Wenn man sich die derzeitige Forschungslage ansieht, wird klar, dass der Geographieunterricht in seiner klassischen Form eines Wandels bedarf. Daher befasst sich diese Diplomarbeit mit dem Thema, wie man neue Medien im Geographieunterricht erfolgreich einsetzen kann, sodass einerseits die Motivation der Lernenden und daraus folgend auch der Lernertrag gesteigert werden kann. Die Diplomarbeit kombiniert Forschung zur Lernmotivation mit einer besonderen Form des Lernens mit neuen Medien: dem Geocaching. Hierbei handelt es sich um eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd, bei der die Verstecke („Geocaches“) anhand geographischer Koordinaten mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht und gefunden werden können. Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher kann sich in ein Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde, um weiteren Personen eine Suche zu ermöglichen. Im ersten Teil der Arbeit werden Möglichkeiten der Schülerinnen- und Schülermotivation im Unterricht durch die Anwendung neuer Medien beleuchtet, während der empirische Teil erforscht, inwieweit sich ein Geographieunterricht unter Einsatz von Geocaching tatsächlich auf Motivation und den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern auswirkt. Dafür wurden die Probandinnen und Probanden in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt, wobei die Experimentalgruppe dasselbe Lernmaterial wie die Kontrollgruppe mittels Geocaching bearbeitete. Die Auswertung versucht, die festgestellten Unterschiede zwischen beiden Gruppen in der Empirie mit Theorie und Forschung zu verknüpfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bildungsstandards und kompetenzorientierter Unterricht
2.1 Definition
2.2 Arten von Kompetenzen
2.3 Durch Geocaching vermittelbare Kompetenzen
3 Lehrplan Geographie und Wirtschaftskundeunterricht
3.1 Kompetenzen und didaktische Grundsätze des Lehrplans
3.2 Hintergrund der Studie
3.3 Lernziele
4 Lernen mit neuen Medien
4.1 Multimediales Lernen
4.1.1 Definition
4.1.2 Das Multimediaprinzip
4.1.3 Multimediales Lernen und Motivation
4.2 Mobiles Lernen (m-Learning)
4.2.1 Definition
4.2.2 Kontextualisierung
4.2.3 Chancen von mobilem Lernen
4.2.4 Limitationen von mobilem Lernen
4.2.5 Prinzipien
4.2.6 Ausprägungen von mobilem Lernen
4.3 Lernen mit Geocaching
4.3.1 Geocaching – Grundlagen und Geschichte
4.3.2 Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
4.3.3 Psychologische Dimensionen
4.3.4 Geocaching und unterschiedliche Lernstile
4.3.5 Rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Aspekte
5 Fragestellung und Hypothesen
5.1 Hypothese 1
5.2 Hypothese 2
5.3 Hypothese 3
6 Methode
6.1 Geocache: „Die Europäische Union“
6.2 Stichprobe
6.3 Untersuchungsmaterial
6.4 Lernaufgabe und Wissenstest
6.5 NASA-Task Load Index
6.6 Fragebogen zur Erfassung aktueller Motivation (FAM)
6.7 Untersuchungsablauf
6.8 Vorwissenstest
6.9 Lernziele der Studie
7 Ergebnisse
7.1 Gruppenunterschiede
7.2 Hypothese 1
7.3 Hypothese 2
7.4 Hypothese 3
8 Zusammenfassung und Implikationen für den Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das Potenzial von Geocaching als moderne, handlungsorientierte Lehrmethode im Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht, um Lernmotivation und Lernerfolg bei Schülerinnen und Schülern zu steigern und gleichzeitig fachspezifische Kompetenzen zu fördern.
- Analyse theoretischer Grundlagen des multimedialen und mobilen Lernens.
- Verknüpfung von Geocaching mit den Anforderungen österreichischer Bildungsstandards.
- Empirische Überprüfung des Einflusses von Geocaching auf Motivation und kognitive Belastung.
- Entwicklung didaktischer Konzepte zur Integration mobiler Technologie in den Unterrichtsalltag.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Noch bis Mitte der 1990er Jahre beschränkte sich der Medieneinsatz im Unterricht fast ausschließlich auf sogenannte „analoge“ Medien – das Schulbuch, den Overheadprojektor, Audio-Kassetten und Fernsehgerät; im Fach Geographie- und Wirtschaftskunde kamen auch noch des Öfteren Wandkarten zum Einsatz. 20 Jahre später scheint sich die Medienwelt durch die „digitale Revolution“ außerhalb des Klassenzimmers völlig gewandelt zu haben – ohne Internetverbindung würde das tägliche Leben nahezu still stehen. Im Unterrichtsalltag einer typischen österreichischen Schule spiegelt sich diese Realität jedoch nur selten wider. Zwar ersetzen mittlerweile immer öfter digitale Globen wie Google Earth die Wandkarten und Atlanten im Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht, werden sporadisch e-Learning Plattformen wie Moodle und Blackboard eingesetzt, doch das volle Potential der neuen digitalen Medien wird bei Weitem nicht ausgeschöpft.
