Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Kritik an der Volksgemeinschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Alfred Meusel und Helmuth Plessner im Vergleich

Title: Kritik an der Volksgemeinschaft zu Beginn des  20. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2015 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Daniel Drescher (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts gewann der Begriff der „Volksgemeinschaft“ in allen politischen Strömungen an Konjunktur und war spätestens mit der politischen und ökonomischen Krise der Weimarer Republik das dominante Deutungsmodell. Im Zuge der Inflation 1923 und den darauf folgenden bürgerkriegsähnlichen Zuständen wurden in allen politischen Lagern Bekenntnisse zu einer parteien- und klassenübergreifenden Gemeinschaft formuliert.

In seinem 1887 erschienenen Hauptwerk „Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie“ wurden von Ferdinand Tönnies zwei gegensätzliche Prinzipien des menschlichen Lebens formuliert, welche zugleich eine historische Abfolge kennzeichnen. Gemeinschaft bezeichnet dabei traditionelle Lebensformen, die von einem ganzheitlichen „Wesenswillens“ gekennzeichnet sind; Gesellschaft meint dagegen den modernen bürgerlichen Kapitalismus, welcher von partikularen individualistischen „Kürwillen“ bestimmt wird. Die Bestrebungen zur Formierung einer deutschen Volksgemeinschaft bedienten sich dieser Gegenüberstellung, indem der künstlich-geschaffenen Zivilisation eine Höherwertigkeit der natürlich-gewachsenen Kultur entgegengehalten wurde. Die Vorstellung einer unentfremdeten, klassenübergreifenden Volksgemeinschaft entfaltende ihre Wirkungsmächtigkeit insbesondere aufgrund der versprochenen Versöhnung von Individuum und Masse sowie von Kapital und Arbeit.

Da die politische Kultur der Weimarer Republik von einer weitverbreiteten Befürwortung der deutschen Volksgemeinschaft geprägt war, haben Wissenschaftler, welche die politisierte Anwendung des Gemeinschaftsbegriffs kritisierten, nur wenig zeitgenössische Resonanz erfahren. Zu diesen verkannten Autoren können Helmuth Plessner und Alfred Meusel gezählt werden. Die von Plessner in „Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus“ formulierten Analysen galten noch bis Ende der 1980er unter Intellektuellen und Wissenschaftlern als Geheimtipp. Demgegenüber steht für die zwei Aufsätze „Der Radikalismus“ und „Das Kompromiß“ von Alfred Meusel immer noch ein intensiver wissenschaftlicher Diskurs aus. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich bei der Kritik von Helmuth Plessner und Alfred Meusel am Gemeinschaftsideal Anfang des 20. Jahrhundert finden? Lässt sich die marxistisch-theoretische Perspektive Meusel`s mit der philosophisch-anthropologischen Sichtweise Plessner`s verbinden oder widersprechen sich beide gegenseitig in ihren Analysen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ideal der Gemeinschaft in Deutschland – Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts

3. Biographischer Werdegang der beiden Autoren

4. Differenz in der Methodik

5. Theoretische Parallelen?

5.1. Der Einzelne in der Gemeinschaft

5.2. Das Individuum innerhalb der Gesellschaft

5.3. Radikalismus innerhalb der Gesellschaft

6. Zusammenfassung und Ausblick

7. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht und vergleicht die Kritik von Helmuth Plessner und Alfred Meusel am Gemeinschaftsideal zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Analysen – einerseits marxistisch-soziologisch geprägt bei Meusel, andererseits philosophisch-anthropologisch bei Plessner – herauszuarbeiten und zu prüfen, ob sich diese Perspektiven verbinden lassen.

  • Historische Entstehung des Gemeinschaftsideals in der Weimarer Republik
  • Biographische Hintergründe und wissenschaftliche Prägung der Autoren
  • Gegenüberstellung der soziologischen versus anthropologischen Methodik
  • Analyse der Rolle des Individuums in Gemeinschaft und Gesellschaft
  • Kritik an radikalen Gruppierungen und der Ideologie der Volksgemeinschaft

