Rechter Terror und Rechtsextremismus in Deutschland. Die Mordserie des NSU


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeiner Teil
2.1 Rechtsextremismus- eine Definition
2.2 Merkmale von Rechtsextremismus
2.3 Ursachen von Rechtsextremismus

3. Der Nationalsozialismus in Jena- ein Beispiel in Thüringen

4. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU)
4.1 Das Trio
4.1.1 Beate Zschäpe
4.1.2 Uwe Mundlos
4.1.3 Uwe Böhnhardt
4.2 Leben im Untergrund
4.3 Verbrechen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus sind keine Gefahr mehr für die sozialen und politischen Verhältnisse in Deutschland, die sich allein am rechten Rand der Gesellschaft entwickelt, nein, diese Gefahr kommt jetzt aus der Mitte der etablierten, bürgerlichen Gesellschaft, wo Anhänger aller Parteien, Kirchen und Gewerkschaften betroffen sind.“(Waibel 2012: 13f.)

Rechtsextremismus ist ein sehr vielschichtiges Phänomen, welches längst nicht mehr nur die Randgruppen betrifft. Das organisierte rechtsextreme Netzwerk nimmt nicht ab, sondern eher zu (Funke 1995: 14), obwohl der Pogrom gegen die jüdische Minderheit über 70 Jahre zurückliegt. Was kann man daraus schließen? Sind die Schatten der Vergangenheit noch immer nicht gebannt?

In der folgenden Ausarbeitung geht es darum, zu verdeutlichen, was der Begriff Rechtsextremismus bedeutet und worin die Ursachen in solchen extremen Einstellungen liegen. Man kann es nicht leugnen: Rassismus ist trotz des Untergangs des nationalsozialistischen Systems ein Teil der politischen und sozialen Realität in Deutschland und stellt bis heute noch immer eine wirkliche Gefahr dar. Voreingenommene Haltungen und diskriminierendes Verhalten führen zu grausamen Gewaltverbrechen. Eine der schlimmsten Mordserien mit rechtsextremen Hintergrund, welche die Bevölkerung erschütterte und die Polizei vor ein Rätsel stellte, war die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) von 2001- 2006. Neun Männer mit Migrationhintergrund und eine Polizistin fielen diesem zum Opfer. Bis zum Ende des Jahres 2011 konnten diese Taten nicht auf die rechtsextreme Organisation zurückgeführt werden. Die Neonazi- Gruppe konnte ungehindert zahlreiche Morde begehen. Wie ist das möglich? Wird der Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft verdrängt oder gar verharmlost?

Zu Beginn dieser Arbeit wird versucht, den Begriff Rechtsextremismus zu definieren, um anschließend Merkmale und Ursachen zu beleuchten. Es gilt heraus zu finden, wie aus „Kindern“ der Mittelschicht kaltblütige Killer werden können, so wie es bei dem NSU- Trio der Fall war. Wie kann über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des zweiten Weltkriegs solch brutaler rechter Terror gedeihen? Gibt es Antworten auf diese Fragen?

Ein weiterer Bestandteil der Ausarbeitung ist der Blick auf die thüringische Universitätsstadt Jena. Hierbei sollen, mit Hilfe eines Einblicks in die Vergangenheit, Antworten darauf gefunden werden, warum die Akzeptanz von Neo-Nazis in vielen ostdeutschen Gegenden so hoch ist In einem letzten Schritt geht es überwiegend um den Nationalsozialistischen Untergrund und dessen Taten. Wie konnte das Trio so lange Zeit unerkannt im Untergrund leben? Wie sind Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, welche das Trio bildeten, aufgewachsen? Gab es schon in ihrer Kindheit Auffälligkeiten und Verbindungen zum rechten Netzwerk? All diese Fragen finden hier eine Antwort.

Ziel dieser Arbeit ist es, den gegenwärtigen Rechtsextremismus zu definieren und aufzuzeigen, wozu Einstellungen wie Xenonphobie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Nationalsozialismus führen können. Auch wenn das öffentliche Interesse laut Bodewig (1990) nachgelassen hat, so können wir nicht die Augen vor jenen Verbrechen verschließen, welche unter neonazistischen und rassistischen Hintergrund geschehen, denn: „ Die Inaktiven von heute, können die Aktiven von morgen sein.“ (Stöss 1990: 68).

2. Allgemeiner Teil

„Die Mehrheit der Menschen, die rechtsextremen Aussagen zustimmt, wählt übrigens klassische Parteien und nicht die NPD. Ausländerfeindlichkeit ist die Einstiegsdroge zum Rechtsextremismus.“(Brähler 2005)

Da sich Rechtsextremismus längst nicht mehr als eine Entwicklung darstellt, die sich an den Rändern der Gesellschaft konzentriert, spricht man vom Rechtsextremismus der Mitte. Diese Entwicklung hat ihre Quellen in zentralen Bereichen des sozialen und wirtschaftlichen Handelns (vgl. Bodewig et al. 1990: 13).

Bevor sich ein Mensch offen zum Rechtsextremismus bekennt, entwickelt er ein entsprechendes Bewusstsein und politische Sympathien. Da Einstellungen sich im Gegensatz zu Organisationen und Partein nicht verbieten oder ändern lassen, geht die größte Gefahr von den Gesinnungen aus.

Das erste inhaltliche Kapitel soll zunächst in die Thematik Rechtsextremismus einführen. Es wird versucht, eine Definition und mögliche Ursachen zu finden. Voreingenommene Haltungen und diskriminierendes Verhalten müssen seine Ursprünge haben.

