Unterrichtsmethoden im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“ in der Sozialhelferausbildung am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Remscheid


Projektarbeit, 2012

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der PSA
1.2 Aufbau der PSA

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Pädagogik
2.1.1 Begriff Pädagogik und Erziehungswissenschaft
2.1.2 Gegenstand und Disziplin
2.2 Didaktik
2.2.1 Begriff und Definition
2.2.2 Aufgaben
2.3 Methode und Methodik
2.3.1 Begriff und Definition

3 Staatlich examinierte Sozialhelfer
3.1 Sozialassistent, Sozialbetreuer, Sozialhelfer
3.1.1 Entstehung und Entwicklung
3.1.2 Intention und Implementierung
3.2 Bildungsgang des Sozialhelfers
3.2.1 Ausbildung
3.2.2 Tätigkeitsprofil
3.2.3 Kompetenzen
3.3 Käthe-Kollwitz Berufskolleg Remscheid

4 Methodik im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“
4.1 Unterrichtsinhalte im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“
4.1.1 Inhalte nach Lernfeldern
4.2 Themenbezogene Methodik im Fachunterricht
4.2.1 Der Methodeneinsatz im Fachunterricht anhand eines Fallbeispiels
4.2.2 Methodenanwendung und Methodenanalyse

5 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bereiche der Erziehungswirklichkeit (Hobmair et al. 2008, S. 14)

Abbildung 2: Auswahl der Unterteilung der Pädagogik (Stein 2009, S. 13)

Abbildung 3: Käthe-Kollwitz Berufskolleg Remscheid (http://www.kkb-rs.de/ in dex. .html, abgerufen am 06.10.2012)

Abbildung 4: Pflegeunterrichtsraum (http://www.kkb-rs.de/berufsfachschule-sozial-we- sen-sozialhelfer.91.html, abgerufen am 09.10.2012)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unterrichtsstunden des staatlich geprüften Sozialhelfers (vgl. Didaktische Jahresplanung, Lehrplan Sekundarstufe II (2012), S. 16)

Tabelle 2: Beispiele der Unterrichtsmethoden in der Sozialhelferausbildung

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Zentrum dieser Projektstudienarbeit (PSA) steht die Untersuchung, Darstellung und Auseinandersetzung mit den Unterrichtsmethoden im Fach „Praxis der Gesundheitsför- derung“ am Beispiel der Sozialhelferausbildung am Käthe-Kollwitz Berufskolleg Rem- scheid. Aufgrund einer einjährigen befristeten Vertretungslehrerstelle als Fachlehrer für das Unterrichtsfach „Praxis der Gesundheitsförderung“ am Käthe-Kollwitz Berufskolleg Remscheid (2011-2012), hat der Autor Sozialhelferschüler in ihrer Ausbildung kennen- lernen und begleiten dürfen. Der Unterricht wurde in 2 Schulklassen mit je 4 Gruppen der Unterstufe durchgeführt. Die Sozialhelferschüler wurden dabei vom Autor als grund- sätzlich offene, wissbegierige und um Anerkennung suchende junge Persönlichkeiten wahrgenommen. Trotz guter schulischer Organisationsstrukturen, transparenter Bil- dungsgangvorgaben und engagierter Bildungsarbeit aller Beteiligten, gab es jedoch pro Unterstufenklasse 40-50 Prozent Schulabgänger. Das hatte vielfältige private, familiäre und persönliche Gründe. Eine weitere Überlegung ist, dass diese Tatsache mit dem Un- terricht, der Schule und der Art und Weise des Unterrichtens zusammenhängen kann. So bestätigt Bullinger: „Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Bereich der Sozial- assistenten übersteigt durchgängig die Zahl der angebotenen Plätze; die Abbrecherquo- te ist allerdings zum Teil erheblich (z.B. bei Sozialhelfern in Nordrhein-Westfalen)“. (Bul- linger, Abicht, Bärwald, Bals, Brater, Hemmer-Schanze, Melfort, Preuss, 2001, S. 44). An dieser Stelle können Gedanken über Unterrichtsmethoden im konkreten Fach anset- zen, den Unterricht interessanter, offener, konkreter, zielgerichteter und damit schüler- orientiert zu gestalten. Schüler, die in verschiedenen sozialen Berufen ausgebildet wer- den, stehen gerade am Anfang ihrer Ausbildung vor großen Aufgaben. Sie müssen sich umfassendes medizinisches- und pflegerisches Fachwissen und allgemeine Informatio- nen aneignen. Eine Vielzahl an Bildungseinrichtungen, engagierte Fachlehrer und Fach- literatur geben den Schülern die Möglichkeit, das nötige theoretische und praktische Wissen zu erlangen. Wenn man davon ausgeht, dass es Spaß machen kann zu unter- richten und unterrichtet zu werden, sind die Methoden zur Wissensvermittlung von gro- ßem Interesse. Die Wahl der Unterrichtsmethode für den Pädagogen, welcher den ent- sprechenden Lerninhalt dem Schüler am eindrucksvollsten und nachhaltigsten vermittelt, ist entscheidend. Das ist erkennbar und erlernbar und kann evtl. helfen, die Quote der Schüler zu reduzieren, die vorzeitig ihre Ausbildung abbrechen. Der Autor spricht insge- samt in dieser PSA von seinen Erfahrungen und Wahrnehmungen als Fachlehrer, die nicht zwangsläufig mit denen der anderen Fachlehrer gleichzusetzen sind.

