Die menschliche Sprache unterscheidet sich grundlegend von den Kommunikationsmöglichkeiten anderer Lebewesen. Viele Tiere können miteinander kommunizieren, unsere Sprache jedoch besteht aus Morphemen, den kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache, die aus Phonemen gebildet werden. Durch die Kombination dieser Morpheme entstehen Worte, kombiniert man die Worte, dann entstehen Sätze. Aus den Beziehungen der Worte innerhalb der Sätze entstehen die verschiedensten Bedeutungszusammenhänge.
Wie dieses komplexe Gebilde der Sprache von einem Menschen erlernt wird, soll die zentrale Fragestellung dieser Arbeit sein. Zunächst wird eine Übersicht über die Sprachentwicklung eines Kindes gegeben. Dabei beleuchte ich Voraussetzungen für die Sprachentwicklung, die einzelnen Stadien und damit die Entwicklung der gesprochenen Sprache, das Sprachverständnis und die Sprachwahrnehmung. Es soll hinterfragt werden, welche Strategien Kinder nutzen, um Sprache zu lernen. Welche Entwicklungsschritte werden dabei vollbracht? Im Folgenden stelle ich Besonderheiten, die speziell im dritten Lebensjahr eines Kindes auftreten, dar. Unter Einbeziehung des Verlaufsprotokolls im Anhang werden dafür Beispiele eines dreijährigen Jungen gegeben. Zum Abschluss sollen in einem Fazit die gewonnenen Ergebnisse aufgezeigt und zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachentwicklung
3. Besonderheiten im dritten Lebensjahr
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachentwicklung von Kindern, wobei der Schwerpunkt auf den spezifischen Merkmalen und Entwicklungsschritten im dritten Lebensjahr liegt. Anhand theoretischer Grundlagen sowie eines Verlaufsprotokolls eines dreijährigen Jungen wird analysiert, wie Kinder Sprachkompetenzen erwerben und welche Rolle soziale Faktoren sowie individuelle Reifungsprozesse dabei spielen.
- Grundlagen und Voraussetzungen des Spracherwerbs
- Stadien der Sprachentwicklung und Entwicklung der gesprochenen Sprache
- Entwicklung des Sprachverständnisses und der Sprachwahrnehmung
- Besonderheiten der Sprachentwicklung im dritten Lebensjahr
- Analyse praktischer Sprachbeobachtungen (Fallbeispiel Luis)
Auszug aus dem Buch
3. Besonderheiten im dritten Lebensjahr
Ab dem dritten Lebensjahr beginnen Kinder Fragen zu stellen. Ihre Welt ist nicht mehr nur auf die Gegenwart beschränkt, sondern das Kind versucht nun seine Welt durch die Sprache auszudehnen. Oft fragen Kinder in diesem Alter „Was ist das?“, um ihre Kenntnisse zu erweitern; „Wo-Fragen“ werden gestellt, um Dinge außerhalb der Familie und der Umgebung zu erfahren; die „Warum-Fragen“ zeigen den Erwachsenen, dass das Kind mehr über die Relationen zwischen Personen, Gegenständen und Geschehnissen wissen möchte. So beginnt das Kind im Alter von 36 bis 42 Monaten komplexe Sätze zu bilden. Hinzu kommt, dass das Kind nun Informationen preisgibt. Durch plötzliche Äußerungen zeigt es Interesse für abwesende Dinge oder Personen in Vergangenheit und auch Zukunft. Häufig fällt es Kindern noch schwer einzuschätzen, welche Informationen genau erzählt werden müssen, wieviel die Zuhörer schon wissen. Dieser Prozess kann bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr andauern.
Vielmals möchten Kinder so viel erzählen, dass sie schnell ins Stottern geraten. Bei Luis konnte ich dieses Phänomen mehrfach beobachten. Bei der zweiten Beobachtung vom 18.07. wiederholte er beim Spielen ganz oft „eines Morgens“, auch bei der ersten Beobachtung vom 05.08. sagte er oftmals hintereinander „Lagerfeuer“ und „mit baggern“, sowie bei der dritten Beobachtung an diesem Tag, als Luis leicht ins Stottern gerät: „Die Brücken, die die Brücken, die lassmer hier. Das ist eingesperrt, das ist eingesperrt. Da wird keiner reingegeht. Das wird hier zumacht, wird zumacht […]“
Nach Zollinger verläuft ein Gespräch im dritten Lebensjahr „noch meist wie ein einmaliges Geben und Nehmen: das Kind stellt eine Frage und erwartet eine Antwort, oder es antwortet umgekehrt auf eine Frage“. Erst Anfang des vierten Lebensjahres wird es möglich, ein Gespräch zu führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Sprache als komplexes System, stellt die zentrale Fragestellung zur Sprachentwicklung im Kleinkindalter vor und erläutert die methodische Vorgehensweise unter Einbeziehung eines Verlaufsprotokolls.
