In einer Äußerung über den historischen Roman spricht Leo Perutz eine spezifische Art der Sprache an, die ein wesentliches Merkmal für diese Art von Roman zu sein scheint. Doch was genau meint er mit „Sprache der Zeit“, „Sprachgeist der Personen“ und mit „Rhythmus und Musikalität“? Diese Frage und nicht zuletzt die Tatsache, dass Leo Perutz' Werke oftmals ohne große Umschweife in das Genre der phantastischen Literatur eingeordnet werden, haben mich dazu angetrieben einmal näher zu analysieren, inwieweit sein Roman „Der schwedische Reiter“ vielmehr genau diesen angesprochenen „Sprachgeist“ enthält und uns zahlreiche Merkmale historischen Erzählens begegnen.
Dafür wird im Rahmen dieser Hausarbeit der Begriff des historischen Romans zunächst genauer betrachtet und anhand verschiedenster Definitionsansätze versucht, wesentliche Merkmale eines historischen Romans herauszustellen.
Anschließend werden Merkmale historischen Erzählens in ihrer vielseitigen Form, im Hinblick auf den „Schwedischen Reiter“ untersucht.
Dabei wird sowohl ein Blick auf den historischen Hintergrund, der dem Leser innerhalb des Romans begegnet, geworfen, als auch auf sprachlicher Ebene analysiert.
Sowohl die direkte Figurenrede, als auch die Rolle des Erzählers wird dabei in den Fokus der Analyse und Interpretation geraten.
Um diese nicht gänzlich außer Acht zu lassen, werden abschließend die wesentlichen Merkmale phantastischer Literatur aufgegriffen, um die Verschmelzung dieser beiden Gegensätze aufzugreifen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie viel „Historisches“ in Perutz Roman steckt und, dass es aus diesem Grund durchaus berechtigt ist, seinen Roman „Der schwedische Reiter“ als einen historischen Roman zu bezeichnen, der auf seine eigene Art historisches Flair schafft und den Leser mit in eine vergangene Zeit nimmt und dennoch Aspekte phantastischer Literatur enthalten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des historischen Romans
3. Historische Elemente in Leo Perutz Roman: „Der schwedische Reiter“
3.1 Der historische Hintergrund im „schwedischen Reiter“
3.2 Historische Merkmale auf sprachlicher Ebene
3.3 Die Rolle des Erzählers
3.4 Einbau eines (fiktiven) historischen Dokuments: Der 'Vorbericht'
4. Phantastische Elemente in Leo Perutz Roman: „Der schwedische Reiter“
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Leo Perutz' Roman „Der schwedische Reiter“ trotz seiner Einordnung in die phantastische Literatur als historischer Roman qualifiziert werden kann. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch spezifische sprachliche Gestaltung, die Erzählstruktur und den Einbau eines fiktiven historischen Dokuments ein historisches Ambiente schafft, das den Leser in eine vergangene Zeit versetzt.
- Analyse des Begriffs „historischer Roman“ und dessen Definitionskriterien.
- Untersuchung des historischen Hintergrunds und der Darstellung von Fakten gegenüber Fiktion.
- Analyse der sprachlichen Gestaltung, insbesondere durch Figurenrede und altertümliche Begriffe.
- Untersuchung der Rolle des auktorialen Erzählers und der Funktion des fiktiven „Vorberichts“.
- Einordnung phantastischer Elemente unter Berücksichtigung der historischen Wissens- und Glaubenswelt.
Auszug aus dem Buch
3.2 Historische Merkmale auf sprachlicher Ebene
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Merkmale für einen historischen Roman sehr vielseitig sein können. Neben genauen Zeit- oder Ortsangaben können Indizien für einen historischen Roman auch wesentlich subtiler und unauffälliger sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Sprache innerhalb der Erzählung eine historische Differenz vermitteln soll:
Der historische Roman als zeit unterscheidende Erzählung hat es auch mit der temporalen Individualisierung von Sprache zu tun. Selbst wenn der neuzeitliche Erzähler 'hermeneutisch' die durch Jahrhunderte getrennte Horizonte sprachlich verschmilzt, bleibt er doch bestrebt, seine Figuren auf ihre Zeitweise reden zu lassen.
Eine solche Anpassung der Sprache schafft historisches Flair und verdeutlicht die Distanz zwischen der Gegenwart des Lesers und der Epoche der Erzählung.