1.1 Zielsetzung der PSA

Zielsetzung der PSA ist die Darstellung von Methodenanwendungen im Unterrichtsfach „Praxis der Gesundheitsförderung“. Welche Methoden der Unterrichtsgestaltung kom- men im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“ zum Einsatz? Und wie können Sozial- helferschüler motiviert werden, die Lerninhalte zu erkennen und aufzunehmen? Welche Methodenanwendungen sind am zielführendsten? Wie kann ein interessanter und le- bendiger Unterricht gestaltet werden? Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskol- leg-APO-BK des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW stellt de- tailliert den Lehrplan für diesen Bildungsgang auf. Die Entscheidung welche Methoden im Unterricht eingesetzt werden, fällt der Fachlehrer. Die PSA beschreibt Anregungen und Werkzeuge zur Unterrichtsgestaltung. Gleichzeitig soll die PSA helfen, den Beruf des staatlich examinierten Sozialhelfers in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und den Bildungsgang zu etablieren. In diesem Sinne wird auch das Projekt des Autors wei- ter durchgeführt. Dessen Thema lautet: „Inwieweit werden staatlich geprüfte Sozialhelfer in den sozialen Einrichtungen wahrgenommen und wie sind sie implementiert? Eine em- pirische Befragung von sozialen Einrichtungen aus dem Bergischen Städtedreieck So- lingen, Remscheid und Wuppertal“ .

1.2 Aufbau der PSA

Nach der Einleitung der PSA erfolgt im 2. Kapitel die Darstellung der allgemeinen theo- retischen Grundlagen der Pädagogik, Didaktik und Methodik. Im Kapitel 3 wird die Aus- bildung und der Beruf des staatlich examinierten Sozialhelfers dargestellt, sein Berufs- und Tätigkeitsprofil beschrieben und die Sozialhelferausbildung skizziert. Der Ort der Sozialhelferausbildung und speziell das Käthe-Kollwitz Berufskolleg Remscheid werden näher beschrieben. Im 4. Kapitel wird der Unterricht „Praxis der Gesundheitsförderung” und seine Besonderheiten vorgestellt. Anschließend werden durch ein Fallbeispiel un- terschiedliche Methodenanwendungen in diesem Unterricht dargestellt und weitere Me- thodenmöglichkeiten aufgezeigt. Der Methodeneinsatz wird in Ansätzen analysiert. Die Schlussbetrachtung erfolgt im Kapitel 5.

2 Theoretische Grundlagen

Um sich dem Thema der Methodenwahl wissenschaftlich zu nähern, ist es notwendig einige Begrifflichkeiten der Pädagogik genauer zu erläutern. Dieses soll im nachfolgenden Kapitel erfolgen.

