Mehr¬Sinn® Geschichten sind Märchen, Sagen, Bibelgeschichten oder frei erfundene Geschichten, die nicht nur vorgelesen und erzählt werden, sondern sinnlich wahrgemacht sind. Dem/der Zuhörer/in wird die Geschichte oder das Märchen mittels visuellen, auditiven, olfaktorischen, gustatorischen oder taktilen Reize erfahrbar gemacht. In der Regel werden bereits bestehende Märchen oder Geschichten inhaltlich zusammengefasst und didaktisch neu aufgearbeitet. Dabei wird der Inhalt in circa zwölf Kernaussagen zusammengefasst und verschriftlicht. Diese werden dann in kurzen Sätzen vorgelesen. Für jede mehr¬Sinn® Geschichte wird eine hölzerne Kiste angefertigt.
Märchen und Geschichten sind für Kinder und Erwachsene von großer Bedeutung. Sie werden von Generation zu Generation weitererzählt und ein transgenerationaler Austausch findet statt. Dadurch bringen sie die Menschen näher zusammen, schaffen einen Dialog, transportieren Botschaften, ermöglichen ein soziales Miteinander und erhalten das kulturelle Erbe. Geschichten und Märchen vermitteln Regeln, Normen und Wertvorstellungen. Ihr Erzählen hat nicht nur kulturelle und soziale Funktionen, sie wirken auf den/der Erzähler/in und Zuhörer/in auch identitätsbildend. Gleichzeitig dienen sie der Selbstentfaltung da, sie die Phantasie anregen (Fornefeld 2013, 23).
Geschichten und Märchen sind für die Entwicklung von Kindern von großer Bedeutung. Bis in das hohe Alter spielen sie eine wichtige Rolle, denn durch das gemeinsame Erzählen werden die Inhalte und Botschaften greifbar gemacht. Eine besondere Form des Geschichtenerzählens sind die mehr¬Sinn® Geschichten. Sie richten sich in erster Linie an Menschen, die aufgrund einer Behinderung Einschränkungen im Bereich der Kognition und Kommunikation haben (Fornefeld o.J., 6 f).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mehr ¬ Sinn® Geschichten
2.1 Was mehr ¬ Sinn® Geschichten sind
2.2 Der Grundgedanke dahinter
2.3 Entwicklung und Entstehung
2.4 Zielgruppe
3 Wie mehr ¬ Sinn® Geschichten erzählt werden
3.1 Vorbereitung
3.2 Durchführung
4 Die mehr ¬ Sinn® Geschichte „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen
4.1 Benötigte Materialien
4.2 Regieanleitung
4.3 Regieheft
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der "mehr ¬ Sinn® Geschichten" als pädagogische Methode, um Menschen mit kognitiven und kommunikativen Beeinträchtigungen den Zugang zu Literatur und kultureller Teilhabe zu ermöglichen. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich dabei mit der theoretischen Fundierung des Konzepts sowie der praktischen Umsetzung bei der Entwicklung und dem Erzählen solcher Geschichten.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte des "mehr ¬ Sinn®"-Konzepts
- Ressourcenorientierte Förderung durch multisensorisches Erleben
- Anforderungen an die Vorbereitung und Durchführung von Geschichten-Erzählungen
- Entwicklung und Regie eines spezifischen Fallbeispiels ("Das hässliche Entlein")
Auszug aus dem Buch
4.1 Benötigte Materialien
Für die Durchführung und Gestaltung dieser mehr ¬ Sinn® Geschichte wurden einige Requisiten und Materialien zusammengetragen, die den Inhalt der Geschichte nicht nur symbolisch widerspiegeln, sondern auch begreiflich und erlebbar machen sollen. In erster Linie werden damit die optischen, sensorischen und auditiven Sinnesreize angesprochen. Die dazugehörigen Materialen sind: eine gelbe Kerze, ein Vogelnest, eine weiße Feder, graue Stahlwolle, ein gelbes kleines Plüschkücken, eine Plasteschale, ein Busch aus Kunstgras, fünf Eier, ein Fächer und eine CD mit Vogelgesang.