2.1 Rechtsextremismus- eine Definition

Bereits Richard Stöss(1990) weist darauf hin, dass der Begriff Rechtsextremismus umstritten und die Terminologie verwirrend ist. Laut Neureiter(1996: 7) herrscht eine „heillose Sprach- und Begriffsverwirrung“. Eine einheitliche, verbindliche Definition fehlt bisher.

Man kann sagen, dass es sich um einen Sammelbegriff für alle Erscheinungsformen handelt, die sich gegen fundamentale Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates richten. Der Rechtsextremismus zeichnet sich stark durch Demokratiefeindlichkeit aus und möchte diese auch beseitigen. Rechtsextreme Einstellungen sind unter anderem Xenonphobie, Rassismus und Nationalsozialismus. Auch Fremdenhass und Fremdenfeindlichkeit bezeichnen temporäre Formen rechtsextremer Einstellungen (vgl. Coester/Gossner 2002: 13). Man kann sagen, dass es sich um eine Bündelung unterschiedlichster Phänomene handelt (vgl. Kowalsky/Schroeder 1994: 56).

Aber was genau ist Rechtsextremismus? Wie zeichnet er sich aus? Heitmeyer(1988: 239) definiert Rechtsextremismus als eine „Addition von Ideologie und Ungleichheit“. Er sagt, dass Gewaltakzeptanz und Gewaltanwendungen zur Regelung sozialer Vorgänge genutzt werden. Gewalt spielt also eine große Rolle. Es wird versucht, durch Gewalt Über- und Unterordnungsverhältnisse in der Gesellschaft selbst herzustellen.

Eine weitere Definition lautet: „Rechtsextreme Einstellungen … richten sich auf der Basis abwertend nationalistischer ethnozentrisch rassistischer und vielfach … antisemitischer Ideologien bzw. Ideologiefragmente zum Teil unter Rückgriff auf Nazielemente gegen das demokratisch freiheitliche Grundverständnis, nach dem alle Menschen gleich und gleichwertig sind“ (Kowalsky/Schroeder 1994: 16).

Anhand dieser Definitionen kann man zusammenfassen, dass universelle Menschenrechte missachtet oder abgelehnt werden und eine hierarchisch strukturierte Volksgemeinschaft, verkörpert in einem mächtigen (Führer-) Staat, das Leitbild des Rechtsextremismus ist (vgl. Stöss 1990: 61).

2.2 Merkmale von Rechtsextremismus

Rechtsextremismus ist ein „heterogenes Gemisch unterschiedlichster Begründungszusammenhänge und Sichtweisen“.(Stöss 1990: 64)

Als oberstes Merkmal lässt sich die feindselige Haltung gegenüber anderen Staaten und Völkern und somit ein übersteigerter Nationalsozialismus mit imperialistischen Großmachtstreben nennen. Antidemokratisches Denken negiert die universellen Freiheits- und Gleichheitsrechte der Menschen (vgl. Stöss 1990: 61).

Ein weiteres Merkmal ist, dass Volk und Staat zum Reich verschmelzen. Die Volksgemeinschaft, welche sich in völkisch- ethnozentrischer Ideologie und vielfach in einer Person manifestiert, stellt das Ziel dar. Die nationale Einheit soll wiederhergestellt werden.

Anzumerken ist, dass der Rechtsextremismus keiner einheitlichen Ideologie folgt. Wie bereits erwähnt handelt es sich hierbei um ein heterogenes Gemisch aus unterschiedlichen Sichtweisen.

Kurt Lenk fasste die Charakteristika des rechtsextremen Weltbildes wie folgt zusammen:

- Ablehnung von Demokratie und Pluralismus
- Ablehnung von Kapitalismus und Sozialismus
- Ideologie der Natürlichkeit sozialer Ungleichheiten
- Führer- und Gefolgschaftsprinzip
- Organische Ganzheit und Homogenität des Volkes
- Gewaltanwendung als Mittel zur Konfliktlösung (vgl. Lenk 1995: 87f.)

2.3 Ursachen von Rechtsextremismus

„Die moderne Gesellschaft bringt das, was sie bedroht, selbst hervor.“ (Brähler et al. 2013: 127)

„Der Nährboden für rechtsextremistische Strömungen liegt in der Soziologie der Gesellschaft.“ Dieses Zitat stammt von der Internetseite www.netz-gegen-nazis.de. Dort erfährt man ebenso, dass auf die Frage nach den Ursachen von Rechtsextremismus keine einfache Antwort möglich ist. Es wird davon gesprochen, dass es „grundsätzliche fremdenfeindliche, antisemitische oder antidemokratische Tendenzen bei einem bestimmten Teil der Gesellschaft gibt“ (Schmidt 2010: www.netz-gegen-nazis.de). Diese Zahlen entwickeln sich unabhängig von den Wahlergebnissen rechtsextremer Parteien.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Rechter Terror und Rechtsextremismus in Deutschland. Die Mordserie des NSU
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Soziologie)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V306048
ISBN (eBook)
9783668039933
ISBN (Buch)
9783668039940
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rechter, terror, rechtsextremismus, deutschland, mordserie
Arbeit zitieren
Luisa Eichhorn (Autor), 2015, Rechter Terror und Rechtsextremismus in Deutschland. Die Mordserie des NSU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306048

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