August Hermann Franckes Bildungskonzept im Spannungsfeld von Pädagogik und Theologie


Hausarbeit, 2014

12 Seiten, Note: 11 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Franckes mit Schwerpunkt auf sein pädagogisches Handeln

3. Pietismus
3.1 Begriffserklärung und Hintergrund
3.2 Francke und der Pietismus

4. Das pädagogische Verständnis Franckes
4.1 Pädagogisch-pietistische Erziehungsgrundsätze
4.2 Umsetzung der franckischen Erziehungskonzeption im Waisenhaus

5. Aktualität von Franckes pädagogischen Konzepten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alle Klugheit, sie habe Namen, wie sie wolle, muß Gottes Ehre zum Ziel und Zweck haben und muß alle anderen Dinge gebrauchen, solchen heiligen Zweck zu erreichen.[1]

Dieses Zitat von August Hermann Francke fasst in einer prägnanten Form seine pädagogische Idee und sein Konzept zusammen. Der obengenannte Pädagoge und evangelische Theologe spielte eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung der Pädagogik in Deutschland. Seine Leitgedanken verfestigten sich bis in die heutige Zeit. Wichtig für Francke war stets die adäquate Verbindung zu Gott und der Religion.

In der Folgenden wissenschaftlichen Hausarbeit soll das Bildungskonzept, August Hermann Franckes, im Spannungsfeld von Pädagogik und Theologie untersucht werden. Ziel dieser Hausarbeit soll sein, herauszufinden, welche Rolle die Theologie innerhalb der Pädagogik Franckes gespielt hat.

Um die Thematik besser interpretieren zu können, soll zunächst einmal die Pädagogik, August Hermann Franckes, bezüglich seiner historischen und biographischen Zusammenhänge kontextualisiert werden. Aus diesem Grund wird vorerst seine Biographie in einer kurzen Form, mit dem Schwerpunkt auf sein pädagogisches Handeln vorgestellt. Anschließend wird der Pietismus und dessen Bezug zu Francke verdeutlicht. Darauffolgend soll konkreter auf das Erziehungskonzept Franckes eingegangen werden. Dies wird mit einem Beispiel, und zwar seiner Arbeit im Waisenhaus, exemplifiziert. Im Anschluss darauf wird die Aktualität von Franckes pädagogischen Konzepten veranschaulicht und zum Abschluss ein Fazit gezogen.

2. Biographie Franckes mit Schwerpunkt auf sein pädagogisches Handeln

August Herrmann Franckes wurde am 12. März 1663 in Lübeck geboren.[2] Sein Vater war ein angesehener Jurist, der selbst allerdings aus armen Verhältnissen stammte. Mit drei Jahren zog Francke mit seinem Vater nach Gotha, wo dieser Herzog Ernst dem Frommen diente. Letztere hatte bedeutende Bildungsreformen veranlasst, was auch Francke als Jungen betraf, möglicherweise beeinflusste dies den Jungen in seiner späteren Tätigkeit und seinen pädagogischen Ansichten.[3]

Später begann er zunächst in Erfurt Theologie zu studieren, wechselte darauffolgend nach Kiel und anschließend nach Leipzig. Dort erlangte er 1685 den Magistertitel. Zu dieser Zeit gründete er einen Verein, welcher sich mit der Exegese beschäftigte. Francke war der Ansicht, dass sich die damals vorherrschende Strömung der evangelischen Theologie, die sogenannte lutherische Orthodoxie, zu wenig mit diesem wichtigen Punkt beschäftigte. Hier wurde bereits sein späterer Konflikt mit dieser Ideologie deutlich. Während dieser Zeit geriet er in eine tiefe Glaubenskriese, die er aber bald überwand. Danach gab er allerdings seine Zukunftspläne als Intellektueller auf und erklärte nur noch Gott allein dienen zu wollen. Dieses Konzept der religiösen Bekehrung und Wiedergeburt spielt eine zentrale Rolle in der von Francke mitgeprägten pietistischen Ideologie.