Die gelbe Kerze wird zu Beginn der mehr ¬ Sinn® Geschichte angezündet, um Harmonie zu verbreiten. Mit diesem Anfangsritual soll der/die Zuhörer/in in eine angenehme und entspannte Lage versetzt werden. Die gelbe Farbe soll dazu beitragen. Die brennende Kerze vermittelt das Gefühl von Vertrautheit. Gleichzeitig ist es das Signal dafür, dass die mehr ¬ Sinn® Geschichte beginnt und beide Teilnehmer/innen in das Reich der Märchen und Sagen eintauchen.
Das Nest besteht aus dem Naturmaterial Stroh und Heu und ist am Boden etwa handtellergroß. Das Material fühlt sich trocken an. In dem Nest befinden sich die Vogeleier. Die Eier selbst bestehen aus Holz und sind an ihrer Oberfläche sehr glatt geschliffen. Es gibt drei große und zwei kleinere Eier. Alle fünf haben die gleiche Form und eine hellbraune Farbe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Märchen für die transgenerationale Kommunikation und identitätsbildende Prozesse und führt in die spezifische Erzählform für Menschen mit Behinderung ein.
2 Mehr ¬ Sinn® Geschichten: Dieses Kapitel erläutert das Konzept, den Grundgedanken der gesellschaftlichen Teilhabe sowie die Entstehungsgeschichte der Methode unter wissenschaftlicher Begleitung.
3 Wie mehr ¬ Sinn® Geschichten erzählt werden: Es werden praxisnahe Hinweise zur Schaffung einer geeigneten Erzählatmosphäre, zur Vorbereitung der Requisiten und zur methodischen Durchführung gegeben.
4 Die mehr ¬ Sinn® Geschichte „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen: Dieser Abschnitt umfasst die detaillierte Darstellung der benötigten Materialien, eine Regieanleitung für das Erzählen sowie das spezifische Regieheft für das Märchen.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert den kreativen Prozess der Erstellung und betont das Potenzial der Methode für die Lebensqualität und soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung.
Schlüsselwörter
mehr ¬ Sinn® Geschichten, Sonderpädagogik, geistige Behinderung, Inklusion, multisensorisches Erzählen, Märchen, kulturelle Teilhabe, Basale Förderung, Erzählkiste, Pädagogik, Requisiten, Kommunikation, Sinnesreize, Kognition, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer speziellen Methode des Geschichtenerzählens, die darauf abzielt, Menschen mit schweren Beeinträchtigungen durch den Einsatz von Sinnen Märchen und Geschichten zugänglich zu machen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die pädagogische Bedeutung von Geschichten, das Konzept der mehr ¬ Sinn® Geschichten, Anforderungen an die Erzählsituation und die praktische Erarbeitung eines konkreten Märchenbeispiels.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Aufbau einer mehr ¬ Sinn® Geschichte zu erläutern und zu zeigen, wie durch diese Erzählform eine gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe für Menschen mit Behinderung realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine praxisorientierte Analyse des Konzepts vorgenommen, ergänzt durch die Entwicklung eines eigenen Regiehefts und die Auswahl entsprechender Materialien nach didaktischen Standards.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Definition der Methode, der Rolle der Requisiten, der Vorbereitung der Erzählatmosphäre und der konkreten Anwendung am Beispiel von "Das hässliche Entlein".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Inklusion, multisensorisches Erzählen, Teilhabe und Sonderpädagogik beschreiben.
Warum wird für "Das hässliche Entlein" ausgerechnet Stahlwolle verwendet?
Die graue Stahlwolle dient als haptischer Kontrast zu den weichen, schönen Elementen und symbolisiert die "Hässlichkeit" und die schmerzhaften Erfahrungen, die das Entlein im Märchen durchlebt.
Welche Funktion hat die brennende Kerze zu Beginn?
Die Kerze fungiert als Teil eines Anfangsrituals; sie schafft eine ruhige, vertraute Atmosphäre und dient als klares Signal für den Beginn der Geschichte.
- Citation du texte
- Sebastian Selzer (Auteur), 2015, mehr¬Sinn® Geschichten. Sinnlich erfahrbare Geschichten für Menschen mit eingeschränkter Kognition und Kommunikationsfähigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306136