Das von seinem Architekten Oswald Mathias Ungers so bezeichnete Torhaus in Frankfurt am Main teilt das Messegelände in ein östliches und ein westliches Areal. Das Hochhaus soll durch seine scheinbare, breite Gebäudeöffnung gedanklich mit einem selbstständigen Torbau mit Durchgang verknüpft werden.
Die assoziierte Funktion des Portals wird baulich realiter in der untersten Gebäudeebene ausgeführt, welche das Verbindungselement zwischen der Messe und der Stadt Frankfurt durch das Schienennetz und das Verbindungselement zwischen den beiden Messeteilen durch Überquerungsbrücken darstellt. Dabei ist das Torhaus nicht als ein „wirklich“ gebautes Stadttor zur Messestadt zu verstehen, sondern als ein metaphorisches Zeichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Das Torhaus im Messekomplex
2 Die Stadt in der Stadt
2.1 Die bauliche Komposition des Torhauses
2.2 Die morphologische Stadtmetapher
3 Die Metapher des Torhauses
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Torhaus im Frankfurter Messekomplex als architektonisches und metaphorisches Zeichen, das eine "Stadt in der Stadt" suggeriert. Ziel ist es, die bauliche Komposition und die theoretischen Konzepte Oswald Mathias Ungers' zu analysieren, um die mimetischen und symbolischen Ebenen des Gebäudes im urbanen Kontext zu entschlüsseln.
- Architektonische Analyse des Torhauses in Frankfurt
- Transformationstheorien und Morphologie nach O. M. Ungers
- Die Stadt als Metapher und symbolischer Organismus
- Das Spannungsfeld zwischen architektonischer Form und Wahrnehmung
- Mimesis und Identitätsproduktion im postmodernen Raum
Auszug aus dem Buch
Die bauliche Komposition des Torhauses
Das Gebäude fügt sich aus drei miteinander verbundenen Bauteilen zusammen (Abb. 4). Es besteht aus einem sechsgeschossigen Sockel aus dem ein roter Steinturm erwächst, aus dessen Mitte wiederum ein spiegelverglaster Turm ragt. Der Steinturm hat an den kürzeren Querseiten und im unteren Segment der Längsseiten Öffnungen, an welchen das Glasgebäude hervorsticht, was wiederum den Torcharakter des quasi vor dem Eingang zur Stadt stehenden Hauses unterstreicht. Die Öffnungen an den Seiten reichen bis zur Höhe der unteren mittleren Öffnung an den Fassadenlängsseiten, so dass der Glasgebäudeteil, wie ein in das steinverkleidete Bausegment eingeschobener Riegel erscheint.
Insgesamt wurden für die Fassade des Stahlbetonbaus drei verschiedene Materialien verwendet: roter Stein, verspiegeltes und nicht verspiegeltes Glas und durchlöchertes Metall. Dabei werden alle drei Materialien nur in der Sockelzone gemeinsam verwendet. Die geraden Seiten sind mit der vorgehängten Betonwerksteinfassade verkleidet. Die konkave Fassadenseite ist hingegen spiegelverglast. Und an den Ecken der geraden Gebäudeseiten scheint sich ein mit Metall verkleideter würfelförmiger Gebäudeteil zu separieren. Der zweite Baukörper scheint ganz aus Stein zu bestehen. In den untersten acht Geschossen ist dieser mittig durch eine große quadratische Öffnung durchbrochen. Durch die Öffnung ist ein innerer, spiegelverglaster Bauteil zu sehen, der aus dem äußeren hinauswächst und etwa das Doppelte von dessen Höhe erreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Das Torhaus im Messekomplex: Einführung in das Objekt als architektonisches Portal, das die Messe Frankfurt durch infrastrukturelle und bauliche Signifikanz als eigenständige Einheit markiert.
2 Die Stadt in der Stadt: Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Oswald Mathias Ungers, insbesondere wie durch Analogie und mimetische Prozesse eine städtische Identität auf dem Messegelände erzeugt wird.
3 Die Metapher des Torhauses: Synthese der Ergebnisse, in der das Torhaus als Monument und metaphorisches Zeichen interpretiert wird, das durch Abstraktion einen neuen, illusorischen Stadtraum definiert.
Schlüsselwörter
Torhaus, Frankfurt, Messekomplex, Oswald Mathias Ungers, Architektur, Metapher, Stadt, Morphologie, Mimesis, Stadttor, Postmoderne, Raumkonzept, Analogie, Symbolik, Urbanität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem architektonischen Entwurf und der theoretischen Einordnung des Torhauses im Frankfurter Messekomplex.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die architektonische Komposition, die Anwendung von Metaphern im Städtebau sowie das Konzept der "Stadt in der Stadt".
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Analyse der symbolischen Funktion des Torhauses und wie es als "metaphorisches Zeichen" die Wahrnehmung des Messeareals beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine architekturtheoretische Analyse angewandt, die auf der Interpretation von Entwurfsprinzipien sowie auf Vergleichen mit historischen und kunstgeschichtlichen Analogien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die bauliche Beschreibung, die Analyse der morphologischen Stadtmetaphern nach Ungers und die Deutung des Torhauses als kulturelles Wahrzeichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Schlagworte sind Architektur, Metaphorik, Morphologie, Städtebau, Mimesis und Identitätsproduktion.
In welchem Verhältnis steht das Torhaus zum Messeturm?
Beide Gebäude akzentuieren zusammen mit anderen Elementen die räumliche Achse durch die Festhalle und Agora, wobei sie gemeinsam eine "städtische" Charakteristik des Geländes betonen.
Warum wird das Torhaus nicht als "wirklich" gebautes Stadttor verstanden?
Da es primär auf einer metaphorischen Zeichenebene operiert und seine Funktion innerhalb einer als "Stadt in der Stadt" inszenierten Messeumgebung ausübt, fungiert es als symbolisches statt als physisch wehrhaftes Stadttor.
- Citation du texte
- Mascha Ber (Auteur), 2015, Frankfurts architektonisches Verbindungselement zwischen Stadt und Messe. Oswald Mathias Ungers und die Metapher des Torhauses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306116