Diese Masterarbeit geht zunächst auf die Grundlagen der Steuerbilanz und definiert die wichtigsten Begriffe. Dabei wird auch auf die steuerliche Buchführungspflicht und das Maßgeblichkeitsprinzip eingegangen. Im Grundlagenteil werden abschließend die Grundlagen der Steuerbilanzpolitik dargestellt. Das heißt der Begriff Steuerbilanzpolitik definiert und dessen Effekte, Strategien und Modelle kurz erläutert.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Kapitel. Zunächst werden in Kapitel 2 die Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik vorgestellt. Dabei wird eine Unterscheidung in Bilanzierungs-, Bewertungswahlrechte und Ermessensspielräume vorgenommen. Dabei wird jeder einzelne Aktionsparameter grundlegend erläutert und auf seine Eignung als Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik untersucht.
In Kapitel 3 werden die Planung und der gezielte Einsatz von Aktionsparameter dargestellt. Bei der Planung wird auf die verschiedenen Planungs- und Optimierungsmethoden eingegangen. Bei der Untersuchung des gezielten Einsatzes von Aktionsparametern wird anhand der im Grundlagenteil vorgestellten Strategien Gewinnnachverlagerung, Gewinnnivellierung und Gewinnvorverlagerung vorgegangen. Dabei werden für jede Strategie die Gründe für dessen Verfolgung angegeben und die zum Einsatz geeigneten Aktionsparameter beschrieben.
Abschließend werden in Kapitel 4 die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf die Zukunft der Steuerbilanz gewagt. Dabei soll auf europäischen Harmonisierungsbestrebungen und der Einfluss der IFRS eingegangen werden.
Diese Masterarbeit beschränkt sich auf die Möglichkeiten der Steuerbilanzpolitik im Rahmen der Einzelabschlüsse von Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften, welche im Rahmen der gelten deutschen Gesetze verpflichtet sind Bücher zu führen. Auf die Möglichkeiten einer Steuerbilanzpolitik auf Konzernebene und auf Spezialthematiken , die nur auf wenige Unternehmen zutreffen, wird aufgrund des beschränkten Umfangs dieser Masterarbeit nicht eingegangen. Interessierte Leser seien auf die einschlägige Fachliteratur zu diesem Thema verwiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Steuerbilanz
2.1. Definition und Zweck der Steuerbilanz
2.2. Steuerliche Buchführungspflicht
2.3. Maßgeblichkeitsprinzip
2.4. Steuerbilanzpolitik
2.4.1. Definition der Steuerbilanzpolitik
2.4.2. Effekte der Steuerbilanzpolitik
2.4.3. Strategien der Steuerbilanzpolitik
2.4.3.1. Gewinnnachverlagerung
2.4.3.2. Gewinnnivellierung
2.4.3.3. Gewinnvorverlagerung
2.4.4. Modelle und Verfahren der Steuerbilanzplanung
2.4.4.1. Steuerbarwertminimierung nach Marettek
2.4.4.2. Gewinnegalisierung nach Vogt
2.4.4.3. Nettokapitalwertmaximierung nach Heigl
3. Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik
3.1. Einteilung Aktionsparameter
3.2. Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik
3.2.1. Bilanzierungswahlrechte
3.2.1.1. Aktivierung eines Disagios
3.2.1.2. Bildung steuerfreier Rücklagen
3.2.1.2.1. Reinvestitionsrücklage
3.2.1.2.2. Umwandlungsrücklage
3.2.1.2.3. Städtebauförderungsrücklage
3.2.1.2.4. Zuschussrücklage
3.2.1.2.5. Rücklage für Ersatzbeschaffung
3.2.1.3. Aktivierung von geringwertigen Wirtschaftsgütern
3.2.2. Bewertungswahlrechte
3.2.2.1. Degressive Abschreibung
3.2.2.2. Übergang degressiver zu linearer Abschreibung
3.2.2.3. Abschreibung nach Maßgabe der Leistung
3.2.2.4. Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung
3.2.2.5. Abschreibungen nach Maßgabe des Substanzverzehrs
3.2.2.6. Erhöhte Absetzungen
3.2.2.7. Sonderabschreibungen
3.2.2.8. Teilwertabschreibungen
3.2.2.9. Investitionsabzugsbeträge
3.2.2.10. Festbewertung der Vorräte
