Motivation und Intention von SexualassistentInnen in der Altenhilfe


Hausarbeit, 2015

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Sexualität im Alter - ein Tabu im Wandel
1.1 Begründung der Themenstellung - Ableitung des Themas
1.2 Die Vermittlungsagentur „Nessita“
1.3 In dieser Studie behandelte Forschungsfragen
1.4 Erklärung

2 Aufbau und Organisation der Studie

3 Definitionen

4 Vorstellung der Ergebnisse aus der qualitativen Untersuchung

5 Zusammenfassendes Fazit und Ausblick
5.1 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2 Durch die Studie neu aufgeworfene Fragen

6 Reflexion der Studienarbeit
6.1 Organisatorische Schwächen und strukturelle Schwierigkeiten
6.2 Eignung des Forschungsdesigns
6.3 Qualität des Fragebogens
6.4 Lessons Learned

Anhang

Leitfragenkatalog

Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abkürzungsverzeichnis

Tabelle 2: Lessons Learned

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Abkürzungsverzeichnis

1 Sexualität im Alter - ein Tabu im Wandel

1.1 Begründung der Themenstellung - Ableitung des Themas

Die kapitalistische Welt, in der wir leben, richtet sich nach Angebot und Nachfrage aus. Gibt es einen Bedarf nach einer bestimmten Dienstleistung, so wird sicherlich auch bald ein entsprechendes Angebot zu finden sein. In der Altenpflege nimmt die Bedeutung der Selbstbestimmung immer mehr zu, nicht nur aufgrund dieser marktwirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch, weil sich die Ansprüche an die Leistungen in diesem Sektor, dem allgemeinen Trend hin zur Individualisierung folgend, insgesamt stark verändern. Ebenso, und aus den gleichen Gründen, befinden sich Vorstellung und Ideale, was eine „optimale Pflege“ beinhalten sollte, in Richtung Selbstverwirklichung im Wandel. Der Erhalt der Lebensqualität erfährt eine deutliche Aufwertung, im Heim soll der alte Mensch nicht mehr lediglich „aufbewahrt“ werden, im Gegenteil, es soll ein lebenswerter letzter Abschnitt, das sogenannte „dritte Lebensalter“, gestaltet werden und zwar unter größtmöglicher Berücksichtigung der Wünsche der Betroffenen. „Der Lebensraum ist der Ort der persönlichen Entwicklung und Entfaltung, ein Ort [sic!] in dem man selbst entscheidet“ (Kämmer, Entzian 2008: 47). Daraus lässt sich schließen, dass sich zwangsläufig auch die Anforderungen, welche an die ambulanten und stationären Versorger gestellt werden, verändern. Dienstleister in der Altenpflege gibt es in ebenso großer Zahl, wie in vielen anderen Branchen auch. Es herrscht ständiger Druck durch Konkurrenzkampf. Durch die strengen Auflagen, denen eine stationäre Altenpflegeeinrichtung heutzutage durch den Gesetzgeber unterworfen wird, gibt es aufgrund der daraus resultierenden Normierung für die potentiellen Kunden weniger Möglichkeiten, sich objektive Gesichtspunkte außerhalb des Fragenkataloges des MDK zur Wahl des für sie richtigen Heims zu suchen. Die durch die Kontrollorgane untersuchte Qualität ist in den meisten Häusern hoch und durch die Pflegenoten kaum zu differenzieren. Aber gibt es als Auswahlkriterium noch die kleinen Extras, mit denen sich ein Haus von der Konkurrenz abzuheben versuchen kann. Hierauf legen viele Häuser inzwischen ihren Fokus. So gibt es Häuser mit eigenem Streichelzoo, Häuser mit Wellnessoase, Restaurant und kleiner Einkaufsmeile. Das Wohnen soll zu einem Erlebnis werden.

