Die Finanzkrise hat vor Augen geführt, dass das Ausscheiden eines systemisch relevanten Finanzinstitutes undenkbar war und die Staaten im Notfall stützend eingreifen mussten – entsprechende Institute besaßen also eine faktische Staatsgarantie. Die Bestrebungen, einer solchen Notwendigkeit staatlicher Eingriffe künftig zu entgehen, und die damit einhergehende Suche nach Lösungen für die Sanierung bzw. geordnete Abwicklung eines systemrelevanten Institutes waren der Anlass, sich eingehender mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Der Fokus wurde auf die Schweiz gelegt, da ihr durch die Umsetzung der Bankeninsolvenzverordnung bereits ein Instrumentarium für den Notfall zur Verfügung steht. Die Forschungsfrage wurde deshalb dahingehend formuliert, ob sich die in der Schweiz vorgesehen Maßnahmen und Instrumente zur Sanierung bzw. Abwicklung für den Krisenfall eignen und ob sie tatsächlich einer staatlichen Rettung vorzuziehen sind.
Zunächst wurden, im Blick auf diese Fragestellung, die potentiellen Maßnahmen und Instrumente wie erzwungene Kapitalmaßnahmen (CoCo-Bonds und Bail-in), Unternehmensveräußerungen, Bad Bank und Brückeninstitut allgemein (d.h. ohne spezifische Bezugnahme auf die Schweiz) untersucht. Besondere Berücksichtigung fand dabei der Bail-in, da dieser – und zwar nicht nur in der Schweiz – künftig eine wichtige Rolle spielen dürfte. Anhand bisheriger Erfahrungen mit diesem Instrument konnte jedoch gezeigt werden, dass so zwar die Verlustbeteiligung der Eigner und Gläubiger realisiert werden kann, dies jedoch auch mit erheblichen Nachteilen erkauft wird, die das Finanzsystem destabilisieren können. Auch die Auseinandersetzung mit den anderen Instrumenten zeigte: Eine Patentlösung sucht man vergebens.
Im nächsten Schritt wurde die Umsetzung der Bankeninsolvenzverordnung für die Schweiz detailliert betrachtet und analysiert. Unter Zuhilfenahme einer Fallstudie zur UBS im Krisenjahr 2008 konnte aufgezeigt werden, dass die erzwungenen Kapitalmaßnahmen – theoretisch – zwar in der Lage wären, selbst bei einer deutlich verschärften Krise den Zusammenbruch eines Institutes zu verhindern, dies jedoch nur dann, wenn sich die Schieflage des Institutes auf eine unzureichende Kapitalausstattung zurückführen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Forschungsproblem und Relevanz des Themas
1.3 Abgrenzung
1.4 Zielsetzungen
1.5 Forschungsfragen
1.6 Aufbau der Arbeit
1.7 Methodisches Vorgehen
2 Banken im volkswirtschaftlichen Kontext
2.1 Grundlegende Funktionen und Leistungen von Banken
2.2 Fragilität des Finanzsektors
2.2.1 Geschäftsmodell
2.2.2 Vertrauen
2.2.3 Vernetzung
2.2.4 Abhängigkeit vom Wirtschaftsumfeld
2.3 Gründe für die Regulierung
2.4 Regulatorisches Umfeld und Maßnahmen
2.5 Bankensektor in der Schweiz
2.6 Bankkrisen in der Schweiz
2.6.1 Regionalbankenkrise
2.6.2 Finanzkrise
2.7 Zwischenfazit
3 Systemrelevante Finanzinstitute
3.1 Definition von Systemrelevanz
3.2 Konsequenzen von TBTF für die Volkswirtschaft
3.3 Ansätze zur Identifizierung der Systemrelevanz
3.4 Kritik an der der Identifikation von systemrelevanten Instituten
3.5 SIFIs in der Schweiz
3.6 Zwischenfazit
4 Sanierung und Abwicklung von systemrelevanten Banken
4.1 Herausforderungen und Schwierigkeiten
4.1.1 Internationale Koordination
4.1.2 Komplexität der Struktur von SIFIs
4.1.3 Zeitkomponente
4.1.4 Auswirkungen auf Finanzsektor und Realwirtschaft
4.2 Implementierung eines Sonderinsolvenzrechtes
4.2.1 Zielsetzungen eines Sonderinsolvenzrechts
4.2.2 Vorkehrungen
4.2.2.1 Auslöser
4.2.2.2 Bankentestamente und Abwicklungspläne