Vor allem die Bereiche Interaktivität und Mobilität fristen immer noch ein Stiefkind-Dasein, obwohl die Literatur (vgl. z.B. Issing & Klimsa 1995, Baumgartner & Payr 1999, de Witt & Sieber 2013) sich einig zu sein scheint, dass diese Konzepte zu den innovativsten im Umfeld von Lernen mit neuen Medien gehören. Gründe dafür mögen im persönlichen Bereich der Lehrpersonen (mangelnde Bereitschaft zu Innovationen) zu suchen sein oder auch in der trägen organisatorischen Struktur des Systems Schule.
In Geographie- und Wirtschaftskunde würde sich der Einsatz von mobilen Navigationsgeräten ganz besonders anbieten, da hier neben der Nutzung von Interaktivität und Mobilität zwei für das Fach äußerst wichtige Faktoren zusammenfallen: Verortung und Bezug zum Realraum. Mobiltelefone bzw. Tablet-PCs könnten heutzutage – mit der richtigen, meist gratis verfügbaren, Software ausgestattet – den teuren GPS-Empfänger ersetzen; trotzdem verwendet sie nur ein Bruchteil der Geographie- und Wirtschaftskundelehrerinnen und –lehrer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Medienlandschaft und den meist analogen Unterrichtsalltag, wobei das Potenzial von Geocaching als motivierendes, mobiles Lerninstrument hervorgehoben wird.
2 Bildungsstandards und kompetenzorientierter Unterricht: Dieses Kapitel klärt die Begriffe Bildungsstandards und Kompetenzorientierung und erörtert, welche spezifischen Kompetenzen durch Geocaching erworben werden können.
3 Lehrplan Geographie und Wirtschaftskundeunterricht: Hier wird der Bezug zum österreichischen Lehrplan hergestellt und begründet, warum Geocaching als methodischer Ansatz zur Förderung von Raumverhaltens- und Methodenkompetenz dient.
4 Lernen mit neuen Medien: Dieses umfangreiche Kapitel diskutiert theoretische Ansätze zum multimedialen Lernen, mobilem Lernen (m-Learning) und Geocaching sowie deren Limitationen und psychologische Dimensionen.
5 Fragestellung und Hypothesen: Basierend auf der Theorie werden drei Hypothesen über den Einfluss von Geocaching auf Lernerfolg, Motivation und kognitive Belastung abgeleitet.
6 Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign, einschließlich des gewählten Geocaches zum Thema „Europäische Union“, der Stichprobe und der verwendeten Erhebungsinstrumente (NASA-TLX, FAM).
7 Ergebnisse: Hier werden die statistischen Analysen der empirischen Daten präsentiert, die den Einfluss von Geocaching auf Lernleistung und Motivation belegen.
8 Zusammenfassung und Implikationen für den Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht: Das abschließende Kapitel interpretiert die Ergebnisse und gibt praktische Empfehlungen für Lehrkräfte zur Implementierung von Geocaching.
Schlüsselwörter
Geocaching, Geographieunterricht, Wirtschaftskunde, Neue Medien, m-Learning, Kompetenzorientierung, Lernmotivation, Bildungsstandards, GPS, multimediales Lernen, Handlungsorientierung, Europäische Union, empirische Forschung, Wissensvermittlung, Instruktionsdesign.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Geocaching als moderne Unterrichtsmethode im Fach Geographie und Wirtschaftskunde eingesetzt werden kann, um Lernprozesse aktiver, motivierender und kompetenzorientierter zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Didaktik des Geographieunterrichts, der Einsatz digitaler Medien (insbesondere Mobile Learning), die Förderung von Kompetenzen gemäß österreichischer Bildungsstandards sowie die empirische Untersuchung von Lernmotivation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass durch den Einsatz von Geocaching als handlungsorientierte Methode die Motivation und der Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern gesteigert werden kann, während gleichzeitig die kognitive Belastung durch die Technik im Rahmen bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein empirischer Feldversuch mit einer Experimental- und einer Kontrollgruppe durchgeführt, bei dem Wissenstests und psychologische Fragebögen (NASA-TLX, FAM) zur Auswertung der Daten genutzt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Themen Lernen mit neuen Medien und Geocaching sowie einen empirischen Teil, der die Durchführung und Auswertung des Experiments beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geocaching, Geographieunterricht, m-Learning, Lernmotivation, Kompetenzorientierung und Bildungsstandards.
Wie unterscheidet sich die Experimentalgruppe von der Kontrollgruppe?
Die Experimentalgruppe absolvierte eine Geocaching-Rallye, bei der sie Informationen an verschiedenen Standorten im Gelände sammeln musste, während die Kontrollgruppe die Aufgaben konventionell und klassenzimmergebunden bearbeitete.
Welche Rolle spielt die „Europäische Union“ in der Studie?
Die Europäische Union bildet das inhaltliche Thema der Lernaufgaben für beide Gruppen, um die Wissensvermittlung in einem für den Lehrplan relevanten Kontext messbar zu machen.
- Citar trabajo
- Mag. phil. Mag. rer. nat. Martin Payrhuber (Autor), 2015, Erfolgreicher Einsatz von neuen Medien im Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht anhand von Geocaching, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305087