Das Sprachspiel


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 „Das Sprachspiel“ - Allgemeine Begriffsbestimmung

2 Bedeutung von Wörtern und Sätzen im Sprachspiel
2.1 Die traditionelle Bedeutungstheorie
2.2 Das „hinweisende Lehren“
2.3 Wittgensteins Kritik an der traditionellen Bedeutungstheorie
2.4 Wittgensteins Auffassung von sprachlicher Bedeutung

3 Sprache als Lebensform

Schluss: Philosophische Konsequenzen aus Wittgensteins Sprachspieldenken

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einleitung

„Wittgenstein hat in der Philosophie einen neuen Anfang gewagt.“[1] Er hat seinen bohrenden Scharfblick von den systematischen Denkgebäuden, in denen die Philosophen seit jeher versuchten die Welt zu erfassen, abgelenkt und sich wie kein anderer Philosoph vor ihm dem menschlichen Sprachgebrauch zugewandt, wodurch er der Sprachphilosophie als philosophischer Fundamentaldisziplin des 20. Jahrhunderts zum Durchbruch verhalf. Die formale Logik, von Frege und Russell entwickelt, schien Wittgenstein in seinem Frühwerk die neue und geeignete Methode zu sein, um Ordnung in die philosophischen Verwirrungen seiner Zeit zu bringen. Die Ursache der philosophischen Probleme lag für Wittgenstein im falschen Gebrauch unserer Sprache, „er hatte den Verdacht, dass viele Probleme der Philosophie im Grunde Verknotungen des Denkens seien, Selbstfesselungen, Verschlingungen und gordische Knoten der Sprache, nicht aber der Welt“[2]. In seinem einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten philosophischen Werk, dem Tractatus logico-philosohicus, untersucht und beschreibt Wittgenstein, wie „Sprache und Wirklichkeit ineinandergreifen“[3] und versucht eine Zeichensprache zu entwerfen, die durch ihre Klarheit alle philosophischen Probleme beseitigen sollte. Von diesem Vorhaben distanziert sich Wittgenstein jedoch in seinem Spätwerk und stellt nun die Alltagssprache in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Sein 1953 posthum veröffentlichtes Hauptwerk trägt den Namen Philosophische Untersuchungen. In ihm führt Wittgenstein den Begriff des „Sprachspiels“ ein, der fortan sein gesamtes Denken prägt.

Ich möchte in der folgenden Arbeit darstellen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist und welche Wichtigkeit Wittgenstein diesem beimisst. Dazu ist es unerlässlich einen Überblick über Wittgensteins Vorstellungen von sprachlicher Bedeutung zu geben. Ich werde dies in Abgrenzung zur repräsentativen Zeichentheorie tun. Zum Schluss meiner Arbeit möchte ich beschreiben, wie Wittgensteins sprachphilosophische Einsichten seinen Blick auf die Philosophie beeinflussten.

1 „Das Sprachspiel“ - Allgemeine Begriffsbestimmung

Der zentralen Begriff in den Philosophischen Untersuchungen und in Wittgensteins gesamtem Spätwerk ist der des „Sprachspiels“. In diesem bündelt Wittgenstein sämtliche sprachliche Erscheinungen und erklärt, dass diesen „garnicht Eines gemeinsam [ist], weswegen wir für alle das gleiche Wort [nämlich "Sprache"] verwenden, - sondern sie sind miteinander in vielen verschiedenen Weisen verwandt.“ (65)[4]

Um dies genauer zu erläutern, bedient sich Wittgenstein der Analogie des Spielbegriffs. An diesem demonstriert er exemplarisch, dass es nur sehr schwer möglich ist, die Grenzen eines Begriffs präzise anzugeben. Wittgenstein versucht Spiele als Vorgänge zu beschreiben, denen Regeln zugrunde liegen, und die allesamt Ähnlichkeiten in ihrer Erscheinung aufweisen. Eine Definition kann und will er uns nicht geben. „Was ist noch ein Spiel und was ist keines mehr? Kannst du die Grenzen angeben?“(68), fragt Wittgenstein, um uns eine Vorstellung davon zu geben, in welcher Art und Weise wir den Begriff des „Spiels“ verwenden, dass es zwar nichts gibt, was allen Spielen gemeinsam zukommt, dass aber viele Ähnlichkeiten und „Verwandtschaften“ zwischen den verschiedenen Arten von Spielen existieren. Diese Offenheit und Relativität des Spielbegriffs macht ihn für Wittgensteins Bild vom Sprachspiel besonders brauchbar, an diesem kann er zeigen, was sprachliche Bedeutung ist und wie Sprache funktioniert. Wir benutzen das Wort „Spiel“ im alltäglichen Sprachgebrauch ganz selbstverständlich im Bewusstsein, dass es sich um einen scharf abgegrenzten Begriff handelt. Wir wissen, dass wir ein Spiel als solches erkennen, wenn wir eines sehen. Erst nach einer Definition gefragt, kommen wir ins Grübeln über den genauen Umfang und die Grenzen dieses Begriffs, und uns fällt auf, dass diese Grenzen gar nicht gezogen sind. „Aber dann ist ja die Anwendung des Wortes nicht geregelt; das >Spiel<, welches wir mit ihm spielen, ist nicht geregelt“ (68), stellt Wittgenstein in scherzender Erregung fest. „Aber das hat dich noch nie gestört, wenn du das Wort >Spiel< angewendet hast“ (68), ist seine Erwiderung. Menschliche Begriffsbildung funktioniert also nicht in der Art und Weise, dass wir zuerst einen Begriff schaffen, seinen Umfang und seine Grenzen bestimmen und dann damit beginnen, identische Erscheinungen und Phänomene diesem Begriff zuzuordnen, sondern indem wir „Familienähnlichkeiten“(67) zwischen den Dingen der uns umgebenen Wirklichkeit feststellen und diese je nach Zweck und Nutzen unseres Sprachgebrauchs zu einem Begriff bündeln. Dabei können Dinge mit mehreren „Familien“ verwandt sein und zu unterschiedlichen Begriffen gehören.

Ein weiterer Grund, weshalb Wittgenstein den Vergleich der Sprache mit einem Spiel benutzt, ist das offene Regelwerk eines Spiels. „Es [die Verwendung von Wörtern] ist nicht überall von Regeln begrenzt; aber es gibt ja auch keine Regeln dafür z.b., wie hoch man im Tennis den Ball werfen darf, oder wie stark, aber Tennis ist doch ein Spiel und es hat auch Regeln.“(68) Dies gibt einen Einblick in Wittgensteins Vorstellungen vom Funktionieren der Sprache und der Verwendung von Begriffen. Gerade weil viele Begriffe „verschwommene Ränder“ haben und die Erscheinungen, die wir in ihnen zusammenfassen nur ein „Netz von Ähnlichkeiten [aufweisen], die einander übergreifen und kreuzen“(66), lassen sie sich so verschiedenartig und flexibel benutzen und sind auf diese Weise dem Funktionieren der Sprachpraxis so dienlich.

2 Bedeutung von Wörtern und Sätzen im Sprachspiel

Um einen tieferen Einblick in Wittgensteins Sprachspielbegriff zu erhalten, ist es nötig, seine Vorstellungen über den Prozess der Bedeutungszuschreibung nachzuvollziehen. Wie einem Wort seine Bedeutung zukommt und wie ein Satz diese Bedeutungen transportiert wird gleich zu Beginn der Philosophischen Untersuchungen ausgeführt.

2.1 Die traditionelle Bedeutungstheorie

Zunächst schildert Wittgenstein anhand eines Textausschnittes von Augustinus, wie sich das traditionelle Verständnis von Sprache bisher darstellte. „Die Wörter der Sprache benennen Gegenstände – Sätze sind Verbindungen von solchen Benennungen (...) Jedes Wort hat eine Bedeutung. Diese Bedeutung ist dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welchen das Wort steht.“(1) Das Wort als gesprochener Laut, bzw. das Zeichen als Symbol dieses Lautes, steht stellvertretend für einen Gegenstand der wahrnehmbaren Wirklichkeit. Wir verallgemeinern Erscheinungen und Phänomene unserer Welt und fassen diese in Begriffe zusammen. Indem wir Dinge auf diese Weise bezeichnen, können wir uns in der Rede auf sie beziehen. Diese repräsentative Zeichentheorie hat seinen Ursprung in der Aristotelischen Philosophie und prägt seit dem unsere Vorstellungen über die Funktionsweise der Sprache.[5]

2.2 Das „hinweisende Lehren“

Das Lernen einer Sprache vollzieht sich nach Augustinus Beschreibung ausschließlich durch „hinweisendes Lehren“, indem der Lehrer auf einen Gegenstand zeigt und dazu ein Wort ausspricht. Der Lernende wird durch die Beobachtung der Gestik und der Gebärden des Lehrers und durch Nachahmung der gesprochenen Laute „eine assoziative Verbindung zwischen dem Wort und dem Ding“(6) herstellen. Wittgenstein nennt diesen Vorgang Abrichtung, stellt jedoch in Frage, ob durch die Herstellung einer „assoziativen Verbindung“ bereits ein Verstehen des Wortes bewirkt wird, da diese mir noch nicht mitteilt, wann und zu welchem Zweck ich das gelernte Wort gebrauchen kann. Die „assoziative Verbindung“ zwischen Wort und Gegenstand lässt mir nur ein Bild des Gegenstandes vor das geistige Auge treten, sobald das Wort ausgesprochen wird. Es ist „gleichsam ein Anschlagen einer Taste auf dem Vorstellungsklavier.“(6) Wie ich mich jedoch dann zu Verhalten habe, bzw. welches Handlungsmuster sich an das hören der Wörter anschließen soll, ist mir noch nicht bewusst. Es bedarf noch eines bestimmten Unterrichts, der mir als Sprachschüler erklärt, wie ich mich in gewissen Situationen zu einer sprachlichen Äußerung verhalten muss, wie ich jene also zu verstehen habe. Das Verständnis für ein Wort, welches der Unterricht durch Einübung von Verhaltensmuster vermittelt, richtet sich nach dem Zweck, der mit der Benutzung eines Wortes verbunden ist und der für das gleiche Wort sehr unterschiedlich sein kann.

[...]


[1] Vossenkuhl, Wilhelm: Ludwig Wittgenstein, 2. Aufl., München 2003, S. 11.

[2] Lem, Stanislaw: Also sprach GOLEM, Frankfurt am Main 1986, S.80.

[3] Lutz, Bernd (Hg.): Metzler-Philosophen-Lexikon, 2.Aufl., Stuttgart 1995.

[4] Alle Zahlenangaben hinter Zitaten beziehen sich auf Textnummern der „Philosophischen Untersuchungen“.

[5] Vgl.: Bezzel, Chris: Wittgenstein zur Einführung, 4. Aufl., Hamburg 2000, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Sprachspiel
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophie)
Veranstaltung
Ludwig Wittgenstein - Philosophische Untersuchungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V30497
ISBN (eBook)
9783638317498
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachspiel, Ludwig, Wittgenstein, Philosophische, Untersuchungen
Arbeit zitieren
Andre Fischer (Autor), 2003, Das Sprachspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30497

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