4.2.3 Instrumente und Maßnahmen der Sanierung und Abwicklung
4.2.3.1 Kapitalmaßnahmen
4.2.3.1.1 CoCo-Bonds
4.2.3.1.2 Bail-in
4.2.3.2 Unternehmensveräußerung
4.2.3.3 Bad Bank
4.2.3.4 Brückenbank
4.2.3.5 Alternativen
4.2.3.5.1 Verstaatlichung und Bail-out
4.2.3.5.2 Liquidation und ungeordnete Insolvenz
4.2.3.6 Kriterien zur Auswahl der Instrumente und Maßnahmen
4.2.3.7 Kritische Würdigung und Beurteilung
4.2.4 Zwischenfazit
5 Untersuchung der Umsetzung in der Schweiz
5.1 Bankeninsolvenzverordnung
5.2 Ablauf der Sanierung
5.3 Maßnahmen
5.3.1 Kapitalmaßnahmen
5.3.2 Weitere Maßnahmen
5.4 Untersuchung anhand des Beispiels der UBS
5.4.1 Situation der UBS in 2008
5.4.2 Vorgenommene Rettungsmaßnahmen durch den Staat
5.4.3 Fallstudie
5.4.3.1 Fallstudie zum Bail-in
5.4.3.2 Abwandlung
5.4.3.3 Weitere Maßnahmen
5.5 Kritische Würdigung der Umsetzung
5.6 Auswirkungen für die Banken
5.7 Internationales Umfeld
5.7.1 Europa
5.7.2 United Kingdom
5.7.3 USA
5.7.4 Vergleich
6 Schlussfolgerungen
6.1 Handlungsempfehlungen für die Schweiz
6.2 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die in der Schweiz durch die Bankeninsolvenzverordnung vorgesehenen Instrumente und Maßnahmen zur Sanierung beziehungsweise Abwicklung systemrelevanter Banken im Krisenfall ausreichen und ob diese einer staatlichen Rettung vorzuziehen sind. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wirksamkeit und die resultierenden Kosten und Folgen dieser regulatorischen Instrumente, um eine neuerliche Notwendigkeit staatlicher Eingriffe zu verhindern.
- Identifizierung und Klassifizierung systemrelevanter Finanzinstitute (SIFIs).
- Analyse von Sanierungs- und Abwicklungsinstrumenten wie CoCo-Bonds und Bail-in.
- Untersuchung der regulatorischen Rahmenbedingungen in der Schweiz (BIV-FINMA).
- Kritische Analyse anhand der Fallstudie zur Rettung der UBS im Jahr 2008.
- Diskussion der internationalen Aspekte und Koordination bei Bankenkrisen.
Auszug aus dem Buch
4.2.3.1.2 Bail-in
Unter einem Bail-in versteht man in erster Linie die Wandlung von Fremdkapital in Eigenkapital (debt-to-equity swap) im Fall einer Krise. Im Gegensatz zum Bail-out, bei dem der Staat als Retter eintritt und die Gläubiger somit entlastet, werden diese beim Bail-in an der Rettung beteiligt. Alternativ ist auch der Forderungsverzicht möglich: Die Gläubiger der Bank wären dann gezwungen, die Forderungen gegen das Institut ganz oder teilweise abzuschreiben.180 Die bisherigen Aktien werden im Vorfeld abgeschrieben oder zumindest stark verwässert. Der Bail-in soll dazu führen, dass das betroffene Institut wieder rekapitalisiert werden kann oder das Kapital für andere Instrumente (Brückenbank) beschafft wird.181
Oftmals werden auch die bereits oben beschriebenen CoCo-Bonds als Bail-in Kapital bezeichnet. Allerdings besteht der zentrale Unterschied darin, dass bei einem CoCo-Bond die Wandlung vertraglich festgelegt wurde, während bei einem Bail-in dies – je nach Gesetzeslage – nicht zwingend notwendig ist.182 Zudem beschränkt sich der Bail-in nicht auf die Kategorie der Anleihen. Ein Bail-in sollte auch erst nach der Wandlung der CoCo-Bonds erfolgen und nur sofern diese nicht bereits eine ausreichende Rekapitalisierung erzielen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die TBTF-Problematik ein, erläutert die Relevanz der Untersuchung und definiert die Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Banken im volkswirtschaftlichen Kontext: Hier werden die Funktionen von Banken, ihre Fragilität und die daraus resultierenden Regulierungsgründe dargelegt sowie der Schweizer Bankensektor mit seinen Krisenerfahrungen beleuchtet.
3 Systemrelevante Finanzinstitute: In diesem Kapitel wird der Begriff der Systemrelevanz definiert, Ansätze zu deren Identifizierung kritisch diskutiert und der aktuelle Status der SIFIs in der Schweiz erörtert.
4 Sanierung und Abwicklung von systemrelevanten Banken: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Herausforderungen bei der Abwicklung von Großbanken und bewertet detailliert verschiedene Instrumente wie CoCo-Bonds, Bail-in, Bad Banks und Brückenbanken.
5 Untersuchung der Umsetzung in der Schweiz: Dieses Kapitel prüft die regulatorische Umsetzung in der Schweiz anhand der BIV-FINMA und führt eine vertiefte Fallstudie zur Krisensituation der UBS 2008 durch.
6 Schlussfolgerungen: Zum Abschluss werden Handlungsempfehlungen für die Schweiz abgeleitet und ein Resümee sowie ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung gegeben.
Schlüsselwörter
Systemrelevanz, TBTF, Sanierung, Abwicklung, Bankeninsolvenzverordnung, CoCo-Bonds, Bail-in, Schweiz, Finanzkrise, UBS, Regulierung, Krisenmanagement, Bankrun, Eigenkapital, Finanzstabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Masterthesis grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik systemrelevanter Banken (Too-Big-To-Fail) und untersucht, welche regulatorischen Instrumente und Maßnahmen zur Sanierung beziehungsweise Abwicklung im Krisenfall zur Verfügung stehen, um staatliche Bail-outs zu vermeiden.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zu den Schwerpunkten zählen die volkswirtschaftliche Bedeutung von Banken, die Kriterien für Systemrelevanz, der Einsatz von Kapitalmaßnahmen wie CoCo-Bonds und Bail-ins sowie die Analyse der Schweizer Bankeninsolvenzverordnung.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die für die Schweiz vorgesehenen Maßnahmen zur Abwicklung von systemrelevanten Banken im Krisenfall geeignet sind und ob sie hinsichtlich ihrer ökonomischen Folgen einer staatlichen Rettung vorzuziehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturanalyse sowie einer konstruierten Fallstudie zur Rettung der UBS im Jahr 2008, um die Wirksamkeit der Instrumente unter verschiedenen Szenarien zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Herausforderungen der Bankenabwicklung – wie internationale Koordination und Komplexität – sowie spezifische Instrumente (Bad Bank, Brückenbank, etc.) theoretisch und anhand von Fallbeispielen untersucht.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Systemrelevanz (TBTF), Sanierung, Abwicklung, Bankeninsolvenzverordnung, Bail-in, CoCo-Bonds und Finanzplatz Schweiz.
Welche Bedeutung hat das Beispiel der UBS in dieser Arbeit?
Die UBS dient als Fallstudie, um die theoretischen Konzepte (wie CoCo-Bonds und Bail-in) auf eine reale Krisensituation anzuwenden und zu analysieren, ob diese Instrumente eine staatliche Rettung in der Vergangenheit hätten verhindern können.
Inwiefern unterscheidet sich die Schweizer Regulierung von der anderer Länder?
Die Arbeit vergleicht die Schweiz mit den USA und Großbritannien und stellt fest, dass die Schweiz durch die BIV-FINMA und die gesetzliche Verankerung von Notfallplänen sehr weit fortgeschritten ist.
- Arbeit zitieren
- Johannes Höllerich (Autor:in), 2013, Sanierung und Abwicklung von Banken unter dem Aspekt der Systemrelevanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305182