Auszug aus dem Buch

5.2. Das Individuum innerhalb Gesellschaft

Demgegenüber werden die Beziehungen des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft von Meusel positiver und bei Plessner entschieden positiv bewertet. Nach Plessner trägt „Jedes Zusammenleben [...] den Keim des Auseinandervorbeilebens in sich, weil die Seelen mehr sind als sie wirklich sind.“ Schlussfolgernd kann die Seele innerhalb der gemeinschaftlichen Sphäre niemals ihre Erfüllung finden, sondern nur in der gesellschaftlichen Sphäre, die beides zulässt: Zusammenleben und Aneinander vorbeileben. „Seele zieht sich zurück, um nicht gesehen und getroffen zu sein, und sehnt sich doch danach, gesehen und gewürdigt […] zu werden.“ Da „jeder Tatbestand lächerlich [ist, D.D.], der sich in nichts auflöst, ohne davon Notiz zu nehmen, [also, D.D.] ein Sinn, der, in Unsinn verwandelt, noch die Ambition aufrechterhält, Sinn zu sein“, ist die Seele von Grund auf dem Risiko der Lächerlichkeit ausgesetzt. Um sich vor dieser Lächerlichkeit in der Moderne, die den „Kampf aller gegen alle“ hervorbrachte, zu verteidigen, benötigt der Einzelne eine „Maske“, die das wahre innere (Privatsphäre) vor der Außenwelt (Öffentlichkeit) verborgen hält. Die Aufgehobene gemeinschaftliche Bindung zwischen den Menschen wird dadurch vom „Nimbus“ abgelöst; ein Raum in welchem die zwischenmenschliche Vermittlung durch das „Spiel“ geregelt wird. „Der künstliche Zauber des unzerstörbaren Nimbus bringt den Widerspruch zur Lösung. Er schafft seinen Träger zugleich Raum und Anziehungskraft, Maske und Gesicht“ Indem der Mensch in der Gesellschaft durch die entstandene Privatsphäre eine Individualität hat, ist er in der Lage, nicht durch völlige Hingabe an einen Führer oder einer einheitsstiftenden Ideen, sondern durch rationale Abwägungen Entscheidungen zu treffen. Aus diesem Grund erfordert der Nimbus die gesellschaftliche Vermittlung durch Diplomatie mithilfe von Kompromissen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Konjunktur des Begriffs der „Volksgemeinschaft“ in der Weimarer Republik und stellt die Forschungsfrage nach dem Vergleich der Analysen von Plessner und Meusel.

2. Das Ideal der Gemeinschaft in Deutschland – Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Gemeinschaftsbegriffs als Gegenentwurf zur industriellen Massengesellschaft nach.

3. Biographischer Werdegang der beiden Autoren: Hier werden die Lebenswege von Helmuth Plessner und Alfred Meusel sowie deren intellektuelle Prägungen dargestellt.

4. Differenz in der Methodik: Der Vergleich verdeutlicht die unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugänge – marxistisch-materialistisch bei Meusel und philosophisch-anthropologisch bei Plessner.

5. Theoretische Parallelen?: In diesem Hauptteil werden die Konzepte der beiden Autoren anhand der Bindung des Einzelnen, der Rolle des Individuums in der Gesellschaft und des Radikalismus verglichen.

6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Vereinbarkeit der beiden theoretischen Perspektiven.

7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Volksgemeinschaft, Weimarer Republik, Helmuth Plessner, Alfred Meusel, Gemeinschaft, Gesellschaft, Radikalismus, Individualität, Soziologie, Anthropologie, Parlamentarismus, Kompromiss, Massengesellschaft, Politikwissenschaft, Ideengeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretische Auseinandersetzung von Helmuth Plessner und Alfred Meusel mit der Idee der Volksgemeinschaft in der Weimarer Republik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die kritische Analyse des Gemeinschaftsbegriffs, die Auswirkungen der Moderne auf die Gesellschaftsstruktur und die Dynamiken politisch radikaler Bewegungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Kritik der beiden Autoren aufzuzeigen und zu prüfen, ob sich ihre jeweiligen theoretischen Sichtweisen ergänzen oder widersprechen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden eine historisch-ideengeschichtliche Kontextualisierung sowie ein systematischer Vergleich der soziologischen und anthropologischen Argumentationsweisen der Autoren durchgeführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Konzeptionen der Autoren gegenübergestellt, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Einzelnen, der gesellschaftlichen Vermittlung und der Phänomene des Radikalismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Volksgemeinschaft, Radikalismus, Gesellschaft, Individualität und das Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Moderne definiert.

Warum bewertet Plessner die gesellschaftliche Sphäre positiver als Meusel?

Plessner sieht in der Gesellschaft die notwendige Distanz, die dem Individuum erst die Bildung einer freien Persönlichkeit ermöglicht, während Meusel die Gesellschaft primär aus einer materialistischen Perspektive als Ort des ökonomischen Kompromisses begreift.

Wie unterscheiden sich die Autoren in ihrer Analyse des Radikalismus?

Meusel betrachtet den Radikalismus als sozioökonomisches Phänomen, das versucht, die Regeln des politischen Kompromisses zu unterlaufen, während Plessner ihn anthropologisch als eine Flucht in die Illusion der Gemeinschaft deutet, die das menschliche Bedürfnis nach Distanz verleugnet.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Kritik an der Volksgemeinschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Subtitle
Alfred Meusel und Helmuth Plessner im Vergleich
College
Technical University of Chemnitz  (Politische Theorien und Ideengeschichte)
Course
Am Beginn der Demokratie: Die Revolution von 1918/19 im Widerstreit der Interpretationen
Grade
1,3
Author
Daniel Drescher (Author)
Publication Year
2015
Pages
23
Catalog Number
V306098
ISBN (eBook)
9783668041615
ISBN (Book)
9783668041622
Language
German
Tags
Helmuth Plessner Alfred Meusel Volksgemeinschaft radikalismus Kompromiss Gemeinschaft Deutschland Weimarer Republik Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Drescher (Author), 2015, Kritik an der Volksgemeinschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306098
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint