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Die Chancengleichheit der Parteienfinanzierung

Aktuelle Regelungen und Lücken im Parteienfinanzierungs- und Parteispenden-Recht

Title: Die Chancengleichheit der Parteienfinanzierung

Master's Thesis , 2015 , 137 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dominik Konrad (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Wettbewerb ist ein zentraler Aspekt der Politik. Die Konkurrenz zwischen verschiedenen Interessen und Überzeugungen bestimmt den politischen Alltag der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik. Die wichtigsten Träger dieses Wettbewerbs sind die politischen Parteien. Sie nehmen verschiedene gesellschaftliche und politische Strömungen ausgleichend in sich auf und vertreten diese nach außen hin und in Konkurrenz zu anderen Parteien. Um diese Aufgabe zu erfüllen, brauchen die Parteien Geld. Die staatlichen Regelungen zur Finanzierung der Parteien sind Teil der „Regeln des Machterwerbs“.
Parteien haben im gesamten Bereich des politischen Wettbewerbs einen Anspruch auf Chancengleichheit. Diese Gleichbehandlungspflicht gilt auch im Hinblick auf den Erwerb von Finanzmitteln. Eine Ungleichbehandlung von Parteien bei Fragen der Finanzierung kann diesen ungerechtfertigte Erfolge oder Misserfolge bei Wahlen bescheren. Ein finanzielles Ungleichgewicht würde so zu einem politischen Ungleichgewicht werden. Die Sicherung von gleichen Ausgangsbedingungen für die Parteien beim Erwerb von Finanzmitteln ist daher ein elementarer Bestandteil für die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie. Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, ob die politische Chancengleichheit in der Parteienfinanzierung gewahrt ist.
Hierzu wird zunächst die verfassungsrechtliche Herleitung der politischen Chancengleichheit erörtert. Sie stellt eine akademische Streitfrage dar und wurde zuletzt in dieser Ausführlichkeit von Andreas Kißlinger zur Mitte der neunziger Jahre untersucht. Daraufhin folgt eine systematische Untersuchung der Parteienfinanzierungsregelungen des Parteiengesetzes. Diese Arbeit wertet dabei eine Fülle an wissenschaftlicher Literatur aus. Sie orientiert sich an dem Urteil von Sachverständigen-Kommissionen zu Fragen der Parteienfinanzierung, Gesetzesbegründungen zu Änderungen des Parteiengesetzes, am zweijährlich erscheinenden Bericht des Bundestagspräsidenten zur finanziellen Entwicklung der Parteien, Entscheiden des Bundesverfassungsgerichts zu Fragen der Parteienfinanzierung, einer Vielzahl an Parteiengesetz- und Grundgesetzkommentaren, rechtswissenschaftlichen und politikwissenschaftlichen Aufsätzen, Tagungsbänden und Monographien. Damit bietet sie erstmalig einen konzentrierten Blick auf alle, sich aus dem Parteiengesetz ergebenden Regelungsdefizite und Gesetzeslücken der Parteienfinanzierung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Erster Teil: Das Parteienfinanzierungsrecht und der politische Wettbewerb

1.1 Chancengleichheit der Parteienfinanzierung und politischer Wettbewerb

1.2 Definition des Begriffs „Parteienfinanzierung“

1.3 Gang der Untersuchung

Zweiter Teil: Politische Chancengleichheit und Verfassungsrecht

2.1 Die Bedeutung der politischen Chancengleichheit

2.2 Die verfassungsrechtliche Herleitung der politischen Chancengleichheit

2.2.1 Politische Chancengleichheit als individuelles und kollektives Recht

2.2.2 Der Wandel der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur politischen Chancengleichheit

2.2.3 Die neuere Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts

2.2.4 Folgen für das Parteienfinanzierungsrecht

Dritter Teil: Die politische Chancengleichheit im Parteienwettbewerb

3.1 Vier verfassungsrechtliche Status der politischen Parteien

3.2 Die Chancengleichheit der Parteien

3.2.1 Chancengleichheit und Freiheit

3.2.2 Chancengleichheit und Transparenz

3.2.3 Chancengleichheit und innerparteiliche Demokratie

3.3 Die besondere Staatsnähe der Parteien

3.4 Das Problem der Entscheidung in eigener Sache

3.4.1 Parteienwettbewerb und übermäßige Staatsfinanzierung

3.4.2 Sachverständigen-Kommissionen als Schlichter

Vierter Teil: Verfassungsrechtliche Voraussetzungen für die Finanzautonomie der Parteien

