Die Frage danach, was eine Person ist, beschäftigt die Menschen bereits seit der Antike und kann problemlos als ein zentrales Thema in der Philosophiegeschichte bezeichnet werden. In der jahrhundertelangen Tradition der Auseinandersetzung mit dem Begriff wurden nicht nur verschiedene Perspektiven und Ansätze entwickelt und diskutiert, um den Begriff zu fassen, sondern auch immer wieder der Versuch unternommen, die notwendigen und hinreichenden Bedingungen zu formulieren, wann wir von einer Person sprechen. Auch wenn die verschiedenen aufgestellten „Bedingungen für ‚Person’ [...] so unterschiedlich wie die geschichtlichen Epochen“ selbst sind, zählen einige dieser bis heute zu den Grundlagen, um philosophisch kontrovers das Thema diskutieren zu können. Einer der einflussreichsten Beiträge aus dem 20. Jahrhundert stammt hierbei von Daniel C. Dennett, der vor allem mit seinem Aufsatz "Bedingungen der Personalität" (englisch: „Conditions of Personhood“) neue Impulse für die Debatte geliefert hat.
In dem Aufsatz greift Dennett sechs Themen auf, für die seiner Meinung nach jeweils „der Anspruch erhoben worden [ist], es bezeichne eine notwendige Bedingung der Personalität“ . Der Autor hat dabei für sich die sechs ausgewählt, die „unter einer gewissen Interpretation auch berechtigt“ seien. Schließlich erarbeitet er anhand der Themen ein System, mit Hilfe dessen zu klären sein soll, ob man damit eine hinreichende Bedingung für Personalität finden kann.
Bei der Rezeption des Textes fiel es in besonderem Maße auf, dass die Konklusion, die Dennett diesbezüglich letztlich findet, sich als äußerst beachtenswert und diskussionswürdig darstellt. Darüber hinaus geht er bei den einzelnen Themen in besonderer Weise der Frage nach, welche Bedingungen Ein- bzw. Ausschlusskriterien für bestimmte Wesen sind, um von oder nicht mehr von Personalität reden zu können. Mir scheint es so, als ob sich bei beiden Gegenständen einige Schwierigkeiten ergeben, die er nicht angemessen oder nur unzureichend thematisiert. Es wird die Aufgabe der zugrundeliegenden Arbeit sein, diese Intuition detailliert zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedingungen der Personalität bei Dennett
2.1 Die Struktur der Themen
2.2 Die ersten drei Themen: Rationalität, Intentionalität, Einstellung
2.3 Thema vier: Reziprozität
2.4 Thema fünf: Fähigkeit zu verbaler Kommunikation
2.5 Thema sechs: Selbstbewusstsein
3. Konsequenzen aus der Bedingungsanalyse
3.1 Normativität und Graduierbarkeit
3.2 Wesen und Personalität
3.2.1 Tiere
3.2.2 Maschinen
3.2.3 Menschen
3.3 Sind Menschen und Personen koextensive Termini?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedingungen der Personalität nach Daniel C. Dennett kritisch, um zu prüfen, inwieweit sein System notwendige und hinreichende Kriterien für den Personenbegriff liefert. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob Dennetts Konklusion, dass Personalität eine graduierbare und normative Eigenschaft sei, plausibel ist und wie sich dieses Modell auf unterschiedliche Wesen wie Tiere, Maschinen und Menschen anwenden lässt.
- Systematische Analyse der sechs Dennett'schen Bedingungen der Personalität.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen intentionalen Systemen und Personsein.
- Kritische Reflexion über Normativität und Graduierbarkeit des Personenbegriffs.
- Vergleichende Betrachtung der Personalität bei Tieren, Maschinen und Menschen.