Ein Erlebensbereich, der im Alltag der pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren bisher deutlich zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat, jetzt aber langsam in den Fokus rückt, stellt die Körperlichkeit und damit verbunden auch die Sexualität dar. Mit Schwierigkeiten in diesem Bereich des Zwischenmenschlichen werden Pfle- gekräfte dann konfrontiert, wenn im Leben der Pflegebedürftigen traumatische Erlebnisse in Verbindung mit Sexualität gemacht wurden. Ganz besonders sei hier an die Generationen von Frauen erinnert, die in Kriegen massenhaft zu Opfern sexualisierter, männlicher Gewalt wurden und werden. Häufig werden die schweren Traumatisierungen der betroffenen Frauen nicht wahrgenommen oder nicht mit dem aktuellen, auffälligen Verhalten verknüpft. Die Frauen werden als psychotisch oder hysterisch betrachtet, teilweise sogar ärztlich so diagnostiziert und erhalten nicht die Hilfe, die sie dringend nötig hätten, sondern werden stattdessen mit Medikamenten ruhig gestellt (vgl. Böhmer, M. (2011): 11-17). Derzeit betrifft dies im Altenheim vor allem Vergewaltigungsopfer - und damit hauptsächlich Frauen - aus dem 2. Weltkrieg. Da der Mensch es jedoch scheinbar nicht schafft, friedlich mit seinen Nachbarn auszukommen, wird uns dieses Problem wohl immer begleiten, wobei nicht zu vergessen werden darf, dass ja auch in Friedenszeiten Verbrechen unter sexualisierter Gewalt begangen werden.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch im hohen Alter noch Wünsche und Bedürfnisse was die eigene Sexualität angeht: Menschen sind Säugetiere und pflanzen sich geschlechtlich fort. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehört Sexualität als ein fester und wichtiger Teil zu unserem Wesen und wird daher folgerichtig sowohl in den AEDLs nach Krohwinkel als AEDL 10 „Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten“ (vgl. Wied, Warmbrunn 2003: 13), als auch der Bedürfnispyramide nach Maslow zu unseren physiologischen Grundbedürfnissen gezählt (vgl. Wirtschaftslexikon 24 o.J.). Interessant erscheint in diesem Zusammenhang, dass einer Veröffentlichung, welche Formulierungshilfen für eine Pflegeplanung nach den AEDL anbietet, zwar auf das AEDL 10 eingegangen und hier das Nicht-Ausleben-Können der Sexualität sogar als Problem auflistet wird, jedoch keinerlei Ziele oder Maßnahmen dazu vorgeschlagen werden. Das Problem wird also erkannt, jedoch nicht zu lösen versucht, was der üblichen Vorgehensweise bei Pflegeproblemen völlig widerspricht. (vgl. Hellmann 2009: 90ff).

Für uns Menschen stellt die Sexualität aber weit mehr dar, als nur das Mittel zur Fortpflanzung. Sie dient ebenso zur Festigung der Bindung an den Partner, dem Lustgewinn und der Befriedigung (vgl. Wied, Warmbrunn 2003).

Daher endet die Sexualität auch nicht in einem bestimmten Alter mit dem Ab- schluss der Familienplanung, sie begleitet uns bis zum Lebensende, auch in Er- krankungen, wie zum Beispiel der Demenz (vgl. Hahn 2013: 3). Diese Kombination von Sexualität und Erkrankung birgt einige Konflikte in sich, da mehrere Tabus angesprochen werden, die mit der Sexualität - die an sich in unserer Gesellschaft schon ein Tabu darstellt - in Verbindung stehen: das Alter, das Abhängig- keitsverhältnis, die Behinderung, das Leben in einem Pflegeheim und auch die Sexualität der Pflegenden. Sexuelle Aktivität von dementiell Erkrankten wird dann problematisch, wenn die anerzogenen Hemmschwellen durch die Krankheit weg- fallen und sich die Mitmenschen mit sexuellen Handlungen oder veränderten Ver- haltensweisen konfrontiert sehen, die sie überfordern, da sie nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen (vgl. Mück 2013: 16 - 17).

