In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts verbreiteten sich im Hintergrund der Aufklärung die Gedanken Freiheit und Gleichheit in Europa überall, die auch von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert wurden. Der Sieg des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs rief die Sehnsucht nach Freiheit und Gleichheit hervor. Zwar litten die Bürger Frankreichs unter der Brotnot, aber der König Ludwig XVI. wollte durch die Wiedereröffnung der Generalstände die Steuern vom dritten Stand erhöhen, der raus das Bürgertum und die Bauernschaft vertrat.
Anschließend brach die Große Revolution in Paris aus und das feudalabsolutistische Ancien Régime wurde damit umgewälzt.Vor der Revolution verfasste Friedrich Schiller die Dramen gegen Tyrannei, besonders gegen die absolutistische Despotie und gab er zugleich leidenschaftliche Unterstützung für Humanismus, Aufklärung und geistige, moralische sowie physische Freiheit des Individuums, z. B. "Die Räuber" (1781), "Verschwörung des Fiesco zu Genua" (1783) und "Kabale und Liebe" (1784), weswegen wahrscheinlich ihm die gerade im Entstehen begriffene französische Republik den Ehrenbürgerbrief eintrug.
Allerdings wurde Schiller allmählich vom Verlauf der Französischen Revolution enttäuscht, insbesondere den Septembermorden 1792 und der Hinrichtung des Königs am 21. Januar 1793. Dies führt ihn damit zur Ansicht, durch Ästhetik zur menschlichen Emanzipation beitragen zu wollen, nachdem die politische in seinen Augen gescheitert war und auf baldige Regeneration im Politischen keine Hoffnung bestand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Französische Revolution in Schillers Augen
2.1. Phase der Errichtung der konstitutionellen Monarchie
2.2. Phase der Konventsherrschaft
2.3. Phase der Bürgerlichen Republik/Restauration
3. Reflexion über die Niederlage der Französischen Revolution in Schillers Schrift “Über die ästhetische Erziehung des Menschen”
3.1. Das Spannungsfeld zwischen Revolution und Freiheit
3.2. Gesellschaftsbild und Schreckensherrschaft
3.3. Notstaat/Naturstaat und Vernunftstaat
4. Schillers ästhetische Konzeption
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Friedrich Schillers mit der Französischen Revolution und analysiert, inwiefern diese historischen Erfahrungen seine ästhetische Theorie beeinflusst haben, um letztlich ein alternatives Modell zur menschlichen Emanzipation zu entwerfen.
- Historische Phasen der Französischen Revolution in der Wahrnehmung Schillers
- Die Dialektik von Vernunft, Freiheit und Schreckensherrschaft
- Das Spannungsfeld zwischen sinnlichem Trieb und Formtrieb
- Die ästhetische Erziehung als Weg zum Vernunftstaat
- Die Funktion der Kunst zur Überwindung gesellschaftlicher Zerrissenheit
Auszug aus dem Buch
3.2. Gesellschaftsbild und Schreckensherrschaft
Wie oben erwähnt besteht die damalige Gesellschaft aus zwei Klassen. Dabei vergleicht Schiller zunächst die moderne Gesellschaft mit der griechischen Antike: „[Z]ugleich voll Form und voll Fülle, zugleich philosophierend und bildend, zugleich zart und energisch sehen wir sie [bei den Griechen] die Jugend der Phantasie mit der Männlichkeit der Vernunft in einer herrlichen Menschheit vereinigen.“ Schiller beschriebt die Menschen in der moderne Gesellschaft damit: „Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus. Ewig nur das eintönige Geräusch des Rades, das er umtreibt, im Ohr, entwickelt er nie die Harmonie seines Wesens. Und anstatt die Menschheit in seiner Natur auszuprägen, wird er bloß zu einem Abdruck eines Geschäftes, seiner Wissenschaft.“ Im Gegensatz zur griechischen Antike meinte Schiller: „wir sehen nicht bloß einzelne Subjekte, sondern ganze Klassen von Menschen nur einen Teil ihrer Anlagen entfalten, während daß die übrigen, wie bei verkrüppelten Gewächsen, kaum mit matter Spur angedeutet sind.“
Gegenüber der Französischen Revolution spielten viele verschiedene Gruppen eine Rolle in dem Zeitabschnitt von 1789 bis 1799: die Bauern, das Bürgertum, die Kleinhandwerker und die Bourgeoisie. Jede Gruppe kümmerte sich um ihr eigenes Interesse und die anderen schwiegen oder traten gegen sie auf. „Einheit fordert zwar die Vernunft, die Natur aber Mannigfaltigkeit, und von beiden Legislationen wird der Mensch in Anspruch genommen.“ Die ganze Gesellschaft konnte deswegen die gemeinsamen Gesetze oder die einheitliche Moral nicht finden. Die Macht des Staats konzentriert sich demnach ausschließlich auf eine einzelne Gruppe. Es zieht die Schreckensherrschaft nach sich, was nicht vermieden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet Schillers ästhetische Theorie in den Kontext der Französischen Revolution ein und formuliert die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen politischem Scheitern und ästhetischer Emanzipation.
