation zusammen mit der Funktionsweise der Einrichtung erläutert. Anschließend werden der Werdegang sowie das weitere Wirken der Diakonissenanstalt dargestellt.
Die Situation der Frau in der Krankenpflege zu Beginn und im Verlauf des 19. Jahrhunderts wird im zweiten Teil der Arbeit beschrieben. Folgend wird die Bedeutung der Kaiserwerther Diakonissenanstalt auf die Rolle der Frau in der Krankenpflege dargelegt. Dazu wird für die zeitgenössische Anerkennung eine Quelle herangezogen. Diese besteht aus einem Zeitungsartikel über die Diakonissenanstalt aus der Leipziger Illustrierten Zeitung, der zehn Jahre nach der Gründung der Kaiserwerther Einrichtung 1846 veröffentlicht wurde. Daneben soll sich mit der Einflussnahme auf das Berufsverständnis der Frau sowie auf die weitere Entwicklung der Krankenpflege auseinandergesetzt werden. Die gewonnenen Ergebnisse werden in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Diakonissenanstalt
2.1 Theodor Fliedner
2.2 Gründung 1836
2.3 Struktur und Funktionsweise
2.4 Entwicklung und Wirkung
3. Frauen in der Krankenpflege
3.1 Zur Situation zu Beginn des Jahrhunderts und deren Entwicklung
3.2 Einfluss der Kaiserwerther Diakonissenanstalt als christliche Gemeinschaft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Kaiserwerther Diakonissenanstalt für die berufliche Tätigkeit der Frau im 19. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie die Gründung der Anstalt das Berufsverständnis bürgerlicher christlicher Frauen prägte und welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen diese Entwicklung ermöglichten oder einschränkten.
- Gründung und Entwicklung der Kaiserwerther Diakonissenanstalt unter Theodor Fliedner
- Struktur und Funktionsweise des Mutterhausprinzips
- Die gesellschaftliche Rolle der Frau im 19. Jahrhundert und das Konzept der "Liebestätigkeit"
- Der Wandel der Krankenpflege von einer familiären oder unqualifizierten Tätigkeit zum bürgerlichen Frauenberuf
- Die Wahrnehmung und Anerkennung der Diakonissen in der zeitgenössischen Öffentlichkeit
Auszug aus dem Buch
Die Diakonissenanstalt zu Kaiserswerth am Rhein
Es ist dem Protestantismus früherhin und auch jetzt noch von der andern Seite her wohl nicht ganz mit Unrecht der Vorwurf gemacht worden, daß er arm sei in der Bezeigung wahrhaft christlicher Liebeswerke. Denn die dogmatischen Grübeleien einerseits und die verneinende Kritik andrerseits, in der sich der Protestantismus häufig ergangen hat, sind beider tatkräftigen Liebe gleich fremd [...] Wo der wahre Protestantismus, das ist der lebendige Glaube an das Evangelium der Liebe [...] zum Durchbruch gekommen ist, da tritt nun auch die christliche Liebe [...] um so uneigennütziger und um so achtungswerter hervor, als sie in der Regel ihre Werke rein aus sich selbst im Vertrauen auf Gott schafft [...] Glänzende Beweise dafür sind die evangelischen Missions- und Bibelgesellschaften und Wohltätigkeitsanstalten [...] in neuester Zeit aber vor allen hervorleuchtend die von Pastor Fliedner in Kaiserwerth gegründete Diakonissenanstalt, über deren Entstehen, Bestehend und Wirken wir unseren Leser jetzt einen Überblick geben wollen.