Auf diesem Grat zwischen albtraumhaftem und lustbetontem Empfinden der Se- xualität und vielen Tabus balancieren Pflegekräfte stationärer Einrichtungen jeden Tag durch den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Inkontinenzver- sorgung sowie die Intimpflege beispielsweise sind essentieller Bestandteil der Versorgung und für die körperliche Unversehrtheit der Pflegebedürftigen absolut notwendig, da sonst Hautschädigungen und der Verlust der Gesellschaftsfähigkeit drohen. Die Versorgten bringen diesen Pflegehandlungen jedoch weniger rationale, sondern eher emotionale Reaktionen entgegen. Manche Frau wehrt sich noch in der tiefsten Demenz verzweifelt gegen Manipulationen in ihrem Intimbereich, schlägt um sich, schreit, weint und bettelt, sie in Ruhe zu lassen. Mit ihr muss absolut behutsam umgegangen werden. Andere - Frauen wie Männer - fühlen sich durch die intime Nähe der Handlung eher dazu aufgefordert, sexuell aktiv zu werden und verstehen die Handlungen der Pflegenden als Einladung dazu. Dann befindet sich die Pflegekraft in der schwierigen Situation, sich selbst gegen sexuelle Übergriffe zu schützen und gleichzeitig die eigene Würde sowie die des Gegenübers zu wahren und zu achten.

Hier kommt nun der auch in Deutschland nicht mehr ganz neue, aber dennoch recht unbekannte Beruf der Sexualassistenz ins Spiel. Denn die Bedürfnisse nach Nähe und Sexualität bestehen ja weiter, auch wenn dem Annäherungsversuch ein Riegel vorgeschoben wurde. Sexualassistentinnen wollen Menschen, die nicht (mehr) in der Lage sind, ihre Sexualität selbständig auszuleben, unterstützen, ihnen Wege aufzeigen, wie dies trotz Einschränkungen möglich sein kann. Ursprünglich war dieses Angebot hauptsächlich für körperlich oder geistig Behinderte gedacht, inzwischen wurde es jedoch ausgeweitet auf sämtliche Menschen, die Hilfe beim Ausleben der eigenen Sexualität benötigen.

1.2 Die Vermittlungsagentur „Nessita“

In Hamburg hat im Frühjahr 2014 eine Vermittlungsagentur für erotische Dienst- leistungen ihre Arbeit aufgenommen - die erste ihrer Art in Deutschland. Ihr Name ist Nessita. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an ältere und immobile Menschen (vgl. Paulsen 2015). Die Betreiberin der Agentur, Frau Gabriele Paulsen, war sofort bereit, Auskunft zu geben und Fragen zum Thema zu beantworten. In einem persönlichen Gespräch berichtete sie von ihrem Werdegang und der Entstehung der Idee, Nessita zu gründen. Sie kommt selbst aus der Altenpflegebranche und empfindet den Bedarf an menschlicher Zuwendung für die Pflegebedürftigen als sehr hoch. Sie persönlich bietet keine Sexualassistenz an, sondern konzentriert sich auf Vermittlung der Dienstleisterinnen, Außendarstellung und Akquise von Unterstützern. Durch sie kam auch der Kontakt zu den für die Vorstudie befragten Sexualassistentinnen zustande.

1.3 In dieser Studie behandelte Forschungsfragen

Die durch die Interviews zu klärenden Fragen beziehen sich allesamt auf die Per- sönlichkeiten der Sexualassistentinnen. Die beiden zentralen Fragen, die beant- wortet werden sollen, sind: Welche Motivation wie auch Intention treibt die Se- xualassistentinnen in ihrer Tätigkeit an? Es soll außerdem ein Überblick über die Altersstruktur, ebenso wie über die berufliche Herkunft der Dienstleisterinnen verschafft sowie die eigene Sicht der Sexualassistentinnen auf ihren Beruf und ihre Zukunftspläne beleuchtet werden, um ein besseres Verständnis für die persönliche Ausgangssituation zu erlangen. Die Forschungsfragen lauten demnach:

- Welche Motivationen treiben die Sexualassistentinnen an?
- Welchen Intentionen folgen die Sexualassistentinnen?
- Wie sieht die Altersstruktur und berufliche Herkunft der Sexualassistentin- nen aus?
- Welches Bild haben die Sexualassistentinnen von sich selbst in ihrem Beruf?
- Welche beruflichen Zukunftspläne gibt es für die Sexualassistentinnen?
- Wie gut wird der Beruf im privaten Umfeld der Sexualassistentinnen akzeptiert?