4.1 Aufgabenwahrnehmung als primäre Voraussetzung für die Finanzautonomie der Parteien

4.2 Einschränkung der Finanzautonomie durch Sanktionen des Parteiengesetzes

4.3 Einschränkung der Finanzautonomie durch Entscheide des Bundesverfassungsgerichts

4.4 Die gehemmte Schlichtungsfunktion des Bundesverfassungsgerichts in Fragen der Parteienfinanzierung

Fünfter Teil: Die Selbstfinanzierung politischer Parteien

5.1 Verfassungsrechtliche Grundlagen der Selbstfinanzierung politischer Parteien

5.2 Der parteiengesetzliche Einnahmebegriff

5.3 Einnahmetitel gemäß Parteiengesetz

5.3.1 Mitgliedsbeiträge

5.3.2 Mandatsträgerbeiträge

5.3.3 Unternehmenstätigkeiten und Beteiligungen

5.3.4 Einnahmen aus der allgemeinen Tätigkeit der Parteien und Sponsoring

5.3.5 Sonstige Einnahmen

Sechster Teil: Das Parteispendenrecht

6.1 Verfassungsrechtliche Grundlagen des Parteispendenrechts

6.2 Der parteienrechtliche Spendenbegriff

6.2.2 Aufwandsspenden

6.2.3 Direktspenden

6.3 Chancengleichheit und Parteispendenrecht

6.4 Parteiengesetzliche Vorschriften in Bezug auf die Spendenhöhe

6.4.1 Publikationspflicht von Spenden und sonstigen Einnahmen über 10 000 €

6.4.2 Publikationspflicht von Spenden über 50 000 €

6.4.3 Bargeld- und Auslandsspenden

6.4.4 Anonyme Spenden

6.4.5 Eine Anhebung der Publizitätspflichten und Bagatellgrenzen ist geboten

6.5 Parteiengesetzliche Spendenannahmeverbote

6.5.1 Spenden öffentlich-rechtlicher Körperschaften

6.5.2 Spenden von Parlamentsfraktionen

6.5.3 Spenden gemeinnütziger Organisationen

6.5.4 Spenden aus dem Ausland

6.5.5 Spendenweiterleitung durch Berufsverbände

6.5.6 Spenden von Unternehmen, die teilweise in öffentlicher Hand sind

6.5.7 Spenden ohne feststellbare Herkunft und weitergeleitete Spenden Dritter

6.5.8 Gegenleistungsspenden

6.5.9 Spendenwerbung Dritter auf Provisionsbasis

Siebter Teil: Die staatliche Teilfinanzierung politischer Parteien

7.1 Verfassungsrechtliche Grundlagen der staatlichen Parteienfinanzierung

7.1.1 Chancengleichheit und staatliche Teilfinanzierung

7.1.2 Chancengleichheit und die Parteienfinanzierung auf kommunaler Ebene

7.2 Bedingungen zur Teilnahme an der staatlichen Teilfinanzierung

7.2.1 Kriterien für die Anerkennung des Parteistatus

7.2.2 Wahlerfolgsbezogene Hürden

7.2.3 Sonstige Regelungen und Ausnahmen zur Teilnahme an der staatlichen Teilfinanzierung

7.3 Bemessung und Höhe wahlerfolgsbezogener Teilfinanzierung

7.4 Bemessung und Höhe zuwendungsbezogener Teilfinanzierung

7.5 Verfassungsrechtliche Mindesthöhe staatlicher Leistungen

7.6 Die relative Obergrenze staatlicher Teilfinanzierung

7.6.1 Die Bemessung der relativen Obergrenze durch Einnahmen der Parteien

7.6.2 Grundsätzliche Überschreitung der relativen Obergrenze gegeben

7.6.3 Das Bruttoprinzip als Gesetzeslücke des Parteiengesetzes

7.7 Die absolute Obergrenze staatlicher Teilfinanzierung

7.7.1 Die Verfassungsmäßigkeit der absoluten Obergrenze

7.7.2 Die absolute Obergrenze als Hemmnis des politischen Wettbewerbs

7.7.3 Wegfall der absoluten Obergrenze möglich

Achter Teil: Bewertung der Chancengleichheit der Parteienfinanzierung

8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

8.2 Folgerungen für den Parteienwettbewerb

8.3 Folgerungen für die politische Chancengleichheit der Bürger

8.4 Ausblick zur Reform des Parteiengesetzes

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit das deutsche Parteienfinanzierungsrecht die verfassungsrechtlich gebotene Chancengleichheit politischer Parteien im Wettbewerb wahrt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen der parteienzentrierten Betrachtungsweise des Gesetzgebers und einer bürgerzentrierten Perspektive, die die Teilhaberechte der Wähler in den Mittelpunkt stellt.

  • Verfassungsrechtliche Herleitung der politischen Chancengleichheit (Art. 3 Abs. 1 GG und Art. 21 Abs. 1 GG).
  • Analyse der Einnahmequellen politischer Parteien (Mitgliedsbeiträge, Spenden, staatliche Teilfinanzierung).
  • Kritische Beleuchtung des "Entscheidung in eigener Sache"-Problems des Gesetzgebers.
  • Überprüfung von Transparenzvorgaben, Spendenannahmeverboten und Obergrenzen für staatliche Leistungen.
  • Reformvorschläge zur Schließung von Gesetzeslücken im Parteiengesetz.

Auszug aus dem Buch

1.1 Chancengleichheit der Parteienfinanzierung und politischer Wettbewerb

Wettbewerb ist ein zentraler Aspekt der Politik. Die Konkurrenz zwischen verschiedenen Interessen und Überzeugungen bestimmt den politischen Alltag der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik. Es gibt eine Vielzahl von Akteuren, die sich daran beteiligen. Unternehmen und Verbände versuchen mit Instrumenten der politischen Willensbildung die Politik zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Nicht zuletzt nehmen auch die Bürger als solche am Wettbewerb der verschiedenen politischen Ideen und Überzeugungen teil, indem sie ihre Meinungen in verschiedenen Verbänden, durch die Medien oder durch Wahlentscheidungen zum Ausdruck bringen. Die wichtigsten Träger des politischen Wettbewerbs sind aber die Parteien. Sie nehmen verschiedene gesellschaftliche und politische Strömungen ausgleichend in sich auf und vertreten diese nach außen hin und in Konkurrenz zu anderen Parteien.

Die Konzentration und Vermittlung politischer Positionen ist eine Dienstleistung der Parteien am Bürger. Um diese Aufgabe zu erfüllen, brauchen die Parteien Geld. Ursprünglich finanzierten sie sich vor allem aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Diese Art der Finanzierung ist so alt wie das Parteiprinzip selbst und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Relativ neu ist demgegenüber die Idee einer staatlichen Teilfinanzierung. Erst seit dem Jahr 1992 hält es etwa das Bundesverfassungsgericht für mit dem Grundgesetz vereinbar, „den Parteien Mittel für die Finanzierung der allgemein ihnen nach dem Grundgesetz obliegenden Tätigkeit zu gewähren“.1

Grundsätzlich können sich Parteien auch durch unternehmerische Tätigkeit finanzieren. Diese Finanzierungsart ist aber im Vergleich zur Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und staatlicher Teilfinanzierung weniger bedeutsam.

Zusammenfassung der Kapitel

Erster Teil: Das Parteienfinanzierungsrecht und der politische Wettbewerb: Einführung in die Bedeutung des Wettbewerbs in der Politik und Definition der zentralen Begriffe der Parteienfinanzierung.

Zweiter Teil: Politische Chancengleichheit und Verfassungsrecht: Theoretische Grundlegung und verfassungsrechtliche Ableitung der politischen Chancengleichheit als Fundament der Analyse.

Dritter Teil: Die politische Chancengleichheit im Parteienwettbewerb: Diskussion der verfassungsrechtlichen Status der Parteien und des Interessenkonflikts bei Entscheidungen "in eigener Sache".

