Der Adoleszenzroman fokussiert insbesondere die Leserschaft, die sich inmitten dieses Stadiums befindet. Ziel eines Autors ist meistens, dass Entwicklungsaufgaben und die damit einhergehenden Verhaltensweisen so dargestellt werden, wie sie von Kindern und Jugendlichen durchlebt werden. Doch inwiefern kann ein Mensch als Repräsentant für grundsätzliche Phänomene der Adoleszenz geltend gemacht werden? Es erscheint paradox, dass sich der größte Teil der jugendlichen Leserschaft in Protagonisten aus Kinder- und Jugendliteratur wiederfinden kann.
Diese Besonderheit wird mittels verschiedener Konzepte der Entwicklungspsychologie begründet. Unter Berücksichtigung der allgemein bekannten Forschungsergebnisse gelingt es den Entwicklungspsychologen, jugendspezifische Verhaltensweisen sowie Denkstrukturen wissenschaftlich zu begründen. Für diese Arbeit bedeutet dieser Wissenszuwachs eine grundlegende Parallele zwischen Jugendromanen und Entwicklungspsychologischen Modellen.
Es stellt sich die Frage, inwiefern einige entwicklungspsychologische Konzepte im Adoleszenzroman umgesetzt werden. Hierfür bedarf es eines beispielhaften Exemplars, welches sich aus dem Jugendroman „Luke und Jon“ von Robert Williams ergibt. Zum einen erscheint es verwunderlich, dass der Protagonist trotz seiner Außenseiterolle als Galionsfigur für die typische Jugendlichkeit fungiert. Deswegen sollen die kennzeichnenden Verhaltensweisen der Hauptfigur im Verhältnis zur Adoleszenzzeit ermittelt werden. Zum anderen bieten die klassischen Modelle der Entwicklungspsychologie viel Auslegungsspielraum bezüglich ihrer Richtigkeit.
Es soll ein Eindruck vermittelt werden, inwieweit klassische psychologische Modelle das globale Bewusstsein der modernen Welt beeinflussen. Schlussendlich hat sich die folgende Fragestellung ergeben: Inwiefern sind entwicklungspsychologische Konzepte im Adoleszenzroman „Luke und Jon“ vertreten?
Der Aufbau dieser Thesis konzipiert sich zuerst aus einer Definitionsübersicht. Es folgt eine kurze Darbietung des zu behandelnden Romans „Luke und Jon“ sowie eine Übersicht der Kennzeichen von Adoleszenzromanen. Anschließend ergibt sich die vertiefende Illustration der vier wichtigsten Modelle der Entwicklungspsychologie, woraufhin ein weiteres Kapitel dieses Wissen durch zusätzliche, modernere Konzepte erweitert. Im Zentrum der Bachelor Thesis steht die detaillierte Analyse der Leitfrage, welche die Bewertung des charakteristischen Profils des Protagonisten Luke einbindet.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMAUFRISS
2. DEFINITIONEN
2.1 Zum Begriff Entwicklungspsychologie
2.2 Zum Begriff Adoleszenz
2.2.1 Stanley Hall
2.3 Zum Begriff Adoleszenzroman
3. DER ADOLESZENZROMAN „LUKE UND JON“
3.1 Kennzeichen des Adoleszenzromans
4. KLASSISCHE ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE VON CHARLOTTE BÜHLER
4.1 Jugendpsychologie von Charlotte Bühler
4.1.1 Exkurs: Tagebuchauszug
4.2. Das jugendliche Seelenbild von Eduard Spranger
4.3 Jugendpsychologie von William Stern
4.4 Psychoanalytischer Ansatz von Sigmund Freud
5. ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE MODELLE
5.1.Psychosoziale Entwicklung von Erik H. Erikson
5.2 Theorie von Peter Blos
5.3 Richard M. Lerner
6. ANALYSE
6.1 ,,Luke und Jon" als Adoleszenzroman
6.2 Sturm-und-Drang These am Beispiel ,,Luke und Jon"
6.3 Klassische Entwicklungspsychologie in ,,Luke und John"
6.4. Weitere Konzepte am Beispiel ,,Luke und Jon"
7. ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen klassischen und modernen entwicklungspsychologischen Konzepten und deren Umsetzung im Adoleszenzroman „Luke und Jon“ von Robert Williams. Ziel ist es, durch die Analyse der Hauptfigur Luke aufzuzeigen, wie psychologische Entwicklungsphasen und Verhaltensweisen in der Jugendliteratur literarisch verarbeitet werden.
- Grundlagen der Entwicklungspsychologie und Adoleszenzforschung
- Charakteristika des Adoleszenzromans als literarische Gattung
- Anwendung klassischer Theorien (Bühler, Spranger, Stern, Freud) auf fiktionale Charaktere
- Analyse von Identitätsfindung, Kontrollverlust und der Rolle von Kunst und Kreativität
Auszug aus dem Buch
4.1 Jugendpsychologie von Charlotte Bühler
Der menschliche Lebenslauf folgt einer inneren Gesetzmäßigkeit. Der Jugendliche verfolgt demnach einen „Entwicklungsinn“. Jeder Mensch strebt in seiner Entwicklung auf ein bestimmtes Stadium der Vollkommenheit oder des „reifen Erwachsenen“. Die Jugendzeit ist somit ein wichtiger Abschnitt auf diesem Weg.
