Nicht immer werden Projekte nach den Vorgaben eines professionellen Pflegemanagements durchgeführt. Ein Projekt aber nicht im ausreichenden Maße durchzustrukturieren, es weitgehend zu improvisieren und die Literatur zum Thema „Projektmanagement“, die auf zahlreichen Erfahrungen mit Projekten beruht, zu ignorieren, führt in der Projektdurchführung zu Verzögerungen, zu Unklarheiten in der Zuständigkeit und zur Vergeudung von Ressourcen.
Das hat wiederum wirtschaftliche Konsequenzen und kann sich frustrierend auf die Beteiligten auswirken. Erfahrungen dieser Art allerdings zu reflektieren und auszuwerten, kann für die zukünftige Gestaltung von Projekten sehr hilfreich sein, weil man in weiteren Projekten eben diese Fehler vermeiden kann.
In dieser Hausarbeit wird ein Projekt in der stationären Altenpflege aus der Perspektive des professionellen Projektmanagements analysiert. Der Autor beschreibt, wie ein Projekt nach den Vorgaben der Ratgeberliteratur zum Projektmanagement ablaufen sollte und stellt dem gegenüber, wie ein Projekt in einer Berliner Seniorenresidenz wirklich abgelaufen ist. Bei diesem Projekt wurde der Expertenstandard Ernährung für eine Senioreneinrichtung adaptiert. Aus den Unterschieden zwischen Theorie und Praxis können Lehren für weitere Projekte abgeleitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung: Was für dieses Projekt grundlegend ist
1.1 Grundbegriffe des Projektmanagements
1.2 Kontext des Projekts „Implementierung“
1.3 Expertenstandards: Bedeutung, Ziele, Entstehung, Umsetzung
1.4 Relevanz des Ernährungsmanagements für stationäre Pflegeeinrichtungen
1.5 Problemschilderung, Fragestellung und Vorgehensweise
2 Improvisiertes Projektmanagement in der Praxis: Wie das Projekt tatsächlich abgelaufen ist
2.1 Erstellung einer Hausadaption des Expertenstandards Ernährung
2.2 Schulung der Mitarbeiter/-innen
2.3 Ernährung als Thema im Qualitätszirkel
3 Professionelles Projektmanagement: Wie ein Projekt ablaufen sollte
3.1 Initialisierungsphase: Von der Idee bis zum Startworkshop
3.2 Planungsphase: Von der Zielbildung bis zur Zeitplanung
3.3 Durchführungs- und Abschlussphase
4 Analyse des Projekts nach den Kriterien des professionellen Projektmanagements: Was beim Projekt „Implementierung“ schief gelaufen ist und wie es anders hätte ablaufen können
4.1 Projektstrukturplan: Arbeitspakete werden sortiert
4.2 Meilensteinplan: Orientierungspunkte werden geschaffen
4.3 Projektablaufplan: Die Arbeitsschritte werden verkettet
4.4 Gantt-Diagramm: Der zeitliche Ablauf wird geplant
4.5 Mängel bei dem Projekt „Implementierung“
5 Fazit: Was man aus diesem Projekt lernen kann
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Implementierung des „Expertenstandards Ernährungsmanagement“ in einer Berliner Seniorenresidenz unter dem Aspekt des professionellen Projektmanagements, um aus den aufgetretenen Mängeln im improvisierten Projektablauf Optimierungsmöglichkeiten für zukünftige Projekte in der stationären Pflege abzuleiten.
- Analyse des Ist-Zustands bei improvisierten Projekten in der Pflege
- Grundlagen und Instrumente professionellen Projektmanagements
- Methodische Erstellung einer „Hausadaption“ von Expertenstandards
- Schnittstellenmanagement zwischen Pflege, Küche und Verwaltung
- Einsatz von Projektplanungs-Tools wie Gantt-Diagrammen in der Praxis
Auszug aus dem Buch
Diskussion von Form und Aufbau
Die grundsätzliche Schwierigkeit bei der Erstellung einer Hausadaption eines Expertenstandards brachte die PDL des Pflegewohnbereichs der Terrinium Residenz München, Matthias S., in einer Email vom 20. Oktober 2010 auf den Punkt: „Grundsätzlich sollten die Inhalte praktikabel für die Mitarbeiter sein (Zeitbudget), sie sollten aber auch nicht den Inhalt beschneiden. Ein sicherlich schwieriges Unterfangen.“ Diesen Schwierigkeiten wurde zunächst nicht überzeugend begegnet und so wiesen die ersten Versionen folgende formale Mängel auf:
• Die Hausadaption war viel zu allgemein gehalten und zu umfangreich beschrieben.
• Teile der Beschreibung finden sich bereits in den Pflegerichtlinien „Essen und Trinken“.
• In der Hausadaption fehlte ein Verweis auf das Hauswirtschaftskonzept.
• Die Hausadaption solle in eine für die Mitarbeiter verständliche Sprache gebracht werden.
• Dem Mitarbeiter soll mit der Hausadaption eine klare Handlungsanweisung an die Hand gegeben werden.