Da es sich um eine Vorstudie handelt, gilt es außerdem festzustellen, ob der ent- worfene Fragebogen zu den gewünschten Antworten führt, oder ob noch Unklar- heiten bestehen, welche durch eine veränderte Formulierung beseitigt werden können.

1.4 Erklärung

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei einem Großteil der Menschen, die sowohl im Pflegebereich, als auch in der Sexualassistenz tätig sind, ebenso wie bei den Pflegebedürftigen in der Seniorenversorgung, um Frauen handelt, werden in dieser Arbeit im Zweifelsfall für die bessere Lesbarkeit des Textes Substantive in weiblicher Form verwendet. Männer sind selbstverständlich, wie sonst umgekehrt, mit gemeint.

2 Aufbau und Organisation der Studie

Darstellung der Methodenwahl und des Forschungsdesigns

Die Tatsache, dass sich die Studie mit dem Seelenleben und sehr persönlicher Materie der Sexualassistentinnen befasst, legt die Erhebung von Daten zu den oben formulierten Fragen mittels qualitativer Interviews nahe, denn die Dienst- leisterinnen sollen ihre eigene Lebenswelt darstellen. Gewählt wurde die Form des Leitfaden-Interviews: Die Dienstleisterinnen werden zu sich selbst befragt und können sich frei zu den Themen äußern. So werden keine Antworten durch die fehlende Möglichkeit, sie zu geben, verpasst. Zu diesem Zweck sind die Fragen offen und neutral zu gestalten. Da es sich empfiehlt, derartige Interviews persönlich im Vier-Augen-Gespräch durchzuführen, wurden die Gespräche mit Hilfe eines Diktiergeräts aufgezeichnet und später schriftlich festgehalten. (vgl. Flick 2009a: 10ff und Ludwig-Mayerhofer o.J.: 3f). Eine genauere Einordnung der Interview- Art in die von Flick beschriebenen Kategorien fällt schwer (vgl. Flick 2009a: 10ff), dies ist aber nicht ungewöhnlich, da die meisten Leitfaden-Interviews nicht in einem dieser spezifischen Typen zuzuordnen sind (vgl. Ludwig-Mayerhofer, o.J.: 7). Das Forschungsinstrument war ein selbst erstellter, einseitiger Fragebogen mit 14 offenen Fragen zur persönlichen Situation, der beruflichen Herkunft und Zukunftsplänen sowie Intention und Motivation, die Tätigkeit als Sexualassistentin auszuüben. Im Laufe der Erhebung stellte sich heraus, dass ein persönliches Treffen nicht immer möglich war, da sich einige Interviewpartnerinnen in ganz Deutschland verteilt befanden. Die Interviews mit den weiter entfernt lebenden Personen wurden daher telefonisch geführt, ebenso mit dem Diktiergerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte beschreibend. Neben der Beantwortung der Forschungsfragen schließt die Betrachtung von durch die Studie neu aufgeworfenen Fragen den Forschungsprozess ab.

Begründung der Stichprobenwahl

„Die Anzahl der statistischen Einheiten, zu denen eine Aussage getroffen werden soll, wird als Grundgesamtheit bezeichnet “ (Statista GmbH o.J.). Die Grundge- samtheit der diese Studie betreffenden statistischen Einheiten, sprich Sexualas- sistentinnen, bilden alle Sexualassistentinnen in Deutschland. Diese in einer Vol- lerhebung zu befragen, würde den Rahmen einer Arbeit dieser Größenordnung bei Weitem sprengen, alleine schon wegen des Aufwandes, den es bedeuten würde, sie alle ausfindig zu machen, da es keinerlei Zentralregister oder ähnliches gibt, das die Personen zusammenfasst. Durch die Gründung der Vermittlungsagentur Nessita bot sich, gerade durch die räumliche Nähe, die günstige Gelegenheit, die Dienstleisterinnen, welche sich hier registrieren ließen, anzusprechen und in diesem Rahmen quasi eine „Vollerhebung im kleinen Kreis“ durchzuführen.