Vierter Teil: Verfassungsrechtliche Voraussetzungen für die Finanzautonomie der Parteien: Untersuchung der Voraussetzungen für die Finanzautonomie und die Rolle des Bundesverfassungsgerichts als Schlichter.

Fünfter Teil: Die Selbstfinanzierung politischer Parteien: Analyse der verfassungsrechtlichen Grundlagen und der Einnahmekategorien wie Mitgliedsbeiträge, Sponsoring und wirtschaftliche Betätigung.

Sechster Teil: Das Parteispendenrecht: Detaillierte Prüfung der Spendenregelungen, Publizitätspflichten und Annahmeverbote auf ihre Vereinbarkeit mit der politischen Chancengleichheit.

Siebter Teil: Die staatliche Teilfinanzierung politischer Parteien: Bewertung der Bedingungen, Bemessung und Obergrenzen der staatlichen Teilfinanzierung für Parteien.

Achter Teil: Bewertung der Chancengleichheit der Parteienfinanzierung: Zusammenfassende Analyse der Regelungsdefizite und Empfehlungen für eine Reform des Parteiengesetzes.

Schlüsselwörter

Parteienfinanzierung, Politische Chancengleichheit, Bundesverfassungsgericht, Parteiengesetz, Parteispenden, Demokratieprinzip, Finanzautonomie, Staatsnähe, Transparenzgebot, Mandatsträgerbeiträge, Sponsoring, relative Obergrenze, absolute Obergrenze, Parteienwettbewerb, Wahlkampfkostenrückerstattung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das deutsche Parteienfinanzierungsrecht und untersucht, inwieweit dieses die verfassungsrechtlich verankerte politische Chancengleichheit schützt und fördert.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die verfassungsrechtliche Herleitung der Chancengleichheit, die Formen der direkten Parteienfinanzierung (Selbst- und Staatsfinanzierung) sowie das Parteispendenrecht inklusive Transparenzpflichten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, ob die geltenden rechtlichen Regelungen der Parteienfinanzierung eine fairen politischen Wettbewerb gewährleisten oder ob bestehende Gesetzeslücken zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die rechtliche Rahmenbedingungen und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts kritisch auf ihre Auswirkungen auf den Parteienwettbewerb und die Teilhaberechte der Bürger prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine verfassungsrechtliche Herleitung, eine Analyse der Selbstfinanzierung (Mitgliedsbeiträge, Sponsoring), eine detaillierte Prüfung des Spendenrechts und eine Bewertung der staatlichen Teilfinanzierung.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Politische Chancengleichheit, Parteienfinanzierung, Parteienwettbewerb, Transparenz, Bundesverfassungsgericht und Finanzautonomie.

Welche Rolle spielt das Bundesverfassungsgericht in der Arbeit?

Das Gericht wird als Hüter des Parteienwettbewerbs beschrieben, das durch seine Urteile maßgeblich zur Ausgestaltung des Parteienfinanzierungsrechts beiträgt, jedoch in der konsequenten Herleitung der Chancengleichheit als schwankend wahrgenommen wird.

Warum ist die Reform des Parteiengesetzes laut dem Autor so dringend?

Der Autor bemängelt komplexe Regelungslücken, wie das "Bruttoprinzip", die von Parteien opportunistisch genutzt werden können, um gesetzliche Obergrenzen zu umgehen, was die Chancengleichheit gefährdet.

Wie bewertet der Autor die Spenden durch Unternehmen oder Berufsverbände?

Er kritisiert diese aufgrund der Gefahr einer "doppelten steuerrechtlichen Begünstigung", die finanzkräftige Akteure privilegiert und somit zu einem Defizit an politischer Chancengleichheit führt.

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Details

Title
Die Chancengleichheit der Parteienfinanzierung
Subtitle
Aktuelle Regelungen und Lücken im Parteienfinanzierungs- und Parteispenden-Recht
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Politikwissenschaft)
Grade
1,7
Author
Dominik Konrad (Author)
Publication Year
2015
Pages
137
Catalog Number
V305140
ISBN (eBook)
9783668032347
ISBN (Book)
9783668032354
Language
German
Tags
chancengleichheit parteienfinanzierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominik Konrad (Author), 2015, Die Chancengleichheit der Parteienfinanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305140
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