2.1 Pädagogik

Als eine der wenigen Wissenschaften, bestehen für die Wissenschaft der Pädagogik zwei Begriffe: Pädagogik und Erziehungswissenschaft (vgl. Hobmair, Altenthan, Bet- scher-Ott, Gotthardt, Höhlein, Ott, Pöll, Schneider 2008, S. 12). Eine Definition lautet: „Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft ist die Wissenschaft, die Prozesse der Erzie- hung, der Bildung, des Lernens und der Sozialisation wissenschaftlich beobachtet, inter- pretiert, erklärt, die Auswirkungen dieser Prozesse vorhersagt und somit allen hieran beteiligten Personen der pädagogischen Praxis Handlungswissen zur Verfügung stellt“ (Stein 2009, S.12). Sie ist die Lehre von der Erziehung und gliedert sich nach dem Ziel, dem Objekt und den Methoden der Erziehung (vgl. Josuks, Pech, Woecht 2002, S. 15).

2.1.1 Begriff Pädagogik und Erziehungswissenschaft

Der Begriff Pädagogik stammt aus dem altgriechischem „paidagogos“, womit der Diener bezeichnet wurde, der das männliche Kind bei seinen Gängen (auch den zur Schule) zu begleiten hatte (vgl. Altenthan et al. 2008, S. 12). „Paideia“ wird auch mit Erziehung oder Bildung übersetzt. Der altgriechische Wortstamm „pais“ für Kind und „aigein“ für führen, versinnbildlichte in der Antike wörtlich das Führen des Kindes vom Elternhaus zur Bil- dungs- oder Ausbildungsstelle. Die Begrifflichkeit der Erziehungswissenschaft wurde Ende des 18. Jahrhunderts erstmals geprägt. Die Erziehungswissenschaft, also die so- zialwissenschaftliche Sichtweise pädagogischer Prozesse, ist eine vergleichsweise noch junge Disziplin. Der Wissenschaftscharakter wird in dem Begriff Erziehungswissenschaft in der Pädagogik stark herausgestellt (vgl. Stein 2009, S.11 ff). Als Oberbegriff für das praktische und wissenschaftliche Erziehungsgeschehen wird Pädagogik gewählt, wäh- rend Erziehungswissenschaft die wissenschaftliche Erhellung des Gegenstandsberei- ches der Erziehung und der Erziehungswirklichkeit bezeichnet (vgl. Hobmair et al. 2008, S. 12 ff). Die Begriffe der Pädagogik und Erziehungswissenschaft sind heute synonym zu gebrauchen (vgl. Krüger 2005, S.465).

2.1.2 Gegenstand und Disziplin

Die Erziehungswirklichkeit ist Gegenstand der Pädagogik und bezieht sich auf die in Abb. 1 dargestellten Bereiche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bereiche der Erziehungswirklichkeit (Hobmair et al. 2008, S. 14)

Die Pädagogik beinhaltet die Themengebiete: Erziehung, Schüleranleitung, Kunst des Lehrens, Vermittlungsführung, Lebensführung, Leistungseinschätzung, Schülerorientierung, Vermittlung von Werten und Normen, Lob und Tadel sowie Forschung zu allen pädagogischen Feldern. Wie in Abb. 2 zu sehen, helfen Teilgebiete, Disziplinen, Subdisziplinen, Fachrichtungen, Praxisfelder, Bezugswissenschaften und verwandte Felder der Pädagogik eine Zuordnung zu geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auswahl der Unterteilung der Pädagogik (Stein 2009, S. 13)

2.2 Didaktik

Didaktik existiert im wissenschaftlichen Sinne als eigene Wissenschaftsdisziplin und ist das Herzstück der Pädagogik. Sie hat sich seit Loslösung der Philosophie von der Pädagogik etabliert. Dies geschah im letzten Jahrhundert und ist eng verbunden mit dem Namen Wilhelm Dilthey2 (vgl. Ott 2007, S. 86).