2. Die Französische Revolution in Schillers Augen: Dieses Kapitel analysiert Schillers skeptische Haltung gegenüber den verschiedenen Phasen der Revolution, von der konstitutionellen Monarchie bis zur Schreckensherrschaft.
3. Reflexion über die Niederlage der Französischen Revolution in Schillers Schrift “Über die ästhetische Erziehung des Menschen”: Hier werden die Ursachen des Scheiterns der Revolution in Schillers Schriften untersucht, insbesondere das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Triebsteuerung und staatlicher Ordnung.
4. Schillers ästhetische Konzeption: Das Kapitel erläutert die zentrale Rolle des Spieltriebs, der als Vermittler zwischen Sinnlichkeit und Vernunft die Voraussetzung für einen wahrhaft sittlichen Staat schafft.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schiller die Ästhetische Erziehung als notwendigen Weg zur Überwindung politischer Gewalt und zur Erreichung echter Freiheit sieht.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Französische Revolution, Ästhetische Erziehung, Vernunftstaat, Freiheit, Sinnlichkeit, Formtrieb, Spieltrieb, Schreckensherrschaft, Aufklärung, Menschenrechte, Gesellschaftsbild, Emanzipation, politische Theorie, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Friedrich Schillers theoretische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution und zeigt auf, wie er die Enttäuschung über den politischen Verlauf der Revolution in sein Konzept der ästhetischen Erziehung integriert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum und Staat, die Kritik an der revolutionären Gewalt sowie die philosophische Bestimmung von Freiheit und Menschlichkeit im Kontext der Ästhetik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern Schillers ästhetische Theorie eine Antwort auf das Scheitern der Französischen Revolution bietet und wie durch ästhetische Bildung der Weg zum Vernunftstaat geebnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Schillers Briefen und Schriften unter Einbeziehung historischer und philosophischer Sekundärliteratur, um die Wechselwirkung zwischen Schillers Werk und dem Zeitgeschehen zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der historischen Phasen der Revolution, die Reflexion dieser Ereignisse in Schillers „Ästhetischer Erziehung“ und die Erläuterung seiner spezifischen ästhetischen Konzeption von Trieben und Harmonie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Schillers Ästhetische Erziehung, Französische Revolution, Spieltrieb, Vernunftstaat und die Überwindung der menschlichen Zerrissenheit.
Wie bewertet Schiller laut dieser Arbeit das Scheitern der Revolution?
Schiller sieht das Scheitern in der Unfähigkeit der Menschen begründet, Freiheit ohne den Rückfall in rohe Triebe oder despotische Ordnung zu praktizieren; für ihn fehlte die notwendige „Totalität des Charakters“.
Welche Rolle spielt die Kunst im politischen Denken Schillers?
Die Kunst ist laut Arbeit das notwendige Instrument, um das politische Problem auf einer tieferen Ebene zu lösen, da sie den Menschen durch den „Spieltrieb“ zur Harmonie von Sinnlichkeit und Vernunft führt.
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- Xu Li (Autor), 2015, Schillers ästhetische Reflexion zur Französischen Revolution, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304473