Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen Pop-Festival zu bestimmen und aufzuzeigen, welche Werte für wen, wie und warum bei einem Pop-Festival produziert werden. Die Relevanz dieser Untersuchung steht vor dem Hintergrund einer sich verändernden Musik- und Festivalindustrie. Während der Tonträgermarkt seit Jahren einen viel diskutierten Zerfall erlebt, entwickelen sich Festivals zu einem boomenden Wirtschaftszweig. Doch schaut man genauer auf den deutschen Festivalmarkt, zeigt sich, dass nicht alle von diesem scheinbaren Boom profitieren.
Bisher haben kaum Untersuchungen zu den Wertschöpfungsprozessen von Pop-Festivals stattgefunden. In dieser Arbeit werden deshalb Strategien und Wertschöpfungsprozesse zum Gegenstand empirischer Forschung. Als Experten sollen Führungskräfte verschiedener deutscher Pop-Festivals in Einzelinterviews befragt werden. Im Zuge der Auswertung der so gewonnenen Daten soll herausgestellt werden, welche Aktivitäten Pop-Festivals durchführen, wo sie sich ähneln, was sie unterscheidet und welches die wichtigsten Werttreiber sind.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. Das Phänomen Pop-Festival
1.2. Relevanz
1.3. Fachwissenschaftliche Verortung und Forschungsstand
1.4. Aufbau der Arbeit
2. FORSCHUNGSGEGENSTAND: POP-FESTIVAL
2.1. Das Pop-Festival: Definition und Abgrenzung
2.1.1. Feste – Festspiele – Festivals: Historischer Rahmen
2.1.2. Das Event
2.1.3. Populär versus Pop: Der kleine, aber feine Unterschied
2.1.4. Das Pop-Festival
2.2. Strukturen des deutschen Festivalmarktes
2.2.1. Entstehung und Entwicklung der Pop-Festivalkultur
2.2.2. Umsatzstrukturen
2.2.3. Kostenstrukturen
2.3. Wertschöpfung in der Musikwirtschaft
2.3.1. Livemusik im Fokus der Musikwirtschaft
2.3.2. Werte innerhalb des performativen Rahmens Pop-Festival
3. STRATEGISCHES MANAGEMENT
3.1. Theoretischer Bezugsrahmen
3.1.1. Value Net
3.1.2. Componet Business Model
3.1.3. Strategic Capability Network
3.1.4. Blue Ocean Strategy
3.2. Zwischenfazit
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4.1. Die Methode: Leitfadeninterview
4.1.1. Entwicklung der zu erhebenden Dimensionen und Konzeption des Leitfadens
4.2. Auswahlkriterien
4.2.1. Rekrutierung der Interviewpartner*In
4.2.2. Stichprobe im Detail
4.2.2.1. Fusion Festival
4.2.2.2. Immergut
4.2.2.3. MS Dockville
4.2.2.4. Hurricane
4.3. Die Untersuchung
4.3.1. Ablauf der Befragung
4.3.2. Vorgehen für die Auswertung
5. AUSWERTUNG
5.1. Verständnisrahmen: Strategische Ausrichtung, Positionierung und Rahmenbedingungen der Festivals auf dem deutschen Festivalmarkt