2.2.1 Begriff und Definition

Seit der Aufklärung ist der Begriff der Didaktik in der Pädagogik verankert. Didaktik, grie- chisch „ didaktikos “(Adjektiv „lehrhaft“) und „ didaskein“ ( Verb „unterrichten/ lehren“, be- deutet allgemein übersetzt, die Lehre vom Lernen und Lehren (vgl. Duden 2007, CD- ROM). Didaktik bedeutet die Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens. In der Unter- richts- und Ausbildungspraxis wird Didaktik pragmatisch in Abgrenzung zur Methodik gebraucht. Eng gefasst und reduziert beschäftigt sich Didaktik mit dem Was und Wie eines Lernprozesses.

- Didaktik beantwortet die Inhaltsfrage Was gelehrt wird.
- Methodik beschäftigt sich mit der Vermittlungsfrage Wie gelehrt wird.

Etwas weiter gefasst beantwortet Didaktik die Frage: Was (Lerninhalte- und Lernziele) wird Wozu (Lernintention), Wie (Lernmethoden), Wann (Lernsituation) und Womi t (Lernmedien) gelernt (vgl. Ott 2007, S. 86)?

2.2.2 Aufgaben

Die Didaktik gibt den lehrenden und lernenden Menschen Hilfestellung. Sie konzentriert sich zumeist auf Fragen des langfristig angelegten, geplanten und systematischen Ler- nens in unterschiedlichen Institutionen. Sie erörtert, welche Rolle das Wissen in einer Gesellschaft spielt, Wer als Lernender angesprochen wird, Wie das Lernen optimiert werden kann, Was gewusst und gekonnt werden muss und Wozu es gelernt werden soll. Didaktik fragt außerdem nach Stoffplan, Curricula, Zeitplan, organisatorischen Kontext, Methode, Instruktion, Konzeption, sowie Lehr- und Lernmittel (vgl. Kieper, Mischke 2004, S. 13ff). Heute gibt es eine Vielzahl an didaktischen Modellen und Konzeptionen für die Theorie und Praxis der Erziehungswissenschaften (vgl. Manstetten 2004, S .5).

2.3 Methode und Methodik

Wie schon im vorherigen Kapitel angesprochen, zeigen Lernmethoden Wie gelernt wird. Sie sind eng mit der Didaktik verbunden. Der Duden erklärt Methode als die Art der Durchführung und die Gestaltung des Weges zur Zielerreichung.

2.3.1 Begriff und Definition

Der Begriff Methode bedeutet Weg, Gang, Untersuchung, planmäßiges Vorgehen oder Darstellungsweise. Er stammt aus dem Griechischem „ methodos “ oder „ methodike “. Vor allem die Methaper des Weges verdeutlicht den Sinn des Begriffes. Darin sind Umwege und Irrwege der Zielerreichung mit implementiert, welche zwar zeitaufwändig, jedoch genauso wichtig für den Lernprozess der Schüler sind wie der direkte Weg. Somit stellen sich Methoden als Werkzeuge dar, die es den Schülern ermöglichen eigene oder vorge- gebene Wege zum Wissens- und Erfahrungserwerbs zu nutzen, aus denen dann die berufliche Handlungskompetenz resultiert (vgl. Drude, Zielke-Nadkarni 2008, S. 1). In der Wissenschaft stellt sie die Verfahrensweisen der Wissenschaften und in der Päda- gogik die Wissenschaft vom planmäßigen Vorgehen beim Unterrichten dar (vgl. Duden - Das große Fremdwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]). Methoden bestehen aus verschiedenen und koordinierten Einzelentscheidungen, die unterschiedlichen Ebe- nen zuzuordnen sind. Diese methodischen Entscheidungsebenen betreffen unterschied- liche Aspekte der Lehr-Lern-Prozesse. Dazu gehören Gesamtkonzeptionen (Intention), Aktionsformen (Art der Lernanregung), Sozialformen (Kommunikationsmöglichkeiten), Artikulationen (lerntheoretischer Ablauf) und Medien (Instrument) (vgl. Bonz 2001, S. 95 ff).

