Wie kann unsere heutige Welt repräsentiert werden, ohne in eurozentristischen Kategorien zu denken? Dieser Problematik soll die vorliegende Arbeit auf den Grund gehen. Genauer soll hier betrachtet werden, ob die postkoloniale Theorie geeignet ist, um diesem Anspruch gerecht zu werden.
Hierzu soll im ersten Teil der Arbeit geklärt werden, was postkoloniale Theorie ist. Dies soll vor allem anhand der Arbeiten von Edward Said, Dispeh Chakrabarty, Stuart Hall und Gayatri Chakravorti Spivak geschehen.
Anschließend soll die postkoloniale Theorie mit Berücksichtigung der oben gestellten Frage kritisiert werden. Hier dient vor allem die Kritik von Arif Dirlik als Orientierung, nach welcher die postkoloniale Theorie das Verhältnis zum globalen Kapitalismus vernachlässige.
Im abschließenden Fazit wird dann neben einer Zusammenfassung ein Bezug zur Ethnologie hergestellt werden. Hierzu soll die Arbeit von Daniel Münster dienen, welcher sich mit genau dieser Thematik beschäftigt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Postkolonialität und postkoloniale Theorie
2.1 Postkolonialität
2.2 Postkoloniale Theorie
3. Postkoloniale Theorie und globaler Kapitalismus
3.1 Kritik an der postkolonialen Theorie
3.2 Alternative oder Ergänzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Konzept der postkolonialen Theorie kritisch zu untersuchen und zu hinterfragen, ob sie den heutigen Herausforderungen einer globalisierten Welt gerecht wird, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zum globalen Kapitalismus.
- Definition und Herleitung der Postkolonialität
- Die Rolle der postkolonialen Theorie als interdisziplinäre Diskussion
- Kritische Auseinandersetzung mit der Vernachlässigung des globalen Kapitalismus
- Möglichkeiten der Ergänzung durch Konzepte der Globalisierung
- Bedeutung der postkolonialen Perspektive für die moderne Ethnologie
Auszug aus dem Buch
2.1 Postkolonialität
[…], „“postcoloniality“ does not refer to one thing. Apart from all else, the term is now conventionally said to describe both a state of being, defined by its place in the passage of epochal history, and a critical orientation toward the reading of the past, not least of its textual traces“ (Commarof: 15). John Commaroff deutet hier eine doppelte Bedeutung des Begriffs Postkolonialität an, einerseits die Verortung des Postkolonialen in der Geschichte und andererseits eine kritische Lesart der Geschichte. Vor allem der zweite angesprochene Punkt von John Comaroff, die kritische Lesart der Geschichte, macht deutlich, dass es sich bei dem Begriff Postkolonialität um weit mehr als nur eine zeitliche Eingrenzung handelt.
Auch Stuart Hall betont diese zwei Dimensionen des Begriffs. So schreibt er im Jahr 2002, dass das Postkoloniale „[...] sowohl epistemisch als auch chronologisch verstanden werden wolle“ (Hall 2002: 236). Während das chronologische die Einordnung in die Geschichte ist, stellt die zweite Dimension eben diese kritische Betrachtung der Geschichte dar, wie sie auch von John Comaroff angesprochen wurde. Stuart Hall zufolge folgt das Postkoloniale nicht einfach nur auf das Koloniale, vielmehr geht es darüber hinaus. Gemeint ist, dass der Begriff des Kolonialismus sich auf „[...]einen spezifischen historischen Moment[...]“ bezieht und dass er „[…] eine Art und Weise, eine Geschichte zu inszenieren oder zu erzählen, [..]“ darstellt (Hall 2002: 237). Weiterhin sieht Hall in der Kolonisierung sowohl ein Herrschafts-, Macht- und Ausbeutungssystem, als auch ein Erkenntnis und Repräsentationssystem (Hall 2002: 237). Eine Unterscheidung zwischen diesen zentralen Bedeutungen des Kolonialismus weist Hall strikt zurück. Wenn nun der Postkolonialimus sowohl auf den Kolonialismus folgt, als auch darüber hinaus gehen soll, dann bedeutet dies nicht weniger, als neue theoretische und begriffliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine neue Art und Weise der Repräsentation und der Geschichtsschreibung zu ermöglichen (Hall 2002: 236-238).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Relevanz postkolonialer Theorie zur Beschreibung unserer heutigen Welt und umreißt die methodische Vorgehensweise anhand bedeutender Theoretiker.
2. Postkolonialität und postkoloniale Theorie: In diesem Kapitel werden die Grundbegriffe Postkolonialität und postkoloniale Theorie definiert sowie deren interdisziplinäre Natur und theoretische Wurzeln, etwa bei Edward Said, erläutert.
3. Postkoloniale Theorie und globaler Kapitalismus: Dieser Abschnitt thematisiert die Kritik von Arif Dirlik, der postkolonialen Theorie eine Vernachlässigung des globalen Kapitalismus vorwirft, und diskutiert mögliche theoretische Erweiterungen durch Konzepte wie die Globalisierung nach Ulrich Beck.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt insbesondere die Bedeutung postkolonialer Ansätze für die moderne Ethnologie hervor, die sich im Kontext neoliberaler Globalisierung neu positionieren muss.
Schlüsselwörter
Postkoloniale Theorie, Postkolonialität, Globaler Kapitalismus, Neoliberalismus, Eurozentrismus, Orientalismus, Subaltern Studies, Globalisierung, Ethnologie, Repräsentation, Geschichte, Macht, Identität, Soziale Ungleichheit, Dekolonialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wesen der postkolonialen Theorie und prüft, ob diese geeignet ist, die heutigen globalen Verhältnisse angemessen zu beschreiben und zu repräsentieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Postkolonialität, die kritische Analyse des Orientalismus, die Rolle des globalen Kapitalismus sowie die Weiterentwicklung der Ethnologie in einer neoliberalen Welt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, ob die postkoloniale Theorie den Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht wird, insbesondere durch eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Vernachlässigung wirtschaftlicher Faktoren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und diskursiven Kritik, wobei Werke bedeutender Theoretiker wie Said, Chakrabarty, Hall, Spivak, Dirlik und Beck herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst theoretische Grundlagen, stellt dann die fundamentale Kritik von Arif Dirlik bezüglich des globalen Kapitalismus dar und diskutiert ergänzende Konzepte der Globalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Postkolonialität, globaler Kapitalismus, Eurozentrismus, Repräsentation und ethnologische Gegenwartskritik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die zweite von der ersten Moderne laut Ulrich Beck?
Die erste Moderne ist durch Nationalstaaten und feste Territorien geprägt, während die zweite Moderne, beginnend mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, durch transnationale Akteure und die globale Dominanz des Marktes definiert wird.
Warum hält Arif Dirlik die postkoloniale Theorie für exklusiv?
Dirlik argumentiert, dass die postkoloniale Diskussion von Intellektuellen geführt wird, die zwar aus der dritten Welt stammen, aber fest in der westlichen Elite verankert sind, wodurch subalterne Stimmen kaum Raum finden.
Inwiefern hat sich die Ethnologie laut Daniel Münster gewandelt?
Die Ethnologie hat sich von der Auseinandersetzung mit dem historischen Kolonialismus hin zu einer kritischen Ethnologie der Gegenwart gewandelt, die globale Probleme wie Klimawandel und Neoliberalismus mit den Stimmen der Marginalisierten verbindet.
- Arbeit zitieren
- Arik Klapperich (Autor:in), 2013, Postkoloniale Theorie und globaler Kapitalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305720