Der Ansatz der Konstruktionsgrammatik ermöglicht es, die grammatische Grundbedeutung von spezifischen grammatischen Phänomenen aufzuzeigen, die ihnen gemeinsam ist, da sie aus konstruktionsgrammatischer Sicht Form-Bedeutungspaare bilden.
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Absicht, Reflexivität im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit mit Schwerpunkt auf der französischen Sprache zu untersuchen. Es soll also geklärt werden, ob und möglicherweise inwiefern sich Reflexivität im gesprochenen und geschriebenen Französisch unterscheidet.
Die Arbeit umfasst drei Schwerpunkte, wobei die ersten beiden Schwerpunkte die Grundlage für den dritten Schwerpunkt bilden. Zunächst soll es einen Überblick über die französischen Reflexivkonstruktionen geben, wie ihn die Konstruktionsgrammatik ermöglicht hat. Dazu soll der im Jahre 2013 erschienene Beitrag von Corina Petersilka über Reflexivkonstruktionen im Französischen herangezogen werden. Zuvor soll die Begriffsbedeutung der Reflexivierung erläutert werden. Anschließend sollen spezifische Phänomene des gesprochenen und geschriebenen Französisch gegenübergestellt werden und eine Abgrenzung von `gesprochen´ und `geschrieben´ stattfinden. Schließlich soll anhand eines gesprochenen Corpus festgestellt werden, ob und möglicherweise inwiefern sich Reflexivkonstruktionen im gesprochenen und geschriebenen Kontext unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Reflexivität und Reflexivkonstruktionen
2.1 Zur Begriffsbedeutung der Reflexivität
2.2 Reflexivkonstruktionen im Französischen
2.2.1 Die Reflexivkonstruktionsklasse A mit Vererbung durch transitiv direkte Verben
2.2.2 Die Reflexivkonstruktionsklasse B mit Vererbung durch transitiv indirekte Verben
2.2.3 Die Reflexivkonstruktionsklasse C mit Vererbung durch ditransitive Verben mit direktem und indirektem Objekt
2.2.4 Die Reflexivkonstruktionsklasse D mit Vererbung durch ditransitive Verben mit direktem Objekt und Präpositionalobjekt
3. Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit
3.1 Zum Problem der Abgrenzung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
3.2 Spezifische Phänomene der Mündlichkeit
4. Reflexivkonstruktionen im gesprochenen Französisch: Familiäres Gespräch am Abend
5. Fazit
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Verwendung von Reflexivkonstruktionen im französischen Sprachgebrauch, mit besonderem Fokus auf Unterschiede zwischen konzeptionell gesprochener und geschriebener Sprache. Das primäre Ziel ist es, anhand eines Transkripts eines familiären Gesprächs zu analysieren, wie sich mündliche Phänomene auf die Struktur dieser Konstruktionen auswirken.
- Konstruktionsgrammatische Analyse französischer Reflexivkonstruktionen.
- Differenzierung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
- Klassifizierung reflexiver Verben in vier Hauptstränge (A-D).
- Analyse von gesprochensprachlichen Phänomenen wie Ellipsen, Negationsveränderungen und Pronominalersatz.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Reflexivkonstruktionsklasse A mit Vererbung durch transitiv direkte Verben
Die Reflexivkonstruktionen des Stranges A seien die vielfältigsten, so Petersilka (vgl. Petersilka 2013: 81). Die Klasse A umfasst reflexive Verben, die in Vererbungsrelation zu direkt transitiven Verben stehen (vgl. ebd.). Folgender Beispielsatz aus Petersilkas Beitrag soll die Konstruktion A veranschaulichen:
(1) Mais Gustave se meurt, madame: il s’est blessé, en tombant de cheval (Dumas Père, Christine, 1830, IV, 3, p. 259 ; TLFi, zitiert in Petersilka 2013: 81).
Die kursiv gesetzten Bestandteile stellen die Reflexivkonstruktion A dar. Diese setzt sich formal aus „Subjekt, Reflexivpronomen und Verb“ zusammen (Petersilka 2013: 81). Das Reflexivpronomen ist hier direktes Objekt (vgl. Petersilka 2013: 81). Das Subjekt ist in der Reflexivkonstruktion A belebt (vgl. Petersilka 2013: 84). Auf semantischer Ebene wird das „Subjekt zum Objekt seiner eigenen Handlung“, wie anhand des Beispielsatzes ersichtlich wird (Petersilka 2013: 83). Die Argumentstruktur ist also zirkulär, da sich die Handlung des Subjekts, die sich auf das Objekt bezieht, auf das Subjekt rückbezieht, denn durch die Reflexivierung sind Subjekt und Objekt referenzidentisch (vgl. ebd.). Die Vererbungsrelation zeigt sich auch anhand des oben genannten Beispiels. So lässt sich das reflexive Verb se blesser = „sich verletzen“ vom transitiv direkten Verb blesser = „verletzen“ ableiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der konstruktionsgrammatischen Basis und der Zielsetzung, Reflexivkonstruktionen im Kontext von Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu untersuchen.
2. Reflexivität und Reflexivkonstruktionen: Theoretische Einteilung französischer Reflexivkonstruktionen in vier Klassen basierend auf Vererbungsrelationen.
3. Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit: Diskussion der medialen und konzeptionellen Abgrenzung von Sprache sowie Erläuterung mündlichkeitsspezifischer Phänomene.
4. Reflexivkonstruktionen im gesprochenen Französisch: Familiäres Gespräch am Abend: Empirische Analyse der reflexiven Konstruktionen anhand eines transkribierten Corpus.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Bauart der Konstruktionen identisch bleibt, jedoch durch gesprochensprachliche Besonderheiten modifiziert wird.
6. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Reflexivität, Konstruktionsgrammatik, gesprochenes Französisch, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Vererbung, Reflexivkonstruktionen, Corpusanalyse, Syntax, Morphosyntax, Sprachwandel, Interaktion, Negation, Sprachgebrauch, Transkription.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich französische Reflexivkonstruktionen unter konstruktionsgrammatischen Gesichtspunkten in gesprochenen und geschriebenen Kontexten verhalten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Einteilung reflexiver Verbklassen und deren empirische Anwendung auf gesprochene Dialoge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll geklärt werden, ob und inwiefern sich die Realisierung von Reflexivkonstruktionen durch die Bedingungen der mündlichen Kommunikation verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein konstruktionsgrammatischer Ansatz gewählt, kombiniert mit einer korpusgestützten Analyse eines familiären Gesprächs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Reflexivklassen A-D und die anschließende Untersuchung der Phänomene an Beispielen aus einem Transkript.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Reflexivität, Vererbung, Konzeption, Mündlichkeit, Schriftlichkeit und konstruktionsgrammatische Form-Bedeutungspaare.
Was unterscheidet das gesprochene vom geschriebenen Französisch in Bezug auf die Reflexivkonstruktionen?
Formal bleiben die Konstruktionen stabil, jedoch zeigen sich typisch mündliche Merkmale wie die Elision des [ə] am Reflexivpronomen oder die Vereinfachung der Negation.
Warum spielt die Negation bei der Analyse eine Rolle?
Die Verkürzung der zweigliedrigen Negation "ne...pas" zu "pas" ist ein charakteristisches Merkmal des gesprochenen Französisch, das auch bei Reflexivverben beobachtet werden kann.
- Citar trabajo
- Sara Fischer (Autor), 2014, Reflexivkonstruktionen im gesprochenen und geschriebenen Französisch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304698