Die Wahl Lothars III. zum König. Die Beteiligten und ihr Verhalten


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

I. Einordnung in den Historischer Kontext der Wahl Lothars III. im Jahre 1125

II. Zur Quelle „narratio de electione Lotharii”
1. Entstehung der „narratio der electione Lotharii in regem romanorum“
2. Ablauf der Wahl

III. Die Beteiligten der Wahl und deren Verhalten
1. Leopold III. Herzog von Österreich
2. Friedrich II. von Schwaben
3. Lothar III

IV. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einordnung in den Historischen Kontext der Wahl Lothars III. im Jahre 1125

Als Heinrich V. am 23. Mai 1125 nach langer Krankheit kinderlos verstarb, vermachte er seinem ältesten Neffen Friedrich II. von Schwaben seine Hinterlassenschaft und seiner Frau Mathilde die Reichsinsignien. Sonst unternahm er keine weiteren Schritte um die Thronfolge zu begünstigen. Erstmals seit 1024 war also weder durch Sohnesfolge noch durch Designation, die Bestimmung eines Nachfolgers im Voraus, ein bevorrechtigter Kandidat vorhanden.[1] Friedrich galt nicht als Universalerbe und schon gar nicht als feststehender Königsnachfolger, vielmehr verstand Heinrich V. ihn als eine Art Verwalter des Erbes. Doch Friedrich selbst ging davon aus, dass er der Nachfolger von Heinrich V. sein würde, und trat dementsprechend selbstbewusst bei der Wahl 1125 in Mainz auf. Er vertrat klar die Absicht der neue König zu werden und ging durch das Erbe Heinrichs V. auch davon aus, dass er dies werden würde.[2] Eine Gruppe von Fürsten sah sich als gleichberechtigt dem Kaiser gegenüber an, so hatten sie schon 1122 den Abschluss des Wormser Konkordats erreichen können. Es war also zu erwarten, dass sowohl die weltlichen als auch die geistlichen Fürsten ihr Recht einen neuen König zu wählen nutzen würden.[3] Schon auf dem Begräbnis Heinrichs V. hatten einige einflussreiche geistliche und weltliche Fürsten sowie der Erzbischof Adalbert ein Einladungsschreiben zur Wahl unterschrieben. Sie luden die übrigen Fürsten zu einem Hoftag nach Mainz ein und baten diese einen neuen Herrscher zu wählen, der die Streitigkeiten zwischen Kirche und dem gesamten Reich aus der Vergangenheit beilegen würde.[4]

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Wahl Lothars III.. Hierbei wird folgendermaßen vorgegangen: Zunächst wird auf die Entstehungsgeschichte der Quelle „Narratio der electione Lotharii in regem romanorum“ auf die ich in meiner Hausarbeit Bezug nehmen werde eingegangen. Anschließend soll ein kurzer Abriss über den Verlauf der Wahl gegeben werden, um dann die Beteiligten Akteure vorzustellen und der Frage nachzugehen, wie sich das Verhalten dieser erklären lässt. Hier möchte ich besonders auf den Kandidaten Friedrich II. von Schwaben eingehen. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit über das Verhalten der einzelnen Personen gezogen.

II.Zur Quelle „narratio de electione Lotharii in regem romanorum”

Die Wahl Lothars III. ist die meist beschriebene Königswahl des Mittelalters. Es gibt mehrere Quellen, die von der Wahl berichten: die Annales Patherbrunnenses, die Annales Erphesfurtenses Lotharii, die Annalista Saxo, Anselm von Gembloux, Otto von Freising in der Chronik, die Kölner Königschronik, und viele andere. Dennoch möchte ich mich in meiner Arbeit auf die „narratio de electione Lotharii in regem romanorum“ beschränken, die die ausführlichste und wichtigste Quelle zur Wahl Lothars III. darstellt.[5]

1. Entstehung der „narratio der electione Lotharii in regem romanorum“

Der Verfasser der Narratio war vermutlich bei der Wahl in Mainz als Augenzeuge anwesend, aber in die entscheidenden Wahlverhandlungen hinter den Kulissen nicht eingeweiht, ebenso wenig wie er direkt an der Wahl teilnahm.[6] Die Narratio ist ein Teil des Göttweiger Codex und wurde im Kloster Göttweig neben Schriften zum Investiturproblem überliefert. Bei der Quelle handelt es sich um eine erzählende Quelle die aber nicht aus historiographischen Interesse verfasst wurde. Vielmehr wird vermutet, dass die Quelle aus der Hand eines Mönchs des Klosters Göttweig aus der Diözese Passau stammt, vielleicht sogar vom Abt Kadaloh selbst. Relativ bald nach der Wahl soll er die Ereignisse mit der Absicht die Brüder des Klosters über die Wahl zu unterrichten nieder geschrieben haben. Gerade aus diesem Grund scheint die Quelle besonders glaubwürdig.[7] Obwohl man annehmen kann, dass der Verfasser als Geistlicher ein Anhänger der strengkirchlichen Partei war, verzichtete er weitestgehend auf gehässige und anklagende Kommentare wie es ein Großteil der damaligen geistlichen Schriftsteller getan hat. Zwar wurde oft behauptet, dass der Verfasser Partei für Lothar ergriffen hätte, was auch wahrscheinlich wäre, da der Stift Göttweig von Vorfahren Lothars gegründet wurde, dennoch halten sich parteiergreifende Kommentare in Grenzen. Die Narratio ist in der Originalhandschrift im Kloster Göttweig vorhanden. Es ist davon auszugehen, dass es keine Kopien davon gibt, da die Narratio erstmals 1721 von Pez erwähnt wurde.[8]

