Der Marxismus, der in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als Folge der industriellen Revolution in der um die Jahreswende 1845/46 von Marx und Engels verfassten "Deutschen Ideologie" eine universell stattfindende proletarische Revolution verkündete, fast zwei Jahre später dann in den "Grundsätzen des Kommunismus" von Engels zumindest in den vier fortgeschrittensten Ländern (England, Frankreich, Amerika, Deutschland), sah sich in der Frage der Weltrevolution durch den Leninismus auf den Kopf gestellt.
Auf Grund seiner Imperialismusanalyse, die eine Ungleichmäßigkeit in der ökonomischen und damit auch politischen Entwicklung der Länder ergab, hielt Lenin den Ausbruch einer proletarischen Revolution in nur einem Land für den typischen Fall. In seinen letzten sieben Lebensjahren mußte er mitgestaltend miterleben, dass sich die von ihm ersehnte proletarische Revolution in einem zwar großflächigem, aber ökonomisch sehr rückständigen Agrarland mit einer hohen Analphabetenquote besonders unter den die ungeheure Mehrheit des Volkes bildenden Bauern vollzog.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts war dann durch die Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 durch Mao das Schwergewicht der proletarischen Revolution noch einmal in eine rurale Massenbewegung eines Großreiches gefallen, durch die wiederum wie schon in der russischen Oktoberrevolution das von Marx gegen Bakunin um die Jahreswende 1874/75 aufgestellte Kriterium, dass zu einer erfolgreichen Revolution das Proletariat eine bedeutende Stellung in der Volksmasse einnehmen müsse, nicht erfüllt war.
Inhaltsverzeichnis
Probleme des Marxismus-Leninismus
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus auseinander. Ziel ist es, die dialektische Methode im Kontext geschichtlicher Entwicklungen – insbesondere bei den Revolutionen in Russland und China – zu hinterfragen und die Herausforderungen der Emanzipation in einer zunehmend von technologischem Fortschritt geprägten, kapitalistischen Welt zu analysieren.
- Die kritische Reflexion des historischen Materialismus und der Dialektik von Hegel und Marx.
- Die Analyse der bolschewistischen und maoistischen Revolutionspraxis sowie deren Scheitern an der Realität.
- Das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Basis und ideologischem Überbau im Imperialismus.
- Die Untersuchung der Rolle von Arbeit, Entfremdung und der Krise der bürgerlichen Gesellschaft.
- Die Bedeutung der Eigentumsfrage und der organisierten Arbeiterbewegung für eine befreite Zukunft.
Auszug aus dem Buch
Probleme des Marxismus-Leninismus
Es ist vor dem Haupttext zu bemerken, dass diese Schrift für das politische Tagesgeschäft wenig taugt, dieses verlangt nach Lösungen. Aber noch nie hat Politik Probleme wirklich gelöst; sie verschleppt sie nur und bietet unter Verdrehung der Fragestellungen Pseudolösungen an, die die Politikkonsumenten einstweilen zufriedenstellen sollen. Angesichts der Probleme, die ich im folgenden Text aufwerfe, mag ein Leser, der nur konsumieren will, enttäuscht werden; es ist aber gegen diesen Lesertyp zu behaupten, dass Problemlösungen den Geist zwar befriedigen, interessante Fragestellungen ihn aber auf- bzw. anregen.
Der großen und plumpen Masse der Politikaster und der Politikwissenschaftler als Brotgelehrte hingegen geht es nicht um die Idee der Wissenschaft von der Politik, dass sie mit dem Erlöschen des Klassenkampfes in der Geschichte eine vergehende wissenschaftliche Disziplin ist. Sie pochen auf den Schein gegen das Gesetz der Erscheinung, eine Unzulänglichkeit, auf die Marx schon an den Vulgärökonomen seiner Zeit verächtlich hinwies.
Zusammenfassung der Kapitel
Probleme des Marxismus-Leninismus: Diese Einleitung legt den kritischen Grundstein und distanziert sich von pragmatischen Politik-Pseudolösungen, indem sie die Bedeutung einer aktiven, forschenden Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der Geschichte betont.
Schlüsselwörter
Marxismus-Leninismus, Dialektik, Klassenkampf, Revolution, Kapitalismus, Proletariat, Ideologie, Historischer Materialismus, Arbeit, Entfremdung, Weltgeschichte, Imperialismus, Sowjetunion, Emanzipation, Basis und Überbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theoretische Fundament und die praktische Umsetzung des Marxismus-Leninismus sowie dessen historische Relevanz im Kontext der Revolutionen des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die materialistische Dialektik, die Rolle des Staates, das Verhältnis von Ökonomie und Ideologie sowie die Frage nach der tatsächlichen Befreiung der Arbeiterklasse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung des marxistischen Revolutionsbegriffs und der dialektischen Methode angesichts historischer Fehlschläge, um ein besseres Verständnis für die heutige gesellschaftliche Lage zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine dialektisch-materialistische Analyse, die sich auf die Schriften von Marx, Engels und Lenin stützt, diese jedoch im Licht der tatsächlichen historischen Abläufe kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Transformation des Marxismus durch die Imperialismusanalyse, die spezifischen Revolutionsverläufe in Russland und China sowie die Rolle der Philosophie im Verhältnis zur Ökonomie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Dialektik, Entfremdung, Klassenkampf, Imperialismus und die historische Mission des Proletariats.
Warum ist der Marxismus laut Autor heute nicht obsolet?
Trotz der historisch gescheiterten Versuche in der Sowjetunion bleibt der Marxismus laut Autor relevant, da er Werkzeuge zur Entlarvung der Fetischverblendung im Kapitalismus bietet.
Welche Rolle spielt die "Arbeit" in dieser Untersuchung?
Die Arbeit betont, dass Arbeit die zentrale, konstitutive Kategorie der menschlichen Existenz ist, deren Entfremdung im Kapitalismus die kulturelle und geistige Barbarei befördert.
Was wird zum chinesischen Revolutionsmodell angemerkt?
Es wird aufgezeigt, dass Mao die Strategie des Guerillakrieges auf die ruralen Potenzen verlagerte, was eine Abweichung von der ursprünglichen marxistischen Fixierung auf das städtische Proletariat darstellte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Rolle der Philosophie?
Die Philosophie wird in ihrer bisherigen Form kritisch betrachtet; sie darf kein isoliertes Heiligtum sein, sondern muss sich durch revolutionäre Praxis in der Weltwirklichkeit bewähren.
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- Heinz Ahlreip (Author), 2015, Probleme des Marxismus-Leninismus. Weltrevolution und Widersprüchlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304674