3.2.2.11. Gruppenbewertung
3.2.2.12. Bildung von Bewertungseinheiten
3.2.2.13. Anschaffungskosten
3.2.2.14. Herstellungskosten
3.2.3. Ermessensspielräume
3.2.3.1. Rückstellungen
3.2.3.1.1. Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten
3.2.3.1.2. Pensionsrückstellungen
3.2.3.1.3. Steuerrückstellungen
3.2.3.1.4. Rückstellung für Schutzrechtsverletzungen
3.2.3.1.5. Rückstellung für Jubiläumszuwendungen
3.2.3.1.6. Rückstellungen für Garantieverpflichtungen
3.2.3.1.7. Rückstellung für Abschluss-, Prüfungs- und Beratungskosten
3.2.3.2. Gewillkürtes Betriebsvermögen
3.2.3.3. Schätzung der Nutzungsdauer
3.2.3.4. Feststellung einer voraussichtlich dauernden Wertminderung
3.2.3.5. Höhe des Teilwerts
3.2.3.6. Höhe des Geschäfts- und Firmenwerts
3.2.3.7. Festlegung angemessene Teile Gemeinkosten
3.2.3.8. Abgrenzung Erhaltungsaufwendungen und nachträgliche Anschaffungskosten
3.2.3.9. Werthaltigkeitseinstufung von Forderungen
3.2.3.10. Pauschalwertberichtigung von Forderungen
4. Gezielter Einsatz und Planung der Aktionsparameter
4.1. Planung der Steuerbilanzpolitik
4.2. Verfahren der Optimierung der Steuerbilanzpolitik
4.3. Einsatz von Aktionsparametern bei Gewinnnachverlagerung
4.4. Einsatz von Aktionsparametern bei Gewinnnivellierung
4.5. Einsatz von Aktionsparametern bei Gewinnvorverlagerung
5. Zusammenfassung und Ausblick
5.1. Zusammenfassung
5.2. Quo vadis „Steuerbilanzpolitik“?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten der aktiven Steuerbilanzpolitik nach dem Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit. Das primäre Ziel besteht darin, darzustellen, wie Unternehmen durch den gezielten Einsatz von Aktionsparametern – insbesondere Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten sowie Ermessensspielräumen – ihre steuerliche Gewinnermittlung beeinflussen können, um Steuerbelastungen aktiv zu planen und zu optimieren.
- Grundlagen und rechtlicher Rahmen der Steuerbilanz
- Systematisierung der steuerbilanzpolitischen Aktionsparameter
- Planungs- und Optimierungsverfahren für die Steuerbilanz
- Strategien zur Gewinnnachverlagerung, Gewinnnivellierung und Gewinnvorverlagerung
- Zukunftsperspektiven der Steuerbilanz und europäische Harmonisierungstendenzen
Auszug aus dem Buch
3.2.1.2.1. Reinvestitionsrücklage
Unter den in §6b EStG beschriebenen Voraussetzungen wird es Steuerpflichtigen möglich, durch Veräußerung von Wirtschaftsgütern aufgedeckte, stille Reserven nicht der Besteuerung zu unterwerfen. Die aufgedeckten, stillen Reserven dürfen unter genau vorgegebenen Voraussetzungen auf bestimmte Wirtschaftsgüter übertragen werden. Welche Steuerpflichtige die Möglichkeit haben, eine Reinvestitionsrücklage zu bilden, ergibt sich aus §6b Abs. 4 Satz 1 EStG. Demnach gilt diese Vorschrift für Steuerpflichtige, die Ihren Gewinn nach §4 Abs. 1 oder §5 EStG ermitteln. Das heißt, sie gilt für buchführungspflichtige Einzelunternehmer, Personen- und Kapitalgesellschaften.
Eine weitere Voraussetzung nach §6b Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG ist, dass die veräußerten Wirtschaftsgüter im Zeitpunkt der Veräußerung ununterbrochen 6 Jahre zum Betriebsvermögen des Steuerpflichtigen gehört haben. Nach §6 Abs. 1 Satz 1 EStG muss ein Steuerpflichtiger gewisse begünstigte Wirtschaftsgüter veräußern und kann dann, bei im Wirtschaftsjahr der Veräußerung oder bei im vorangegangenen Wirtschaftsjahr angeschafften oder hergestellten Wirtschaftsgütern, einen Betrag in Höhe bis zu des bei der Veräußerung entstandenen Gewinns abziehen. Gemäß §6b Abs. 1 Satz 1 EStG gehören zu den veräußerbaren Wirtschaftsgütern Grund und Boden, Grund und Boden mit Aufwuchs, Gebäude oder Binnenschiffe.