2. Ablauf der Wahl

Im Folgenden werde ich kurz den Ablauf der Wahl darstellen: Am 24. August versammelten sich die Fürsten und 24 Bischöfe zur Königswahl in Mainz. Herzog Friedrich II. von Schwaben erschien zur Wahlversammlung nicht. Je zehn Fürsten aus den Gebieten Bayern, Schwaben, Franken und Sachsen wurden ausgewählt. Diese sollten eine Vorwahl vornehmen und die übrigen Fürsten versprachen sich deren Ergebnis anzuschließen. Die 40 Wahlmänner konnten sich nicht einigen und schlugen Markgraf Leopold sowie Herzog Friedrich und Herzog Lothar als Kandidaten vor. Leopold und Lothar lehnten voller Demut das Amt ab. Friedrich hingegen kam in die Stadt, um sich auf Grund der Ablehnung der beiden anderen zum König wählen zu lassen. Adalbert befragte alle drei Kandidaten, ob sie den anderen - sollte er von den Fürsten gewählt - anerkennen würden. Sowohl Lothar als auch Leopold versicherten, dass sie dem Gewählten den gebührenden Respekt zollen würden. Friedrich aber konnte ohne die Zustimmung seiner Berater keine Antwort auf diese Frage geben. Bei den Fürsten stieß dieses Verhalten Friedrichs auf Ablehnung und sie wendeten sich gegen ihn. Am nächsten Tag fragte Adalbert Leopold III. und Lothar, ob sie auf die Nominierung verzichten und der Wahl eines jeden zustimmen würden. Beide bejahten wieder voller Demut. Als man sich also geeinigt hatte irgendjemanden als König zu wählen, brach plötzlich ein Tumult aus und Laien riefen aus, dass Lothar der König sein solle. Viele Fürsten waren über die abrupte Erhebung empört und kündigten an von der Versammlung fortzugehen. Adalbert drohte denjenigen, die den Raum verlassen würden damit, dass sie die vollen Konsequenzen der plötzlichen Königserhebung zu tragen hätten. Dank einiger Legaten gelang es schließlich, dass niemand den Raum verlassen und auch keiner eindringen konnte, um zu erfahren wer der neue König sei. Auf Grund der Abwesenheit des bayerischen Herzogs konnten weder der Erzbischof von Köln und noch der Bischof von Regensburg eine Entscheidung treffen. Als schließlich auch der bayerische Herzog zur Versammlung kam, wurde am 30. August Lothar zum König erhoben. Auch in Bezug auf die Bischofswahlen wurden sich die Fürsten einig. So sollten die Kirchen freie Wahlen ohne die Anwesenheit des Königs erhalten und der König sollte dann den frei Gewählten mit den Regalien versehen und zum Treueid verpflichten. Am Tag nach der Wahl leisteten die 24 Bischöfe und anwesenden Äbte den Treueeid vor Lothar. Von keinem der Geistlichen forderte er jedoch den Handgang. Auch die Fürsten leisteten Lothar ihren Treueid und auch den Handgang und erhielten daraufhin von Lothar ihre Lehen. Am dritten Tag erwies auch Friedrich Lothar die angemessene Huldigung.[9]