5.1.1. Fusion Festival
5.1.2. Immergut
5.1.3. Dockville
5.1.4. Hurricane Festival
5.1.5. Vergleich und Interpretation
5.2. | I. Dimension: Beziehungen und getauschte Werte im Value Net
5.2.2. Immergut
5.2.3. MS Dockville
5.2.4. Hurricane
5.2.5. Vergleich und Interpretation
5.2.5.1. Lieferanten
5.2.5.2. Komplementoren
5.2.5.3. Festivalbesucher*Innen und Aggregatoren
5.2.5.4. Substitute
5.3. | II. Dimension: Geschäftsfelder, Tätigkeitsbereiche und Kompetenzen
5.3.1. Fusion
5.3.2. Immergut
5.3.3. MS Dockville
5.3.4. Hurricane
5.3.5. Vergleich und Interpretation
5.4. | III. Dimension: Ressourcen, Fähigkeiten und Wertversprechen der Festivals
5.4.1. Fusion
5.4.2. Immergut
5.4.3. MS Dockville
5.4.4. Hurricane
5.4.5. Vergleich und Interpretation
5.5. | IV. Dimension: Innovation und Einzigartigkeit entwickeln
5.5.1. Fusion
6.5.2. Immergut
6.5.4. Hurricane
6.5.5. Vergleich und Interpretation
6. SCHLUSSBETRACHTUNG
6.1. Wie und warum produzieren Pop-Festivals für wen welche Werte?
6.2. Forschungsausblick und kritische Betrachtung der eigenen Arbeit
Zielsetzung und Themen
Ziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung der Wertschöpfungsprozesse und Strategien deutscher Pop-Festivals, um zu verstehen, wie und warum diese Festivals für ihre Zielgruppen Werte generieren. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Phänomen Pop-Festival vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Musikindustrie, in der Live-Events zunehmend an Bedeutung gegenüber dem Tonträgermarkt gewonnen haben.
- Analyse der Strukturen des deutschen Festivalmarktes
- Anwendung strategischer Management-Tools (Value Net, CBM, SCN, Blue Ocean) auf Festival-Betreiber
- Qualitative Experteninterviews mit Führungskräften von Fusion, Immergut, MS Dockville und Hurricane
- Untersuchung von Wertversprechen, Ressourcen, Fähigkeiten und Innovationspotenzialen
- Identifikation von Erfolgskritischen Faktoren und Differenzierungsmerkmalen in der Festivalbranche
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Das Event
Der Begriff Event feiert seit längerer Zeit Hochkonjunktur. Ob Schiffstaufe, Weltjugendtage oder Fußball-Fan-Fest, alles ist ein Event, alles ist ein Ereignis. Neben dem ökonomisch orientierten Event-Marketing ist vor allem das Event als soziales und kulturelles Massenphänomen in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtungen gerückt. Die Soziologen Gebhardt, Hitzler und Pfadenhauer (2000) verstehen das Event als eine besondere Form des Festes. Zentrales Merkmal seiner Funktion ist in beiden Fällen das sich Entziehen aus und das Überwinden des Alltags. Ihre Strukturen ergeben sich aus dem Wunsch, „die Routinen und Zwänge des Alltags“ zu durchbrechen und „ein außeralltägliches Erlebnis“ (Gebhardt, 2000, S. 19) zu erfahren. Anders als bei einem Fest, und hier unterscheiden sich die beiden Begriffe voneinander, ist bei einem Event die Einzigartigkeit des Erlebnisses eine grundlegende Bedingung (vgl. Gebhardt, 2000; Hepp, Höhn & Vogelgesang, 2010).
Während Feste durchaus ritualisiert oder traditionalisiert sein können, müssen Events den Charakter eines Ausnahme-Ereignisses besitzen. Zwar können auch dabei bestimmte Rituale gelebt werden, doch stehen diese immer in der Funktion eines neuen und einmaligen Erlebnisses. Die Einzigartigkeit eines Events ergibt sich unter anderem aus einer Verpflichtung zur Aktualität und seiner genauestens geplanten Inszenierung (vgl. Willnauer, 2013, S. 4; Hepp, Höhn & Vogelgesang, 2010, S. 14).