• Die Ausarbeitung beschrieb Vorgänge, die den konkreten Sachverhalt nicht benannten. In einer Hausadaption soll jedoch beschrieben werden, „ab welchem BMI und/oder bei welchen Risikogruppen der Bewohner das Prozedere zum Einsatz kommt“ (Email von Unternehmensberater Gerhard G. an den Autor vom 1. November 2010).
• Die Struktur der Hausadaption entsprach nicht dem Aufbau, der von den PDLs mit dem Unternehmensberater vereinbart worden war und der für alle Hausadaptionen und Pflegestandards gleich sein soll.
In der Folge der Feedbacks wurden in der Hausadaption jene Passagen, die entweder im Hauswirtschaftskonzept, im Standard orale Ernährung, im Standard Flüssigkeitsversorgung oder der Pflegerichtlinie AEDL 5 Ernährung bereits enthalten waren, gestrichen. Dann wurden entsprechend der im Expertenstandard Ernährung genannten Risikogruppen die Maßnahmen festgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Was für dieses Projekt grundlegend ist: Einleitung in die Thematik der Implementierung von Expertenstandards in der Pflege unter Einbeziehung von Projektmanagement-Grundlagen.
2 Improvisiertes Projektmanagement in der Praxis: Wie das Projekt tatsächlich abgelaufen ist: Darstellung des tatsächlichen, improvisierten Verlaufs der Hausadaption des Expertenstandards Ernährung in der Terrinium Residenz Berlin.
3 Professionelles Projektmanagement: Wie ein Projekt ablaufen sollte: Theoretische Erläuterung der Phasen und Instrumente des professionellen Projektmanagements nach Lehrbuchmeinung.
4 Analyse des Projekts nach den Kriterien des professionellen Projektmanagements: Was beim Projekt „Implementierung“ schief gelaufen ist und wie es anders hätte ablaufen können: Kritische Gegenüberstellung von Praxis und Theorie unter Anwendung von Analyseinstrumenten wie Projektstrukturplänen und Gantt-Diagrammen.
5 Fazit: Was man aus diesem Projekt lernen kann: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Projektmanagement in der Pflege zwar notwendig, aber aufgrund spezieller Rahmenbedingungen flexibel und auf das Wesentliche reduziert anzuwenden ist.
Schlüsselwörter
Pflegemanagement, Expertenstandard Ernährung, Projektmanagement, Hausadaption, Qualitätsmanagement, Seniorenresidenz, Projektstrukturplan, Gantt-Diagramm, Qualitätszirkel, Schnittstellenmanagement, Pflegewissenschaft, Implementierung, Dokumentation, Mitarbeiterfortbildung, Praxisanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines konkreten Implementierungsprojekts eines Expertenstandards in der stationären Altenpflege aus der Perspektive des Projektmanagements.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der praktischen Umsetzung von Qualitätsstandards, der Anwendung von Projektmanagement-Methoden im Gesundheitswesen und der Bewältigung von Schnittstellenproblemen zwischen verschiedenen Funktionsbereichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das untersuchte Projekt „Implementierung“ abgelaufen ist, welche Fehler aus professioneller Sicht auftraten und wie solche Projekte in der Pflege künftig besser gestaltet werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine reflexive Analyse des eigenen Projektablaufs, eine Gegenüberstellung mit theoretischen Modellen des Projektmanagements sowie die Visualisierung durch Struktur- und Ablaufpläne.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der tatsächliche Ablauf des Projekts, die theoretischen Anforderungen an professionelles Management und eine kritische Analyse der während des Projekts aufgetretenen Mängel (Zielformulierung, Budget, Kommunikation, Konflikte) behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Pflegemanagement, Expertenstandard Ernährung, Projektmanagement, Hausadaption und Qualitätsmanagement beschreiben.
Welche Rolle spielt die „Hausadaption“ in der Seniorenresidenz?
Die Hausadaption dient dazu, den allgemeinen Expertenstandard auf die spezifischen betrieblichen Bedingungen und das Zeitbudget der Einrichtung anzupassen, um eine praktikable Handlungsanweisung für die Mitarbeiter zu schaffen.
Warum war das Projekt in der Praxis „improvisiert“?
Es fehlte an einer strukturierten Planung, präzisen Zielvorgaben und einer frühzeitigen Einbindung relevanter Akteure, was zu einer langwierigen Projektlaufzeit und ineffizienter Kommunikation führte.
Wie hätte ein professionelles Gantt-Diagramm den Verlauf beeinflusst?
Ein Gantt-Diagramm hätte durch die Visualisierung der zeitlichen Abfolgen und Abhängigkeiten geholfen, kritische Pfade zu erkennen, Termindruck besser zu steuern und die zeitliche Verschleppung der Projektschritte zu vermeiden.
- Citar trabajo
- Markus Hieber (Autor), 2013, Implementierung des Expertenstandards "Ernährung" in einer Berliner Seniorenresidenz. Eine Analyse unter Berücksichtigung des Projektmanagements, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304433