Sexualassistenz ist eine in der Behindertenarbeit bereits seit längerem bekannte und erfolgreich angebotene Dienstleistung für Menschen, die beim Ausleben ihrer Sexualität aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung benötigen.
In der Altenhilfe ist diese Tätigkeit bisher noch relativ unbekannt, jedoch ist auch hier der Beruf auf dem Vormarsch. In Hamburg hat die erste Vermittlungsagentur für SexualassistentInnen eröffnet, die sich ausdrücklich an die ältere Generation richtet.
Viel wurde bereits über die Menschen berichtet, die eine solche Dienstleistung in Anspruch nehmen. Wer bislang bis auf wenige individuelle Ausnahmen aber völlig unbeachtet blieb, sind die DienstleisterInnen selbst, ihre Motivationen und Intentionen. In dieser qualitativen Studie wurde mittels narrativer Interviews ein Bild der befragten SexualassistentInnen gezeichnet, das diese Lücke füllen möchte. Aufgrund der geringen Anzahl an durchführbaren Interviews ist die Arbeit als Vorstudie konzipiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Sexualität im Alter – ein Tabu im Wandel
1.1 Begründung der Themenstellung – Ableitung des Themas
1.2 Die Vermittlungsagentur „Nessita“
1.3 In dieser Studie behandelte Forschungsfragen
1.4 Erklärung
2 Aufbau und Organisation der Studie
3 Definitionen
4 Vorstellung der Ergebnisse aus der qualitativen Untersuchung
5 Zusammenfassendes Fazit und Ausblick
5.1 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2 Durch die Studie neu aufgeworfene Fragen
6 Reflexion der Studienarbeit
6.1 Organisatorische Schwächen und strukturelle Schwierigkeiten
6.2 Eignung des Forschungsdesigns
6.3 Qualität des Fragebogens
6.4 Lessons Learned
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, die persönlichen Motive und Intentionen von Sexualassistentinnen zu untersuchen, die in einem bisher wenig erforschten Bereich der Altenhilfe tätig sind. Durch eine qualitative Vorstudie mittels narrativer Interviews soll ein besseres Verständnis für die Beweggründe dieser Dienstleisterinnen sowie deren Selbstverständnis und berufliche Herausforderungen gewonnen werden.
- Motivationen und Beweggründe von Sexualassistentinnen
- Einfluss von Intentionen auf das berufliche Handeln
- Altersstruktur und berufliche Herkunft der Akteure
- Selbstbild und Akzeptanz der Tätigkeit im sozialen Umfeld
- Herausforderungen in der Akquise und Methodik bei nicht-organisierten Berufsgruppen
Auszug aus dem Buch
1.1 Begründung der Themenstellung – Ableitung des Themas
Die kapitalistische Welt, in der wir leben, richtet sich nach Angebot und Nachfrage aus. Gibt es einen Bedarf nach einer bestimmten Dienstleistung, so wird sicherlich auch bald ein entsprechendes Angebot zu finden sein. In der Altenpflege nimmt die Bedeutung der Selbstbestimmung immer mehr zu, nicht nur aufgrund dieser marktwirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch, weil sich die Ansprüche an die Leistungen in diesem Sektor, dem allgemeinen Trend hin zur Individualisierung folgend, insgesamt stark verändern. Ebenso, und aus den gleichen Gründen, befinden sich Vorstellung und Ideale, was eine „optimale Pflege“ beinhalten sollte, in Richtung Selbstverwirklichung im Wandel.
Der Erhalt der Lebensqualität erfährt eine deutliche Aufwertung, im Heim soll der alte Mensch nicht mehr lediglich „aufbewahrt“ werden, im Gegenteil, es soll ein lebenswerter letzter Abschnitt, das sogenannte „dritte Lebensalter“, gestaltet werden und zwar unter größtmöglicher Berücksichtigung der Wünsche der Betroffenen. „Der Lebensraum ist der Ort der persönlichen Entwicklung und Entfaltung, ein Ort [sic!] in dem man selbst entscheidet“ (Kämmer, Entzian 2008: 47). Daraus lässt sich schließen, dass sich zwangsläufig auch die Anforderungen, welche an die ambulanten und stationären Versorger gestellt werden, verändern. Dienstleister in der Altenpflege gibt es in ebenso großer Zahl, wie in vielen anderen Branchen auch. Es herrscht ständiger Druck durch Konkurrenzkampf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Sexualität im Alter – ein Tabu im Wandel: Das Kapitel führt in die Problematik ein und beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel sowie die zunehmende Bedeutung von Selbstbestimmung und Sexualität in der Altenpflege.
2 Aufbau und Organisation der Studie: Hier werden das methodische Vorgehen, die Wahl der narrativen Interviews und das Forschungsdesign detailliert begründet.
3 Definitionen: Dieser Abschnitt erarbeitet ein Verständnis für die Begriffe Sexualassistenz, Motivation und Intention im Kontext der Untersuchung.
4 Vorstellung der Ergebnisse aus der qualitativen Untersuchung: Die erhobenen Daten zu Alter, Herkunft, Motivationen und beruflichen Zukunftsplänen der befragten Personen werden systematisch präsentiert.
5 Zusammenfassendes Fazit und Ausblick: Die Forschungsfragen werden beantwortet und es wird reflektiert, welche neuen Fragestellungen sich aus der Vorstudie ergeben haben.
6 Reflexion der Studienarbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der Akquisemethode, dem Forschungsdesign und den gewonnenen Erkenntnissen für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten.
Schlüsselwörter
Sexualassistenz, Altenhilfe, Sexualität im Alter, Qualitative Forschung, Motivation, Intention, Leitfaden-Interview, Selbstbestimmung, Lebensqualität, Demenz, Pflegeethik, Tabu, Berufsidentität, Arbeitsmarkt, Dienstleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Motivationen und Intentionen von Sexualassistentinnen, die ihre Dienste auch für ältere und immobile Menschen in der Altenhilfe anbieten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Neben der Erforschung persönlicher Antriebskräfte stehen die gesellschaftliche Tabuisierung von Sexualität im Alter, das Selbstverständnis der Dienstleisterinnen und die Herausforderungen einer noch jungen Branche im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, als Vorstudie Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was Sexualassistentinnen antreibt, welche Ziele sie verfolgen und wie sich ihre Tätigkeit in der professionellen Pflege verorten lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählte eine qualitative Methode und führte Leitfaden-Interviews durch, um die Lebenswelt und die persönlichen Ansichten der Sexualassistentinnen detailliert zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung, die Definition der Kernbegriffe, die Auswertung der Interviewergebnisse sowie die kritische Reflexion des gesamten Forschungsprozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sexualassistenz, Altenhilfe, Motivation, Intention, Tabubruch, Lebensqualität und qualitative Sozialforschung.
Warum war die Akquise der Interviewpartnerinnen so schwierig?
Die Gruppe ist nicht organisiert, es existiert kein Zentralregister, und viele Betroffene scheuen aus Sorge vor Vorurteilen oder einer Stigmatisierung die öffentliche Bekanntmachung ihrer Tätigkeit.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Motivation?
Die Mehrheit der Befragten handelt altruistisch und möchte die Lebensqualität der Klienten verbessern; monetäre Anreize spielen meist eine untergeordnete Rolle.
- Citation du texte
- Regina M. Binöder (Auteur), 2015, Motivation und Intention von SexualassistentInnen in der Altenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305856