Da sich mehrere Personen anfangs bei Nessita registrieren ließen, sich dann aber doch wieder von dieser Geschäftsidee abwandten, wurde es im Laufe der Befragungen offensichtlich, dass die Agentur nur eine sehr kleine und damit keine ausreichende Anzahl an Interviewpartnerinnen lieferte. Zusätzlich konnte es trotz anfänglicher Zusage aller letztendlich nicht gelingen, sämtliche bei Nessita registrierte Sexualassistentinnen für eine Teilnahme an den Interviews zu gewinnen. Um dennoch eine aussagekräftige und repräsentative Stichprobe zu erhalten, wurde versucht, weitere Sexualassistentinnen oder -assistenten im Internet zu finden, die sich zu einem Interview bereit erklären. Der Großteil der Anfragen wurde schlicht nicht beantwortet, ein weiterer männlicher Sexualassistent erklärte sich bereit, ein Interview zu geben, antwortete aber auf weitere Emails bezüglich einer Terminvereinbarung nicht mehr. Es gibt auch Sexualassistentinnen, welche bereits länger in ihrer Branche tätig sind, und sich hier bereits einen Namen gemacht haben. Diese erklären sich auf ihren Homepages grundsätzlich bereit, Interviews zu geben, erheben aber ein Honorar dafür. Dieses zu bezahlen, war ich nicht einverstanden. So kam es, dass sich lediglich vier Interviewpartnerinnen (n = 4) zu Gesprächen bereiterklärten. Bei einer so geringen Zahl kann nicht von Repräsentativität gesprochen und unter diesen Umständen keine vollwertige Studie erstellt werden. Aus diesem Grund wurde diese Arbeit in Absprache mit dem Lehrbeauftragten als Vorstudie konzipiert. Sie soll dazu dienen, den Fragebogen und das Studiendesign auf Zweckmäßigkeit zu überprüfen sowie strukturelles Verbesserungspotential aufzuzeigen.

Planung und Durchführung der Befragungen

Die Durchführung der Befragungen wurde für September bis Dezember 2014 geplant. In dieser Zeit sollten sämtliche Interviews mündlich geführt, mit einem Diktiergerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert werden. Die Auswertung der Ergebnisse war für Januar bis März 2015 geplant. Ende März sollte dann auch die Arbeit abgeschlossen und zur Beurteilung abgegeben werden. Es stellte sich im Laufe der Befragungen heraus, dass es schwerer als gedacht war, erstens Interviewpartnerinnen zu finden und zweitens mit diesen dann einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren. So musste der Zeitplan verschoben werden. Die Interviews konnten auch nicht alle von Angesicht zu Angesicht geführt werden, sondern mussten teils telefonisch stattfinden. Vier Interviews konnten aufgezeichnet werden; die Gesamtgesprächszeit beträgt 51,38 Minuten, wobei die einzelnen Interviews zwischen 4 Minuten, 13 Sekunden und 20 Minuten, 21 Sekunden dauerten. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Gesprächszeit von etwa 12 Minuten, 10 Sekunden.

3 Definitionen

Sexualassistenz

Eine offizielle Definition, was Sexualassistenz genau bedeutet, scheint es (noch) nicht zu geben. Nina de Vries, die Frau, welche die Sexualassistenz in Deutschland entscheidend voran gebracht hat, liefert folgende Definition:

„Aktive Sexualassistenz (auch Sexualbegleitung genannt) ist eine bezahlte, sexuelle Dienstleistung für Menschen mit einer Beeinträchtigung. Sexualassis- tentInnen sind Menschen, die aus einer transparenten und bewussten Motivation heraus u.a. Folgendes anbieten: Beratung, erotische Massage, zusammen nackt sein, sich gegenseitig streicheln und umarmen, Anleitung zu Selbstbefriedigung für Menschen die das nicht durch Bildmaterial verstehen können, bis hin zu Oral- und Geschlechtsverkehr. Jede/r SexualassistentIn entscheidet individuell, was er/sie konkret anbietet und für wen.“ (de Vries 2013). Neben der eben beschriebenen aktiven Sexualassistenz gibt es auch noch eine passive Form. Diese wird von einem männlichen Sexualassistenten, Ralf Buchty, folgendermaßen definiert: „Frauen und Männer, die sich auf die eine oder andere Weise von einer wünschenswerten Sexualität abgeschnitten fühlen, oder sich in dieser weiter entwickel[n] wollen, erhalten […] Angebote in sexueller Aufklärung, Sexualpädagogik und/oder sexueller Bildung. Die Organisation von Hilfsmitteln sowie die Unterrichtung im sinngemäßen Gebrauch sind Bestandteil der passiven Sexualassistenz.“ (Buchty o.J.)