Daraufhin ging er nach Hamburg, um sich weiterzubilden. Seinen Unterhalt finanzierte er sich durch Unterricht an Kindern. Dadurch gewann er zum ersten Mal praktischen Einblick in die Erziehung.[4] Er hielt eine Zeit lange Vorlesungen in Leipzig, wo er für seine pietistischen Positionen heftig kritisiert wurde, bis man ihn zum Pfarrer in Erfurt ernannte. Dort wurde dem gläubigen Protestanten vorgeworfen, eine Sekte gegründet zu haben, worauf folgend man ihn 1691 absetzte. Danach wurde er Pfarrer in Glaucha, einem Vorort von Halle und Professor für orientalische Sprachen an Universität in Halle.[5] 1695 wurde der Bau seiner Armenschule fertiggestellt, in der er die Kinder täglich 2 Stunden von einem armen Studenten unterrichten ließ. Dieses Projekt bewährte sich und bald wollten auch Bürger ihre Kinder am Unterricht teilnehmen lassen. Gleichzeitig gründete er das Pädagogium, in dem Kindern bürgerlicher Familien unter anderem in Latein unterrichtet wurden. 1698 habilitierte er zum Professor für Theologie und 1715 Oberpfarrer in Halle.

Zur selben Zeit verfasste er zahlreiche Streitschriften, welche sich mit der lutherischen Orthodoxie beschäftigten. 1727 starb August Hermann Franke im Alter von 64 Jahren in Halle an der Saale. Zu diesem Zeitpunkt wurden an der von ihm aufgebauten Schule mehr als 2000 Kinder und Jugendlichen unterrichtet. Seine pädagogischen Ideale waren für die Zukunft von gesonderter Relevanz.

3. Pietismus

3.1 Begriffserklärung und Hintergrund

Im Folgenden soll versucht werden eine kurze Übersicht über die Lehre des Pietismus zu geben, die von August Hermann Francke maßgeblich mitgeprägt wurde und für die er einer der wichtigsten Vertreter war.

Beim Pietismus handelt es sich um eine Strömung in der evangelischen Theologie des 17. und 18. Jahrhunderts. Sein Hauptaugenmerk liegt innerhalb der Religiosität des Einzelnen, von der die Pietisten glaubten, dass dies in der evangelischen Kirche der Zeit zu wenig betont wurde.[6]

Hierbei ist vor allem das Konzept der Bekehrung und der religiösen Wiedergeburt zu erwähnen. Nach der pietistischen Ideologie bilden nur diejenigen, die diese Wiedergeburt erlebt haben, die wahre Kirche.[7] Hierzu sei auf Franckes Glaubenskrise verwiesen, nach der dieser zum Pietisten wurde und beschloss, nur noch Gott allein zu dienen. Ursprünglich ist die Bezeichnung „Pietismus“, der sogenannten lutherischen Orthodoxie, das heißt der etablierten evangelischen Theologie zuzuordnen. Der Pietismus zerfällt in verschiedene Strömungen, deren hauptsächliches Unterscheidungsmerkmal der Umgang mit der Hauptkirche ist. Die erste Strömung, die zum Beispiel durch Francke vertreten wurde, ist der innerkirchliche Pietismus, welcher als Ziel die Reform der evangelischen Kirche von Innen hatte. Dem gegenüber stand der sogenannte radikale Pietismus, wie er unter anderem von Gottfried Arnold vertreten wurde. Dieser strebte danach, eigene Gemeinschaften außerhalb der etablierten Kirche aufzubauen und lehnte sich stark an die christliche Mystik an. Einer der Punkte, die dem Pietismus häufig vorgeworfen werden ist seine angebliche Wissenschaftsfeindlichkeit und Gegnerschaft zur Aufklärung.[8] Der Pietismus würde durch seine Betonung individueller religiöser Erfahrung jede rationale Betrachtung der Bibel unmöglich machen. Diese Kritik ist im Großen und Ganzen natürlich berechtigt, allerdings erkannte grade Francke die Wissenschaft durchaus an. Allerdings sah er sie als weitaus weniger wichtig als die Religion. Außerdem gilt der Pietismus als eine Lehre, die die herrschende Ständegesellschaft als gottgegeben akzeptierte und somit stützte. Tatsächlich lehnten die Pietisten die revolutionäre Veränderung der Gesellschaft ab. Seine Vertreter verstanden die herrschenden Obrigkeiten als Wiederspieglung Gottes und begründeten somit die Pflicht zur Unterwerfung unter deren Autorität.

Andererseits hatten sie durchaus das Ziel mit ihrer Frömmigkeit die Welt praktisch zu verändern und kritisierten auch staatliche Stellen, wenn diese ihrer Meinung nach ihren Aufgaben nicht richtig nachkamen.

3.2 Francke und der Pietismus

August Hermann Francke war mit Sicherheit einer der bedeutendsten Vertreter des Pietismus in Deutschland. Dabei ist Francke eher durch die Praxis seiner pädagogischen Einrichtungen von Bedeutung, weniger als Theoretiker.

„Das praktische Werk Franckes ist weitaus größer als die Ideologie, die vertritt und formt.“[9]

Alle seine Predigten hatten stets einen Bezug zu seiner Arbeit und dennoch lässt sich daraus auch Franckes theoretische Position erarbeiten. Er hatte, wie der Pietismus im Allgemeinen, dass Ziel einer umfassenden Reform der Kirche auf der Basis des individuellen Glaubens und der religiösen Wiedergeburt.[10]

Zusätzlich betonte er im Besonderen die Bedeutung von guten Taten wie Almosen oder auch seine Bildungsarbeit im Gegensatz zu den kirchlichen Ritualen, wie der Taufe und dem Gottesdienst.

Auch die typische kritische Haltung gegenüber der Wissenschaft findet sich bei ihm, allerdings ist Franckes Bild hier zwiespältig. Einerseits ermutigte zum Erlernen von Sprachen und förderte auch sonst die Wissenschaften in seinen Einrichtungen. Andererseits kritisierte er sie auch immer wieder scharf.

Ein weiterer Punkt, der zum Verständnis von Franckes Theologie bedeutsam ist, ist sein Verhältnis zur Arbeit[11]. Dieser sah er als praktische Frömmigkeit an. Gleichzeitig betonte er ihren Nutzen zur Unterdrückung aufständischer Bestrebungen, worin die Tendenz des Pietismus zur Unterwerfung vor der Obrigkeit erkennbar ist.

Alles in allem ist Franckes Theologie typisch für den Pietismus und prägte diesen weitreichend.

Vor allem seine pädagogische Tätigkeit stellt ein wichtiges Zeugnis für das praktische Beispiel der damaligen neuen Ideologie dar.

[...]


[1] Zit. nach : Teltow, Jürgen, 2005

[2] Die bibliographischen Angaben über A.H. Francke wurden in erster Linie entnommen aus: Beyreuther, Erich, 1961, S. 322-325.

[3] Vgl. Mönch, Regina, 2013.

[4] Vgl. Beyreuther, Erich, 1958, S.16

[5] Vgl. Bunke, Ernst, 1986, S. 39 ff.

[6] Vgl. Dittrich-Jacobi, Juliane, 1976, S.43

[7] Vgl. Ebd. S.45

[8] Vgl. Mentzel, Friedrich-Franz, 1993 S. 45

[9] Bergner, 1964, S.24

[10] Vgl. Ebd. S.27

[11] Vgl. Oschlies, Wolf, 1968, S.30ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
August Hermann Franckes Bildungskonzept im Spannungsfeld von Pädagogik und Theologie
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Pädagogik in der frühen Neuzeit
Note
11 Punkte
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V305197
ISBN (eBook)
9783668031159
ISBN (Buch)
9783668031166
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
August Hermann Francke, Theologie Pädagogik, franckischen Erziehungskonzeption, Pietismus
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Anonym, 2014, August Hermann Franckes Bildungskonzept im Spannungsfeld von Pädagogik und Theologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305197

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