Bühler benutzt anstelle von großen empirischen Studien Tagebücher von Bekannten, um zu belegen, dass Tagebuchschreiben als jugendspezifische Tätigkeit betrachtet werden sollte. Im Allgemeinen beobachtet sie, dass der Mensch weder vor der Jugendzeit noch danach Tagebuch schreibt. Bei Jungen liegt der Gipfel des Schreibens zwischen 15-18 Jahren. Bei Mädchen bereits schon ab 14 Jahren. Der Beginn und das Ende dieser Schreibpraxis machen sichtbar, dass das Tagebuchschreiben tatsächlich ein jugendspezifisches Phänomen ist. Der Stellenwert dieser Schreibpraxis findet seine Begründung in der Tatsache, dass ein Mensch den Trieb verfolgt sich über sein Leben auszusprechen. Es erfüllt einen Jugendlichen seine Erlebnisse aufbewahren zu können und ohne Wechselrede mit einem echten Menschen agieren zu können. Jugendliche in diesem Alter verfolgen die Sehnsucht nach Isolierung und Einsamkeit sowie nach einer Möglichkeit sich im Stillen mit Fragen beschäftigen zu können. Grundcharakteristika der Pubertät können teilweise mit einer Tagebuchführung befriedigt werden. Bühler beschreibt das Phänomen damit, dass der Isolierungsprozess den Jugendlichen aus seiner eigengeschlechtlichen Position heraus treibt und zur biologischen Reproduktionsfähigkeit führt. Diese innere Isolierung eines Jugendlichen kann laut Bühler auch durch Kunst ausgedrückt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMAUFRISS: Einführung in die Thematik der Adoleszenz, die Relevanz des Adoleszenzromans und Definition der Forschungsfrage.
2. DEFINITIONEN: Klärung der zentralen Begriffe wie Entwicklungspsychologie, Adoleszenz und Adoleszenzroman für den theoretischen Rahmen der Arbeit.
3. DER ADOLESZENZROMAN „LUKE UND JON“: Vorstellung des Romans und Einordnung der zentralen Themen wie Außenseitertum, Sucht und kreative Bewältigungsstrategien.
4. KLASSISCHE ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE VON CHARLOTTE BÜHLER: Theoretische Darstellung klassischer Modelle zur Jugendpsychologie, insbesondere unter Einbezug von Selbstreflexion und Kulturaneignung.
5. ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE MODELLE: Ergänzung um modernere psychologische Ansätze, darunter Eriksons psychosoziale Entwicklung und Lerners Modell zur Selbststeuerung.
6. ANALYSE: Anwendung der zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte auf den Roman „Luke und Jon“ und den Protagonisten Luke.
7. ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG: Resümee der Ergebnisse und Beantwortung der Leitfrage hinsichtlich der psychologischen Fundierung im Adoleszenzroman.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Entwicklungspsychologie, Adoleszenzroman, Luke und Jon, Identitätsfindung, Initiationsreise, Sturm und Drang, Charlotte Bühler, Erik H. Erikson, Psychologie der Jugend, Kontrollverlust, Tagebuchschreiben, Identitätskrise, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern psychologische Theorien der Adoleszenz in dem Jugendroman „Luke und Jon“ von Robert Williams wiederzufinden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Prozess des Erwachsenwerdens, die Identitätsfindung, der Umgang mit Lebenskrisen sowie die Bedeutung von Kunst als Bewältigungsmechanismus.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Inwiefern sind entwicklungspsychologische Konzepte im Adoleszenzroman „Luke und Jon“ vertreten?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der klassische und moderne entwicklungspsychologische Modelle (u.a. von Bühler, Spranger, Freud, Erikson) auf einen fiktionalen Text angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der psychologischen Modelle und eine detaillierte textbezogene Analyse des Romans „Luke und Jon“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Adoleszenz, Entwicklungspsychologie, Identitätsfindung, Initiationsreise, Sturm und Drang, Kontrollverlust und Adoleszenzroman.
Wie erklärt die Arbeit Lukes Hang zum Zeichnen?
Das Zeichnen wird psychologisch als Ersatz für das Tagebuchschreiben gedeutet und dient dem Protagonisten als Mittel zur inneren Befreiung und Selbstreflexion.
Welche Rolle spielt die „Initiationsreise“ im Roman?
Sie dient als Metapher für den Entwicklungsprozess des Protagonisten, der sein altes Leben hinter sich lässt, um als gereifter Charakter neu zu beginnen.
Wie bewertet die Arbeit den „Kontrollverlust“ des Protagonisten?
Der Kontrollverlust wird als ein wesentliches Merkmal der Adoleszenz identifiziert, das durch unvorhersehbare Lebensereignisse ausgelöst und durch das Akzeptieren von Niederlagen bewältigt wird.
Was schließt die Arbeit über die Relevanz der Modelle?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die klassischen Modelle trotz ihres Alters eine gültige wissenschaftliche Basis bieten, um jugendliches Verhalten zu verstehen und zu erklären.
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- Lisa Jung (Author), 2013, Entwicklungspsychologische Konzepte im Adoleszenzroman „Luke und Jon“ von Robert Williams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306147