III. Die Beteiligten der Wahl und deren Verhalten

Im Folgenden sollen nun die Beteiligten der Wahl und ihr Verhalten näher erklärt werden. Hierbei wird sich hauptsächlich auf die „narratio de electione“ und deren Übersetzung - durch mich vorgenommen - berufen. Zu Beginn der Narratio führt der Verfasser auf, wer alles auf dem Hoftag in Mainz weilte: Fürsten, Legaten des Papste, Bischöfe, Erzbischöfe, Äbte, Kleriker, Mönche, Herzöge, Markgrafen, Grafen und andere Edelleute. Es waren so viele versammelt, wie noch niemals zuvor auf einem Reichstag.[10] Hier schon wird deutlich, für wie wichtig das Ereignis angesehen wurde. Denn im nächsten Satz wird betont, dass die Versammlung nicht durch die Gewalt des Kaisers, wie es sonst üblich war, einberufen wurde, sondern das die Notwendigkeit ihre Pflicht auszuführen alle zusammengeführt hätte.[11] Anschließend wird in der Narratio von den Großen berichtet, die an verschiedenen Seiten des Rheins ihr Lager aufschlugen: Die Sachsenfürsten hatten am Ufer des Rheins ein ehrenvolles Lager mit vielen Zelten aufgebaut, weiter oben hatte sich Markgraf Leopold von Österreich und Herzog Heinrich von Bayern mit großer Soldatenschaft versammelt. Herzog Friedrich II. aber lagerte mit dem Bischof von Basel, den übrigen Fürsten von Schwaben und einigen Edelleuten am anderen Rheinufer.[12] Hier schon kann man erkennen, wie sich Friedrich durch das auswählen seines Lagerplatzes von den anderen Kandidaten klar abgrenzte.

1. Leopold III. Herzog von Österreich

Als einen der drei Kandidaten schlug das Gremium, das zur Vorwahl der Kandidaten bestimmt war und aus je zehn Fürsten aus Bayern, Schwaben, Franken und Sachsen bestand, den Markgrafen Leopold III. von Österreich vor. Denn dieser zeichnete sich durch Reichtum und geistige Tüchtigkeit aus.[13] Leopold wurde 1095/96 geboren und starb 1136. Er war anfänglich ein Anhänger von Heinrich IV. bis er sich dann 1105 auf die Seite von Heinrich V. schlug. Er heiratete 1106 die verwitwete Schwester Agnes von Heinrich V..[14]

[...]


[1] HAVERKAMP, Alfred: Gebhard, Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 5: Zwölftes Jahrhundert 1125-1198, Stuttgart10 2003, S. 56f., im Folgenden zitiert als „HAVERKAMP: Handbuch“.

[2] KELLER, Hagen: Schwäbische Herzöge als Thronbewerber: Hermann II. (1002), Rudolf von Rheinfeld (1077), Friedrich von Staufen (1125). Zur Entwicklung von Reichsidee und Fürstenverantwortung, Wahlverständnis und Wahlverfahren im 11. Und 12. Jahrhundert, in : Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 131 |NF92| (1983), S. 123.

[3] PETKE, Wolfgang: Lothar von Süpplingenburg 1125-1137, in: Kaisergestalten des Mittelalters, Hg. v. BEUMANN Helmut, München 1984, S. 155, im Folgenden zitiert als „PETKE: Lothar“.

[4] ALTHOFF, Gerd: Heinrich V. (1106-1125), in: Die Deutschen Herrscher des Mittelalters, Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519), Hg. v. SCHNEIDMÜLLER Bernd und WEINFURTER Stefan, München 2003, S. 200.

[5] SPEER, Lothar: Kaiser Lothar III. und Erzbischof Adalbert I. von Mainz, eine Untersuchung zur Geschichte des deutschen Reiches im frühen zwölften Jahrhundert (=Dissertation zur mittelalterlichen Geschichte 3), Köln-Wien 1983, S. 51, im Folgenden zitiert als „SPEER: Kaiser Lothar“.

[6] SPEER: Kaiser Lothar, S. 59.

[7] VONES, Ludwig: Der gescheiterte Königsmacher. Erzbischof Adalbert I. von Mainz und die Wahl von 1125, in: Historisches Jahrbuch 115 (1995), S. 87f., im Folgenden zitiert als „VONES: Der gescheiterte Königsmacher“.

[8] KALBFUSS, Hermann: Zur Entstehung der „Narratio de electione Lotharii“, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Bd. 31, Innsbruck 1910, S. 547.

[9] Reg. Imp. 2 IV, 1,1, Nr. 92, 24. August – 2. September 1125.

[10] MGH SS 12, S. 510, cap. 1, Z. 11-14, im Folgenden zitiert als „Narratio“.

[11] Narratio, cap. 1, Z. 14f..

[12] Narratio, cap. 1, Z. 17-20.

[13] Narratio, cap. 2, Z. 25-31.

[14] DIENST, Heide: Art. Leopold III. d. Hl., Markgraf von Österreich (†1136), in : Lexikon des Mittelalters, Bd. V, München/Zürich 1991, Sp. 1899.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Wahl Lothars III. zum König. Die Beteiligten und ihr Verhalten
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters)
Veranstaltung
Königtum nach dem Investiturstreit (1125-1190). Herrschaftsgrundlagen, Legitimation, Handlungsmöglichkeiten
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V306125
ISBN (eBook)
9783668040366
ISBN (Buch)
9783668040373
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahl, Lothars, 1125, Quelle, narratio de electione Lotharii, Königswahl, Mittelalter
Arbeit zitieren
Cornelia Geisler (Autor), 2010, Die Wahl Lothars III. zum König. Die Beteiligten und ihr Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306125

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