Gebhardt (2000, S. 19f) charakterisiert das Planmäßige als ein weiteres Merkmal des Events. Für gewöhnlich werden diese von professionellen Unternehmen, Vereinen oder anderen Organisationen geplant, vorbereitet und durchgeführt. Inhaltlich wird meist ein monothematischer Fokus, wie zum Beispiel Musik oder Religion, gewählt. So kann dem Event planmäßig „Sinn und Bedeutung“ (ebd.) verliehen und seine Einzigartigkeit betont werden. Trotz dieser monothematischen Ausrichtung zeichnen sich Events immer auch durch Multimedialität sowie „kulturellen und ästhetischen Synkretismus“ (ebd., S. 20) aus. Sie bedienen sich unterschiedlicher traditioneller und ästhetischer Ausdrucksformen, wie zum Beispiel Musik, Tanz, bildende Kunst, Video, Lichtgestaltung usw., und verbinden diese zu einem „einheitlichen Ganzen“ (ebd.). Multimedialität schafft dadurch sowohl einen ästhetischen als auch „kommunikativ-informellen Mehrwert“ (Lang, 2004, S. 303).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel stellt das Phänomen Pop-Festival vor, erläutert die Relevanz der Untersuchung angesichts veränderter Musikmärkte und definiert den fachwissenschaftlichen Kontext.
2. FORSCHUNGSGEGENSTAND: POP-FESTIVAL: Hier wird der Untersuchungsgegenstand theoretisch eingegrenzt, historische Rahmenbedingungen werden betrachtet und die Marktstrukturen sowie Wertschöpfungsketten der Musikbranche analysiert.
3. STRATEGISCHES MANAGEMENT: Dieses Kapitel führt theoretische Analysewerkzeuge ein, um Wertschöpfungsschritte, Ressourcen und strategische Ausrichtungen im Kontext von Pop-Festivals untersuchbar zu machen.
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Es wird die qualitative Methodik der Leitfadeninterviews dargelegt, Auswahlkriterien für die Stichprobe begründet und der Ablauf der Befragungen sowie der Auswertungsprozess erläutert.
5. AUSWERTUNG: Die gesammelten Daten werden in vier Dimensionen gegliedert analysiert und interpretiert, wobei die verschiedenen Strategien und Positionierungen der untersuchten Festivals detailliert gegenübergestellt werden.
6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Ergebnisse werden synthetisiert, um die Forschungsfrage zu beantworten, und kritisch reflektiert, wobei ein Ausblick für zukünftige Forschung gegeben wird.
Schlüsselwörter
Pop-Festival, Wertschöpfung, Strategisches Management, Musikindustrie, Live-Entertainment, Event-Soziologie, Performance, Value Net, Geschäftsmodelle, Festivalmarkt, Community, Kurzurlaub, Nutzerinnovation, Akustisches Kapital, Strategieentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Pop-Festival aus ökonomischer und soziologischer Perspektive, um zu verstehen, wie und warum diese Veranstaltungen Werte produzieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Strategien von Festivalveranstaltern, die Veränderungen der Musikindustrie, die Rolle des Live-Entertainments und die Gestaltung performativer Erlebnisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die leitende Fragestellung lautet: „Wie und warum produzieren Pop-Festivals für wen welche Werte?“
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden qualitative Experteninterviews mit Führungskräften von vier ausgewählten Festivals geführt und diese mittels Analysewerkzeugen des Strategischen Managements ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung strategischer Managementmodelle und eine empirische Analyse der Wertschöpfungsprozesse anhand von vier Fallbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wertschöpfung, Strategisches Management, Musikindustrie, Festivalmarkt, Kurzurlaub und performative Erlebnisse.
Warum wird das Pop-Festival als „Kurzurlaub“ bezeichnet?
Dieser Begriff tauchte in den Experteninterviews auf, um den außeralltäglichen Charakter und das Bedürfnis der Besucher nach einem „Untertauchen“ in einer eigenen Festivalwelt zu beschreiben.
Welchen Einfluss haben digitale Medien auf Pop-Festivals?
Digitale Medien führen zu einem Wandel im Musikkonsum, wodurch das Live-Erlebnis für Festivalbesucher an Bedeutung gewinnt, aber gleichzeitig die Anforderungen an Festivals bezüglich Exklusivität und Komfort steigen.
- Arbeit zitieren
- Bastian Schulz (Autor:in), 2015, Das Phänomen Pop-Festival. Qualitative Untersuchung der Wertschöpfungsprozesse des deutschen Festivalmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306039