In der vorliegenden Arbeit soll die Person Jesu als charismatischer Wunderheiler vorgestellt werden. Was sind Wunder? Und was bedeutet überhaupt charismatischer Heiler? Wie genau hat Jesus die Kranken von ihrem Leid befreit? Was möchte uns Jesus mit einer Krankenheilung mitteilen? Was hat eine Wundererzählung mit der heutigen Zeit zu tun? Sind dies allein alte Geschichte, die nichts mehr für unsere heutige Umwelt aussagen?
Mit diesen Fragen möchte ich mich gerne in meiner Bachelorarbeit beschäftigen. Auch in der gegenwärtigen Forschung kommt es noch immer zu Wiedersprüchen, ob Jesus als Heiler mit göttlicher Macht gehandelt hat oder ob dahinter nicht doch einfach ein verrückter Magier gesteckt haben könnte. Hierzu werde ich zwei seiner Wunderheilungen untersuchen, zum einen die Heilung eines Gelähmten und zum anderen die Heilung eines Blinden bei Jericho.
Dabei beziehe ich mich in meiner Arbeit auf die Erzählungen des Evangelisten Markus. Zunächst werde ich die Bedeutung eines Wunders aus antiker sowie aus heutiger Sichtweise veranschaulichen, sodass auch der Sinn und die Möglichkeiten des Verstehens solcher Erzählungen deutlich werden. Danach gehe ich auf das biblische Verständnis von Wundern, sowie das Verständnis des Evangelisten Markus ein. Anschließend erläutere ich kurz den typischen Aufbau einer Wundererzählung.
Im Kapitel 3 bis 5 folgt dann der Hauptteil meiner Bachelorarbeit, in dem ich zunächst Jesus als charismatischen Heiler beschreibe und schließlich die beiden Wundererzählungen des Markusevangeliums unter besonderer Berücksichtigung von Jesus als Heiler analysiere. Hierbei gehe ich auf den Kontext und Aufbau, den Traditionshintergrund sowie die Interpretation und Deutungshorizonte der jeweiligen Wundererzählung ein. Abschließend folgt dann ein Fazit meiner Bachelorarbeit. Im Anhang dieser Arbeit habe ich die beiden Wundererzählungen des Markusevangeliums aus einer Einheitsübersetzung beigefügt, sodass die Analyse dieser Erzählungen besser nachzuvollziehen ist.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Person Jesus als charismatischen Heiler anhand von zwei Wundergeschichten des Markusevangeliums darzustellen. Die theoretische Grundlage meiner Arbeit beruht vor allem auf Quellen aus ausgewählter Fachliteratur von A. Weiser, B. Kollmann, C. Böttrich und R. Zimmermann. Des Weiteren habe ich mich auf theologische Kommentare von W. Grundmann, W. Eckey, J. Gnilka, P. Dschulnigg und L. Schenke bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wunderbegriff
2.1 Heutiges Verständnis von Wundern
2.2 Antikes Verständnis von Wundern
2.3 Biblisches Verständnis von Wundern
2.4 Das Wunderverständnis des Evangelisten Markus
2.5 Aufbau einer Wundererzählung im Neuen Testament
3 Jesus als charismatischer Heiler
4 Die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12)
4.1 Kontext
4.2 Aufbau
4.3 Traditionshintergrund
4.4 Interpretation
4.5 Deutungshorizonte
5 Der blinde Bartimäus (Mk 10, 46-52)
5.1 Kontext
5.2 Aufbau
5.3 Traditionshintergrund
5.4 Interpretation
5.5 Deutungshorizonte
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Person Jesu als charismatischen Heiler durch eine tiefgehende Analyse von zwei ausgewählten Wundererzählungen aus dem Markusevangelium, um die theologische Bedeutung dieser Heilungswunder im antiken und biblischen Kontext sowie für das heutige Verständnis zu eruieren.
- Historische und theologische Kontextualisierung von Wunderbegriffen
- Analyse von Jesu Wirken als charismatischer Heiler
- Detaillierte Exegese der Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12)
- Detaillierte Exegese der Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10, 46-52)
- Vergleich von antiken Krankheits- und Heilungskonzepten
Auszug aus dem Buch
4.4 Interpretation
Zunächst wird der Rahmen der Erzählung verdeutlicht. Jesus kehrt nach Tagen zurück nach Kapernaum. Zwischen den Anfängen des Wirkens Jesu und der neuen Erzählungsreihe „wird ein unbestimmter Zwischenraum einer Reihe von Tagen gelegt“. Markus bezieht sich auf den Zusammenhang von 1,21-34: „Nach einigen Tagen kommt Jesus wieder nach Kafarnaum“. Anscheinend gelangt Jesus zunächst unbemerkt nach Kapernaum.