Entsprechend ist der Abzug des Betrages gemäß §6b Abs. 1 Satz 2 EStG nur bei folgenden Wirtschaftsgütern möglich:
- Grund und Boden, soweit der Gewinn bei der Veräußerung von Grund und Boden entstanden ist
- Grund und Boden mit Aufwuchs, soweit der Gewinn bei der Veräußerung von Grund und Boden mit Aufwuchs entstanden ist
- Gebäude, soweit der Gewinn bei der Veräußerung von Gebäuden entstanden ist
- Binnenschiffe, soweit der Gewinn bei der Veräußerung von Binnenschiffen entstanden ist
Der Gewinn aus der Veräußerung errechnet sich aus der Gegenüberstellung des Veräußerungserlöses und des Buchwertes zum Zeitpunkt der Veräußerung. Das bedeutet, dass bei abnutzbaren Anlagegütern eine Abschreibung nach §7 EStG bis zum Bilanzstichtag vorgenommen werden muss. Zudem sind die Wertaufholungsvorschriften gemäß §§6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 und 7 Abs. 1 Satz. 7 HS 2 EStG zu beachten. Der Steuerpflichtige kann den Abzug im Jahr der Veräußerung des Wirtschaftsgutes vornehmen oder im folgenden Wirtschaftsjahr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Steuerbilanzpolitik ein, erläutert deren Ursprung und Bedeutung seit dem Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit und skizziert den Aufbau der Masterarbeit.
2. Grundlagen der Steuerbilanz: Dieses Kapitel definiert die Steuerbilanz, beleuchtet die steuerliche Buchführungspflicht und das Maßgeblichkeitsprinzip sowie die wichtigsten Strategien und Modelle der Steuerbilanzplanung.
3. Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik: Das Kapitel bietet eine detaillierte systematische Analyse der steuerbilanzpolitischen Aktionsparameter, unterteilt in Bilanzierungswahlrechte, Bewertungswahlrechte und Ermessensspielräume.
4. Gezielter Einsatz und Planung der Aktionsparameter: Hier werden Verfahren zur Planung und Optimierung der Steuerbilanzpolitik sowie der konkrete Einsatz der Instrumente zur Gewinnnachverlagerung, -nivellierung und -vorverlagerung beschrieben.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und reflektiert die Zukunft der Steuerbilanz vor dem Hintergrund zunehmender Standardisierung und europäischer Einflussnahme.
Schlüsselwörter
Steuerbilanzpolitik, Aktionsparameter, Steuerbilanz, Gewinnermittlung, Bilanzierungswahlrechte, Bewertungswahlrechte, Ermessensspielräume, Steuerstundung, Gewinnnachverlagerung, Gewinnnivellierung, Gewinnvorverlagerung, Maßgeblichkeitsprinzip, Steuerplanung, Steuerbelastung, Rückstellungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Grenzen der aktiven Gestaltung von Steuerbilanzen durch Unternehmen im Rahmen der geltenden deutschen Gesetze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die systematische Erfassung von Wahlrechten und Ermessensspielräumen sowie deren gezielter Einsatz zur Steuerung des steuerpflichtigen Gewinns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu zeigen, wie Steuerpflichtige nach der Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit eigenständig Steuerbilanzpolitik betreiben können, um die Steuerbelastung über den Planungszeitraum zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse der bestehenden betriebswirtschaftlichen Steuerlehre sowie auf eine detaillierte Auswertung gesetzlicher Regelungen, Verwaltungsanweisungen und Rechtsprechung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Einteilung der Aktionsparameter (Wahlrechte, Ermessensspielräume) und deren praktische Anwendung in Planungsmodellen zur Gewinnsteuerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Steuerbilanzpolitik, Aktionsparameter, Bilanzierungswahlrechte, Ermessensspielräume und Steuerplanung zusammenfassen.
Welche Rolle spielt das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in der Arbeit?
Das BilMoG ist zentral, da es durch die Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit erst die notwendige Freiheit schuf, Steuerbilanzen unabhängig von der Handelsbilanz zu gestalten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Gewinnnach- und -vorverlagerung für Unternehmen wichtig?
Die Wahl der Strategie beeinflusst maßgeblich den Steuerbarwert und die Liquidität des Unternehmens; sie ist zudem abhängig von steuerlichen Rahmenbedingungen wie Progressionsstufen oder Investitionsanreizen.
- Citation du texte
- Stefan Jakobi (Auteur), 2013, Aktionsparameter der betrieblichen Steuerbilanzpolitik und deren gezielter Einsatz. Die steuerliche Buchführungspflicht und das Maßgeblichkeitsprinzip, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304585