Dies soll nun auch in Perutz' Roman analysiert werden, indem ein Blick auf die sprachliche Ebene des Romans geworfen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, wie der „Sprachgeist“ in Perutz' Roman zur Etablierung eines historischen Flairs beiträgt und definiert das Ziel der Arbeit.
2. Definition des historischen Romans: Das Kapitel diskutiert verschiedene Definitionsansätze des historischen Romans, die diesen als eine hybride Form aus Fakten und Fiktion beschreiben.
3. Historische Elemente in Leo Perutz Roman: „Der schwedische Reiter“: Dieser Abschnitt dient als Hauptanalyse, in der untersucht wird, wie der historische Schauplatz und die Atmosphäre innerhalb des Werkes konstruiert werden.
3.1 Der historische Hintergrund im „schwedischen Reiter“: Hier wird analysiert, wie der schwedische Krieg lediglich als Kulisse dient, um die Geschichte zweier Männer zu erzählen, statt reale Fakten in den Mittelpunkt zu stellen.
3.2 Historische Merkmale auf sprachlicher Ebene: Dieses Kapitel zeigt auf, wie durch die Verwendung altertümlicher Begriffe, spezifischer Namen und die Gestaltung der direkten Figurenrede ein historisches Ambiente entsteht.
3.3 Die Rolle des Erzählers: Die Analyse konzentriert sich auf die auktoriale Erzählsituation, die dem Erzähler ermöglicht, zeitliche Distanz zu wahren und Ausblicke auf die Zukunft zu geben.
3.4 Einbau eines (fiktiven) historischen Dokuments: Der 'Vorbericht': Das Kapitel untersucht die Funktion des 'Vorberichts' als Mittel zur historischen Plausibilisierung und als Bindeglied zwischen Fiktion und Historie.
4. Phantastische Elemente in Leo Perutz Roman: „Der schwedische Reiter“: Hier wird diskutiert, wie phantastische Elemente, wie das Erscheinen eines Geistes, aus der Sicht der barocken Epoche als Teil der Wirklichkeit verstanden werden können.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass „Der schwedische Reiter“ durch seine sprachliche Gestaltung und erzählerische Struktur zahlreiche Merkmale eines historischen Romans aufweist.
Schlüsselwörter
Leo Perutz, Der schwedische Reiter, Historischer Roman, Phantastische Literatur, Sprachgebrauch, Historische Elemente, Fiktion und Fakten, Erzählsituation, Auktorialer Erzähler, Historisches Ambiente, Literaturwissenschaft, Vorbericht, Zeitgenössische Sprache, Identitätswechsel, Barocke Epoche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Leo Perutz' Roman „Der schwedische Reiter“ trotz seiner oftmaligen Zuordnung zur phantastischen Literatur als historischer Roman eingestuft werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition des historischen Romans, die Analyse historischer Hintergründe, die sprachliche Gestaltung des Werkes sowie der Einfluss phantastischer Elemente auf die historische Glaubwürdigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, auf welche Weise Perutz historisches Flair erzeugt und wie das „Historische“ und das „Phantastische“ im Roman miteinander verschmelzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse, indem sie verschiedene theoretische Definitionsansätze zum historischen Roman auf das Primärwerk anwendet und spezifische Textpassagen interpretierend untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Hintergrunds, die Analyse der sprachlichen Ebene, die Rolle des auktorialen Erzählers, die Funktion des fiktiven Vorberichts und die Einordnung phantastischer Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Leo Perutz, historischer Roman, Sprachgebrauch, fiktive Dokumente, auktoriale Erzählsituation und die Verschränkung von Historie und Phantastik.
Welche Rolle spielt der 'Vorbericht' für die historische Einordnung?
Der 'Vorbericht' fungiert als wichtiges Instrument, das dem Roman einen realistischen Charakter verleiht und als Berührungspunkt zwischen dem Historischen und der fiktiven Geschichte dient.
Wie bewertet der Autor die phantastischen Elemente?
Der Autor argumentiert, dass diese Elemente aus Sicht der damaligen, barocken Glaubenswelt nicht zwingend als phantastisch abzugrenzen sind, sondern zur damaligen zeitgenössischen Realität gehören konnten.
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- Laura Fiorentino (Autor), 2013, „Der schwedische Reiter“ von Leo Perutz als historischer Roman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306041