- Diskussion der Frage nach der Koextensivität von Mensch und Person.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Tiere
Es fällt Dennett nicht sehr schwer, Tiere als ein intentionales System zu verstehen, sodass man ihnen Rationalität sowie Intentionalität zugesteht und ihnen gegenüber auch eine bestimmte Haltung entgegengebracht werden kann.53
Schwieriger wird die Analyse hingegen bei der Behandlung des Themas Reziprozität. Insofern verwendet Dennett auch viel Mühe auf die Überprüfung, ob und wie Tiere diese Bedingung erfüllen und somit intentionale System zweiter Stufe sein können.54 Er sieht den stärksten Einwand gegen eine Position, die Tiere als solche Systeme begreift, in dem Sparsamkeitsmodell von Lloyd Morgan55. Als Beispiel führt Dennett aus, dass es ausreicht, das Verhalten eines Hundes, der Männchen macht, mit dem Willen nach Fressen und der Meinung, es so vom Herrchen zu bekommen, zu erklären. Man müsse nicht zusätzlich annehmen, dass der Hund den Herren zu der Meinung veranlassen will, dass er (der Hund) fressen will. So wäre das Verhalten einem intentionalen System zweiter Stufe zwar sehr ähnlich, doch es würde sich nur um eines der ersten Stufe handeln.56
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Debatte zum Personenbegriff ein und stellt Daniel C. Dennetts Aufsatz als zentralen Bezugspunkt sowie die Zielsetzung dieser Untersuchung vor.
2. Die Bedingungen der Personalität bei Dennett: Dieses Kapitel erläutert die sechs von Dennett aufgestellten Themenbereiche, von Rationalität bis zum Selbstbewusstsein, und deren hierarchische sowie wechselseitige Abhängigkeiten.
3. Konsequenzen aus der Bedingungsanalyse: Dieser Hauptteil prüft die Auswirkungen von Dennetts Thesen, insbesondere die Normativität des Personenbegriffs, und analysiert die Anwendbarkeit des Modells auf verschiedene Wesensarten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die kritischen Erkenntnisse zusammen und bewertet die fortdauernde Relevanz von Dennetts Ansatz in der aktuellen philosophischen Diskussion.
Schlüsselwörter
Personalität, Daniel C. Dennett, Intentionalität, Intentionales System, Reziprozität, Normativität, Graduierbarkeit, Personenbegriff, Selbstbewusstsein, Sprachfähigkeit, Harry G. Frankfurt, H. P. Grice, Philosophie des Geistes, Moralische Verantwortung, Künstliche Intelligenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den Aufsatz „Bedingungen der Personalität“ von Daniel C. Dennett und untersucht dessen Argumentation zur Definition einer Person.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen zählen die notwendigen Bedingungen für Personalität, die Klassifizierung intentionaler Systeme sowie die Frage nach der normativen Natur des Personenbegriffs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Dennetts System auf seine Konsistenz hin zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, ob es tatsächlich hinreichende Bedingungen für das Sein als Person definieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine deskriptive und kritisch-analytische Methode an, indem er Dennetts Thesen systematisch darlegt und sie anhand philosophischer Einwände, etwa von Forcher oder Frankfurt, bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der sechs Dennett'schen Themenbereiche, die Diskussion über Normativität und Graduierbarkeit sowie die Anwendung des Kriterienkatalogs auf Menschen, Tiere und Maschinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Personalität, Intentionalität, normativer Idealbegriff und die Unterscheidung intentionaler Systeme unterschiedlicher Stufen geprägt.
Warum spielt das „Sparsamkeitsmodell von Lloyd Morgan“ eine Rolle?
Es dient als Einwand gegen die Annahme, dass tierisches Verhalten bereits intentionale Systeme höherer Ordnung voraussetzt, und mahnt zur Vorsicht bei der Zuschreibung komplexer mentaler Zustände.
Welche Rolle spielen Maschinen in der Untersuchung?
Die Arbeit diskutiert, ob komplexe Maschinen durch das Fehlen „offenkundiger Irrationalität“ theoretisch eher dem Idealbegriff der Person entsprechen könnten als andere Lebewesen.
Inwiefern beeinflussen die Bedingungen fünf und sechs das Ergebnis?
Die Forderung nach verbaler Kommunikation und Selbstbewusstsein führt dazu, dass nach Dennetts Modell viele Lebewesen, einschließlich mancher Menschengruppen, die Kriterien nicht erfüllen.
- Citation du texte
- Marius Hummitzsch (Auteur), 2013, Die Bedingungen der Personalität bei Daniel C. Dennett und deren Konsequenzen für die Zuschreibung von Personalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305558