2. Sprachentwicklung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Voraussetzungen des Spracherwerbs, betrachtet verschiedene Ansätze sowie Stadien der Sprachentwicklung und analysiert Faktoren des Sprachverständnisses und der Sprachwahrnehmung.
3. Besonderheiten im dritten Lebensjahr: Das Kapitel fokussiert sich auf die typischen Merkmale des dritten Lebensjahres, wie die aufkommende Fragelust, die Entwicklung der Vorstellungskraft, grammatische Lernprozesse und die Rolle der Ich-Wahrnehmung anhand von Fallbeispielen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht, dass der Spracherwerb ein hochkomplexer, individueller Prozess ist, der stark vom sozialen Umfeld geprägt wird und innerhalb weniger Jahre zur fast vollständigen Beherrschung führt.
Schlüsselwörter
Sprachentwicklung, Spracherwerb, drittes Lebensjahr, Kindersprache, Sprachverständnis, Sprachwahrnehmung, Pädolinguistik, Kleinkind, Kommunikation, Grammatik, Semantik, Vorstellungskraft, Ich-Wahrnehmung, Beobachtungsprotokoll, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der menschlichen Sprache, insbesondere mit den spezifischen Fortschritten, die Kinder während ihres dritten Lebensjahres vollziehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Hauptthemen zählen die allgemeinen Voraussetzungen des Spracherwerbs, die Stadien der Sprachentwicklung, die Entstehung des Sprachverständnisses sowie die Besonderheiten der Kommunikation im Alter von drei Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine Verknüpfung von theoretischer Fachliteratur und praktischer Beobachtung eines dreijährigen Kindes aufzuzeigen, wie Kinder ihre sprachlichen Fähigkeiten entwickeln und anwenden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Literaturanalyse mit einer qualitativen Beobachtungsmethode kombiniert, wobei die Entwicklungsschritte anhand eines Verlaufsprotokolls dokumentiert und analysiert werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Übersicht zur Sprachentwicklung und eine detaillierte Analyse der sprachlichen Besonderheiten im dritten Lebensjahr, ergänzt durch spezifische Beobachtungen des Probanden Luis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Spracherwerb, Pädolinguistik, Sprachverständnis, Drei- bis Vierjährige, Kommunikationsfähigkeit und grammatische Entwicklung.
Wie äußert sich die Entwicklung von Fragen bei Dreijährigen laut der Autorin?
Kinder beginnen, ihre Welt durch „Was-“, „Wo-“ und „Warum-Fragen“ aktiv zu erschließen, um soziale Relationen und Kausalzusammenhänge besser zu verstehen.
Welche Rolle spielen Fehler in der Grammatik und Lautbildung bei Dreijährigen?
Fehler wie falsche Pluralbildungen, Deklinationen oder Elisionen sind typische Phänomene des Lernprozesses, die das Kind durch Übung und soziale Interaktion in der Regel schnell korrigiert.
Warum wird im Verlaufsprotokoll das „Ich-Sagen“ besonders hervorgehoben?
Das Ich-Sagen markiert einen bedeutenden Meilenstein für die Selbstwahrnehmung und das Bewusstsein der eigenen Persönlichkeit, was im dritten Lebensjahr eine zentrale Rolle spielt.
Was sagt die Autorin über den Einfluss des sozialen Umfelds auf den Spracherwerb?
Die Qualität und Quantität der sozialen Zuwendung sowie die Einstellung der Eltern sind grundlegende Faktoren, die den Anreiz und die Geschwindigkeit des Spracherwerbs maßgeblich beeinflussen.
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- Sophie Thümmrich (Author), 2010, Das dritte Lebensjahr: Die Sprache ist voll da! Beobachtungen frühkindlichen Spracherwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304302