Das Deutsche hat in seiner Sprachgeschichte mehr oder minder freudig entlehnt. An unserer Sprache lassen sich noch heute die großen Entlehnungswellen beobachten. Jeder Kontakt mit einer anderen Kultur hat sich als sprachlich bereichernd erwiesen und mehr oder weniger deutlich erkennbare Spuren hinterlassen.
Zu Beginn meiner Ausarbeitung möchte ich kurz auf die Lehnwortbildung und die beiden Wortbildungssysteme im Deutschen eingehen. Hierbei wird auch die Hybridisierung angesprochen, die, durch Isonomie ermöglicht, Mischbildungen beider Wortbildungsbereiche zulässt.
Kernbereich der Hausarbeit wird der Vergleich von zwei heute sehr produktiven, und meist ersatzweise verwendeten Lehnpräfixen sein. Die Frage, ob es sich bei super- und top- schon um Affixe oder noch Affixoide handelt, werde ich am Beispiel von super- versuchen zu beantworten. Anhand der Ursprungsanalyse bzw. der unterschiedlichen Etymologie von super- und top- werde ich herausarbeiten, worin der Unterschied der beiden Lehnpräfixe besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lehnwortbildung
2.1 Autonomie
2.2 Isonomie
2.3. Hybridisierung
3. super- als lexikalische Einheit
3.1. Affix oder Affixoid
3.2. Diachrone Merkmale eines Affix nach FLEISCHER (1995:69f)
3.3. Analyse am Beispiel super-
3.4. Beispiele von super-
3.5. Strukturtypen und semantischen Leistungen von super- nach SCHMIDT (1990:206ff)
4. top- als lexikalische Einheit
4.1. Top- als Konkurrenz zu super-
4.2. Strukturtypen und semantische Leistung von top- nach SCHMIDT (1990:209f)
5. Vergleich der Kombinationen super- 2.1 und top- 2
5.1. Semantische Unterschiede
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Lehnpräfixe "super-" und "top-" im Deutschen, um deren Status als Affixe oder Affixoide zu bestimmen und ihre semantischen Unterschiede sowie ihre jeweilige Produktivität zu analysieren.
- Grundlagen der Lehnwortbildung und deren Integration in das deutsche Sprachsystem.
- Theoretische Abgrenzung zwischen Affix und Affixoid nach Fleischer.
- Etymologische Analyse und Strukturtypen von "super-" und "top-".
- Vergleichende Untersuchung der semantischen Leistungen beider Lehnpräfixe.
- Diskussion über die Notwendigkeit einer differenzierten Verwendung sprachlicher Mittel.
Auszug aus dem Buch
3.3. Analyse am Beispiel super-
In den unter 3.4. folgenden Beispielen ist super- stark reihenbildend. Super- determiniert bzw. modifiziert in den Beispielen die ihm folgende Basis in einer bestimmten Weise, d.h. es macht die Kombination zu einem bestimmten Unterbegriff zu dem von der Basis bezeichneten Oberbegriff. Die Bedeutung von super- dieses Strukturtyps kann wie folgt erläutert werden, wobei eine leichte Differenzierung nach der Wortart der Basis notwendig erscheint:
Die semantische Leistung des Präfixes super- als Bestandteil von Kombinationen dieses Strukturtyps besteht darin, dass mit diesen Kombinationen im Falle der Substantive und Verben Sachen/Sachverhalte oder Handlungen als solche bezeichnet werden, die sich aus der jeweiligen Klasse der in der Basis bezeichneten Sachen/Sachverhalten oder Handlungen durch eine über das Maß hinausgehende besondere Ausprägung wesentlicher Merkmale herausheben und sie im Vergleich mitunter weit übertreffen, und dass im Falle der Adjektive die von der Basis gegebenen Charakterisierungen zumeist bis zur höchsten Steigerungsstufe verstärkt werden (SCHMIDT 1990:204).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema der Lehnwortbildung und Darlegung des Ziels, die Präfixe "super-" und "top-" zu vergleichen.
2. Lehnwortbildung: Erläuterung der beiden Wortbildungssysteme im Deutschen und deren Interaktion durch Hybridisierung.
3. super- als lexikalische Einheit: Untersuchung der etymologischen Herkunft und Kategorisierung von "super-" anhand sprachwissenschaftlicher Kriterien.
4. top- als lexikalische Einheit: Analyse von "top-" als konkurrierendes Lehnpräfix und dessen Einordnung in das System der Affixoide.
5. Vergleich der Kombinationen super- 2.1 und top- 2: Gegenüberstellung beider Präfixe zur Identifizierung semantischer Divergenzen bei gleicher Basis.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklungsstufen beider Präfixe und Appell an eine präzise Sprachverwendung.
Schlüsselwörter
Lehnwortbildung, Super-, Top-, Affix, Affixoid, Semantik, Hybridisierung, Autonomie, Isonomie, Sprachgeschichte, Fremdwortschatz, Wortbildung, Lehnpräfix, Steigerung, Wortbildungssysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse der beiden im heutigen Deutsch sehr produktiven Lehnpräfixe "super-" und "top-".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Lehnwortbildung im Deutschen, die morphologische Einordnung der Präfixe und deren semantische Leistung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob es sich bei "super-" und "top-" um eigenständige Affixe oder um Affixoide handelt und wie sich ihre Bedeutung in Kombinationen unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Ursprungs- und Etymologieanalyse sowie eine Ersatzprobe angewandt, um die lexikalische Funktion der Präfixe zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Strukturtypen von "super-" und "top-" sowie deren Verwendung im Kontext der sprachlichen Steigerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lehnwortbildung, Affixoid, semantische Entleerung, Produktivität und Sprachkultur.
Warum ist "top-" nach Meinung des Autors noch weit vom Affix entfernt?
Im Gegensatz zu "super-" zeigt die Analyse, dass "top-" bei den Bedeutungsstufen noch deutlicher an seine Ursprünge als Kompositionsglied erinnert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Alltagssprache?
Der Autor stellt fest, dass die semantischen Unterschiede der Präfixe für die alltägliche Kommunikation kein Hindernis darstellen, betont aber die Bedeutung einer differenzierten Sprachwahl für die Sprachkultur.
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- Jens Allendorff (Author), 2004, Historische Wortbildung. Die produktiven Lehnpräfixe "super-" und "top-" im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305745