Motivation

Der Begriff „Motivation“ wird sehr häufig und in vielen Zusammenhängen geradezu inflationär verwendet. Oft scheint seine genaue Bedeutung dabei aber nicht bekannt zu sein. Um einen unmissverständlichen Gebrauch in dieser Arbeit gewährleisten zu können, halte ich eine Definition dieses eher geläufigen Wortes für erforderlich:

„Zustand einer Person, der sie dazu veranlasst, eine bestimmte Handlungsalternative auszuwählen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen und der dafür sorgt, dass diese Person ihr Verhalten hinsichtlich Richtung und Intensität beibehält.“ (Gabeler Wirtschaftslexikon).

Vereinfacht kann „Motivation“ als das beschrieben werden, was man in sich trägt, das einen antreibt, etwas zu tun. Sie begründet eine Handlung.

Intention

Auch bei der „Intention“ handelt es sich um einen viel verwendeten Begriff, dessen Bedeutung oft mit der des Wortes „Motivation“ vermischt oder sogar vertauscht wird. In dieser Arbeit sollen sowohl die Motivation als auch die Intention der Sexualassistentinnen untersucht werden. Daher ist es bedeutsam, beide Bezeichnungen gut voneinander abzugrenzen und klar zu definieren. „Intention“ wird in dieser Arbeit wie folgt verstanden und verwendet:

„Absicht in bestimmter Richtung; planmäßige geistige

Anspannung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen - im

Gegensatz zum zufälligen Erreichen einer Sache.“ (Enzyklo.de).

Die Intention beleuchtet das Ziel, welches man durch die Handlung erreichen möchte. Sie bietet den Nährboden für die Vision. Somit kann man Motivation und Intention als zwei gleich gerichtet arbeitende Kräfte betrachten, wobei die Motivation in der Person selbst sitzt und sie vorwärts treibt, während die Intention gleichsam im Ziel wartet und die Handlung zu sich lenkt.

4 Vorstellung der Ergebnisse aus der qualitativen Untersuchung

Zusammenfassung der Geschlechts- und Altersstruktur

Interviewt wurden insgesamt vier Personen, drei Frauen (75%), ein Mann (25%). Das Alter variiert von 43 bis 52 Jahre, im Durchschnitt waren die Befragten 47.5 Jahre alt.

Berufliche Herkunft der Sexualassistentinnen

75% der Befragten kommen aus dem Bereich der Massagen, wobei alle diese Personen sowohl Wellness-, als auch Tantra-Massagen anbieten. Eine Befragte arbeitet als freiberufliche Journalistin, Musik- und Burnout-Therapeutin und unterrichtet autogenes Training, eine andere als Physiotherapeutin. Der Mann gibt an, freischaffender Künstler zu sein und als Schauspieler und Tanzlehrer zu arbeiten. Alle Befragten geben an, mehrere weitere Berufe auszuüben.

Dauer der Tätigkeit als Sexualassistentin

Zwei Befragte (50%) geben an, noch keinen Einsatz als Sexualassistentin gehabt zu haben und sich erst seit sehr kurzer Zeit mit der Thematik der Sexualassistenz zu beschäftigen. Je eine Befragte, und damit jeweils 25%, ist seit einem halben Jahr, beziehungsweise seit 2 Jahren in der Branche aktiv.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Motivation und Intention von SexualassistentInnen in der Altenhilfe
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Pflegemanagement)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V305856
ISBN (eBook)
9783668041455
ISBN (Buch)
9783668041462
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Interviews sind aus nutzungsrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.
Schlagworte
Sexualassistenz, Sexualassistentin, Sexualassistent, Nessita, Sexualität im Alter, Sexualität Altenheim, Sexualassistenz Altenhilfe, Sex im Alter, Demenz und Sexualität, Bedürfnisse im Alter
Arbeit zitieren
Regina M. Binöder (Autor), 2015, Motivation und Intention von SexualassistentInnen in der Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305856

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