Es wohl keine Frage, daß die Krankenpflege von weiblichen Herzen und Händen am geschicktesten, am sorgsamsten und liebevollsten geübt und gerade durch diesen Beruf die Lücke in dem Leben vieler edler Frauen und Jungfrauen, denen das Schicksal nicht vergönnt hat, die Liebe in eignen Kreis der Familie zu üben, auf einer für sie selbst höchste befriedigende Weise ausgefüllt wird. Die Rücksicht auf die so am besten zu verbessernde Krankenpflege in Rheinland, Westfalen; der Hinblick auf das ermunternde Vorbild der Wirksamkeit der Diakonissen in der ältesten apostolischen Kirch; wohl auch ein edler Wetteifer stimmten den evangelischen Pfarrer Theodor Fliedner in Kaiserswerth, einem kleinen Städtchen am rechten Ufer des Rheins zwischen und Düsseldorf und Duisburg gelegen, im Jahr 1836 eine Anstalt zu Bildung evangelischer Diakonissen zu gründen. Dieser glaubensstarke und in der christlichen Liebe wahrhaft entzündete, äußerst tatkräftige Mann hatte schon im Jahr 1833 ein Asyl für entlassene weibliche Strafgefangene und seit dem Mai 1836 eine evangelische Kleinkinderschule gestiftet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Rolle der christlichen Krankenpflege als Berufsverständnis zu hinterfragen und die Bedeutung der Kaiserwerther Anstalt für bürgerliche Frauen darzustellen.
2. Die Diakonissenanstalt: Dieses Kapitel stellt Theodor Fliedner, die Gründungsgeschichte, die Organisationsstruktur sowie die Ausbreitung der Diakonissenanstalt vor.
3. Frauen in der Krankenpflege: Hier wird die gesellschaftliche Situation der Frau im 19. Jahrhundert analysiert und die Rolle der Diakonissenanstalt als christliche Gemeinschaft innerhalb dieses Kontextes beleuchtet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Krankenpflege als bürgerlicher Frauenberuf durch die gesellschaftlichen Bedingungen des 19. Jahrhunderts entstand und die Diakonissenanstalt dabei zwar eine Pionierrolle einnahm, die Frauen jedoch stark durch das Mutterhausprinzip und gesellschaftliche Normen gebunden blieben.
Schlüsselwörter
Kaiserwerther Diakonissenanstalt, Theodor Fliedner, Krankenpflege, 19. Jahrhundert, Mutterhausprinzip, Frauenrolle, bürgerliche Frauen, Liebestätigkeit, Berufsbildung, Evangelische Diakonie, christliche Krankenpflege, Sozialgeschichte, Emanzipation, Berufstätigkeit der Frau, Bildungsanstalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Kaiserwerther Diakonissenanstalt auf die berufliche Entwicklung von Frauen in der Krankenpflege des 19. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Organisationsgeschichte der Diakonissenanstalt, die gesellschaftliche Stellung bürgerlicher Frauen und die Etablierung der Krankenpflege als anerkannter, caritativer Frauenberuf.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu hinterfragen, inwiefern die Kaiserwerther Anstalt das Berufsverständnis der Frau prägte und welche Auswirkungen dies auf die gesellschaftliche Integration von Frauen in diesem Bereich hatte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine historische Quellenanalyse, wobei neben fachwissenschaftlicher Literatur insbesondere ein zeitgenössischer Artikel aus der "Illustrierten Zeitung" von 1846 als Quelle herangezogen wird.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die Gründung der Anstalt durch Theodor Fliedner, die Ausgestaltung des Mutterhausprinzips sowie die soziokulturellen Bedingungen, unter denen die Krankenpflege zum bürgerlichen Frauenberuf wurde.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Diakonissenanstalt, Mutterhausprinzip, Frauenrolle, Krankenpflege und 19. Jahrhundert definiert.
Warum war das Mutterhausprinzip für die berufliche Freiheit der Frauen ambivalent?
Einerseits ermöglichte es eine geregelte Ausbildung und gesellschaftliche Anerkennung, andererseits führte es zu einer starken Fremdbestimmung und patriarchalischen Struktur, die die individuelle Freiheit der Frauen einschränkte.
Welche Rolle spielte die "Liebestätigkeit" im Selbstverständnis der Diakonissen?
Die "Liebestätigkeit" war das ideologische Fundament, das es der bürgerlichen Frau erlaubte, außerhäuslich zu arbeiten, ohne ihre gesellschaftliche Rolle als "Frau im Haus" zu gefährden, da die Pflege als christliche Erweiterung der Fürsorge interpretiert wurde.
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- Sophie Thümmrich (Autor), 2012, Zur Bedeutung der Kaiserwerther Diakonissenanstalt für die Berufstätigkeit der Frau im 19. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304282