3 Staatlich examinierte Sozialhelfer

Um näher auf Sozialhelferausbildung und Methodenauswahl eingehen zu können, wird in diesem Kapitel die Ausbildung und der Beruf des Sozialhelfers, sein berufliches Umfeld und das Berufskolleg näher erläutert.

3.1 Sozialassistent, Sozialbetreuer, Sozialhelfer

Neben dem Sozialhelfer, werden Sozialassistenten und Sozialbetreuer in einem Kontext genannt. Es handelt sich bei diesen Berufen um Assistenzberufe, welche mit gewissen Unterschieden klassische Sozialberufe wie z.B. die Alten- und Gesundheitspflege bei ihrer Arbeit unterstützen sollen.

3.1.1 Entstehung und Entwicklung

Mitte der 90er Jahre wurden die ersten Initiativen zur Schaffung des Bildungsgangs und Berufsprofils“Sozialassistent” initiiert. Dieser ist somit ein vergleichsweise junger Beruf. Mittlerweile gibt es in allen Bundesländern Sozialassistenten mit verschiedenen Berufs- bezeichnungen und Einsatzschwerpunkten. Der Sozialassistent wurde zuerst in Nieder- sachsen und Sachsen staatlich geregelter Ausbildungsberuf und ist ein staatlich aner- kannter Berufsfachschulberuf. Vergleichbar im Tätigkeitsbereich ist der mit ihm in Bayern staatlich geregelte Sozialbetreuer und der in NRW staatlich geregelte Sozialhel- fer. Bildungspolitisch zielen die einzelnen Ausbildungsberufe auf unterschiedliche Ziel- gruppen. Während die Sozialassistenten-Ausbildung z.B. in Niedersachsen und Sach- sen und die Ausbildung in Schleswig-Holstein zum sozialpädagogischen Assistenten auf eine Qualifizierung für Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss abzielt, liegt der Schwerpunkt der Ausbildung zum Sozialhelfer in NRW und die zum Sozialbetreuer in Bayern auf dem Bildungsgang für Hauptschüler. In Thüringen existieren beide Varianten dieses Bildungsangebotes. Die Sozialassistenten-Ausbildung ist eng verknüpft mit der sozialpädagogischen Berufsbildung, vor allem der Erzieherausbildung. Diese breiter qualifizierten Sozialassistenten werden in der Kinderpflege eingesetzt und helfen, die Erzieherausbildung zu sichern. Dies kann mit dem sogenannten Anerkennungsjahr zu einer verkürzten Erzieherausbildung genutzt werden (vgl. Bullinger et al. 2001, S. 43).

