Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Romanfigur Werther aus Johann Wolfgang von Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werther“. Primär wird hinterfragt, ob Werthers Selbstmord Flucht oder Lösung ist. Auch gilt zu klären, ob die Liebe zu Lotte das einzige Selbstmordmotiv ist. Die Beantwortung der Fragestellung erfolgt in mehreren Kapiteln. Um den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, wird zu Beginn der Arbeit Werthers Situation anhand des chronologischen Ablaufs des Romans geklärt. Anschließend werden kapitelweise Gründe für seine Selbstmordgedanken analysiert. Hierbei spielen sein Verhältnis zur Mutter und zu Lotte eine wesentliche Rolle. Auch seine Haltung zur Natur und Gesellschaft ist entscheidend für die Beantwortung der Fragestellung. Daneben wird Werthers Innenleben untersucht, um die Beweggründe für seinen Suizid festzustellen. Die zentrale Frage nach dem Selbstmordmotiv wird in einer abschließenden Zusammenfassung im Schlussteil beantwortet.
Im 1774 erschienenen Briefroman stellt Goethe einen jungen Menschen dar, „der mit einer tiefen reinen Empfindung [...] sich in schwärmende Träume verliert, sich durch Spekulation untergräbt, biss er zuletzt durch dazutretende unglückliche Leidenschaften, besonders eine endlose Liebe zerrüttet, sich eine Kugel vor den Kopf schiesst“, so verkündet es Goethe dem Schriftsteller Gottlieb F.E. Schönborn 1774.
In seinen Briefen dreht sich alles „um seine eigene Person [...] und dabei besonders um sein Herz und seine Seele“. Werther ist der einzige Charakter, dessen Gefühlen der Leser Glauben schenken darf, weil er die Gemütsbewegungen anderer Charaktere aus seiner Sicht schildert. Da viele Menschen mit Gefühlen, wie Liebesschmerz und Sehnsucht vertraut sind und somit die Situation Werthers nachempfinden können, eignet sich diese Thematik als Untersuchungsgegenstand einer Hausarbeit. Auch die Selbstmordgedanken, die Goethe durch dieses Werk bei Lesern seiner Zeit bestärkt hat, geben Anlass sich mit dieser Thematik näher auseinanderzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Werthers Situation
2.2 Werthers Verhältnis zu der Gesellschaft
2.2.1 Werthers Verhältnis zu der Mutter
2.2.2 Werther Innenleben
2.3 Unerfüllte Liebe
2.4 Die Natur als Ausgleich
2.5 Werthers Selbstmord-Flucht oder Lösung?
3. Schlusswort
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und sozialen Hintergründe der Titelfigur Werther in Johann Wolfgang von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, um zu klären, ob dessen Suizid primär als Flucht oder als bewusste Lösung aus einer ausweglosen Situation zu verstehen ist.
- Analyse der Werther’schen Persönlichkeit und seiner sozialen Isolation.
- Untersuchung des Einflusses familiärer Prägungen, insbesondere der Mutter-Sohn-Beziehung.
- Evaluation der Rolle von Natur und Literatur als (gescheiterte) Kompensationsmechanismen.
- Kritische Betrachtung der unerfüllten Liebe zu Lotte als zentrales Motiv.
- Reflektion über die gesellschaftlichen Zwänge und das Scheitern individueller Freiheitsbestrebungen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Werthers Verhältnis zu der Gesellschaft
„Ich hab allerley Bekanntschaft gemacht, Gesellschaft hab ich noch keine gefunden. Ich weiß nicht, was ich anzügliches für die Menschen haben muß, es mögen mich ihrer so viele, und hängen sich an mich [...] Wenn du fragst, wie die Leute hier sind? muß ich Dir sagen: wie überall! Es ist ein einförmig Ding um’s Menschengeschlecht“.8
Nach seiner Flucht aus der ungeliebten Stadt lernt Werther viele Menschen kennen, die seine Gesellschaft sehr schätzen. Für ihn, der Gleichgültigkeit gegenüber dieser Bekanntschaften empfindet, ist die Lebensweise der Mitmenschen absurd und unbegreiflich. In einem Brief vom 15. Mai kritisiert er, dass Verhältnis zwischen den Gesellschaftsklassen: „Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom gemeinen Volke halten, als glaubten sie durch Annäherung zu verlieren [...]“.9
Gegenüber dem Bürgertum empfindet Werther eine gewisse Abneigung, die in der Beziehung zu seinem Gegenspieler Albert deutlich wird. Diese Abneigung zeigt sich im Streitgespräch über die Selbstmordgedanken, die Werther plagen. Werther kritisiert, dass die Menschen „um von einer Sache zu reden, gleich sprechen [müssen]: Das ist thörig, das ist klug, das ist gut, das ist bös!“10 Die gesellschaftlichen Zwänge, denen das Volk unterliegt, kann Werther nicht verstehen, da er sie als Fluchtmechanismus identifiziert: „Es ist ein einförmig Ding um‘s Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den grösten Theil der Zeit, um zu leben, und das Bisgen, das ihnen von Freyheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um’s los zu werden.“11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Romanfigur Werther vor und definiert die zentrale Forschungsfrage, ob der Selbstmord der Figur als Flucht oder Lösung zu interpretieren ist.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert schrittweise die verschiedenen Einflussfaktoren auf Werther, darunter sein soziales Umfeld, sein Innenleben sowie seine ambivalenten Beziehungen zur Natur und zu Lotte.