Der Ort des Geschehens ist ein Haus, „wahrscheinlich das Haus des Simon, da bisher von keinem anderen gesprochen wurde (vgl. 1,29.32)“.
Es spricht sich jedoch schnell herum, dass Jesus in diesem Haus ist, da sich viele Menschen um ihn herum versammeln. Der Platz reicht für die vielen Menschen nicht aus, denn bei der Tür war kein Platz mehr. Dabei wird nicht geschildert, ob der Platz zwischen der Türe und einer Hofmauer gemeint ist, oder ob die Türe direkt zur Straße hin aus führt. Jedenfalls soll der vermittelte Eindruck von Mk 1,33 noch einmal verstärkt werden. Der Andrang um Jesus wird an dieser Stelle deutlich. Die Menschen wollen die Botschaft Jesu hören. Jesus verkündet ihnen das Wort (Mk 2,2). Diese Redewendung stammt aus der „urchristlichen Missionssprache (Apg 4,29.31; 8,25; 11,29 u.ö.)“. Mit dem Wort ist die Botschaft vom Reich Gottes gemeint.
In Vers 3 wird die Zeitform von Präteritum ins Präsens gewechselt, sodass deutlich wird, dass das eigentliche Ereignis beginnt. Vier Leute tragen einen Gelähmten zu Jesus. Anscheinend ist er also nicht in der Lage, sich selber körperlich zu bewegen und ist auf die Hilfe der Anderen angewiesen. Über seine genaue Krankheit wird keine weitere Angabe gemacht, sodass man auch nicht die Ursache der Lähmung erfährt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes Jesus als charismatischer Heiler und Darlegung der Zielsetzung sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2 Wunderbegriff: Erarbeitung der Unterschiede zwischen dem heutigen, antiken und biblischen Wunderverständnis sowie Erläuterung der Bedeutung im Markusevangelium.
3 Jesus als charismatischer Heiler: Definition von Jesus als charismatischem Heiler in Abgrenzung zu anderen antiken Heilern unter Berücksichtigung seiner göttlichen Vollmacht.
4 Die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12): Exegetische Untersuchung der Heilung unter Berücksichtigung von Kontext, Traditionshintergrund, Textaufbau und Interpretation der theologischen Deutungshorizonte.
5 Der blinde Bartimäus (Mk 10, 46-52): Exegetische Analyse der Heilungsgeschichte des Bartimäus mit Fokus auf seine Rolle als Nachfolger Jesu und die theologische Botschaft.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Bedeutung Jesu als Heiler und der bleibenden Relevanz für den Glauben.
Schlüsselwörter
Jesus, Markusevangelium, Wunder, Wundererzählung, Heilung, charismatischer Heiler, Glaube, Sündenvergebung, Reich Gottes, Bartimäus, Gelähmter, neutestamentliche Exegese, biblische Theologie, antikes Weltbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung Jesu als charismatischer Heiler im Markusevangelium, indem sie den geschichtlichen Hintergrund und die theologische Bedeutung seiner Heilungswunder analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Wundern in Antike und Bibel, die Rolle Jesu als Heiler, der Zusammenhang von Krankheit und Sünde sowie die Bedeutung von Glauben und Nachfolge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Person Jesus als charismatischen Heiler durch eine detaillierte Untersuchung zweier Wundergeschichten (Mk 2,1-12 und Mk 10, 46-52) theologisch und historisch zu verorten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt exegetische Methoden, um die ausgewählten Texte anhand von Kontext, Aufbau, Traditionshintergrund, Interpretation und Deutungshorizonten zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Erarbeitung des Wunderbegriffs, der Charakterisierung Jesu als Heiler sowie der ausführlichen exegetischen Analyse der Heilung des Gelähmten und der Heilung des blinden Bartimäus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Jesus, Markusevangelium, Wunder, Heilung, Sündenvergebung und charismatischer Heiler beschreiben.
Warum wird im Markusevangelium der Zusammenhang von Sünde und Krankheit thematisiert?
Dieser Zusammenhang spiegelt den antiken Tun-Ergehen-Zusammenhang wider, in dem Krankheit oft als Folge einer spirituellen Verfehlung oder Sünde gegenüber Gott gedeutet wurde.
Welche besondere Bedeutung hat der blinde Bartimäus in der Analyse?
Bartimäus dient als Beispiel für den festen Glauben und die anschließende Nachfolge Jesu, womit er für die Jünger eine Vorbildfunktion einnimmt.
- Citar trabajo
- Maren Krebbing (Autor), 2015, Jesus als charismatischer Heiler. Geschichtlicher und religionsgeschichtlicher Kontext, theologische Bedeutung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304470