3.1.2 Intention und Implementierung

Die Initiative zur Schaffung dieser Assistenzberufe kam aus dem öffentlichen Bildungs- system. Fachschulen mit hauswirtschaftlichem und sozialpädagogischem Ausbildungs- profil waren dabei sehr engagiert, wobei die Stabilisierung der Schülerzahlen und die Beschäftigung der vorhandenen Lehrerschaft eine zentrale Rolle einnahm. In der bil- dungspolitischen Diskussion wird eine Komplettierung des Schulspektrums und die Schließung von Lücken im Bildungsangebot aufgeführt. Weitere Motive zur Schaffung des Berufs und Bildungsgangs „Sozialassistent“ waren das Bestreben zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit. Für bestimmte Zielgruppen sollten Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Sonderformen beruflicher Qualifizierungen (Pflegevorschule und Vorpraktikum zur Erzieherausbildung) werden in einen normalen Bildungsgang über- führt, welcher einen Berufsabschluss beinhaltet. Gleichzeitig wird versucht, auf diesem Wege die europäische Vorgabe einer vierjährigen Ausbildung und damit das entspre- chende EG-Niveau zu erfüllen. Durch Schaffung von Helferberufen mit reduzierter Aus- bildung im Gesundheits- und Sozialbereich möchte man insbesondere für schwer vermit- telbare Jugendliche und Arbeitslose ein Tätigkeitsfeld schaffen, welches mit vermeintlich „einfachen“ Tätigkeiten im Niedrigqualifikationssektor angesiedelt ist. Auch international ist dies ein verbreitetes Phänomen. Den Beruf des Sozialassistenten gibt es bereits in den Niederlanden (Helpende) und in Italien/Südtirol (vgl. Bullinger et al. 2001, S. 43 ff). In dem Zusammenhang muss man auf die sich entwickelnden aktuellen und zukünftigen sozialpolitischen- und wirtschaftlichen Probleme in Deutschland und anderen westlichen Industrienationen verweisen. Die demografisch belegten Veränderungen in unserer Be- völkerung sind gerade im Pflegebereich deutlich sichtbar und belegt. Der Pflegekraftbe- darf im Pflegesektor wird durch die angespannte Personalsituation deutlich. Gerade vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und der damit verbundenen Zunahme pflegebedürftiger Menschen, stellt sich somit die Frage, wie die Versorgung dieser Men- schen in Zukunft sichergestellt werden kann (vgl. Hackmann 2009, S. 1ff). Die Durchfüh- rung und Positionierung dieses Bildungsganges wurde in der Öffentlichkeit kaum wahr- genommen. Fachöffentlich wurde der Bildungsgang durch Empfehlungen des deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zur Reform der Ausbildung der Pflege- berufe 1994 bekannt (vgl. Bullinger et al. 2001, S. 44). Er vereint Vertreter von Kommu- nen, Wohlfahrtsverbänden, sozialer Einrichtungen, Bundesländer, Wissenschaften, aus allen Bereichen der Arbeits- und Sozialpolitik. Diese begleiten und gestalten durch ihre Expertise und Erfahrung die Entwicklungen u.a. der Kinder-, Jugend-, Familien- und Pflegepolitik, der Sozial- und Altenhilfe, sowie der Grundsicherungssysteme und Rehabi- litation mit (vgl. http://www.deutscher-verein.de/01-wir_ueber_uns, im Internet abgerufen am 29.09.2012).

3.2 Bildungsgang des Sozialhelfers

Der in Berufskollegs in NRW durchgeführte Bildungsgang des Sozialhelfers, führt neben der beruflichen Ausbildung in Vollzeit, zu einem Berufsabschluss nach Landesrecht und zum Erwerb des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife). Durch diese Kombi- nation ist der Erwerb weiterer Qualifikationen und Berufsabschlüsse möglich. Nach Be- stehen der staatlichen Abschlussprüfung wird der Berufsabschluss nach Landesrecht vergeben. (vgl. Didaktische Jahresplanung Lehrplan Sekundarstufe II (2012), S. 6, http://www.berufsbildung.schul-ministerium.nrw.de/cms /upload/bafor/%0 Ddownload/lp- sozialhelfer.pdf, im Internet abgerufen am 04.10.2012).

3.2.1 Ausbildung

Aufnahmevoraussetzung ist ein abgeschlossener Hauptschulabschluss und die Erfüllung der Vollzeitschulpflicht im Berufskolleg. Der Bildungsgang dauert 2 Jahre und wird in verschiedene Lernbereiche strukturiert.

[...]


1 In diesem Text wird der Einfachheit halber für Schüler, Sozialhelfer, Pädagogen und Lehrer nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.

2 Dilthey Wilhelm (1833-1911), Philosoph, Psychologe, Pädagoge (vgl. http://www.uni-due.de/einladung/- Vorlesungen/hermeneutik/dilthey.htm, abgerufen am 02.10.2012

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsmethoden im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“ in der Sozialhelferausbildung am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Remscheid
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (Institute for Public Health and Healthcare Essen)
Veranstaltung
Im Rahmen der Vertiefung Pädagogik I
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V304539
ISBN (eBook)
9783668031791
ISBN (Buch)
9783668031807
Dateigröße
5516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsmethoden, fach, praxis, gesundheitsförderung, sozialhelferausbildung, käthe-kollwitz-berufskolleg, remscheid
Arbeit zitieren
Mirko Klein (Autor), 2012, Unterrichtsmethoden im Fach „Praxis der Gesundheitsförderung“ in der Sozialhelferausbildung am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg Remscheid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304539

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