2.1 Werthers Situation: Dieses Kapitel zeichnet den chronologischen Verlauf der Briefe nach und beschreibt, wie Werther zunehmend den Bezug zur Realität verliert und in die Verzweiflung abgleitet.
2.2 Werthers Verhältnis zu der Gesellschaft: Hier wird untersucht, wie Werthers Unfähigkeit, sich in die gesellschaftlichen Strukturen einzuordnen, zu seiner Isolation und inneren Entfremdung führt.
2.2.1 Werthers Verhältnis zu der Mutter: Das Kapitel beleuchtet die distanzierte Mutter-Sohn-Beziehung und deren Bedeutung für Werthers Suche nach einem Mutterersatz in der Gestalt von Lotte.
2.2.2 Werther Innenleben: Diese Analyse widmet sich der Selbstfixierung Werthers und seinem Rückzug in eine eigene Welt, die durch Literatur und Träume geprägt ist.
2.3 Unerfüllte Liebe: Der Abschnitt konzentriert sich auf die destruktive Dynamik zwischen Werther und Lotte, die durch Eifersucht und ein unrealistisches Wunschbild dominiert wird.
2.4 Die Natur als Ausgleich: Hier wird dargelegt, warum die Natur für Werther trotz anfänglicher Begeisterung keinen nachhaltigen Ausweg aus seiner psychischen Krise bieten kann.
2.5 Werthers Selbstmord-Flucht oder Lösung?: Dieses Kapitel fasst das Fluchtverhalten der Romanfigur zusammen und diskutiert, inwiefern der Suizid als bewusste Entscheidung oder als Scheitern wahrgenommen wird.
3. Schlusswort: Das Schlusswort zieht das Resümee, dass der Selbstmord als Folge eines langen, von psychischer Instabilität begleiteten Fluchtprozesses zu sehen ist.
4. Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der wissenschaftlichen Hausarbeit aufgeführt.
Schlüsselwörter
Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Briefroman, Selbstmord, Flucht, Lösung, Gesellschaft, Natur, Unerfüllte Liebe, Isolation, Lotte, Mutter-Sohn-Beziehung, Psychologie, Suizidmotiv, Gefühlswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Motiven hinter dem Suizid der Romanfigur Werther in Goethes „Die Leiden des jungen Werther“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind soziale Ausgrenzung, die Mutter-Sohn-Beziehung, die Rolle der Literatur und Natur sowie die obsessiven Liebesgefühle der Hauptfigur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob der Suizid Werthers eine bewusste Lösung seiner Konflikte oder lediglich die letzte Stufe eines fluchtartigen Verhaltens darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbezug von Sekundärliteratur zur psychologischen Einordnung der Figur vorgenommen.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sozialen Umgebung, der familiären Hintergründe sowie der psychologischen Fluchtmechanismen (Natur, Literatur, Liebe) Werthers.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Publikation am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Werther, Selbstmord, Flucht, soziale Isolation, Psychologie und unerfüllte Liebe.
Welche Rolle spielt die Mutter-Sohn-Beziehung für Werther?
Die Arbeit deutet an, dass die distanzierte Beziehung zur Mutter dazu führte, dass Werther in Lotte eine Art Mutterersatz und Idealbild suchte, dessen Scheitern sein Handeln beeinflusste.
Ist der Suizid laut Autorin oder Autor als "Lösung" zu betrachten?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Suizid das Ende eines langfristigen, durch psychische Labilität geprägten Fluchtprozesses darstellt und somit keine reife Lösung der Konflikte ist.
- Citation du texte
- Valeria Konovalova (Auteur), 2015, Das Selbstmordmotiv in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“. Der Selbstmord als Flucht oder Lösung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306141